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Leitthema 8

  • L8-FS-184Das Quartier als Innovationsmilieu?
    Frau Dr. Anna ButzinFrau Prof. Dr. Anna Growe
    Institut Arbeit und TechnikUniversität Heidelberg

    Kurzabstract

    Ziel ist die Analyse von Quartieren als Orte der Innovationsentwicklung und -anwendung. Im Fokus stehen nutzungsgemischte, städtische Quartiere, neue Innovationsakteure und -räume.

    Exposé

    Ziel dieser Session ist es, das Quartier als Ort der Innovationsentwicklung und -anwendung zu analysieren. Im Fokus stehen nutzungsgemischte, städtische Quartiere. Dabei wird von einem breiten Innovationsbegriff ausgegangen, der neue Formen der Innovation – z.B. soziale Innovationen – einschließt und damit auch neue Innovationsakteure – wie die Zivilgesellschaft – berücksichtigt.

    Insbesondere in der Debatte um soziale Innovationen und soziale Unternehmen ist die Bedeutung des Quartiers erkannt. Quartiere bieten Raum für Nischen, in denen neue Ideen erprobt und umgesetzt werden. Sie sind der Kontext, in dem sich soziale Praktiken bündeln und der lokale Ausgang von Veränderungsprozessen sind. Für Unternehmen kann die Ebene des Quartier sein Experimentierfeld und Absatzmarkt darstellen. Hier können neue Produkte und Dienstleistungen aufgrund der großen Marktnähe erprobt und durch direkte Lerneffekte verbessert werden.

    Innovationsorte im Quartier spiegeln die Spanne an Innovationsformen wider. Sie erlauben Experimentieren auf Basis technischer Apparaturen (Fabrication Labs), Ausprobieren oder Entwickeln neuer Ideen in der Wirklichkeit und in neuen sozialen Konstellationen (Living Labs), die Entwicklung sozial-ökologischer Geschäftsmodelle (Social Impact Labs) oder das Entstehen von Innovationsmilieus und Ökosystemen.

    Ein weiterer Fokus der Fachsitzung liegt auf den vielfältigen Akteuren der Innovationsentwicklung und -anwendung. Welche Branchen, Unternehmen, Akteursgruppen und/oder Berufe rücken durch die Einbettung von Innovationsentwicklung und -anwendung in Quartiere in den Fokus?

    Wir heißen Vorträge mit folgender Ausrichtung willkommen:

    – Fallstudien zu Orten der Innovationsentwicklung und -anwendung im Quartier (bspw. zu Fabrication Labs, Living Labs, Social Impact Labs, Reallaboren, Bibliotheken, etc.), wobei ein Fokus auf den Verflechtungen in das Quartier liegen soll.

    – Empirische Arbeiten zu Akteuren (z.B. der Einbindung der Zivilgesellschaft) und die Entstehung von Milieus.

    – Überlegungen zu Fragen wie Innovationsentwicklung und -anwendung räumlich eingebettet ist und welche kleinräumigen Bezüge in Quartieren entstehen.

    – Die Diskussion methodischer Fragen im Zusammenhang mit der Forschung zu Quartieren als Kontext der Innovationsentwicklung und -anwendung (bspw. die Identifizierung von Milieus, Zugänge zu – oftmals geschützten – Orten in den Quartieren und ethische Fragen bei der Beobachtung oder Befragungen).

  • L8-FS-185Mobile Dienstleistungen
    Herr Prof. Dr. Ulrich JürgensHerr Prof. Dr. Peter Pez
    Universität Kiel Geographisches InstitutLeuphana Universität Lüneburg Kulturgeographie

    Kurzabstract

    Personenbezogene mobile Dienstleistungen erleben vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eine Renaissance. Hinterfragt wird, ob und welche dieser Angebote nachhaltigen Erfolg haben.

    Exposé

    Die Thematik zielt auf personenbezogene Dienstleistungen, die sich sowohl im privatwirtschaftlichen als auch im öffentlich-sozialen Segment (wie Büchereien, Ärzte, Pflegedienste) finden. Erfahren einige dieser Dienstleistungen eine Wiederbelebung wie mobile Einzelhändler, entstehen andere vor dem Hintergrund des fortschreitenden demographischen Wandels gerade im ländlichen Raum wie z. B. rollende Sparkassen vollkommen neu. In städtischen Räumen expandieren zudem Lieferservice im Einzelhandels- oder Gastronomiebereich, die unterschiedliche Lifestylesegmente abdecken.

    Hinterfragt wird, ob und welche dieser Angebote nachhaltigen Erfolg haben, wobei Erfolg vor allem im öffentlichen und sozialen Segment nicht (nur) über wirtschaftliche Kriterien zu definieren ist. 1) In welchen zeitlichen, räumlichen, personellen und sachlichen Nischen machen mobile Dienstleistungen Sinn? 2) Wie lässt sich der Erfolg dieser Angebote messen? 3) Welche best case- und worst case-Beispiele existieren aus Nachfrager- oder Unternehmersicht? 4) Inwieweit verdrängen oder ergänzen sich mobile und stationäre Dienstleistungen? 5) Welche Lernpotenziale existieren im Diskurs um mobile Einrichtungen außerhalb Deutschlands?

    Die Vielfalt an Fragen erlaubt einen breiten konzeptionellen, methodischen, kontextualen und vor allem angewandten Zugang, der Themenfelder wie den demographischen Wandel, Lebensqualität, verkehrliche Erreichbarkeit und Logistik, flexible Ausfüllung von Zentralitätslücken oder unternehmerische Innovationen umfasst. GIS-analytische Erreichbarkeitsuntersuchungen mobiler Angebote auf der Makroebene, politisch-planerische governance auf der Mesoebene (Wer will was warum und für wen mit welchen Geldern?) oder empirisch geleitete wirtschafts-und sozialgeographische oder marketingspezifische Untersuchungen auf der Mikroebene sind mögliche Herangehensweisen, um zu einer ehrlichen Evaluation mobiler Dienstleistungen (Wer nutzt sie? Womit kann man unternehmerischen Erfolg erzielen?) zu gelangen.

    Das Veranstaltungsformat erfolgt als Vortragssitzung mit maximal vier erwünschten Beiträgen von je ca. 15-20 Minuten Vortragslänge.

  • L8-FS-186Stadtmodelle und Modellstädte in Asien: Der Kampf um die Deutungshoheit
    Frau Prof. Dr. Frauke KraasFrau Dr. Tabea Bork-Hüffer
    Geographisches Institut, UniversitätGeographisches Institut, Universität Innsbruck

    Kurzabstract

    Die Sitzung diskutiert Ziele, Formen und Instrumente jüngerer Stadtentwicklung in Asien. Neoliberaler Stadtwettbewerb, -marketing und „place making“ bestimmen zunehmend die Stadtentwicklung.

    Exposé

    Im Zuge der rasanten Urbanisierung in Asien entstehen seit zwei Jahrzehnten viele neue Stadtteile, teils neue Städte –zumeist auf dem Reißbrett geplant, teils an großen Vorbildern und Ideen orientiert. Mit dem Kopieren, der Weiterentwicklung und kreativen Adaption „klassischer“ und neuer Vorbilder verbindet sich oft der Wunsch nach Nachahmung und auch des Übertreffens „moderner“ und „postmoderner“ Gestaltungsideale und Statussymbole. Viele Masterpläne greifen dabei auf internationale Ideen zurück –wie das Ideal der Gartenstadt, Leitbilder der auto-orientierten Stadt oder Prinzipien einer „Eco-“, „Low-Carbon-“ oder „Smart City“.

    Machtpolitische Motive wie die Demonstration politischer Eigenständigkeit, Stärke und Vormachtstellung, das Ziel des Imagegewinns auf internationaler Bühne und das Motiv der Konstruktion nationaler Identität leiten die Stadtplanung zunehmend. Auch ökonomische Strategien werden verfolgt, darunter etwa das Ziel, mit Hilfe kreativer Milieus und Angeboten moderner Lebensqualität den Zuzug ausländischer Fachkräfte und die Ansiedlung transnationaler Konzerne zu fördern.

    Multinationale Beratungsfirmen, Architekturbüros, Immobilienkonzerne und internationale Entwicklungshilfe nehmen zunehmend Einfluss auf Stadtplanung; auch unternehmerische Aktivitäten von Staats- und Stadtregierungen tragen zu einer neoliberalgetriebenen Stadtentwicklung bei. Bei der Konstruktion und Vermarktung von Modellen geht es auch darum, sich als Modellvorlage zu inszenieren, damit eigene Unternehmen einen Teil der enormen Gewinnspannen neuer kapitalintensiver Investitionsvorhaben abgreifen können.

    Städtewettbewerb, -marketingund „place making“ orientieren sich zunehmend eher rhetorisch als faktisch an globalen Nachhaltigkeitsprinzipien oder partizipativen Stadtentwicklungsansätzen. Die weltgeschichtlich einmalige Chance, die transformatorische Kraft der Städte und Stadtteile für einen Paradigmenwechsel – hin zu ernst gemeinter Nachhaltigkeit – zu nutzen, wird verspielt. Stadtentwicklungin Asien entwickelt sich zu einem zentralen Feld der Inszenierung, Aushandlungund Konfliktfeld von Deutungs- und Gestaltungshoheit und Führungsanspruch.

    Daher verfolgt die Fachsitzung das Ziel, jüngere Stadtentwicklungsmodelle und -projekte in vergleichender Sicht zu diskutieren und zu bewerten – und dabei neue Erkenntnisse zu den Zielen, Formen und Instrumenten jüngerer Stadtentwicklung in Asien zu generieren.

  • L8-FS-187Vom Tauschen und Teilen – Stadtregionales Landmanagement in Wachstumsregionen
    Frau Dr. Angelika MünterHerr Dr. Thomas Terfrüchte
    ILS - Institut für Landes- und StadtentwicklungsforschungTU Dortmund, Fakultät Raumplanung

    Kurzabstract

    Aus einem transdisziplinären Blickwinkel sollen wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Erfahrungen der Planungspraxis zum stadtregionalen Landmanagements in Wachstumsregionen zusammengeführt werden.

    Exposé

    Siedlungsentwicklung ist ein regionales Thema. Die Auswirkungen neuer Wohn- und Gewerbestandorte überschreiten häufig administrative Grenzen. Der aktuelle Wachstumsdruck in vielen Großstädten erhöht die Notwendigkeit, interkommunale Vorgehensweisen zur Bereitstellung von Wohn- und Gewerbeflächen auszuhandeln, um dem zunehmenden Entwicklungsdruck auf die begrenzte Ressource Land und den damit einhergehenden Nutzungskonflikten zubegegnen. Zudem sind auch Wachstumsregionen häufig durch kleinräumig divergierende Entwicklungen geprägt, die von Wachstum – insbesondere in den urbanen Kernen – über Stagnation bis hin zu aktuellen oder prognostizierten Schrumpfungsprozessen reichen. Dies erschwert Aussagen über zukünftige Flächenbedarfe und verdeutlicht die Notwendigkeit, differenzierte Informationsgrundlagen zu kurz- und langfristigen Wirkungen von Flächennutzungen bereitzustellen, auf deren Grundlage eine stadtregional abgestimmte Siedlungsflächenentwicklung erfolgen kann.

    Diese Fachsitzung soll aus einem transdisziplinären Blickwinkel sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch kommunale und regionale Erfahrungen zu Ansätzen des stadtregionalen Landmanagements in Wachstumsregionen zusammenführen. Mögliche Anknüpfungspunkte für Beiträge sind:

    · Empirische Analysen: z. B. mehrdimensionale Analysen zu stadtregionalen Flächenbedarfen(z. B. differenziert nach Nutzungen, quantitativen und qualitativen Bedarfen oder verschiedenen Zeithorizonten) oder zu „Überschwappeffekten“ der Großstädte

    · Fallbeispiele: z. B. zu stadtregionalen wissensbasierten Entscheidungsgrundlagen zur Flächenentwicklung (z. B. zu Monitoringansätzen oder digitalen Entscheidungshilfesystemen zu den Folgewirkungen der Siedlungsentwicklung, insb. auch Erfahrungsberichte zur Anwendung dieser Tools in der Praxis), konkrete Projekte zum interkommunalen Lasten-Nutzen-Ausgleich in der Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung (z. B. zu „Tauschgeschäften“ oder gemeinsam getragenen sozialen Infrastrukturen) sowie zur Herstellung von „mehr Verbindlichkeit“ in (zunächst) informellen interkommunalen Kooperationen im Landmanagement

    · Theoretisch-konzeptionelle Beiträge: z. B. zu den Anforderungen an stadtregionales Landmanagement im Spannungsfeld zwischen informeller Kooperationen, Umsetzungsinstrumenten und formeller Regionalplanung oder zur Evaluation der Wirkungen regionalen Landmanagements

    Veranstaltungsformat: 2 wissenschaftliche Vorträge, 3 Praxisbeispiele sowie eine übergreifende Diskussion

  • L8-FS-188Wer profitiert vom wem – Klein-und Mittelstädte als Profiteure stadtregionalen Wachstums?
    Frau Dr. Kati VolgmannFrau Dr. Angelika Krehl
    ILS-Institut für Landes- und StadtentwicklungsforschungIÖR-Leibniz Institut für ökologische Raumentwicklung

    Kurzabstract

    Verschiebungen zwischen Kernstadt und Umland kennzeichnen die stadtregionale Entwicklung, wobei Klein- und Mittelstädten eine bedeutende Rolle zukommt. Wer dabei von wem profitiert, ist ungeklärt.

