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Leitthema 9

  • L9-FS-217Online-Einzelhandel mit Lebensmitteln
    Frau Dr. Alexandra AppelHerr Prof. Dr. Elmar Kulke
    Universität Würzburg, Institut für Geographie und GeologieHumboldt-Universität zu Berlin, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Es erfolgt eine Differenzierung des Online-Lebensmitteleinzelhandels mit neuen Angebotssystemen und Kundengruppen. Innovative Kommunikations- und Liefersysteme lösen das Problem der letzten Meile.

    Exposé

    Gegenwärtig erfolgt ein starkes Wachstum des Online-Lebensmitteleinzelhandels mit einer ausgeprägten Differenzierung der Angebotssysteme und der Nachfragegruppen. Online-Bestellung spezieller Produkte (z.B. Wein aus Frankreich, Käse aus der Schweiz) und Lieferung durch klassische Distributionssystem (z.B. Post) sind etabliert. Daneben baut der filialisierte Lebensmitteleinzelhandel seine Haushaltslieferungen weiter aus. Starken Zuwachs verzeichnen neue Systeme mit individuell zusammengestellten hochwertigen Produkten. Landwirtschaftliche Erzeuger aus dem Umland liefern Gemüsekisten oder Zusammenschlüsse spezialisierter (meist inhabergeführter) Spezialgeschäfte bringen die Waren per E-Bike. Dem gegenüber stehen immer vielfältigere die Systeme nutzende Kundengruppen. Nicht nur wenig mobile Personen, sondern auf ökologische Produkte orientierte Käufer, oder hochwertige Qualitäten präferierende Kunden oder Berufstätige mit wenig Zeit zum Einkauf nutzen diese Systeme. Die digitale Kommunikation ermöglicht nicht nur die individuelle Bestellung, sondern auch Abstimmungen über Lieferzeiten sowie Lieferorte und löst damit das Problem der letzten Meile.

    Räumlich zeigen sich erhebliche Unterschiede in der Art der sich entwickelnden Systeme. Während in den ländlichen Gebieten eher die klassischen Versorgungslieferungen dominieren erfolgt in den städtischen Gebieten eine starke Ausdifferenzierung von Liefersystemen und Kundengruppen. In internationalen Kontexten (z.B. Asiatische Märkte) sind Online-Lebensmittelangebote bereits weit verbreitet und transnationale Lebensmitteleinzelhändler nutzen sie als Markteintritts/-bearbeitungsstrategien. Aber auch die Systeme der Organisation des Online-Lebensmitteleinzelhandels variieren stark. Neben der filialbasierten Kommissionierung einzelner Online-Bestellungen etablieren sich zunehmen Darkstores und stationäre Abholsysteme (z.B. Frankreich), welche mit den mobilen Liefersystemen konkurrieren.

    In der Fachsitzung sollen die neuen Angebotssysteme vorgestellt werden, die sich aus differenzierenden Kundengruppen betrachtet und die räumlichen (z.B. welche Systeme sind wo zu finden), wirtschaftlichen (z.B. welche neuen Anbieter und Warenketten entwickeln sich und wie ist ihr ökonomischer Erfolg), sozialen (z.B. welche Kundengruppen werden angesprochen, wie entwickeln sich Preise) und ökologischen (z.B. wie verändern sich Verkerhbelastungen) Effekte bewertet werden.

  • L9-FS-218Digitalisierung und die Geographien der Mobilität: Zu den Zusammenhängen räumlicher, sozialer und digitaler Mobilitäten
    Frau Dr. Tabea Bork-HüfferHerr Dr. Michael Bauder
    Universität Innsbruck/Institut für GeographieAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg/Humangeographie

    Kurzabstract

    Die Sitzung diskutiert empirische Untersuchungen und theoretische Fassungen der dialektischen Beziehung zwischen Digitalisierung und unterschiedlichen Mobilitäten.

    Exposé

    Nicht erst seit Sheller und Urry’s New Mobilities Paradigm (2006), das durch vielfältige geographische Arbeiten und Konzeptionalisierungen – u.a. zu Immobilitäten – in den vergangenen Jahren ergänzt, erweitert und teilweise infrage gestellt wurde, ist die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Überschneidungen und Wechselwirkungen unterschiedlicher Mobilitäten sowie ihrer Raumwirksamkeiten ein zentraler Gegenstand der Geographischen Mobilitätsforschung. Mehr als 10 Jahre nach der wirkmächtigen Propagierung des New Mobilities Paradigm, lädt diese Sitzung dazu ein, sich den Geographien der Mobilität unter dem Blickwinkel der Digitalisierung zu nähern. Die Session möchte vor allem auf die dialektischen Wechselwirkungen der Digitalisierung mit unterschiedlichen Mobilitätsformen (bspw. räumlichen, sozialen, kommunikativen und imaginären Mobilitäten) fokussieren und sich mit diesen kritisch auseinandersetzen.

    Im Zuge geographischer Diskussionen um die Entwicklung von Mobilitäten werden oft vereinfachend die digitale Kommunikation und Vernetzung als zentrale Ursachen und Faktoren für die Zunahme der Mobilität genannt. Doch die Wechselwirkungen sind weitaus vielschichtiger als oft angenommen: Was sind die tatsächlichen qualitativen Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben? Wie verändert die Digitalisierung die Möglichkeiten und Entscheidungen zur räumlichen Mobilität (bspw. von Migranten, Touristen und Pendlern), die Mobilitätspfade, das Einleben oder Erfahren von Zwischen- oder Zielräumen der Mobilität? Wirkt nur Digitalisierung auf Mobilitäten oder verändern umgekehrt zum Beispiel räumliche oder soziale Mobilitäten die Motive und tatsächliche Nutzung digitaler Medien? Wie beeinflusst die Digitalisierung imaginäre Mobilitäten und die Produktion von Images von Orten der Mobilität?

    Im Rahmen dieser Fragen, daran anschließend und darüber hinausgehend lädt die Fachsitzung Beiträge ein, die sich unter anderem mit

    (1) theoretischen Konzeptionalisierungen der Zusammenhänge von Digitalisierung und Mobilitäten,

    (2) den Einflüssen der Politiken des Raums, strukturellen Grenzen und Rahmenbedingungen (z.B. Infrastrukturen; digitale Steuerung) im Interaktionsfeld Digitalisierung/Mobilitäten und

    (3) empirischen Untersuchungen zu den Zusammenhängen der Digitalisierung und Mobilitätsformen befassen.

    Veranstaltungsformat: Vier Referate mit anschließender Diskussion

  • L9-FS-219Digitalisierung in der geographischen Stadtforschung
    Frau Prof. Dr. Angela HofFrau Prof. Dr. Ulrike Klein
    Universität Salzburg, Fachbereich Geographie und GeologieHochschule Bochum, Fachbereich Geodäsie Fachgebiet: Geoinformatik und angewandte Geodäsie

    Kurzabstract

    Die Sitzung zeigt, welche Daten und Werkzeuge Stadtforscher und Planer für die städtische Umweltanalyse nutzen und welche technologischen Trends sich für die geographische Stadtforschung nutzen lassen

    Exposé

    Während sich ein technologie- und datengetriebener Trend zu benutzerfreundlichen, intuitiven Lösungen für interaktive Erkundung räumlicher und nicht-räumlicher Daten verstetigt (Stichwort location intelligence) wachsen Daten- und Informationsströme und die Menge an Echtzeitdaten. Diese Trends eröffnen neue Möglichkeiten und Herausforderungen raumbezogener Informationsverarbeitung und befördern die Digitalisierung in der geographischen Stadtforschung.

    Die Fachsitzung fragt gezielt nach Aspekten der Digitalisierung in der Stadtforschung und Stadtplanung. Welche Daten und Werkzeuge werden von Stadtforschern und Planern genutzt, um die städtische Umwelt zu analysieren? (Stichwort smart cities, decoding cities) Welche Werkzeuge werden entwickelt und genutzt, um Bürgerinnen und Bürgern die Teilhabe an Planungsprozessen zu ermöglichen (Stichwort smart citizens)? Welche technologischen Trends lassen sich für die geographische Stadtforschung nutzen?

    Willkommen sind insbesondere Beiträge, die digitale Werkzeuge zur Analyse und Visualisierung (Kartographie und Geovisualisierung) und zur räumlichen Simulation für Planungsstrategien entwickeln oder einsetzen. Damit sind zum Beispiel folgende Forschungsansätze gemeint: die datengestützte Aufbereitung räumlicher Entwicklungen auf verschiedenen Maßstabsebenen, sei es als Karteninhalte oder für die interaktive Erkundung räumlicher und nicht-räumlicher Daten; systemorientierte Raumsimulationen; die automatisierte Integration heterogener Geodaten und GIS-Analysen; die Synthese von GIS-Analysen, Kartographie und Geovisualisierung und partizipativen Ansätzen; die Nutzung von Apps zur Erfassung von Bürgerperspektiven und Bürgerinnen und Bürgern die Teilhabe an Planungsprozessen ermöglichen; die Analyse urbaner Dynamiken mit nutzergenerierten Daten. Weitere Beiträge aus dem Themenfeld sind willkommen.
    Wünschenswert ist, dass die Beiträge über die jeweilige theoretische und anwendungsorientierte Fragestellung hinaus reflektieren, wie die Digitalisierung Planung und Verwaltung in Städten und Gemeinden verändert und wie die Stadtforschung diesen angewandt-praktischen Anforderungen begegnet.




  • L9-FS-220Digitalisierungspraktiken in der Stadt: kritische Perspektiven auf Vernetzung, Aneignung, Kontrolle, Demokratisierung
    Frau Prof. Dr. Anke StrüverFrau Prof. Dr. Sybille Bauriedl
    Institut für Geographie, Karl-Franzens-Universität GrazEuropa-Universität Flensburg, Abtlg. Geographie

    Kurzabstract

    Vernetzte, überall und schnell verfügbare digitale Geodaten gehören zum urbanen Lebensalltag. Wie reagieren Stadtnutzer*innen, Stadtregierungen und IT-Konzerne auf diese digitale Transformation?

    Exposé

    Die rasant zunehmende Steuerung und Kontrolle urbanen Lebens und ‘Funktionierens‘ durch digitale Sensoren und deren Vernetzung stellt ein neues Forschungsfeld in der Stadtgeographie dar, das wir entlang von drei strukturierenden Fragen kritisch adressieren möchten:

    (1) Wie hat sich mit der Digitalisierung städtischer Infrastrukturen, der umfangreichen und beschleunigten Verknüpfung von Echtzeitdaten und der allzeit mobilen Verfügbarkeit von Geoinformationen das Leben in Städten gewandelt?

    (2) Welche sozialräumlichen Nutzungsveränderungen beobachten wir derzeit in Städten, die auf den digitalisierten Alltag ihrer Bewohner*innenzurückgehen?

    (3) Welchen Einfluss haben große IT-Konzerne auf die (Um)Gestaltung und das Management von bestehenden Stadtstrukturen?

    Eingebettet wird die Diskussion dieser Fragen in eine grundlegende Auseinandersetzung mit den Raumwahrnehmungen und Raumnutzungendurch digitale Infrastrukturen in Städten, mit den sozialräumlichen und politischen Folgen des Smart City-Konzepts, aber auch mit der Suche nach alternativen und emanzipativen Nutzungen digitaler Infrastrukturen jenseits ökonomischer Verwertungsinteressen.

    Konkret differenzieren möchten wir dafür in Digitalisierungspraktiken, die von Institutionen, Unternehmen und Subjekten ausgehen; fokussieren möchten wir die Effekte für die urbanen Raumnutzungen und rahmen möchten wir diese Überlegungen durch kritische Ansätze zur Unternehmerischen Stadt bzw. aus dem Kontext des Rechts auf Stadt.

    Mit der Sitzung wollen wir Perspektiven der kritischen Stadtforschung zu sozialräumlichen und stadtpolitischen Implikationen von Smart City-Strategien erörtern. Denn die affirmative Stadtforschung betrachtet die„Smart City“ fast ausschließlich als positives Modernisierungsversprechen und untersucht die positiven Potentiale für die Organisation von Städten. Die kritische Stadtforschung zeigt hingegen verpasste Gerechtigkeitschancen als Folge einer unternehmens- und wettbewerbsorientierten Stadtentwicklung auf sowie den Einfluss von Plattform-Ökonomien auf die Nutzung öffentlicher Infrastrukturen. Die kritische Stadtforschung hat sich bisher mit Aspekten wie vernetzte Überwachung, smarter Urbanismus, digital divide, Privatisierung kommunaler Infrastrukturen und Nutzung digitaler Technologien für eine solidarische Stadtentwicklung beschäftigt. Mit der Sitzung wollen wir die verschiedenen Aspekte der Digitalisierungspraktiken differenziert diskutieren und laden zu Kurzvorträgen ein.