    Exposé

    Die stadtregionale Entwicklung ist geprägt durch divergierende, teils konträre Entwicklungsdynamiken und unterschiedliche Megatrends. Dazu zählen Globalisierung, ungleiche lokal- bzw. regionalspezifische Ausgangsbedingungen, Pfadabhängigkeiten oder interregionale Abhängigkeiten. Insbesondere zwischen der Kernstadt und ihrem Umland kommt es zu gleichsam sich verstärkenden, wie auch gegensätzlich wirkenden Konzentrations- (Metropolisierung, Reurbanisierung) und Dekonzentrationsprozessen (Regionalisierung, Suburbanisierung). Die überkommene Kernstadt-Umland-Dichotomie schwindet.

    Was aber bedeuten diese Veränderungen für die stadtregionale Entwicklung abseits der Kernstädte und Metropolen? Bekannt ist, dass die ökonomische und demographische Entwicklung von Städten und Regionen nicht allein davon abhängt, wie ausgeprägt höherwertige Funktionen in der Kernstadt sind. Vielmehr lässt sich zeigen, dass sie oft von städtischen Größeneffekten entkoppelt ist, was den gängigen Agglomerationstheorien widerspricht. Zudem wird in der Literatur ein komplexes Verständnis von städtischem und regionalem Wachstum hervorgehoben.

    Vor diesem Hintergrund kommt den Klein- und Mittelstädten zwischen urbaner Zentralität und neuer Peripherie eine zunehmend komplexere Rolle zu. Es stellt sich die Frage, welche Bedeutung sie in der stadtregionalen Entwicklung einnehmen. Welche Einflussfaktoren kennzeichnen ihre Entwicklung? Profitieren sie von positiven Entwicklungen der Kernstadt oder werden sie durch selbige eher als „Ressourcenlager“ marginalisiert? Mit welchen spezifischen Herausforderungen sind sie konfrontiert?

    Für die Fachsitzung sind im Rahmen nachstehender Themen sowohl theoretisch-konzeptionelle und empirische als auch praxisbezogene Beiträge zu den Herausforderungen vorzugsweise wachsender Stadtregionen vorgesehen:

    · Charakteristik und Entwicklungspfade der Klein- und Mittelstädte als Arbeits- und Wohnstandorte im Umland von Kernstädten/Metropolen

    · Ökonomische Funktion dieser Umlandstandorte, ihre räumliche Arbeitsteilung und funktionale Spezialisierung in und zwischen Stadtregionen

    · Einfluss der Flächenverfügbarkeit, der Boden- und Immobilienmärkte auf die Standortwahl von Unternehmen und Haushalten

    · Wirkung von Agglomerationseffekten in Klein- und Mittelstädten sowie innerhalb derjeweiligen Stadtregionen

    Vorgesehen sind insgesamt vier Referate à 15-20 min mit übergreifender Diskussion.

  • L8-FS-189(Nicht)Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen und ihre Wechselwirkungen mit Exklusions- und Inklusionsprozessen
    Herr Dr. Stefan KordelHerr Dr. Robert Nadler
    Universität Erlangen-NürnbergILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung

    Kurzabstract

    Der Blickauf die (Nicht)Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge und Exklusions-/Inklusionsprozessen schlägt eine Brücke zwischen subjektzentrierten und raumplanerischen Perspektiven.

    Exposé

    Territoriale Ungleichheiten (Neu 2006), basierend auf ökonomischen, demographischen, naturräumlichen und lagespezifischen Faktoren, sind vielfach Gegenstand fachwissenschaftlicher Debatten in der Humangeographie. Sie konstatieren einen ungleichen Zugang zu Gütern und Dienstleistungen sowie einem (Nicht)Erreichen von begehrten gesellschaftlichen Positionen aufgrund des Wohnortes. Exklusions- wie Inklusionsprozesse sind die Folge und Teilhabechancen am gesellschaftlichen Leben für Personen in ländlichen Räumen sind dauerhaft, negativ wie positiv, beeinträchtigt.

    Bestimmte Personengruppen, wie z.B. Individuen mit eingeschränkten finanziellen Ressourcen oder körperlichen Einschränkungen, Senior*innen, Frauen, Kinder und Jugendliche, Analphabet*innen und Migrant*innen, sind in besonderem Maße von Exklusionsprozessen in ländlichen Räumen betroffen, deren Lebenswelten erhalten jedoch, aus unterschiedlichen Gründen, oftmals nicht genügend Aufmerksamkeit in Forschung und Raumplanung. Insbesondere der Zugang zu und die Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge (accessibility, Farrington/Farrington 2005) sowie die (Nicht)Realisierung von Mobilität bestimmen in hohem Maße Exklusions- und Inklusionsprozesse und reproduzieren somit soziale Ungleichheiten.

    Die Fachsitzung möchte eine kritische Sichtweise auf Erreichbarkeit bieten, die subjektzentrierte Perspektiven, wie die individuelle Bedeutung bestimmter Orte und deren wahrgenommene Erreichbarkeit, mit raumplanerischen Aspekten verbindet. Der Realisierung von Alltags- und Wohnstandortmobilität wird dabei eine hohe Bedeutung beigemessen. Die Fachsitzung stellt Beiträge zur Diskussion, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven theoretisch-konzeptionell, methodisch und empirisch mit Erreichbarkeiten und daraus resultierenden Mobilitäten und Immobilitäten von (marginalisierten) Personengruppen (z.B.Senior*innen, Geflüchtete, privilegierte Personengruppen) in ländlichen Räumen beschäftigen.

    Vorgesehen sind vier Fachvorträge mit anschließender Diskussion. Innovative Beiträge engagierter Nachwuchswissenschaftler*innen sind ausdrücklich erwünscht.

  • L8-FS-190Rebel the crisis? Entwicklungen, Potenziale und Widersprüche der (neuen) Munizipalismen
    Herr Martin SarnowFrau Norma Tiedemann
    Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sektion Geographie, Arbeitsgruppe Stadt- und BevölkerungsgeographieUniversität Kassel, Fachbereich Politikwissenschaft, Fachgebiet Politische Theorie

    Kurzabstract

    In der Fachsitzung werden Potentiale und Grenzen lokaler Wahlplattformen diskutiert, die in Reaktion auf ein autoritär-neoliberales Krisenmanagement aus linken sozialen Bewegungen entstanden sind.

    Exposé

    2011/2012 kam es in vielen Länder Europas zu massenhaften Protesten, Platzbesetzungen, vielfältigen sozialen Bewegungen und Arbeitskämpfen als Reaktion auf das autoritär-neoliberale Krisenmanagement. In Spanien gründeten sich in vielen Städten neuartige Zusammenschlüsse von Bewegungsakteur*innen und Parteien – die sogenannten munizipalistischen Listen, die vielfach einen Brückenschlag zwischen Bewegung und Staat auf lokaler Ebene herstellen konnten. Mit den Kommunalwahlen 2019 endet dort ein erster Zyklus dieses „Angriffs auf die Institutionen“, weshalb eine Reflexion der bisher erprobten munizipalistischen Praxen geboten scheint. Insbesondere auch, weil in vielen anderen Ländern erst vor ein oder zwei Jahren ähnliche Plattformen entstanden sind, die durch verschiedene transnationale Treffen gut miteinander vernetzt sind. Mittlerweile erstreckt sich das Netzwerk der „rebellischen Städte“ über Europa bis nach Nord- und Südamerika.

    In der Praxis und Forschung beginnt sich daher eine Debatte zu entwickeln über die Widersprüche und Chancen, die solche manzipatorische Praxen bezogen auf den urbanen Raum und die lokalstaatlichen Apparate mit sich bringen. Bieten die Munizipalismen einen Ausweg aus der (multiplen) Krise der kapitalistischen Gesellschaften in ihrem Drängen auf neue Formen von Demokratie, ökologische und ökonomische Alternativen, sowie eine andere Organisation von sozialer Reproduktion? Können sich soziale Bewegungen verstetigen ohne ihr gesellschaftsveränderndes Potential einzubüßen und trotzdem über den lokalen Kontext Wirkung entfalten?

    Die Sitzung soll in Form einer Podiumsdiskussion mit 3-4 Beiträgen stattfinden, die sich mit einer oder mehreren der folgenden Leitfragen auseinandersetzen:

    Worin bestehen die Chancen und Grenzen emanzipatorischer Raumproduktion in Form des „munizipalistischen Angriffs“?

    Wie können die verschiedenen Krisen (die sich spezifisch im urbanen Raum/Leben niederschlagen) von den Akteuren bearbeitet werden?

    Wie lassen sich die Munizipalismen aus verschiedenen theoretischen Perspektiven (z.B. Politische Ökonomie, Urban Studies, Staatstheorie, Bewegungsforschung, Feministische Geographie) konzeptualisieren?

    Welche (Un)gleichzeitigkeiten lassen sich weltweit den verschiedenen Städten mit munizipalistischen Initativen beobachten? An welchen Punkten ihrer Formulierung und ihrer politischen Praxis befinden sich diese und wie beeinflusst ein translokales Voneinanderlernen die spezifischen lokalen Debatten und Entwicklungen?

  • L8-FS-191Rural Gentrification – Aufwertung und Verdrängung jenseits der Metropolen
    Herr Dr. Michael MießnerHerr Dr. Matthias Naumann
    Georg-August-Universität GöttingenTechnische Universität Dresden

    Kurzabstract

    Gentrification wird bislang als ein Phänomen in Großstädten betrachtet. Demgegenüber diskutiert die Fachsitzung Aufwertung und Verdrängung in ländlichen Räumen sowie Klein- und Mittelstädten.

    Exposé

    Während in der deutschsprachigen Stadtforschung Gentrification bislang fast ausschließlich als ein Phänomen von Großstädten betrachtet wird, gibt es in der angloamerikanischen Debatte bereits seit längerem Arbeiten zu „rural gentrification“ (Phillips 1993). Neben Großbritannien liegen empirische Untersuchungen unter anderem zu den Vereinigten Staaten (Ghose 2004), Katalonien (Solana-Solana 2010) und China (Qian et al. 2013) vor. Angesichts des finanzgetriebenen Anlagedrucks (Wijberg & Aalbers 2017), der Responsibilisierung der Bevölkerung (Heeg 2017) und den damit verbundenen Immobilienpreissteigerungen in den Großstädten sind Investoren und Bewohner*innen zunehmend auf der Suche nach alternativen Anlage-und bezahlbaren Wohnstandorten auch abseits der Metropolen. Die Fachsitzung möchte an die internationalen Diskussionen und die benannten aktuellen Entwicklungen anschließen und Prozesse von Aufwertung und Verdrängung in ländlichen und suburbanen Räumen sowie in Klein- und Mittelstädten diskutieren. Ziel ist dabei erstens, die Übertragbarkeit von Ansätzen der „planetary gentrification“ (Lees et al. 2016) oder Gentrification als einer globalen urbanen Strategie (Smith 2002) auf die Kontexte ländlicher Regionen zu reflektieren. Gleichzeitig wird diskutiert, welche Impulse die Untersuchung von Gentrifizierung in ruralen, suburbanen, klein- und mittelstädtischen Kontexten für die Stadtforschung liefern kann. Zweitens ist der Mehrwert des Begriffs von „rural gentrification“ in Abgrenzung zu Debatten um „global suburbanism“ (Keil 2018) oder auch der Entstehung „rurbaner Landschaften“ (Langner & Frölich-Kulik 2018) zu prüfen. Eine Bestandsaufnahme der Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Gentrifizierungsprozessen in Großstädten und ländlichen Räumen kann damit einen Beitrag zur Diskussion liefern, ob der Gentrification-Begriff möglicherweise schon zu stark überdehnt ist und an Aussagekraft verloren hat (Slater 2006).