  • L9-FS-221Die digitale Transformation von Verkehr und Mobilität in sozial-ökologischer Betrachtungsweise – Auswirkungen auf Raum, Umwelt und Gesellschaft.
    Frau Dr. Annika Busch-GeertsemaFrau Prof. Dr. Barbara Lenz
    Goethe-Universität Frankfurt, Institut für HumangeographieDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), Institut für Verkehrsforschung

    Kurzabstract

    Gegenstand der Beiträge und Diskussion sind die sozialen und ökologischen Auswirkungen, die die durch den digitalen Wandel veränderte Mobilität hat und haben könnte.

    Exposé

    Der technologische Fortschritt verändert unsere Welt in bis dato unbekannter Form, Ausmaß und Geschwindigkeit – dieser „digital turn“ berührt grundsätzlich alle Leitthemen des DKG 2019, wird aber durch das Leitthema „Digitalisierung und Geographie“ in besonderem Maße fokussiert. Gerade im Feld von Mobilität und Verkehr zeigt sich die digitale Transformation bereits jetzt und offenbart im Zuge von Vernetzung und Automatisierung eine Vielzahl von Möglichkeiten und Chancen, aber auch neue Gefahren für Gesellschaft und Umwelt. Die Bereiche, in denen die Wirkungen offensichtlich werden, sind facettenreich:

    – Siedlungsstrukturen, die gebaute Umwelt, städtebauliche Leitbilder, die Aufteilung des öffentlichen Straßenraums: Unsere gebaute Umwelt und Siedlungsentwicklung folgt noch immer dem Leitbild der autogerechten Stadt, auch wenn gerade in Städten die Entwicklung hin zur Stadt der kurzen Wege forciert wird. Doch wie ändern sich Stadt-Land-Verhältnisse, welchen Einfluss hat „digitalisierte Mobilität“ auf den Städtebau und auf die Gestaltung und Verteilung des öffentlichen Raums?

    – Governance: Wer plant und lenkt künftig Verkehr und Mobilität? Welche Rolle kommt hier Big Data zu und Algorithmen, Programmierer*innen und Modellierer*innen, neuen Mobilitätsdienstleistern und digitalen Plattform-Entwickler*innen, aber auch neuen Partizipationsmodellen und bottom-up-Bewegungen? Wie wird die Mobilität von morgen verhandelt und wer verhandelt für wen?

    – Welche Änderungen sind im individuellen Mobilitätsverhalten zu erwarten? Welche Folgen ergeben sich hinsichtlich ökologischer Aspekte? Wird Mobilität effizienter und motorisierter Verkehr weniger und sauberer? Oder stellen sich Reboundeffekte und neue ökologische Ineffizienzen ein und der technologische Fortschritt verläuft auf Kosten der Umwelt?

    Wir laden Wissenschaftler*innen ein, ihre Forschungsergebnisse, ob theoretischer Natur, Szenario-Betrachtungen oder die Untersuchung von konkreten Fallbeispielen betreffend, in unserer Fachsitzung vor- und zur Diskussion zu stellen. Es ist uns dabei ein Anliegen, dass soziale und ökologische Aspekte des vorgestellten Themas reflektiert werden. Für die Sitzungsdauer dieser ‚klassischen Vortragssitzung‘ von insgesamt 90 Minuten planen wir vier Vorträge á 15 Minuten und eine Diskussionszeit von insgesamt 30 Minuten.

  • L9-FS-222Politische Geographien digitaler Medien
    Frau Dr. Elisabeth MilitzHerr Dr. Thilo Wiertz
    Universität BernUniversität Freiburg

    Kurzabstract

    Wie verändern digitale Medien das Verhältnis von Gesellschaft, Macht und Raum? Die Sitzung diskutiert Perspektiven einer politisch-geographischen Medienforschung im digitalen Zeitalter.

    Exposé

    Immer mehr Menschen beteiligen sich über ihre Aktivitäten in sozialen und digitalen Medien an gesellschaftlichen und politischen Prozessen. Dies betrifft die Generierung von (Geo-) Daten, die Verbreitung und Verhandlung von Informationen und Wissen sowie Beiträge zu politischen Debatten. Tweets, Bots und Likes werden zur Währung gesellschaftlicher Diskurse und verändern ihre Dynamik, auf Twitter, Instagram, Facebook & Co. entstehen Produktions- und Aushandlungsorte alltäglicher, auch gewaltvoller, Erfahrungen. Räume digitaler Medien werden dabei nicht nur durch die Inhalte der Beiträge strukturiert, sondern bilden heterogene Gefüge aus Akteur*innen, Algorithmen, Artikulationen und Affekten. Wie sich diese virtuellen Räume konstituieren, welche Beziehungen sie zwischen virtuellen bzw. digitalen und körperlich-materiellen Präsenzen knüpfen und wie sich so die Politik von Gesellschaft und Raum wandelt, möchten wir in dieser Sitzung diskutieren. Wir freuen uns auf Beiträge, die politisch-geographische, feministische und andere kritische Zugänge zu der Erforschung digitaler Räume und Orte entwickeln und nach dem Verhältnis von, inter alia, Materialität, Sprache, Technik, Subjektivität und körperlichem Erleben fragen. Die Beiträge können dabei gerne auf eine oder mehrere der folgenden Fragen Bezug nehmen:

    · Wie lassen sich Verknüpfungen zwischen digitalen und nicht-digitalen Räumen konzeptionell und methodologisch greifen?

    · In welchen Wechselverhältnissen stehen Sprache, Technik, Körper und Affekt in Praktiken der Mediennutzung?

    · Welche Akteurs- bzw. Subjektbegriffe sind geeignet, virtuelle Identitäten und digitale Existenzen zu beschreiben und verstehen?

    · Welche methodologischen Ansätze, Forschungsinstrumente und Analyserahmen aus der qualitativen Sozialforschung oder Ethnographie eignen sich zur Analyse digitaler Räume und Prozesse?

    · Welche Rolle können quantitative digitale Methoden wie Korpuslinguistik, Sentiment Analysis, Machine Learning etc. in einer theoretisch fundierten politisch-geographischen Medienforschung einnehmen?

    · Wie verändern sich Machtverhältnisse in digitalen Räumen? Welche emanzipatorischen oder autoritären Potentiale bestehen in Räumen sozialer Medien? Wie lassen sich diese aktualisieren?

  • L9-FS-223Disruption, Digitalisierung und der Einfluss auf die Zukunft von urbaner Mobilität und Verkehr
    Herr Prof. Dr. Thomas FeldhoffHerr Prof. Dr. Johannes Klühspies
    Ruhr-Universität Bochum, Geographisches InstitutTechnische Hochschule Deggendorf, Institut CERM (Center for Education & Research on Mobility)

    Kurzabstract

    Disruption und Digitalisierung werden die Art und Weise beeinflussen, wie urbane Mobilität zukünftig gesteuert, gesichert und gestaltet wird. Welche Trends erscheinen interessant und förderwürdig?

    Exposé

    Digitalisierung dominiert seit mehreren Jahren die Debatte um Innovationen in Mobilität und Verkehr. Es scheint, als gelte der Digitalisierungstrend als zentraler Schlüssel zur Gestaltung zukunftsfähiger urbaner Mobilität. Innovationssprünge werden als erwartbar benannt, sofern die Chancen der Digitalisierung wahrgenommen würden. Wohl mit Erstaunen blicken europäische Verkehrswissenschaftler hier nach Ostasien, das mit massiven Investitionen in die digitale Infrastruktur voranschreitet– und das Thema von Datenschutz dabei als kaum relevant betrachtet. Die Zukunft der urbanen Mobilität – ist sie also tatsächlich primär digital dominiert? Lassen sich Nutzerbedürfnisse damit abbilden – oder ist Digitalisierung vorallem für Mobilitätsdienstleister vorteilhaft? Was sind Folgen der Digitalisierung aus geographischer Sicht – und welche Handlungsspielräume bestehen für europäische Gestalter?

    Weniger offensiv, aber nicht weniger anspruchsvoll, erscheinen die Verheißungen, welche eine Innovationneuer Mobilitätstechnologien im Verkehr versprechen möchte: Urbane Seilbahnsysteme, städtische Magnetbahnsysteme – wie praxisrelevant und realistisch erscheint dies aus geographischer Sicht? Ist eine Renaissance der Straßenbahn in Städten also nicht hinreichend? Ist Fahrradverkehrsförderung also nicht zielführend genug? Kann Elektromobilität wirklich neue Perspektiven für Mobilität eröffnen – oder wäre es Zeit für wasserstoff- und hybrid-basierte Mobilitätsformen? Auch das in der Stadtgeographie populäre Konzept einer Stadt der kurzen Wege – ist es tatsächlich realistisch, oder nur ein zweckdienlicher Traum? Was sind aus geographischer Sicht Best Practice-Entwicklungen, die als wirklich zukunftsfähig gelten könnten? Was sind planerische Stagnation, Perspektive oder Hype aus verkehrsgeographischer Sicht?

    Im Fokus der klassischen Vortragssitzung stehen anwendungsorientiert ausgerichtete Beiträge, die Mobilitätsinnovationen und Digitalisierungstrends aus verschiedenen Perspektiven thematisieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die auf qualitativen und quantitativen Forschungen oder Abwägungen beruhen, sollen zur Diskussion angeboten werden. Plakative wie provokative Statements zur Zukunft von urbaner Mobilität und Verkehr sind erwünscht.

  • L9-FS-224Raumbezogene Discrete Choice Experimente als (übersehene?) methodische Innovation in der Humangeographie
    Herr Prof. Dr. Marius MayerHerr Dr. Jürgen Meyerhoff
    Universität Greifswald, Institut für Geographie und GeologieTechnische Universität Berlin, FG Landschaftsökonomie

    Kurzabstract

    Discrete Choice Experimente werden in der Geographie vergleichsweise wenig angewandt, trotz des Trends zum Einbezug von GIS. Welche theoretische Fundierung, Chancen und Anwendungspotentiale bestehen?

    Exposé

    Discrete Choice Experimente (DCE) sind seit den 1980er Jahren etablierte methodische Instrumente in Verkehrsforschung, Umwelt- und Ressourcenökonomie sowie Marktforschung. DCE sind eine entscheidungsbasierte Methode zur Analyse von Präferenzen. Die Befragten werden in einem CE gebeten, eines von mindestens zwei unterschiedlichen Szenarien auszuwählen. Jedes der Szenarien ist durch eine Reihe von Eigenschaften beschrieben. Durch die ökonometrische Analyse vieler Auswahlentscheidungen kann der relative Einfluss der Eigenschaften auf das Auswahlverhalten bestimmt werden. Ist eine Eigenschaft ein zu zahlender Geldbetrag, können marginale Zahlungsbereitschaften abgeschätzt werden. Ein wesentlicher Vorteil von DCE ist die große Flexibilität, d.h. es können sowohl Befragungsdaten über hypothetische Szenarien verwendet werden (stated preferences), als auch Daten über reale Auswahlentscheidungen (revealved preferences). DCE eignen sich zudem zur Analyse von trade-offs zwischen verschiedenen, die Entscheidung beeinflussenden Eigenschaften und können zur Simulation von Bewertungen im Fall von variierenden Ausgangseigenschaften eingesetzt werden (z.B. aufgrund politischer Entscheidungen).

    Dennoch ist diese Methode in der geographischen Forschung im deutschsprachigen Raum, aber auch international vergleichsweise wenig präsent. Dies verdeutlicht ein Literaturüberblick im Web of Knowledge®, wo es 2749 Treffer (24.09.2018) zum Suchbegriff „Discrete-choice experiment“ gibt, zur Kombination „Discrete-choice experiment* environmental valuation“ 154 Treffer, zur Verbindung mit „*geography“ aber nur fünf und zu „* economic geography“ sogar nur einen Treffer. Wrigley konstatierte bereits 1982: „The topic remains largely unknown to a surprising number of geographers“ (p. 547).

    In den letzten Jahren zeigt sich ein Trend zu sog. „spatially-explicit“ DCE, d.h. wo konkrete Standorte und räumliche Beziehungen von Probanden in Online-Befragungen mit Hilfe von bspw. auf Open Street Map basierenden Kartentools abgefragt und mit GIS-Anwendungen ausgewertet werden und in die DCE-Berechnungen einfließen (De Valck/Rolfe 2017).

    Aus diesen Gründen zielt diese Sitzung (vier Vorträge samt Diskussion) darauf ab, mögliche Anwendungsbereiche in der humangeographischen Forschung aufzuzeigen, die theoretische Fundierung und Anschlussfähigkeit zu debattieren und insbesondere die Chancen für die Geographie durch den vermehrten Einbezug von GIS und konkreten Verortungen in DCE zu analysieren.