    Die Fachsitzung besteht aus vier Vorträgen mit anschließender Diskussion, die konzeptionelle Fragen der Erklärung von „rural gentrification“ sowie deren Grenzen, empirische Beispiele der Dimensionen, Diskurse und Politiken von Aufwertung aus unterschiedlichen Kontexten sowohl im Globalen Norden als auch dem Globalen Süden oder auch methodische Herausforderungen der Gentrificationforschung in ländlichen Räumen umfassen können.

  • L8-FS-192Können wir den Boden neu denken? Interdisziplinäre Perspektiven auf Land, Besitz und Raum
    Frau Dr. Jennifer GerendHerr Prof. Dr. Dirk Löhr
    Universität Trier, Governance & Sustainability LabHochschule Trier / Umwelt-Campus Birkenfeld Fachbereich Umweltwirtschaft / Umweltrecht

    Kurzabstract

    Die Bodenfrage befasst sich mit Eigentum, Landnutzung, Kapitalströmen und deren Auswirkungen jenseits von Stadtlandschaften. Dabei (re)produziert Land als Institution gesellschaftliche Verhältnisse.

    Exposé

    „Wem gehört der Boden?“ Darf Boden privatisiert werden oder handelt es sich um ein Gemeingut? So lauten klassische Fragen, die durch das Vordringen neoliberaler Denkrichtungen und von Finanzialisierungsprozessen eine neue Relevanz und Dringlichkeit gewinnen. Die Fachsitzung untersucht die breite Interpretation der „Bodenfrage“ (the land question) im Hinblick auf Eigentum, Nutzung und Regulierung bis zu unterschiedlichen Wertvorstellungen in der Gesellschaft. Wir wollen die aktuelle Debatte um die Bodenfrage aus verschiedenen Perspektiven heraus beleuchten. Themenbereiche, in denen die Wechselwirkungen zwischen Land, Eigentum und sozialökonomische Verhältnisse zum Ausdruck kommen, könnten sein:

    · Bodenpolitische Debatten, Handlungsfelder und Entwicklungen;

    · Zugang zu Boden;

    · Boden und Verteilung;

    · Internationale Betrachtungen der Bodenfrage;

    · Alternativen wie „Commoning“ wie auch das Gesamtspektrum an eigentumsbezogenen Praktiken

    · Soziale, post- und dekoloniale und Genderperspektiven der Bodenfrage

    · Nachhaltigkeitspolitische Bezüge (z.B. Flächenverbrauch)

    Willkommen sind auch Beiträge (auf Englisch oder auf Deutsch) aus der Praxis oder wissenschaftlicher (Begleit-)Forschung. Die Sitzung besteht aus Präsentationen mit anschließender Diskussion (15+ 5 Minuten).

  • L8-FS-193Regionalentwicklung in Ostdeutschland – Forschungsstand und -perspektiven auf räumliche Transformationen und soziale Praktiken
    Frau Prof. Dr. Birgit GloriusHerr Dr. Matthias Naumann
    Technische Universität ChemnitzTechnische Universität Dresden

    Kurzabstract

    Die Sitzung reflektiert Entwicklungslinien, Schwerpunkte, Leerstellen und künftige Bedarfe der humangeographischen Forschung zu Ostdeutschland sowie deren Wirkungen und institutionelle Verankerung.

    Exposé

    Auch 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung stellen räumliche Disparitäten in Ostdeutschland weiterhin eine immense Herausforderung dar. Dies betrifft zum einen das noch immer bestehende Gefälle zu Westdeutschland, sei es hinsichtlich der Wirtschaftskraft, der demographischen Struktur oder der Unterschiede beim Wähler*innenverhalten und der medialen Darstellung der Region. Zum anderen ist die Entwicklung in Ostdeutschland von zunehmenden intraregionalen Disparitäten geprägt. So stehen wachsende, wirtschaftlich prosperierende Großstadtregionen schrumpfenden ländlichen Räumen mit dauerhaften Strukturproblemen gegenüber. Damit stellt sich die Frage, ob Ostdeutschland überhaupt noch als eine Region bezeichnet werden kann sowie die Frage nach den Grenzen der Regionalen Geographie als einen Zugang der Forschung. Eine wesentliche Herausforderung für künftige Arbeiten zu Ostdeutschland besteht im Feld sozialer Praktiken sowie der Dialektik von strukturellen Zwängen und individuellen Handlungsstrategien. Darüber hinaus steht die Forschung zu Ostdeutschland vor der Aufgabe, die kleinräumliche Differenzierung herauszuarbeiten, um verkürzten Zuschreibungen und Erklärungen entgegenzutreten.

    Die Fachsitzung nimmt die anstehenden Jahrestage wie auch das Erscheinen des Sammelbandes „Regionalentwicklung in Ostdeutschland. Dynamiken, Perspektiven und der Beitrag der Humangeographie“ zum Anlass, den bisherigen Stand der Forschung zu Ostdeutschland kritisch zu reflektieren. Der analytische Fokus der Sitzung liegt darauf, welche Schwerpunkte in der Humangeographie bislang gesetzt wurden und welche Felder bzw. Perspektiven unterbelichtet blieben. Darüber hinaus geht es forschungsstrategisch und wissenschaftspolitisch darum, welche Rolle die humangeographische Forschung bei medialen Diskursen zu Ostdeutschland und bei strukturpolitischen Entscheidungen spielt. Schließlich soll auch nach der institutionellen Verankerung der Humangeographie in Ostdeutschland gefragt werden, die nach 1990 mehrfach tiefgreifende Umbrüche erfahren hat. Hierfür laden wir zu einem Diskussionsforum mit Kurzbeiträgen, damit möglichst viele unterschiedliche theoretische und methodische Herangehensweisen, empirische Erfahrungen und lokale Expertisen zu Ostdeutschland in der Fachsitzung vertreten sind.

  • L8-FS-194Globaler, digitaler Plattformurbanismus und seine lokalen Verwerfungen: Theoretische und empirische Erkenntnisse zu Kurzzeitvermietungen
    Herr Dr. Christian SmigielHerr Dr. Justin Kadi
    Universität SalzburgTechnische Universität Wien

    Kurzabstract

    Diese Fachsitzung untersucht stadtpolitische, sozialräumliche und alltagsweltliche Dimensionen von Kurzzeitvermietungen (insb. Airbnb) in europäischen Stadtregionen.

    Exposé

    Im Zusammenhang mit sprunghaft steigenden Wohnungspreisen in vielen europäischen Städten verstärkt sich die Kritik an Kurzzeitvermietungen (insb. Airbnb). In der Tat belegen erste empirische Studien, dass das von Airbnb vermarktete Image der sharing economy nur bedingt den tatsächlichen Vermietungspraktiken auf der Plattform entspricht. Vielfach sind es gewerbliche Akteure, die aus der Kurzzeitvermietung von Wohnraum ein profitables Geschäftsmodell entwickelt haben und mit der dauerhaften Vermietung von Ferienwohnungen zur Verknappung und Verteuerung von Wohnraum beitragen.

    Die Wirkung von Airbnb und Co. geht über den Bereich des Wohnens hinaus und betrifft auch andere Formen urbaner Infrastruktur. Die vielfältigen Veränderungen, die hiermit einhergehen, manifestieren sich häufig (nur) in einzelnen Stadtquartieren, verstärken jedoch sozialräumliche Ungleichheiten auch jenseits der betroffenen Quartiere. Dementsprechend reagieren Stadtplanung und Stadtpolitik (bspw. in Berlin, Barcelona, Wien) inzwischen mit Zweckentfremdungsverboten, Zonierungen oder zeitlichen Befristungen von Kurzzeitvermietungen. Gleichzeitig lobbyiert Airbnb auf verschiedenen institutionellen Ebenen gegen schärfere Regulierungen.

    Das Ziel dieser Fachsitzung ist ein Themenfeld zu diskutieren, das trotz seiner öffentlichen Breitenwirkung in der deutschsprachigen Geographie bislang kaum thematisiert wird. Hierzu laden wir sowohl theoretisch-konzeptionelle als auch empirische Beiträge ein, die Formen, Auswirkungen, und Reaktionen auf, Kurzzeitvermietungen untersuchen. Des Weiteren möchte diese Fachsitzung die Diskussion um Kurzzeitvermietungen mit anderen konzeptionellen Debatten (u.a. Gentrifizierung, Finanzialisierung, Plattformurbanismus) zusammenführen und somit einen Aufschlag für eine breitere theoretische Verortung in der geographischen Stadtforschung liefern.

    Konkret laden wir u.a. zur Auseinandersetzung mit folgenden Themenstellungen ein:

    – Einzelfall- und Vergleichsstudien zu Formen und Praktiken der Kurzzeitvermietung sowie zu deren Auswirkungen auf Wohnungsmärkte und urbane Infrastrukturen

    – Regulative Reaktionen (lokal, regional, national)

    – Akteure und Praktiken des Widerstands

    – Methodische Herausforderungen und Zugänge (quantitativ, qualitativ, mixed-methods)

    Konzeptionelle Verortung des globalen Airbnb-Phänomens in aktuellen Debatten der geographischen Stadtforschung jenseits der sharing economy

  • L8-FS-195Soziale Wohnungsversorgung als Herausforderung für die Stadtforschung
    Herr Mag. Joscha MetzgerHerr Dr. Sebastian Schipper
    Institut für Geographie, Universität HamburgInstitut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt a.M

    Kurzabstract

    Beiträge einer kritischen und anwendungsorientierten Stadtforschung zur Analyse, Entwicklung und Stärkung neuer sozialer Wohnungspolitiken und einer gemeinwohlorientierten Wohnungswirtschaft.

    Exposé

    Die Wohnungsfrage ist angesichts steigender Mieten, Wohnungsknappheit und Verdrängung in deutschen Groß- und Mittelstädten seit einigen Jahren in der intensiven Diskussion. Stadtteilgruppen, Mietervereine und Initiativen für ein Recht auf Stadt drängen auf einen sozialpolitischen Kurswechsel in der Wohnungsversorgung und einzelne Kommunen beginnen mit neu ausgerichteten Politikansätzen zu experimentieren (Schönig/Schipper/Kadi 2017; Schönig/Rink/Gardemin/Holm 2017).

    Diese Neuansätze sehen sich jedoch mit inhaltlichen und praktischen Herausforderungen konfrontiert: Der fordistische soziale Wohnungsbau für „breite Schichten des Volkes“ und die gesetzliche Wohnungsgemeinnützigkeit waren bereits in den 1980er Jahren nicht nur aus neoliberaler, sondern auch aus linker Perspektive in die Kritik geraten (Prigge/Kaib 1988). Nach über drei Jahrzehnten Neoliberalisierung und Privatisierung der Wohnungswirtschaft hat sich die Versorgungslage massiv verschärft. Neben inhaltlichen Auseinandersetzungen über konkrete Instrumente und Maßnahmen stellt sich daher die Frage, welches praktische Know-How und welche Akteure noch bzw. wieder existieren, die in der Lage sind, eine soziale Wohnungsversorgung umsetzen zu können?

    Wir möchten diese Fragen als Herausforderungen für eine anwendungsorientierte und kritische Stadtforschung formulieren: Welche Erfahrungen lassen sich aus der Beobachtung oder Beteiligung an aktuellen Debatten und sozialen Kämpfen gewinnen? Welche Akteure und welche Praktiken bieten das Potenzial für eine neue soziale Wohnungspolitik und eine gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft? Wir freuen uns über die Einreichung von Beiträgen, die sich mit konkreten Akteuren oder Ansätzen beschäftigen (Mietshäusersyndikat, Genossenschaften, kommunale und freie Wohnungsunternehmen, soziale Wohnungs- und Bodenpolitiken, etc.) oder solchen, die politische Auseinandersetzungen um das Recht auf Wohnen analysieren.