  • L9-FS-225Von der Raumanalysekompetenz bis zur GIS-gestützten Geodatenanalyse: Data Literacy in geographischer Forschung und Lehre
    Herr Dr. Bastian Steinhoff-KnoppFrau Dr. Yvonne von Roux
    Leibniz Universität Hannover, Institut für Physische Geographie und LandschaftsökologieLeibniz Universität Hannover, Institut für Didaktik der Naturwissenschaften und Leibniz School of Education

    Kurzabstract

    Im Kontext der zunehmenden Digitalisierung soll der kritische Umgang mit der wachsenden Verfügbarkeit von (Geo)daten und die Entwicklung einer geographie-spezifischen Data Literacy diskutiert werden.

    Exposé

    Wie alle Wissenschaften muss sich auch das Fach Geographie mit dem Prozess der zunehmenden Digitalisierung auseinandersetzen. Dies schließt die Geographiedidaktik ein, die sich in gleicher Weise mit der steigenden Datenverfügbarkeit in raumbezogenen Kontexten sowie einem kritischen Umgang mit diesen befassen muss. Dabei sind die Innovationen im Bereich digitaler Lehre nicht nur rein technische, sondern didaktische, curriculare und organisatorisch-strukturelle Innovationen, die sich in der universitären und schulischen Ausbildungauswirken (vgl. Hochschulforum Digitalisierung 2015). Der oftmals angemahnte kritische Datenumgang schlägt sich in der Definition der Kompetenz Data Literacy nieder: Nach Ridsdale etal. (2015) ist dies „die Fähigkeit, Daten auf kritische Art und Weise zusammeln, zu managen, zu bewerten und anzuwenden”.

    Die Arbeitsgruppe Curriculum 4.0 des Hochschulforums Digitalisierung empfiehlt die Vermittlung von Data Literacy Kompetenzen an Schulen und Hochschulen. Dabei liegt der Fokus sowohl auf einem konzeptionellen Datenverständnis als auch auf Fähigkeiten in den Bereichen Datensammlung, -management, -evaluation und -anwendung. Lernende sollen fundierte Entscheidungen durch datengestütztes Arbeiten treffen können.

    Die Notwendigkeit der Vermittlung einer Data Literacy im Fach Geographie, insbesondere im Bereich der Raum- und Geodatenanalyse, steigt im Kontext einer zunehmenden Digitalisierung. Dies erfordert eine gute Praxis durch adäquate Vermittlungsstrategien und curriculare Einbindungen in Hochschule und Schule. Dabei muss in der Geographie als Raumwissenschaft der besondere Charakter von Geodaten – die Verknüpfung von Sach- mit konkreten Lage- bzw. Rauminformationen – berücksichtigt werden. Voraussetzung für Raumentscheidungen sind neben dem Verständnis für Raumkonzepte und Geodatenmodelle eine fundierte Raumanalysekompetenz sowie der kompetente Umgang mit Software zur Geodatenanalyse (i.d.R. Geographische Informationssysteme).

    In dieser Fachsitzung begrüßen wir Beiträge zur Data Literacy in geographischer Perspektive. Dazu zählen neben Arbeiten zu Aspekten im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und dem kritischen Umgang mit wachsenden (Geo)Datenmengen auch Studien, die sich konkret mit dem Erwerb von Raumanalysekompetenz oder Data Literacy auseinandersetzen. Beiträge, die didaktische Perspektiven einer Data Literacy und damit verbundene neue Wege zur Gestaltungvon Lehr- und Lernprozessen thematisieren, sind ebenfalls willkommen.

  • L9-FS-226Potenziale der Virtual und Augmented Reality (VR/AR) für die Geographie
    Herr Dr. Dennis EdlerHerr Prof. Dr. Mark Vetter
    Ruhr-Universität Bochum, Geographisches Institut, AG GeomatikHochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Studienbereich Geo

    Kurzabstract

    VR und AR sind Technologietrends, die durch moderne Hard- und Softwarelösungen immer größere Verbreitung genießen und auch für die Forschung und Praxis der Geographie zunehmend von Interesse sind.

    Exposé

    Für traditionell interdisziplinär ausgerichtete Fachdisziplinen wie die Geographie, die an der Schnittstelle von Natur-, Sozial- und Ingenieurswissenschaft verankert ist, stehen im Zuge der modernen, IT-gestützten Methoden ein enormes Potential zur Verfügung. Durch aktuelle Entwicklungen in der 3D-Visualisierung ist es durch moderne VR- und AR-Systeme möglich, eine (foto-realistisch) simulierte oder angereicherte Realität zu erfahren und durch körpereigene Bewegung zusteuern. Dadurch entsteht ein erhöhtes Maß an Immersion und entsprechende Umgebungen können aus der Ego-Perspektive ‚begangen‘ werden. Der Raumwissenschaft Geographie bieten sich Potenziale durch diese neue Formen der Simulation und Anreicherung virtueller Landschaften: Welchen Nutzen haben diese neueren Entwicklungen für die Geographie? Wie lassen sich diese Technologie für die Geographie implementieren? Welche Soft- und Hardware-Werkzeuge sind zielführend? Welche methodischen Defizite gilt es in der Nutzung von simulierten VR- und AR-Umgebungen zu überwinden? Wie kann in der Geomorphologie VR zum Beispiel zur Darstellung der Talgenese dargestellt werden? Oder AR zur Visualisierung früherer Glaziallandschaften? Wie können Witterungsphänomene in der Landschaft sichtbar gemacht werden? Wie können im Zuge des Klimawandels Auswirkungen für bestimmte Räume oder Zeithorizonte geovisualisiert werden? Wie können beispielsweise in der Stadtgeographie bestimmte Angsträume in VR empirisch lokalisiert werden? Welche Potenziale haben VR und AR für die Erstellung von simulierten Laborumgebungen für die Landschaftsforschung? Können VR und AR Bürgerbeteiligungsverfahren anreichern, um Stadtentwicklungsprojekte (bspw. Smart City Solutions) demokratischer zu planen? Welche VR-/AR-Gestaltungsmittel eignen sich ideal als exkursionsdidaktische Mittel?