  • L8-FS-196Und langsam wachsen wir zusammen? Kooperationsräume, -formen und -verständnis in der Raumordnung und Regionalentwicklung
    Herr Dr. Alois HumerFrau Dr. Elisabeth Gruber
    Aalto University/ Department of Built EnvironmentUniversität Wien/ Institut für Geographie und Regionalforschung

    Kurzabstract

    Planungs- und Handlungsräume wandeln sich, neue entstehen. Die Akteurslandschaft wird mit den Herausforderungen vielfältiger. Wie kooperieren Ebenen und Sektoren in verschiedenen Räumen/Raumtypen?

    Exposé

    Schon seit geraumer Zeit lässt sich im wissenschaftlichen Diskurs, wie in der politisch-planerischen Praxis der Ruf nach mehr Kooperation vernehmen. Und tatsächlich lassen sich in der Raumordnung und Regionalentwicklung viele Anstrengungen beobachten, Sektoren, Ebenen und Akteure besser abzustimmen – von Makroregionen bis LEADER-Regionen im EU Kontext, bis hin zu Handlungsräumen in der Schweiz, europäischen Metropolregionen in Deutschland oder ÖREK-Partnerschaften in Österreich, um nur einige bekannte Beispiele zu nennen.

    Aus theoretisch-konzeptioneller Sicht befassen sich vor allem Ansätze wie New Regionalism (Keating 1998), Strategic Spatial Planning (Albrechts, Healey & Kunzmann 2003), State Rescaling (Brenner 2004), Soft Spaces (Allmendinger & Haughton 2009) und Planungskulturforschung (Knieling & Othengrafen 2009) mit dem Wandel bestehender und dem Entstehen neuer Planungsräume und -formen sowie dem Verständnis von Planung insgesamt, inklusive neuer Governance-Prozesse, die je nach Ausrichtung öffentlichen, privaten oder zivilen Akteuren Handlungsoptionen geben und nehmen.

    In der Fachsitzung sollen konzeptionelle wie empirische Beiträge über neue Gesetzgebungen und Praktiken in der Raumordnung und Regionalentwicklung geleistet werden, die durch europäische Regional- oder Sektorpolitik, nationale, regionale oder lokale Initiativen zustande kamen. In der Zusammenschau soll geklärt werden, was hinter der Motivation zu Kooperation in der Planung steht. Gibt es tatsächlich ein neues Verständnis oder sind die ökonomischen Interessen und Notwendigkeiten schlichtweg größer geworden? Ein Fokus auf raumsensible Kooperationsformen ist erwünscht. Sind für unterschiedliche Raumtypen bestimmte Kooperationsformen anzudenken; wenn ja, lässt sich eine Systematik feststellen?

    Augenmerk kann zum Beispiel gegeben werden auf:

    · – Konflikt in der Planungspraxis zwischen funktionalem und administrativem Raumverständnis sowie zwischen Planungsebenen

    · – Hemmnisse und Einschränkungen von Kooperation

    · – Kooperieren nur Gebietskörperschaften miteinander? Wie kommen privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure ins Spiel?

    · – Anwendbarkeit von neuen regionalen Planungsinstrumenten für verschiedene Raumtypen: Kooperationsformen für Stadt und Land?

    · – Neue Formen der Kooperation je nach Problemlagen (Agglomerationen, schrumpfende Räume; Mobilität, Daseinsvorsorge,…)

    Format: 3-5 Vorträge und abschließende Diskussion

  • L8-FS-197Neue Zuwanderung und lokale Integrationspraktiken in ländlichen Räumen
    Herr Prof. Dr. Holger JahnkeHerr Tobias Weidinger
    Europa-Universität Flensburg/Interdisziplinäres Institut für Umwelt-, Sozial- und Humanwissenschaften, Abteilung GeographieFriedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg/Institut für Geographie

    Kurzabstract

    In der Sitzung werden vor dem Hintergrund neuer Formen der Zuwanderung lokale Integrationspraktiken und Prozesse der Inklusion und Exklusion diskutiert und Spezifika ländlicher Räume herausgearbeitet.

    Exposé

    Das Ankommen und die Integration von Zuwanderer*innen erweisen sich in ländlichen Kommunen als besondere Herausforderung. Zum einen haben die meisten – insbesondere Geflüchtete – ihre Wohnorte nicht selbst gewählt, sondern wurden auf der Grundlage von Verteilungsschlüsseln zugewiesen; zum anderen gibt es in vielen ländlichen Räumen nur wenig Erfahrung in der Interaktion mit Menschen anderer Herkunft.

    Entscheidend für das gesellschaftliche Zusammenleben von Zuwanderer*innen und Aufnahmegesellschaft sind dabei Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten für Zuwanderer*innen hinsichtlich verschiedener Dimensionen von Integration (z.B. Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Mobilität, soziale Kontakte) sowie Möglichkeiten der Partizipation. Relativ offene Formen der Steuerung von Integration im deutschen Mehrebenensystem ermöglichen bundesweit eine Vielzahl unterschiedlicher lokal ausgeprägter Integrationspraktiken, die von spezifischen lokalen Bedingungen und Akteurskonstellationen abhängig sind.

    Gleichzeitig finden gerade in ländlichen Räumen seitens unterschiedlicher Akteur*innen auch vielfältige Praktiken individueller und gruppenbezogener Aus- bzw. Abgrenzungen statt, welche nicht nur auf anderer Herkunft oder Hautfarbe (autochthon-allochthon), sondern auch auf unterschiedlichen Aufenthaltsdauern und -status (temporär-permanent), Lebensstilen (konformistisch-individualistisch, maskulin-feminin), oder politischen Einstellungen (konservativ-liberal) beruhen können. Prozesse der Exklusion und Inklusion können im Alltag von Individuen und Gruppen nicht zuletzt wirkmächtig sein, wenn es um die Aushandlung der Wohnstandortentscheidung und Fragen von Zugehörigkeit und Identität geht.

    Die Fachsitzung adressiert daher:

    1. Konzeptionelle Beiträge die sich mit theoretischen Aspekten der lokalen Integration, Teilhabe, Partizipation und Zugehörigkeit in ländlichen Räumen beschäftigen,

    2. Beiträge, die sich explizit mit den Spezifika ländlicher Räume hinsichtlich der Integration vor Ort auseinandersetzen und Steuerungsmöglichkeiten von Integration auf dem Land diskutieren, sowie

    3. Empirische Einzelfalluntersuchungen, welche die genannten Integrationsdimensionen mit Blick auf die spezifischen lokalen Bedingungen untersuchen.

    Explizit erwünscht sind dabei zum einen Beiträge aus anderen europäischen/internationalen Kontexten und Beiträge von Nachwuchswissenschaftler*innen. Vorgesehen sind vier Fachsitzungsvorträge jeweils mit anschließender Diskussion.

  • L8-FS-198Logiken und Praktiken der Verantwortung in ländlichen Räumen
    Herr Prof. Dr. Karl Martin BornHerr Prof. Dr. Ulrich Harteisen
    Universität Vechta, Geographie/ISPAHochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen Fakultät Ressourcenmanagement

    Kurzabstract

    Die postulierte Selbstresponsibilisierung ländlicher Räume und neue Zuordnungen der Funktionsübernahme werden anhand theoretischer und empirischer Beiträge verdeutlicht und kritisch reflektiert.

    Exposé

    Die gegenwärtigen politischen und planerischen Diskurse der Ausgestaltung von Daseinsvorsorge postulieren einen Wandel vom „Versorgungsstaat“ zum „Gewährleistungsstaat“, der Rahmenbedingungen setzt und ggfls. unterstützend wirkt. Das Ausmaß der Umsetzung hängt ganz entscheidend von Aspekten sozialer, kultureller und ökonomischer Innovation ab, die dazu führen, dass Bürger*innen im Sinne einer„Selbstresponsibilisierung“ selbstbestimmt Verantwortung in ausgewählten Feldern des Daseinsvorsorge übernehmen; dies geschieht überwiegend als ein partnerschaftliches und arbeitsteilig organisiertes Netzwerkmanagement öffentlicher und privater Anbieter.

    Wenn also Verantwortung für die Ausgestaltung von Daseinsvorsorge übernommen werden soll, bedeutet dies auch, dass Ermöglichungsspielräume vorhanden sein müssen – einerseits zur Übernahme von Verantwortung, andererseits aber auch zur Sicherstellung von Funktionen.

    Obgleich die primären Themenfelder im Bereich der Daseinsvorsorge zu verorten sind, sollen auch andere, großräumigere Relationen (z.B. im Bereich funktionaler Zuschreibungen zwischen Stadt und Land) thematisiert werden.

    Verantwortungs- und Ermöglichungsspielräume bieten sich aber nur dort als Lösung an, wo Chancengerechtigkeit zur Umsetzung selbstbestimmter Entwicklung, Zugangsgerechtigkeit zu Ressourcen und Verfahrensgerechtigkeit in raumbedeutsamen Prozessen vorhanden ist.

    Die Fachsitzung setzt sich das Ziel, die hinter diesem Verhältnis stehenden Logiken und Praktiken aus inter- und transdisziplinärer Perspektive zu beleuchten. Anhand von theoretischen und empirischen Beispielen sollen Rahmenbedingungen und Prozesse der Übernahme von Verantwortung bzw. der Konstituierung von Ermöglichungsspielräumen analysiert und verdeutlicht werden. Die Fachsitzung richtet sich explizit auch an benachbarte Disziplinen wie Regionalentwicklung, Raumplanung, Gebäude- und Flächenmanagement, Gerontologie, Soziale Arbeit oder Architektur.

    Es soll sich um eine Sitzung mit Einzelvorträgen und einer abschließenden Diskussion handeln.

  • L8-FS-199Städte der Zukunft? Akteure, Logiken und Auswirkungen (Peri-)Urbaner Megaprojekte im Globalen Süden
    Herr Dr. Alexander FollmannFrau Dr. Jana Kleibert
    Geographisches Institut, Universität zu KölnLeibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) und Humboldt-Universität zu Berlin

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung hinterfragt die Entstehung von Megaprojekten, wie neuen smarten/ökologischen Städten, exklusiven Stadtgebieten und Infrastrukturkorridoren am Rand von Metropolen im globalen Süden.

    Exposé

    Das Stadtwachstum im Globalen Süden ist häufig von Megaprojekten und der Errichtung neuer Stadtgebiete und Städten am Rande heutiger Metropolen gekennzeichnet. Besonders die Transformation des peri-urban Raums ist gekennzeichnet von nationalen und internationalen Investitionen in – und Spekulation mit – Land und Infrastrukturen (vgl. Zoomers et al. 2017: „urban land rush“). Im weltweiten Wettbewerb versuchen (Stadt-)Regierungen diese Entwicklungen zu steuern und (ausländische) Investitionen für ihre Städte zu gewinnen. Diese territorialen Strategien (Schindler 2015) sind häufig eingebettet in symbolische Konstruktionen, Diskurse und nationale Entwicklungsnarrative, zum Beispiel des Aufbaus einer „Wissensökonomie“. Exklusive Büro-, Bildungs-und Wohnstandorte, neue Hi-Tech-/Eco-/Smart-Cities, sowie Infrastrukturkorridoreschaffen privilegierte Investitionsbedingungen im peri-urbanen Raum (vgl. van Noorloos & Kloosterboer 2018). Hierbei werden Immobilienmärkte als Kapitalanlageobjekte für (inter)nationale Investoren konzipiert, die häufig losgelöst sind von den Bedürfnissen heutiger Bewohner und Verdrängungsprozesse auslösen (vgl. Watson2014) – selbst bei (vorerst) gescheiterten Megaprojekten, deren Wirkmacht sich schon in der Planungsphase zu entfalten beginnt (vgl. Kanai & Schindler 2018:„infrastructure scramble“).

    Die Fachsitzung widmet sich der Transformation dieser Stadtrandgebiete, neuen Städte und Infrastrukturkorridore im Hinblick auf ihre Akteure und dessen Einbindung in sowohl globale (Produktions-)Netzwerke als auch in die lokalen Gegebenheiten und die damit verbundenen Konflikte. Wir begrüßen theoretisch-konzeptionelle Auseinandersetzungen mit demThema ebenso wie empirische Studien.

    Wer initiiert, konzipiert und finanziert (peri-)urbane Megaprojekte? Wie ist das Verhältnis von staatlichen und (lokalen/ internationalen) privatwirtschaftlichen Akteuren?

    Welche Logiken und Ziele werden mit Megaprojekten verfolgt? Geht es primär um Konnektivität und Einbettung in globale, transnationale (Kapital-) und Warenströme und/oder um Spekulationen mit Land („urban land grabbing“)?