    Fachinhaltlich und -methodisch könnte der kompetente Umgang zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Präsentation und insbesondere immersiver Nutzung digitaler räumlicher Daten in VR und AR eine wesentliche Schlüsselqualifikation von Geographinnen und Geographen bilden. Sowohl für die geographische Forschung als auch Praxis sind methodische Weiterentwicklungen zur VR-/AR-Modellbildung von Nutzen. Diese Fachsitzung richtet sich an Geographinnen und Geographen aus Forschung und Praxis, die ein aktuelles Projekt – mit inhaltlichem Schwerpunkt in den VR/AR-Methoden in der gesamten Bandbreite der Geographie und ihrer Vermittlung – vortragen möchten.

  • L9-FS-227Anwendungen der Radarfernerkundung in der Geomorphologie
    Herr Dr. Tobias UllmannHerr Prof. Dr. Olaf Bubenzer
    Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Geographie und Geologie, Physische GeographieUniversität Heidelberg, Geographisches Institut, Geomorphologie und Bodengeographie

    Kurzabstract

    Radarfernerkundungsdaten eröffnen neue Perspektiven die dynamischen Prozesse der Erdoberfläche zu erkennen und zu analysieren und sind durch neue Missionen für viele Regionen der Erde freizugänglich.

    Exposé

    Thematische Schwerpunkt – Durch die europäische Sentinel-1 Mission stehen seit Kurzem zeitlich und räumlich hochaufgelöste Radarfernerkundungsdaten für nahezu alle Regionen der Erde freizugänglich zur Verfügung. Dieses umfangreiche Datenarchiv und die geplante Fort- und Weiterführung der Mission eröffnen neue Perspektiven, die dynamischen Prozesse der Erdoberfläche längerfristig zu erkennen, zu beobachten und zu analysieren. Radarfernerkundungsdaten liefern dabei einzigartige Informationen zum Zustand der Erdoberfläche und ihrer Veränderung im zeitlichen Verlauf und bieten zudem komplementäre Informationen zu optischen Fernerkundungssystemen. Die Betrachtung der Erdoberfläche mittels dieser neuen und umfangreichen Daten bietet ein hohes Potential für eine Vielzahl von Fragestellungen der Physischen Geographie, erfordert aber ebenso neuen Nutzungsstrategien und Konzepte der Prozessierung, Interpretation und Analyse.

    Zur Fachsitzung werden Beiträge gesucht, welche Anwendungen von Radarfernerkundungsdaten zu Fragestellungen der Physischen Geographie, insbesondere aus dem Bereich der Geomorphologie, zeigen. Gewünscht sind Vorträge aus allen Themenfeldern der physisch-geographischen Forschung, welche Daten von aktuellen satellitengestützen Radarfernerkundungssystemen -beispielsweise Sentinel-1, TerraSAR-X, TanDEM-X, Radarsat-2 – im Kontext aktueller Forschungsfragen und -projekte verwenden. Die thematischen Schwerpunkte können hierbei unter anderem sein: Verwendung von mutlitemporalen Radardaten in der Kartierung und Klassifikation der Landoberfläche, Ableitung von digitalen Oberflächenmodellen mittels Interferometrie (InSAR), Ableitung von Bewegungsraten und Oberflächenveränderung mittels Feature-Tracking oder Differentieller Interferometrie (DInSAR), Change Detection und Identifikation von Veränderungen der Erdoberfläche durch geomorphologische Prozesse.

    Veranstaltungsformat – Die 90-minütige Fachsitzung erfolgt als Vortragssitzung. Nach einem 10-minütigen Einführungsvortrag sind vier weitere Vorträge zu je 15 Minuten zum Thema mit anschließender Diskussion vorgesehen.

  • L9-FS-228Urban Green – Erfassung, Monitoring und Inwertsetzung von städtischem Grün im Zeitalter von Big Data und COPERNICUS
    Herr Dr. Gotthard MeinelHerr Dr. Michael Wurm
    Leibniz-Institut für ökologische RaumentwicklungDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

    Kurzabstract

    Städtisches Grün stellt wichtige Ökosystemleistungen bereit. Satelliten- und nutzergenerierte Daten erlauben die Analyse und Bewertung von urbanem Grün und die Entwicklung neuer smarter Anwendungen.

    Exposé

    Große Datenmengen spielen in der Betrachtung und Analyse von Städten einer immer bedeutendere Rolle. Die täglich steigende Zahl an Satellitendatenaufnahmen wie z.B. aus dem europäischen COPERNICUS-Programm sowie von Bürgern erhobene Daten (Volunteered Geographic Information, VGI) erlauben heute eine ganz neue Perspektive auf städtische Strukturen. Einen relevanten Baustein urbaner Ökosysteme stellen Grünflächen dar. Sie stellen wichtige Ökosystemleistungen zur Verfügung, die sich positiv auf Stadtklima, Artenvielfalt und Luftqualität auswirken. Die quantitative und qualitative Ausstattung von Städten mit urbanem Grün ist äußerst divers. Dadurch ist die Versorgung der Bevölkerung mit Ökosystemleistungen sehr unterschiedlich. Über neue Daten aus Big Data ist es möglich, sehr detaillierte und auch großflächige, z.B. nationale, Vergleiche der Grünraumausstattung in deutschen Städten durchzuführen.
    Im Rahmen dieser Fachsitzung werden sowohl neue Forschungsansätze zur Analyse von städtischem Grün auf Basis von Big Data vorgestellt als auch Anwendungen präsentiert, welche der lokalen Bevölkerung aber auch der Stadtplanung neuartige Informationen zur Erreichbarkeit und der Nutzung von städtischem Grün liefern.




  • L9-FS-229Von Smart Cities zu Smart Regions – Strategien nachhaltiger Transformation aus angewandter Perspektive
    Herr Dr. Antje MaternFrau Dr. Achim Prossek
    BTU Cottbus-Senftenberg, Fachgebiet RegionalplanungFreie Universität Berlin, Institut für Geographische Wissenschaften

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung diskutiert aus angewandter Perspektive, wie digitale Transformationen in Städten und Regionen planerisch gesteuert werden und welche Erwartungen an räumliche Wirkungen geknüpft sind.

    Exposé

    Die Smart-City-Charta von 2017 definiert die Smart City sehr umfassend. Die Digitalisierung ist demnach nur ein Teil dieser Entwicklung, aber ihr Treiber: Sie soll zum Ausgangspunkt einer umfassenden Transformation von Städten und Regionen werden, dessen Beginn bereits erfolgt ist, während die Ergebnisse kaum abzusehen sind. Um zu gesellschaftlichen und planerischen Zielen (wie z.B. Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz oder räumliche Integration) beizutragen, kommt der Governance der Transformation eine besondere Bedeutung zu; sie legt das Was, das Wie und das Wozu fest. Inhalt, prozessuale Gestaltung und Steuerung sind daher, bezogen auf einen bestimmten Raum, vereint zu betrachten.

    Mit Blick auf aktuelle Smartness-Konzepte wollen wir diskutieren, a) welche Smartness-Verständnisse unterschiedliche Akteure aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft oder Verwaltung in die Konzepte und Leitbilder einbringen; b) welche Konzepte den Weg zu einer höheren Nachhaltigkeit, Lebensqualität oder Ressourceneffizienz weisen; c) wie sie in Stadt und Region verankert sind und d) unter welchen Voraussetzungen sie konzipiert und umgesetzt werden.

    Smartness und digitale Transformation sollen nicht vornehmlich als städtische Herausforderung gesehen werden. Gerade für ländliche und periphere Räume bieten digitale Transformationen Entwicklungspotenziale, die beleuchtet werden sollen. Schließlich können durch Smart-City-Konzepte neue Raumbezüge geschaffen und bestehende Raumbilder verändert werden. Sie sind zugleich mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert, wie z.B. fehlenden Märkten und mangelnden Interessen privatwirtschaftlicher Akteure zur Investition, Beharrungsvermögen der lokalen Bevölkerung oder mangelnde Kompetenzen und Ressourcen der staatlichen Akteure. Wie können also Smartness-Ansätze regionalisiert und smart Regions konzipiert werden, mit welchen Auswirkungen etwa hinsichtlich planerischer Entwicklungsziele in Regionalentwicklung oder Daseinsvorsorge ist zu rechnen? Kommt es zu Konzentration, Dekonzentration oder zu einer Hybridisierung des Raumes, und kann wie dieser Prozess bewertet werden?

    In Referaten mit anschließender Diskussion sollen die skizzierten Aspekte vorgestellt, erläutert und diskutiert werden. Auch theoretische Überlegungen und internationale Beispiele sind willkommen, sollten aber auch im Hinblick auf die Umsetzbarkeit in Deutschland diskutiert werden.

  • L9-FS-230Mündig sein in der Kultur der Digitalität – Herausforderungen für die Geographie und ihre Didaktik
    Herr Christian DorschFrau Jana Pokraka
    Goethe-Universität Frankfurt am MainUniversität Duisburg-Essen

    Kurzabstract

    In einem World Café werden Aspekte des mündigen Handelns an der Schnittstelle zwischen digitalen und analogen Räumen aus fach-(didaktischer) Perspektive diskutiert.

    Exposé

    Am 7. Mai 2018 wurden, bevor sich unten der Demonstrationszug der Pegida-Bewegung formierte, folgende Worte auf die Frauenkirche projiziert: „Durchhalten freundliches Dresden! Ihr seid nicht alleine!“ Die Aktionsgruppe „Reconquista Internet“, die sich hierfür verantwortlich zeigte, versteht sich als Gegenmodell zur rechten Plattform „Reconquista Germanica”, die durch gezielte Aktionen die Diskurse in sozialen Medien beeinflusst. Ziel ist es, die Instrumente des Internets zu nutzen, um rechten Raumkonstruktionen an der Schnittstelle zwischen digitalem und physischem Raum, deren Grenzen zunehmend zu verschwimmen scheinen (Jörissen & Marotzki 2009), etwas entgegenzusetzen.

    „Reconquista Internet“ ist Ausdruck einer „Kultur der Digitalität“ wie sie Felix Stalder (2017) definiert, in der sich immer mehr Menschen „an der Verhandlung sozialer Bedeutung“ beteiligen. Alte kulturelle Ordnungen werden durch die Prinzipien der Referentialität, der Gemeinschaftlichkeit und der Algorithmizität ins Wanken gebracht. Die interessengeleitete Konstruktion von Räumen wird durch die digitale Technologie leichter und wirkmächtiger. Gleichzeitig verweist Messerschmidt (2010) in Bezug auf Adornos Kritik an der Kulturindustrie in dessen Erziehung zur Mündigkeit (1972) auf das Verhältnis zwischen der (Un-)Möglichkeit gesellschaftlicher Emanzipation und einer auf wenige global player beschränkte Digitalwirtschaft hin.

    Hieran anknüpfend möchte sich die Fachsitzung in Form eines World Cafés anhand von Perspektiven aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik mit den Herausforderungen auseinandersetzen, welche die Digitalisierung an Individuum und Gesellschaft vor dem Hintergrund von Mündigkeit und Emanzipation stellt, beispielsweise anhand der Leitfragen: Welche Fähigkeiten sind für ein mündiges Agieren in der Kultur der Digitalität notwendig? Wie wird unser Selbst beeinflusst, wenn wir in digitalen Räumen agieren? Welche Anregungen und Notwendigkeiten ergeben sich hieraus für die Geographiedidaktik?

    Das Worldcafé mit vier Diskussionsschwerpunkten bildet den Rahmen der Sitzung. Die vier Referent*innen führen in 10-minütigen Vorträgen in das von ihnen gesetzte Thema ein und definieren eine Leitfrage für die anschließende Diskussion in rotierenden Kleingruppen. Wir laden daher Interessent*innen sowohl aus den Bereichen Fachwissenschaft als auch Fachdidaktik dazu ein, empirische, theoretische oder unterrichtspraktische Beiträge zum Schwerpunkt bzw. den Leitfragen dieses Abstracts einzureichen.

  • L9-FS-231Geographische Datenwissenschaft – Herausforderungen und AnwendungsfelderGeospatial (Big) Data Science – Challenges and Applications
    Herr Dr. Martin BehnischHerr Prof. Dr. Nguyen Xuan Thinh
    Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)TU Dortmund/Fakultät Raumplanung/Fachgebiet Raumbezogene Informationsverarbeitung und Modellbildung

    Kurzabstract

    Die Geographische Datenwissenschaft (Spatial Data Science) als multidisziplinäres Forschungsfeld gewinnt zunehmend an Bedeutung. Diskutiert werden Herausforderungen und Anwendungsfelder.