    Wie lassen sich Megaprojekte als Teil von städtischen Fantasien („Smart City“, „Eco City“ oder „Global City“) und nationalen Entwicklungsnarrativen (z.B. Wandlung zur „Wissensökonomie“) theoretisch fassen?

    Welche Konflikte und Verdrängungen gehen mit dieser sehr selektiv Konnektivität herstellenden („bypass urbanism“) und gleichzeitig exkludierenden Stadtentwicklung einher?

  • L8-FS-200Eine Politische Ökologie der Urbanisierung?! Umweltveränderungen innerhalb und jenseits der Stadt
    Herr Dr. Alexander FollmannHerr Judirh Müller
    Geographisches Institut, Universität zu KölnHeidelberg Center for the Environment (HCE), Universität Heidelberg

    Kurzabstract

    Basierend auf der (Urbanen) Politischen Ökologie beschäftigt sich die Fachsitzung mit Umweltveränderung im Kontext der globalen Urbanisierung und deren Auswirkung auf urbane und nicht-urbane Räume.

    Exposé

    Die Urbane Politische Ökologie bildet einen konzeptionellen Rahmen, städtische Umweltveränderungen und Ressourcenflüsse mehrdimensional und multiskalar zu analysieren. Während die Politische Ökologie sich lange überwiegend auf Fallstudien im Globalen Süden beschränkte, lag der Fokus der Urbanen Politischen Ökologie verstärkt auf den Städten Europas und Nordamerikas. Neuere Arbeiten der Urbanen Politische Ökologie u.a. zu Wasser, Luftverschmutzung, Abfallentsorgung sowie dem Verlust von Natur in Städten des Globalen Südens haben diese globale Zweiteilung zunehmend aufgelöst. Zudem widmen sich diese Arbeiten vermehrt den sozio-natürlichen Prozessen in der Stadtals der Natur innerhalb der Stadt. Aber die Dichotomie zwischen Stadt und Land besteht weiterhin und es gibt kaum direkte Bezüge zwischen der rural geprägten Politischen Ökologie undder Urbanen Politischen Ökologie. Angelo & Wachsmuth (2015) kritisieren in diesem Kontext den „methodological cityism“, den starken Fokus auf Städte, der Urbanen Politische Ökologie und fordern eine Weiterentwicklung dieser hin zu einer Politischen Ökologie der Urbanisierung. Diese Kritik greift das von David Harvey (1996) beschriebene Dilemma der Stadtforschung auf, vielmehr die Stadt zu erforschen als die Urbanisierung, obwohl das Ziel doch eigentlich ein besseres Verständnis von Urbanisierung, und damit des Prozesses statt des Zustands, sei. Dieser Kritik folgend möchten wir in dieser Fachsitzung eines der ursprünglichen Ziele der Urbanen Politischen Ökologie weiterverfolgen und bestehende Stadt-Land-Dichotomien aufbrechen (vgl. Angelo und Wachsmuth 2015). Diese Fachsitzung lädt deshalb Beiträge ein, die über eine reine Betrachtung von urbanen Räumen hinaus, die Auswirkungen von Urbanisierung auf (noch) nicht-urbane Räume miteinbeziehen, z.B. im Sinne der Urbanisierung von Natur jenseits der Stadt, der Transformation peri-urbaner Räume im Zuge des Stadtwachstums oder der Ko-Produktion von Stadt und Land vor dem Hintergrund planetarer Urbanisierung. Erwünscht sind Beiträge, die die mehrdimensionalen und multiskalaren Akteurskonstellationen und Machtverhältnisse städtischer Umweltveränderungen innerhalb und jenseits der Stadt analysieren.

    Angelo, H., & Wachsmuth, D. (2015). Urbanizing Urban Political Ecology: A Critique of Methodological Cityism. International Journal of Urban and Regional Research, 39(1), 16-27. doi:10.1111/1468-2427.12105

    Harvey, D. (1996).Cities or urbanization? City, 1(1-2), 38-61.

  • L8-FS-201Housing on the edge: considerations of land and ownership, urbanization, and the possibility of recentering non-market housing
    Frau Dr. Constance CarrFrau Dr. Jennifer Gerend
    Universität LuxembourgUniversität Trier

    Kurzabstract

    We broadly consider concepts of land value, market-led development, planning, and the possibility of recentering debates towards non-market housing under conditions of growth pressure.

    Exposé

    Housing is a problem across many urban regions experiencing growth pressure. Recent patterns of development are characterized by reduced protections from negative effects of market-led land use. As the finance/management of housing was abdicated to finance-strapped municipalities, as public properties were sold/demolished, or as global financial markets capitalized on housing as an investment asset (Rolnik 2013), market-oriented forms of lodging reign supreme. All that remains is a peripheral bricolage of actors/institutions and their disparate sets of resources to address non-market housing. This condition rests on certain notions of land and property value. By seeing “property as a social institution and a set of contested practices” (Safransky 2017, 7), the assumed neutrality of market-led land use development can be questioned (Blomley 2017). Additionally, “the urban world has fundamentally changed [… with] a wide range of urbanisation processes […] generating a multitude of urban outcomes, resulting in differentiated, complex and often surprising urban landscapes,” (Schmid et al. 2018). There are comparative dimensions to consider: just as urban space is changing, so too are housing/land problems/solutions. Approaches to housing aiming to mitigate market-led development cannot be one-size-fits-all: context matters.

    To open up this conversation, we aim for a session (EN/DE) comprised of 15-minute presentations followed by brief discussions. We welcome abstract proposals addressing non-market housing and the land question against the background of new and changing social spatial urban imaginaries. Topics may include (but are not limited to): institutionalist readings of urban growth pressure/planning/non-market housing, and discursive constructions of value/scarcity, comparative analyses, and related considerations of housing and periphery.

    Blomley, N. 2017. Land use, planning, and the “difficult character of property,” Plan Theory & Pract 351-364

    Rolnik, R. 2013. Late neoliberalism: The financialization of homeownership and housing rights. Int J Urban Reg Res 37 1058-1066

    Safransky, S 2017. Rethinking land struggle in the postindustrial city. Antipode 1079-1100

    Schmid, C., Karaman, O., Hanakata, N.C., Kallenberger, P., Kockelkorn, A., Sawyer, L., Streule, M. & Wong K.P. 2017. Towards a new vocabulary of urbanization processes: A comparative approach. Urban Stud 19-52


  • L8-FS-202Städtische und/versus ländliche Nahrungsproduktion? Globale Erfahrungen
    Frau Prof. Dr. Doris SchmiedHerr Prof. Dr. Karl Martin Born
    LS Kulturgeographie, Universität BayreuthISPA, Universität Vechta

    Kurzabstract

    Urbane Landwirtschaft in all ihren Varianten spielt eine wachsende Rolle bei der Versorgung mit Nahrung. Dies hat bisher wenig beachtete Folgen für städtische, aber auch für ländliche Lebenswelten.

    Exposé

    Die Sicherstellung einer ausreichenden Produktion von Nahrung angesichts der steigenden globalen Bevölkerungszahl und veränderten Nachfrage bei gleichzeitigen Landverlusten und ökologisch bedingten Produktionseinbußen erfordert verschiedene flexible Antworten. In diesem Zusammenhang wird immer mehr die Produktion von pflanzlicher und tierischer Nahrung in urbanen bzw. periurbanen Räumen propagiert. Dabei reicht das Spektrum von Balkon- oder rooftop-Anbau über Individual-, Schrebergärten/allotments sowie Gemeinschaftsgärten/community farming und eher traditionellen bäuerlichen/gärtnerischen bis hin zu hochindustriellen umweltkontrollierten Formen (z.B. Massentierhaltung in geschlossenen Systemen, Phytomation, vertical farming).

    Die vier Referate mit anschließender Diskussion werden sich mit den sehr widersprüchlichen ökonomischen, sozialen, ökologischen und räumlichen Folgen beschäftigen, die die verschiedenen Formen der Nahrungsproduktion für städtische Räume und Stadtbewohner haben (z.B. räumliche Umnutzung, Veränderung der Lebensmittelketten/ des Verhältnisses von Produzenten zu Konsumenten, Auswirkungen auf die Nahrungssicherheit vulnerabler Gruppen, Schadstoffbelastung von Lebensmitteln usw.). Analysiert werden sollen aber auch die Konsequenzen für ländliche Räume, die nun unter den Einfluss der Entwicklungen in den städtischen Räumen (nicht nur im eigenen Land) und dabei teilweise in ihrer „ureigenen Domäne“ in Konkurrenz zu diesen geraten.

  • L8-FS-203Coming, Staying, Leaving: Kritische Perspektiven auf Steuerungsversuche von Wanderungen in Ländlichen Räumen
    Herr Dr. Stefan KordelHerr Dr. Patrick Küpper
    Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für GeographieJohann Heinrich von Thünen Institut, Institut für Ländliche Räume

    Kurzabstract

    In der Sitzung werden politische Strategien zur Steuerung von Wanderungsentscheidungen sowie deren Effekte auf ländliche Entwicklung vor dem Hintergrund sich wandelnder Wanderungsmuster hinterfragt.

    Exposé

    Viele Akteure auf der lokalen und regionalen Ebene sehen sich in einem Wettbewerb um Einwohner gegenüber und verfolgen verschiedene politische Strategien, um Bewohner zu halten, Abgewanderte zur Rückkehr zu motivieren und Neubürger anzuwerben. Dazu zählen Willkommensagenturen, Rückkehrerboxen oder die Förderung harter und weicher Standortfaktoren. Von einer stabilen oder wachsenden Bevölkerung versprechen sich Akteure aus in der Vergangenheit schrumpfenden ländlichen Räumen, die Erhaltung von Infrastrukturen, wirtschaftliche Impulse sowie die Reduzierung von Wohnungsleerständen und die Vermeidung verödeter Ortskerne. Im Gegensatz dazu sind insbesondere im Umland wachsender Großstädte auch Strategien denkbar, die Zuwanderung vermeiden möchten, um soziale und bauliche Veränderungen zu verhindern. Dies zeigt auch, dass Strategien oftmals erwünschte Personengruppen, wie junge Familien oder Fachkräfte, adressieren, während jene Personen, von denen man sich aufgrund ihrer sozioökonomischen und demographischen Zusammensetzung wenig Impulse für ländliche Entwicklung verspricht (z.B. Senioren, sozial benachteiligte Personengruppen, Geflüchtete), nicht beachtet werden oder deren Zuwanderung unerwünscht ist. Mit der wachsenden Zuwanderung aus dem Ausland und den Überlastungseffekten in wirtschaftlich starken Metropolen entstehen einerseits neue Chancen für entsprechende Strategien, andererseits erschweren die sich ausdifferenzierenden Migrationsprozesse und deren Protagonisten gezielte Maßnahmen ländlicher Entwicklung.

    Die Fachsitzung möchte einen kritischen Blick auf diese Steuerungsversuche werfen und einen Beitrag dazu leisten, um zum einen die Adressaten der Initiativen und die Begründungszusammenhänge hinter den Initiativen besser zu verstehen. Zum anderen interessieren uns auch wissenschaftliche Evaluationen entsprechender Ansätze, über deren Wirkungen oftmals wenig bekannt ist, sowie eine Diskussion der damit verbundenen methodischen Herausforderungen. Die Beiträge sollen sich aus theoretisch-konzeptioneller, methodischer oder empirisch-angewandter Perspektive kritisch mit der Vermarktung von Orten (place marketing) für Wohnbevölkerung in ländlichen Räumen beschäftigen. Vorgesehen sind drei Fachvorträge jeweils mit anschließender Diskussion. Beiträge engagierter Nachwuchswissenschaftler*innen sind ausdrücklich erwünscht.

  • L8-FS-204Consuming migrant destinations
    Frau Prof. Dr. Antonie SchmizFrau Prof. Dr. Miriam Stock
    Universität OsnabrückPädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

    Kurzabstract

    Die Session betrachtet migrantische Ökonomien als Teil städtischer Konsumlandschaften und fragt nach den Repräsentationen, Zugehörigkeiten und Aushandlungen dieser in „migrant destinations“.

    Exposé

    Migrantische Ökonomien sind wesentlicher Bestandteil städtischer Konsumlandschaften und fungieren als zentrale alltägliche Aushandlungsorte von Zugehörigkeiten, sozialen Positionen und ethnischen Repräsentationen. Nicht zuletzt prägen sie die Transformationvon städtischen Geschmackslandschaften nachhaltig mit, in denen sich urbane Gesellschaften neu konfigurieren. Wie bisherige Forschungen zeigen, spielt die Herstellung von Authentizität in der Aushandlung von Konsum und der Inszenierung der Ökonomien als „ethnisch“ eine entscheidende Rolle. Dabei ist es besonders die sich als kosmopolitisch verortende, aufstrebende Mittelschicht, die Authentizitätsinzenierungen präferiert, um ihre kulturelle Hegemonie zu unterstreichen. Ausgehend von diesen Überlegungen widmet sich die Sitzung folgenden Fragen:

    · Welche Auswirkungen hat die Inszenierung von „migrant destinations“ auf die Repräsentationsmöglichkeiten von UnternehmerInnen? Welche Folgen hat der Inszenierungszwang für migrantische Unternehmen? Gibt es andere, unkonventionelle und hybridisierte Aushandlungspraktiken? Wie verändert der Konsum von migrantischen Destinationen alltägliche Praktiken?

    · Welche Unterschiede lassen sich zwischen Klein- und Großstädten beobachten? Welche weiteren Konsumentengruppen prägen den Konsum des Migrantischen mit, zum Beispiel in Kleinstädten, in denen andere Bevölkerungsgruppen und Lebensstile präsent sind?

    · Wie manifestiert sich die hohe Zahl von neu zugezogenen Geflüchteten in gegenwärtigen urbanen Konsumlandschaften und inwieweit unterscheiden sich neue Repräsentationsstrategien von etablierten migrantischen Ökonomien?

    · Welche neuen Ausschlüsse aus städtischen Gesellschaften ergeben sich aus den beschriebenen Transformationen, zum Beispiel für sozial benachteiligte Gruppen?

    In diesem Panel möchten wir uns mit den Wechselwirkungen von Migration und Konsum im Kontext von Stadt, Ökonomie und Alltagskultur beschäftigen und dabei unterschiedliche Aushandlungsräume in den Blick nehmen – von Gentrifizierungsquartieren in Großstädten zu neuen ethnisch inszenierten Clustern am Stadtrand, in Kleinstädten und im ländlichen Räumen. Wir laden dabei sowohl konzeptionelle als auch empirische Beiträge ein,und heißen explizit neue methodische Zugänge willkommen (z.B. Semiotik, Fotografie).

    Die Sitzung enthält vier 15-min.Beiträge mit anschließender Diskussion..

  • L8-FS-205Transformationsprozesse jenseits der Stadt: Rurale and periurbane Räume im Globalen Süden
    Herr Dr. Carsten ButschHerr Dr. Markus Keck
    Geographisches Institut der Universität zu KölnGeographisches Institut Universität Göttingen

    Kurzabstract

    Rurale und periurbane Räume des Globalen Südens erfahren derzeit grundlegende Veränderungen. In der Sitzung werden Entwicklungspfade vorgestellt und konzeptionelle Aspekte erörtert.

    Exposé

    Städte gelten gemeinhin als zentrale Orte, in denen sich gesellschaftliche Transformationsprozesse, insbesondere Globalisierungsprozesse am deutlichsten ablesen lassen. Insbesondere vor dem Hintergrund des „urban turn“ haben sich Geograph*innen zuletzt vermehrt auf Globalisierungs- und Transformationsprozessen in urbanen Räumen konzentriert. Globale Ströme von Produkten, Finanzen, Personen und Wissen verändern jedoch auch Orte jenseits der Stadt. In Schwellenländern erfüllen rurale und periurbane Räume heute unterschiedliche Funktionen. Sie sind Standorte für intensive Landwirtschaft genauso wie für Industrie, Wohnen und Entsorgung. Darüber hinaus erbringen sie oft wichtige Ökosystemdienstleistungen.

    In den Ländern, die derzeit starkes ökonomisches Wachstum erfahren, sind rurale und periurbane Räume unterschiedlichen Veränderungsprozessen ausgesetzt, die durch neue Akteure und neue Ansprüche an den Raum ausgelöst werden. So verändert sich etwa der Zugang der ansässigen Bevölkerung zu Ressourcen wie Wasser und Land, wenn eine Intensivierung der Landwirtschaft stattfindet oder neue Wohnstandorte geschaffen werden. Im Rahmen solcher ökonomischer Transformationsprozesse ändern sich neben der Raumnutzung auch die jeweiligen Governance-Regime und Sozialstrukturen. Diese Veränderungsprozesse sind oftmals konfliktträchtig und verlaufen häufig ungeplant. Gleichzeitig sind sie durch Pfadabhängigkeiten gekennzeichnet, so dass bestimmte Investitionen Vorfestlegungen für spätere Landnutzungen darstellen können, was den Gestaltungsspielraum lokaler Entscheidungsträger*innen einschränkt. Angesichts der Vielfältigkeit von sich zum Teil überlagernden Prozessen argumentieren wir, dass das Schicksal globalisierter ländlicher und periurbaner Gebiete nicht auf die Funktionsweise universeller kapitalistischer Gesetze reduziert werden kann, sondern als Ergebnis bestimmter räumlicher Geschichten und translokaler Assemblages gelesen werden muss.

    Die Sitzung ist als Vortragssitzung konzipiert. Wir laden zu Beiträgen ein, die konkrete Forschungsergebnisse vorstellen und dabei zugleich die jeweils zugrundeliegenden Konzepte von Globalisierung bzw. Transformation diskutieren. Abschließend werden wir gemeinsam erörtern, welche möglichen Entwicklungspfade rurale und periurbane Räume in Schwellen- und Entwicklungsländern nehmen können und welches die wichtigsten Konsequenzen für unser Verständnis aktueller Globalisierungsprozesse sind.

  • L8-FS-206Neue Ansätze der Regionalisierung – Strategien und Steuerungsansätze im nachhaltigen Umbau von Stoffströmen
    Frau Dr. Antje MaternHerr Andreas Obersteg
    BTU Cottbus-SenftenbergHCU Hamburg

    Kurzabstract

    Lokale Ansätze nachhaltiger Transformation verändern den Raum. Die Sitzung diskutiert an Beispielen Veränderungen in Stadt-Land-Gefügen, die durch regionalisierte Stoff- und Energieströme entstehen.

    Exposé

    Die Ansätze nachhaltiger Transformation von Städten und Regionen verändern den Raum und dessen Reproduktionsprozesse. Beispiele für Konzepte und Initiativen eines nachhaltigen Ressourcenmanagements und regionalisierter Stoffströme sind z.B. Food-Netzwerke, oder Konzepte, die Stoffströme in den Bereichen Abfall, Energie und Wasser kleinräumig zu schließen versuchen. Aber auch neue Formen des Wohnens und Arbeitens, die sowohl in städtischen und ländlichen Kontexten erprobt werden (co-working) hinterfragen bestehende Raumproduktionen, deren Akteure und Raumbeziehungen.

    In unterschiedlichen disziplinären Kontexten und Diskursen (vgl. Degrowth, Political Ecology, Regional Studies) werden die Entwicklungstrends und räumliche Auswirkungen diskutiert, die Beziehungen zwischen ländlichen und städtischen Raumtypen verändern. Dabei lassen sich Trends der verstärkten Regionalisierung von Energie- und Stoffströmen erkennen und räumliche Wirkungen, einer Hybridisierung von Produktions- und Lebensweisen oder einer Polarisation in der Raumentwicklung, werden kontrovers diskutiert. Zugleich werden die Ansätze als normative Alternative zu Wachstumskonzepten diskutiert. Es entstehen neue Formen von Zentralisierung und Dezentralisierung, neue Governance-Arrangements und Raumkonflikte, die wir in der Fachsitzung thematisieren. Dabei betrachten wir vor allem Raumproduktionen nachhaltiger Transformation, die bottom-up in den Regionen durch unterschiedliche Initiativen getragen werden. Verschiedene Konzepte und Strategien zum nachhaltigen Umbau regionaler Stoffkreisläufe und Konfliktlinien sollen vorgestellt werden. Mögliche Themen der einzelnen Fachbeiträge sind:

    · Welche Einflussfaktoren und Bedingungen prägen die Umbauprozesse? Welche Rolle spielen Materialität und Technologie für die regionalisierten Kreislaufkonzepte?

    · Wie lassen sich die Veränderungen in der Raumproduktion konzeptualisieren?

    · Wie lässt sich das Zusammenspiel von sozialen Prozessen, Akteursstrukturen und Aushandlungsprozessen in den Regionen verstehen?

    – Governance: Wie werden über Akteursgruppen und kommunale Grenzen hinweg Strategien zur Verbesserung von Stoffkreisläufen entwickelt? Welche Ansätze der Co-Kreation gibt es und welche Prozesse der Teilhabe finden Anwendung?

    Eingereicht werden können: Case Studies, nationale oder internationale Vergleiche, theoretische Überlegungen, quantitative und qualitative Analysen, insbesondere auch praxisrelevante Ableitung von Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten.

  • L8-FS-207Urban Food Governance und aktuelle Ernährungspolitiken
    Frau Dr. Petra LütkeFrau Christine Wenzl
    Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Institut für GeographieMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und Geographie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung fokussiert auf diverse Formen von Urban Food Governance, welche vor dem Hintergrund aktueller Ernährungspraktiken und Ernährungspolitiken diskutiert werden.

    Exposé

    Veränderte Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert, wie die globalisierte Produktion und der weltweite Handel von Lebensmitteln, führen dazu, dass die „Geographien der Ernährung“ verstärkt in den Fokus rücken. Neue Ansätze der Urban Food Governance umfassen vielfältige ernährungspolitische Bereiche, wie z.B. Veränderungen in den Konsumpraktiken von Konsument*innen (nicht nur in den Städten des Globalen Nordens), die auf faire und nachhaltige Lebensmittelproduktion ausgerichtet sind. Aber auch alternative Formen der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und zivilgesellschaftlichen ernährungspolitischen Initiativen spielen zunehmend eine wichtige Rolle. Dazu gehören die „Essbaren Städte“, die „Ernährungsräte“ und andere Konzepte, die auf eine stärkere Selbstbestimmung bei der Produktion, Distribution und den Konsum von Nahrungsmitteln im stadtregionalen Kontext abzielen.

    Vorgesehen sind Fachbeiträge zu folgenden Themen:

    – Aushandlungs- und Austauschprozesse der Ernährung zwischen Stadt und Land (staatlich reguliert und/oder zivilgesellschaftlich ausgehandelt),

    – Rolle urbaner Ernährungssysteme im Zusammenhang mit urbaner Nachhaltigkeit,

    – urbane ernährungspoltische Konzepte, wie etwa das der „Essbaren Städte“ oder der „Ernährungsräte“,

    – residentielle und/oder temporäre Ernährungspraktiken und -ökonomien in urbanen und suburbanen Kontexten,

    – Strategien der Gemeinschaftsverpflegung (Kindergärten, Schulen, Mensen, Kantinen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Verpflegung von Geflüchteten, Suppenküchen)

    – sowie weitere Themen im Kontext von Urban Food Governance und aktuellen Ernährungspolitiken.

  • L8-FS-208Ländliche Peripherien in Europa als Räume des Wandels: Positionierungsstrategien in der Postwachstumsgesellschaft
    Herr Prof. Dr. Ingo MoseFrau Dr. Anja Reichert-Schick
    Carl von Ossietzky Universität OldenburgEvangelische Akademie Bad Boll

    Kurzabstract

    Ländliche Peripherien in Europa wurden lange Zeit als benachteiligt angesehen. Heute lässt sich dagegen in vielen Regionen eine ökonomische, soziale und kulturelle Revitalisierung beobachten.

    Exposé

    Ländliche Peripherien in Europa wurden lange Zeit als strukturschwach, wirtschaftlich und sozio-kulturell benachteilig oder gar „Restgröße“ der Raumentwicklung angesehen. Während dieses Bild für viele periphere Räume tatsächlich über mehrere Jahrzehnte zutraf und sich im Zuge der Globalisierung teilweise sogar verstärkt hat, lassen sich heute auch deutlich gegenteilige Entwicklungen beobachten. Siedlungen, die den Anschein von „sterbenden Dörfern“erweckten, treten aufgrund von veränderten Determinanten wieder in eine Stabilisierungs- oder sogar eine Revitalisierungsphase ein. Sie erfahren auffällige Prozesse einer (ökonomischen) Renaissance, erleben ein Ende der Bevölkerungsdegression, etablieren neue Formen der Governance und lassen die Entstehung eines neuen Selbstbewusstseins erkennen. Diese Prozesse finden jedoch unter den geänderten Rahmenbedingungen einer Postwachstumsgesellschaft statt und bringen oftmals neue Rollen, Lebens- und Gesellschaftsformen hervor, die einem Wandel hin zu Suffizienz, Entschleunigung und Entkommerzialisierung verpflichtet sind.