    Exposé

    In Zeiten der Verfügbarkeit gewaltiger Datenmengen mit Raumbezug (Spatial Big Data) und den damit verbundenen neuen Herausforderungen gewinnen die Geographischen Datenwissenschaften –Geospatial Data Science – als neues multidisziplinäres Forschungsfeld zunehmend an Bedeutung. Datenwissenschaftliche Methoden und Ansätze fokussieren auf die Phasen des Übergangs von Daten zu Wissen, einschließlich Datenerfassung, Informationsextraktion, Aggregation und Repräsentation, Datenanalyse und -erklärung bis hin zur Wissensgewinnung. Die Fachsitzung diskutiert raumbezogene datenwissenschaftliche Konzepte, Methoden und empirische Analyseergebnisse und steht im Kontext der folgenden Fragestellungen: Auf welche Weise lassen sich raum-zeitliche Probleme unter Verwendung neuer Daten und traditioneller und neuer Werkzeuge lösen? Welche Rolle spielt die smarte Datenvisualisierung für die Entdeckung relevanter Raummuster in Datensammlungen? Inwiefern lassen sich Maschinelle Lernverfahren/Deep Neural Networks auf geographische Daten anwenden, um raumplanungsrelevante/geographische Sachverhalte zu untersuchen? Welche Aufgaben und Herausforderungen bestehen für die Verbindung von Theorie, Experiment und Simulation im Kontext einer datenintensiven Raumwissenschaft? Welche Möglichkeiten bieten datenwissenschaftliche Methoden maßstabs- und raumzeitabhängige Aussagen zu formulieren?

  • L9-FS-232Potenziale und Restriktionen von digitalen Geomedien für die sozialkonstruktivistische Landschaftsforschung
    Frau Corinna JenalHerr Dr. Dennis Edler
    Eberhard Karls Universität Tübingen, Forschungsbereich Stadt- und RegionalentwicklungRuhr-Universität Bochum, Geographisches Institut, AG Geomatik

    Kurzabstract

    Wahrnehmungsbezogene Einflüsse sind bei der Konstruktion von Landschaft von zentraler Bedeutung. Aktuelle digitale Geomedien ermöglichen hier eine Erweiterung des Medienkanons.

    Exposé

    ‚Landschaft‘ wird in sozialkonstruktivistischen Ansätzen der Landschaftsforschung nicht als etwas ‚objektiv‘ Gegebenes gefasst: Das Wissen darüber, was ‚Landschaft‘ sei und welchen Deutungen und (Be)Wertungen sie unterliegt, ist aus dieser Perspektive das Ergebnis ‚sedimentierter Erfahrungen‘, die sich weniger in unmittelbarer Konfrontation mit den physischen Elementen ergeben, sondern vielmehr durch soziale Interaktion mit anderen vermittelt werden. Entsprechend zielen Ansätze sozialkonstruktivistischer Landschaftsforschung auf die empirische Erhebung und Ableitung von individuellen, teilgesellschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen landschaftsbezogenen Deutungs- und Bewertungsmustern. Methodische Restriktionen erfährt die sozialkonstruktivistische Forschungsarbeit beim Einsatz von Medien, wenn etwa bei Befragungen zum Thema ‚Landschaft‘ die verschiedenen physischen Arrangements – etwa in Form von Abbildungen – zumeist lediglich statisch und zweidimensional dargestellt werden können, obwohl aus den Ergebnissen sozialkonstruktivistischer Landschaftsforschung die Bedeutung verschiedenartigster Einflüsse wie Tages-/Nachzeiten, Wetter, Jahreszeiten etc. bei der Bewertung und Interpretation von Landschaften als maßgebliche Größen abgeleitet werden können. Hier klaffte bislang eine methodische Lücke, die es ermöglichen könnte, sich diesem bislang unerschlossenen Bereich forschungsbezogen zu nähern, da bisherige methodische Verfahren kaum zuließen, diese sinnhaft zu erfassen und zu erforschen. Aktuelle Innovationen aus der Entwicklung interaktiver Geomedien, bspw. aus der Kartographie sowie Computer- und Videospielindustrie zur Schaffung animierter (multisensorischer) Karten oder auch ‚begehbarer‘ virtueller Realitäten (VR) erweitern den einsetzbaren Medienkanon für die Landschaftsforschung.

    In der Fachsitzung sollen theoretische wie praktische Potenziale, aber auch Restriktionen durch den Einsatz moderner Geomedien diskutiert werden. Die Fachsitzung soll insgesamt 4 Vorträge (á 15 Minuten) mit anschließenden Diskussion umfassen.

  • L9-FS-233Digitization, “big data” and the new geographies of food
    Herr Dr. Stefan OumaFrau Dr. Sarah Sippel
    Goethe-Universität, Institut für HumangeographieInstitut für Ethnologie

    Kurzabstract

    The session addresses “digitizations” across food chains (e .g. smart farming, blockchain technology), and aims to explore the changing spatiality, sociality and materiality of digital food chains.

    Exposé

    Digitization, “big data” and advanced analytics profoundly reshape the way the food chain operates, opening up new spaces of legibility, control, and value extraction at every node of it. Among others, this includes the proliferation of smart and precision farming technologies at the point of production, the implementation of blockchain technologies that enable buyers to trace their ordered products in real time across the wholefood chain, or the production and harnessing of unseen volumes of consumer databy (online) retailers and other actors interested in selling “stuff”, or the information related to it. Such changes are likely to result in new geographies of food chains.

    While industry players have celebrated these various moments of digitally induced food chain transformation under banners such as agriculture 4.0 or the smart food chain, critics have voiced concerns.These concerns relate to the monetization and commodification of various forms of data along the food supply chain, raising issues of data sovereignty; the spread of oligopolistic practices of a few key data brokers known from other domains of the agtech economy; and the potential for capital to intensify the control over, and extraction of, value from labour and nature.

    The aim of this session is to critically interrogate the risks and opportunities that lie within digital food futures. We invite proposals for papers addressing (but not limited to) one or more of the following aspects of the “digital revolution” across the food chain:

    – Smart farming, precisionfarming, and drone farming

    – Blockchain technologies andtheir impact on supply chain management, logistics, and producer-consumerrelations

    – Silicon Valley goes farming:the rise of AG tech focused venture capital and private equity

    – The tendency foroligopolization in data-based domains of the economy

    – The implications of digitaltechnologies and automation for labour and nature

    – Issues of big data and datasovereignty

    – Environmental footprintmanagement

    – Emergence of closed/privatizedversus open/open source platforms

    – The changing spatiality,sociality and materiality of digital food chains

    – Entry points for digitalpolitical activism and a radicalization of food futures