    Die Fachsitzung dient dazu, einen Überblick zur aktuellen Situation ländlicher Peripherien zu vermitteln, der das Spannungsfeld zwischen Peripherisierung und De-Peripherisierung im Kontext der Postwachstumstransformation abzubilden vermag. Der Fokus soll dabei auf folgenden Aspekten liegen:

    · die Ausbildungspezifischer Formen der lokalen und regionalen Governance,

    · die Rolle der Akteurein ländlichen Peripherien,

    · die Prozesse der demographischen, ökonomischen und sozialen Revitalisierung und ein damit einhergehender Funktionswechsel mit der Übernahme neuer Rollen in den Bereichen Tourismus, Gewerbe, Bildung, Kultur, Gesundheit oder weiteren Segmenten,

    · die Bedeutung von exogenen und endogenen Faktoren im Kontext der Revitalisierung: inwiefern spielen endogene Entwicklungsansätze eine Rolle und inwiefern sind Revitalisierungsansätze seitens der Zentren initiiert?

    Grundsätzlich soll die Frage gestellt werden, welche Rollen europäische Peripherien in einer Postwachstumsgesellschaft übernehmen können und in welcher Form sie eine Renaissance erfahren. Vor diesem Hintergrund soll die Fachsitzung zum einen empirische Beiträge zu Positionierungsstrategien ländlicher Peripherien sowie zum anderen auch Beiträge zur theoretischen Kontextualisierung von Peripherien zwischen Verfall und Revitalisierung umfassen.

    Quelle: Ulrike Grabski-Kieron, Ingo Mose, Anja Reichert-Schick, Annett Steinführer (Hg.): European rural peripheries revalued: governance, actors,impacts. (Rural areas: Issues of local and regionaldevelopment | Ländliche Räume: Beiträge zur lokalen und regionalen Entwicklung,1). Münster.

  • L8-FS-209On the role of not-for-profit property models and community-led housing for current housing politics
    Frau Dr. Corinna HölzlFrau Dr. Sabine Horlitz
    Humboldt-Universität zu Berlin, Geographisches Institut, Angewandte Geographie und RaumplanungHumboldt-Universität zu Berlin, Institut für Sozialwissenschaften, Stadt- und Regionalsoziologie

    Kurzabstract

    This session focusses on nonprofit property and community-led models in the field of housing as well as related spatial dynamics and the transformative potential in respect of the housing question.

    Exposé

    Against the background of the increasingly pressing housing question worldwide, bottom-up organized, nonprofitoriented actors on the housing market–such as new co-operatives, the Mietshäuser Syndikat and Community Land Trusts–are attracting more and more public attention. Meanwhile, political decision-makers, particularly in Great Britain, but also in a few other European (including German) cities perceive them as possible co-operation partners. And, to some extent, these actors have an effect on housing policy decisions.

    Within the framework of research on housing politics and space, there is a lack of studies that focus on these new actors and models, their potential regarding the democratization of housing provision as well as their multi-scalar and transnational networks. Besides theoretical and methodological approaches, this session particularly welcomes international empirical case-studies and application-oriented perspectives in order to answer the following quesions:

    – Which importance can be attached to these approaches in the light of the housing question? Which mechanisms are applied to decommodify housing and to democratize housing provision?

    – Which actor groups are particularly active, and what mechanisms of in- and exclusion of social groups can be observed?

    – How do the varying urban framework conditions affect the implementation of new housing and property models?

    – How do they circulate translocally? Which spatial learning processes are related to that?

    – What are the methodological challenges for empirical analyses in this field of research?

    – In how far do these approaches point beyond themselves? Under which conditions can we talk of a socialization of housing, a new municipalization, or of urban commoning?

    The session refers to guiding theme 8 „Urban-Rural-Worlds“, especially to housing and housing politics as well as urban commoning. In addition, guiding theme 2 „Geographies in Critical Perspectives“ (above all, social movements) plays a role.

    Four to five presentations followed by a discussion are scheduled for the session. Presentations can be held in German or English. On the basis of the session, we are planning to publish a collective volume or special issue.

  • L8-FS-210Daseinsvorsorge für ländliche Regionen auf dem Prüfstand: eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung im Spiegel der Regionalentwicklung
    Herr Prof. Dr. Martin HeintelHerr Dr. Christian Krajewski
    Institut für Geographie und Regionalforschung Universität WienUniversität Münster, Institut für Geographie

    Kurzabstract

    Diskutiert wird die Frage, wie in ländlichen Schrumpfungsregionen die Daseinsvorsorge innovativ und zukunftsfähig auszugestalten ist.

    Exposé

    Grunddaseinsvorsorge entspricht dem Leitbild einer solidarischen Gesellschaft. Um dieses aufrecht zuerhalten, gilt es zum einen, die schon sichtbaren gesellschaftlichen Bruchlinien genau und auch selbstkritisch zu beobachten. Zum anderen sind die Anforderungen an Daseinsvorsorge selbst an sich verändernde Rahmenbedingungen proaktiv anzupassen. Diese Rahmenbedingungen beschreibt die Regionalentwicklung, die als Querschnittsaufgabe darauf abzielt, verschiedene gesellschaftliche Aktivitäten und die darauf orientierten Fachpolitiken bestmöglich aufeinander abzustimmen. Letztlich soll in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder ökologischer Hinsicht eine regional ausgewogene Entwicklung erreicht werden.

    Unabhängig von der Aufrechterhaltung des grundgesetzlich verankerten Staatsziels der Gleichwertigkeit wird in Deutschland um ein zeitgemäßes Verständnis der Daseinsvorsorge gerungen. Die Österreichische Bundesregierung bekennt sich dazu, die Lebens- und Wirtschaftsstandorte in ländlichen Regionen für die Menschen abzusichern und weiterzuentwickeln sowie eine gleichwertige Daseinsvorsorge sicherzustellen.

     

    Daseinsvorsorge befindet sich heute auch in Konkurrenz zu einer wettbewerbsorientierten Regionalpolitik, in deren Förderfokus häufig starke – oft städtische – Regionen stehen. Aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive ist daher zu fragen, wie eine Gleichwertigkeit auch für Schrumpfungsregionen – beispielsweise in organisatorischer und finanzieller Hinsicht – aufrechterhalten werden kann? Das aktuelle Diskussionsspektrum reicht hier von festen Mindeststandards der Daseinsvorsorge bis zu sog. Selbstverantwortungsräumen. Dementsprechend wird künftig die Aushandlung um eine Grunddaseinsvorsorge immerwährend auf dem gesellschaftlichen Prüfstand stehen.

    Vor diesem Hintergrund sollen in der Sitzung folgende Fragestellungen diskutiert werden:

    – Wo soll die Steuerung ländlicher Regionen gezielt ansetzen?

    – Wie ist das Verhältnis von Stadt und Land (Zentrum und Peripherie) hinsichtlich monetärer Transferleistungen zukünftig zu bewerten?

    – Welche Rahmenbedingungen und inhaltlichen Schwerpunkte sind für eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge im ländlichen Raum notwendig?

    – Welche Steuerungsinstrumente und Maßnahmen eignen sich besonders, um die Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen innovativ zu sichern?

    – Was sind erfolgreich erprobte Ansätze, Strategien und Konzepte?

    Das Sitzungsthema umfasst max. vier Vorträge.

  • L8-FS-211Nachhaltiges Flächenmanagement in europäischen Großstadtregionen. Herausforderungen, Instrumente und Akteure.
    Herr Prof. Dr. Sebastian HennHerr Dr. Thomas Zimmermann
    Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für GeographieHafenCity Universität Hamburg

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung setzt sich mit aktuellen Herausforderungen, Instrumenten und Akteuren auf dem Gebiet des nachhaltigen Flächenmanagements in europäischen Großstadtregionen auseinander.

    Exposé

    Nicht zuletzt mit dem Ziel, die UN-Sustainable Development Goals zu erfüllen, bemühen sich Entscheidungsträger aus Politik sowie Akteure aus Verwaltung und Wissenschaft im Rahmen von Maßnahmen des sogenannten nachhaltigen Flächenmanagements seit nunmehr einigen Jahren um eine Begrenzung der Neuinanspruchnahme von Siedlungsflächen. Während in anwendungsorientierten Forschungsprojekten diesbezüglich inzwischen intensive Erfahrungen gesammelt wurden, mangelt es bislang noch an einer ganzheitlichen Diskussion von nachhaltigem Flächenmanagement. Die Fachsitzung nimmt dies zum Anlass, den aktuellen Diskussionsstand zu dieser Thematik mit drei Vorträgen systematisch aufzubereiten. Exposés für mögliche Beiträge sollten auf einen der drei zentralen Teilaspekte fokussieren:

    Herausforderungen. Die Fachsitzung diskutiert theoriegeleitete und/oder fallstudienbasierte Analysen der Dynamiken der Neuinanspruchnahme von Siedlungsfläche, die die Notwendigkeit nachhaltigen Flächenmanagements illustrieren bzw. einem solchen entgegenstehen.

    Instrumente. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Instrumente zur nachhaltigen Flächenplanung konzipiert und teilweise auch in gesetzlichen Bestimmungen (z. B. Bebauungspläne der Innenentwicklung im Bau- und Planungsrecht) verankert. Darüber hinaus wurden in vielen anwendungsbezogenen Projekten weitere Instrumente zur Verringerung der Flächeninanspruchnahme (z.B. handelbare Flächenzertifikate) entwickelt. Die Fachsitzung behandelt vor diesem Hintergrund Best Practices und Wirkungen derartiger instrumenteller Innovationen.

    Akteure. Ressourcenschonendes Flächenmanagement verlangt insbesondere in Großstadtregionen nach einer intensiven Kooperation vielfältiger Akteure. Insbesondere bei zunehmendem Siedlungsdruck in den großstädtischen Kernen und ihrem unmittelbaren Umland erweisen sich der Umgang mit divergierenden Interessen und der Austausch von Informationen zwischen vielfältigen heterogenen Akteuren als zentrale Herausforderung für ein nachhaltiges Flächenmanagement. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Fachsitzung auch Fallstudien, die die Wirkweisen von interkommunaler Zusammenarbeit im Zusammenhang mit einem nachhaltigen Flächenmanagement aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven untersuchen.

  • L8-FS-212Gestaltung lebenswerter und gesunder Städte – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie … ja wen denn eigentlich?
    Herr Dr. Thomas ClaßenHerr Prof. Dr. Thomas Kistemann
    Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, Fachgruppe Gesundheitsanalysen und PrognosenUniversitätsklinikum Bonn, IHPH - Institut für Hygiene und Public Health, GeoHealth Centre, WHO CC for Health Promoting Water Management and Risk Communication

    Kurzabstract

    Welche Zugänge und Impulse braucht eine gesundheitsförderliche Stadtentwicklungsplanung, damit sie nachhaltig gelingen kann? Diese und andere Fragen werden in einem Diskussionsforum thematisiert.

    Exposé

    Die Lebensumwelt beeinflusst in vielfältiger Weise direkt, aber auch indirekt Wohlbefinden, Lebensqualität und Gesundheit. Insbesondere städtische Räume werden oftmals mit belastenden und gesundheitsschädigenden Einwirkungen über Boden, Wasser und Luft sowie aus der baulich-technischen und der sozialen Umwelt assoziiert. Diesen stehen gesundheitsförderliche, salutogene Ressourcen gegenüber, welche gesundheitliche Belastungen mildern, das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung erhalten und steigern können. Dies sind u.a.:

    · eine hohe Dichte an gesundheitsrelevanten Einrichtungen (z.B. medizinische Versorgung,Sportvereine),

    · eine hohe Quartiersidentität aufgrund einer starken Verbundenheit mit baulichen und sozialen Strukturen und Einrichtungen und den damit assoziierten Bedeutungszuschreibungen (place attachment,place identity),

    · abseits größerer Straßen eine bewegungsförderliche Umgebung (Stadt der kurzen Wege), die Zufuß gehen und Fahrradfahren begünstigen kann,

    · urbane Grünräume und Gewässerstrukturen als grüne und blaue Infrastrukturen.

    Manche Ressourcen stellen ein Abbild gesellschaftlicher Prozesse und individueller Bedeutungszuschreibungen dar und entziehen sich weitgehend der Planbarkeit. Die meisten Ressourcen sind jedoch im Rahmen von politischem und integralem Verwaltungshandeln prinzipiell verhandel-, plan- und gestaltbar. Der Druck auf Stadträume im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung und Verdichtung bedingt jedoch oftmals, dass“weiche“ Gesundheitsfaktoren in Aushandlungsprozessen vermeintlich härteren Faktoren unterliegen. Zudem beeinflussen stetige Veränderungsprozesse (z.B.Klimawandel, Migration) weltweit das gesellschaftliche Gefüge, die ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen, die bestehenden Governance-Strukturen sowie die Räume selbst erheblich und offenbaren sowohl Stärken als auch Vulnerabilitäten der Städte auch in gesundheitlicher Hinsicht.

    Wie können Städte vor diesen Herausforderungen gesundheitsförderliche Stadtentwicklung realisieren? Welche Vorstellungen, theoretischen und methodischen Zugänge bestehen in der Geographischen Gesundheitsforschung? Sind inter- und transdisziplinäre Kooperations- und Forschungsdesigns im Sinne einer transformativen Wissenschaft das Mittel der Wahl? Diese Fragen sollen in einem Diskussionsforum mit bis zu vier Kurzimpulsen à fünf Minuten (Thesen) thematisiert und mit dem Plenum (z.B. mittels Fishbowl-Methode) diskutiert werden.

  • L8-FS-213Geographien des Bodeneigentums
    Herr Dr. Felix Silomon-PflugFrau Cilia Lichtenberg
    Universität Frankfurt, Institut für HumangeographieUniversität Weimar, Institut für Europäische Urbanistik

    Kurzabstract

    In der Session werden Fragen des Bodeneigentums und der Bodenpolitik diskutiert sowie die Handlungskapazitäten und Steuerungspotentiale langfristigen Bodeneigentums und damit verbundene Geographien.

    Exposé

    Die Geschichte des Kapitalismus ist untrennbar verbunden mit der Frage nach dem Umgang mit Grund- und Bodeneigentum, die sich gegenwärtig unter neuen Vorzeichen stellt. Sei es die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, der Bau von Schulen und Kindergärten oder die Unterbringung von Geflüchteten, der Handlungs- und Gestaltungsspielraum auf lokaler Ebene für Stadtentwicklung im Allgemeinen ist infolge der umfassenden Privatisierung öffentlichen Liegenschaftseigentums in den letzten 30 Jahren stark eingeschränkt. Infolge von Vermarktlichungs- und Finanzialisierungsprozessen, Privatisierung sowie unternehmerischer Politiken öffentlicher Akteure selbst ist bei der öffentlichen Daseinsvorsorge eine gestiegene Orientierung an und Abhängigkeit von privaten Grundstücks- und Immobilienmärkten zu beobachten. Ein Wandel öffentlicher Bodenpolitik wird vieler Orts zwar gefordert, aber nur in wenigen Ausnahmen umgesetzt. Bestehende Instrumente wie bspw. Vorkaufsrecht, Erbbaurecht oder Enteignung werden nicht (konsequent) genutzt oder eignen sich nicht für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Grund- und Bodeneigentum.

    Die steigende soziale Ungleichheit artikuliert sich in der Folge auch als Ungleichheit im Zugang zu und der Nutzung von Bodeneigentum. Der zunehmende Verlust an Bedeutung und Legitimation der öffentlichen Hand als Grundstückseigentümerin wirft auch die Frage auf, wie nichtstaatliche Akteuer_innen wie bspw. Kirchen oder Stiftungen mit ihrem teilweise umfassenden Bodeneigentum umgehen. Mehr noch stellt sich allgemeiner die Frage, welche Modelle langfristiger Sicherung von Bodeneigentum jenseits klassischen Privateigentums und ökonomischer Verwertung existieren. Gerade Formen langfristigen Bodeneigentums müssen dahingehend befragt werden, welche Handlungskapazitäten und Steuerungspotentiale mit ihnen verbunden sind und welche sozialen und ökonomischen Geographien sie (re-)produzieren. Zusammengefasst wollen wir in der Session mit konzeptionellen und empirischen Beiträgen die Frage bearbeiten, wie eine Antwort auf die Bodenfrage entwickelt werden kann, die Bodeneigentum und dessen Nutzung nicht als Grundlage zukünftiger Rendite sieht, sondern die demokratische Kontrolle und soziale Zweckbindung der Bodennutzung in den Vordergrund stellt.

  • L8-FS-214Frankreich: Gesellschaft und Stadt-Land-Welten im Umbruch
    Herr Prof. Dr. Tim FreytagFrau Prof. Dr. Heidi Megerle
    Universität FreiburgHochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

    Kurzabstract

    Mit Fokus auf Frankreich beleuchtet die Fachsitzung die aktuelle Situation der französischen Gesellschaft und die sich wandelnden Stadt-Land-Welten aus verschiedenen humangeographischen Perspektiven.

    Exposé

    Frankreich eröffnet vielfältige Anknüpfungspunkte für die geographische Forschung. Dies zeigt sich bereits im „Tableau de la Géographie de la France“ von Paul Vidal de la Blache und in anderen Arbeiten, die im frühen 20.Jahrhundert entstanden. Seitdem haben sich nicht nur die theoretisch-konzeptionellen Ansätze und methodischen Zugänge immer wieder verändert, sondern es sind auch bestimmte Forschungsthemen für eine Weile in den Vordergrund gerückt und dann wieder zurückgetreten.

    Frankreich war in den letzten Jahr(zehnt)en vielfältigen politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und raumstrukturellen Veränderungen ausgesetzt. Diese haben sowohl für Agglomerations- als auch für ländliche Räume vielfältige und durchaus heterogene Herausforderungen bewirkt.

    Vor diesem Hintergrund versteht sich die Fachsitzung als ein Forum für die Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsbeiträgen aus verschiedenen geographischen Teildisziplinen. Idealerweise sollten sich Beiträge auf das Leitthema Stadt-Land-Welten beziehen, wobei im Kontext der zunehmend ungleichen Entwicklungen zwischen Stadt und Land, aber auch innerhalb der Agglomerationsräume (u. a. Banlieus versus Gated Communities) und der ländlichen Regionen (u. a. internationale Tourismusdestinationen versus Peripherräume) Aspekte wie Armut, soziale Ungleichheiten, Fragmentierungen und Polarisierungen relevant sein können. Die zunehmenden Disparitäten innerhalb Frankreichs, die eine Marginalisierung v. a. der geographischen Kernräume („La France périphérique“) befürchten lassen, können hier interessante Anknüpfungspunkte bieten.

    Die Fachsitzung im klassischen Format soll mittels vier Vorträgen ein facettenreiches Bild der aktuellen Verhältnisse in Frankreich aufzeigen, das sowohl unterschiedliche thematische, aber auch theoretisch-konzeptionelle und methodische Zugänge als Basis für eine intensive Diskussion bietet.

  • L8-FS-215Populismus, Politikverdrossenheit, Vertrauensverlust – Implikationen für die Stadtentwicklung
    Frau Prof. Dr. Uta HohnHerr Prof. Dr. Ludger Basten
    Ruhr-Universität Bochum, Geographisches InstitutTU Dortmund, Institut für Didaktik integrativer Fächer

    Kurzabstract

    Theoretische und empirische Analysen zur Bedeutung von Vertrauen bzw. zu Ursachen und Folgewirkungen eines zunehmenden Misstrauens gegenüber demokratisch legitimierten Akteuren in der Stadtentwicklung

    Exposé

    Seit einigen Jahren ist vielerorts ein wachsender Verlust der Glaubwürdigkeit staatlichen Handelns zu beobachten. Zunehmende soziale und ideologische Spaltung, widerstreitende Interessen sowie das Gefühl geringer Einflussmöglichkeiten des „normalen Bürgers“ gehen einher mit einem Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und Mechanismen. Wahlversprechen wird immer weniger geglaubt, die Kompetenz von Verwaltungen wird angezweifelt,ein oft diffuses Misstrauen gegen „die Eliten“ (und Medien) macht sich breit. Wahl- und Politikverdrossenheit, abnehmende Zustimmungsraten der etablierten (Volks-)Parteien sowie das Erstarken populistischer Parteien und Protestbewegungen sind ebenso augenfällig wie eine wachsende Unzufriedenheit mit und Distanz gegenüber politisch Verantwortlichen und planerisch Handelnden.

    Dies zeigt sich insbesondere auf der Ebene des lokalen Staats in der Stadtentwicklung (Leitthema 8, hier: Stadträume und ‑welten). So mehren sich in deutschen Städten NIMBYismus, Proteste und Widerstände nicht nur gegen Großprojekte, sondern auch gegen Strategieentwicklungen, kleinere Projekte oder gar jegliche Prozesse der lokalen Stadt(entwicklungs)planung. Mancherorts scheint es, als sei ein grundlegendes Misstrauen gegenüber der politischen Prioritätensetzung und der Umsetzungskompetenz der Verwaltung entstanden, welches institutionelle Abläufe und viele Projekte in Frage stellt. Dieses Misstrauen „von unten“ (aber möglicherweise auch gegenläufig „von oben“?) gefährdet inzwischen auch solche städtischen Projekte, die von Politik und Verwaltung als „im Sinne des Gemeinwohls“ notwendig oder wünschenswert erachtet werden – und zwar nicht nur „traditionell“ kontroverse Projekte wie forensische Kliniken, Mülldeponien o. ä., sondern zunehmend auch Planungen, die lange Zeit als relativ unkritisch angesehen werden konnten, etwa den Bau einer Straßenbahnlinie oder die Schaffung von preiswertem Wohnraum.

    Diese „klassische“ Fachsitzung wird sich mit der Thematik von Vertrauen und Misstrauen in der Stadtentwicklung beschäftigen. 15- bis 20-minütige Beiträge können sich sowohl – konzeptionell – mit Vertrauen als grundsätzlicher Bedingung von Stadtentwicklung beschäftigen als auch – eher angewandt, anhand von Fallbeispielen – mit den Ursachen und insbesondere den Folgewirkungen eines zunehmenden Misstrauens in die Stadtentwicklung und ihre demokratisch legitimierten Akteure.

  • L8-FS-216Urban peripheries in the Global South: Between financialization, extractivism and political agency
    Frau Dr. Nadine ReisHerr Dr. Michael Lukas
    Geographisches Institut, Universität BonnGeographisches Institut, Universidad de Chile

    Kurzabstract

    This session discusses the causes, consequences and politics of recent dynamics in urban peripheries of the Global South and the role of these spaces in current processesof capitalist development.

    Exposé

    For much of the 20th century, urban peripheries in the Global South were characterized by the autoconstruction of settlements by immigrants from the countryside, a process that Caldeira (2016) termed ‘peripheral urbanization’. Since the 1990s, urban peripheries have begun to change in the context of neoliberal policies such as the privatization of housing, transport and infrastructure and, on a more general level, the financialization of economies and urban development. One important dimension of recent developments is the high pressure of finance capital on agricultural land and the settlement areas of low-income population in the urban peripheries, which now coexist with or have to give way to industrial parks, office blocks, transport infrastructure, residential developments and large-scale master-planned communities.

    Another prominent phenomenon is the re-organization of space in the context of extractivism and re-primarization. New forms, scales and paces of (agro-)extractivism give rise to extended urbanization that radically challenges established epistemologies and theories of urban development.

    This session brings together scholars to discuss the natures, causes, consequences, and politics of the dynamics taking place in urban peripheries of the Global South to enhance our understanding of the role of these spaces in current processes of capitalist development.

    We invite proposals for papers addressing (but not limited to) one or more of the following questions:

    What are the characteristics of current urbanization processes in the Global South and (how)do they differfrom hitherto processes of urban growth?

    How do these changes relate to current modes of capital accumulation, such as the increasing power of finance capital in the Global South?

    What are the social, ecologicaland economic effects of the new spatial configurations?

    How does development in the urban periphery interrelate with agrarian change? How is it linked to the commodification of nature and a re-distribution of access to natural resources?

    Are peri-urban/rural-urban spaces arenas of resistance to neoliberalism?