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Leitthema 7

  • L7-FS-150Räumliche Manifestierungen von Globalen Wertketten
    Herr Prof. Dr. Peter DannenbergHerr Prof. Dr. Martin Franz
    Geographisches Institut Universität zu KölnInstitut für Geographie Universität Osnabrück

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung untersucht wie sich globale, nationale und regionale Wertketten sowie Produktionsnetzwerke räumlich manifestieren und welche Chancen und Probleme hiermit einhergehen.

    Exposé

    Das Denken in Globalen Wertketten und Produktionsnetzwerken beeinflusst einen Großteil der wirtschaftsgeographischen Debatte und hat in den letzten Jahren auch zunehmend Einfluss in Politik und Entwicklungszusammenarbeit erhalten. Während verschiedene wissenschaftliche und angewandte Studien die Chancen der Einbindung lokaler Unternehmen und Regionen in Globale Wertketten herausstellen und manche Politiker hieraus großräumige Visionen ableiten, identifizieren andere Studien auch zunehmend Schattenseiten.

    Die vorgeschlagene Fachsitzung untersucht wie sich globale, aber auch nationale und regionale Wertketten räumlich manifestieren und welche Chancen und Probleme hiermit einhergehen. Hierbei sollen u.a. strategische aber auch nicht intendierte Wechselwirkungen zwischen privaten, staatlichen und weiteren Akteuren betrachtet, Machtbeziehungen analysiert und die Rolle aktueller wertkettenorientierter Raumwirtschaftspolitiken (z.B. neue Wachstumskorridore, Sonderwirtschaftszonen, Freihäfen, Hub- und Gateway-Strategien) kritisch hinterfragt werden. Die Sitzung findet mit Unterstützung des DFG-Netzwerkes Spaces of Global Production: The Territorial Dimensions of Global Production Networks and World City Networks statt.

  • L7-FS-151Die Reurbanisierung des Arbeitens und Wohnens
    Frau Prof. Dr. Anna GroweFrau Dr. Angelika Münter
    Geographisches Institut Universität HeidelbergILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung

    Kurzabstract

    Die Reurbanisierung des Arbeitens und des Wohnens wirken zusammen, zeigen regional aber unterschiedliche Ausprägungen und damit auch Chancen und Herausforderungen für die Stadtentwicklung.

    Exposé

    Die Reurbanisierung ist seit gut einem Jahrzehnt ein, wenn nicht der prägende Trend der Raumentwicklung in Deutschland. Diese äußert sich sowohl quantitativ (Wachstum bzw. relativer Bedeutungsgewinn der Städte) als auch qualitativ (gestiegene gesellschaftliche Wertschätzung „des Urbanen“). In dieser Fachsitzung werden die Reurbanisierung des Arbeitens und die des Wohnens integriert betrachtet. Denn unter der Vielzahl der ursächlichen demographischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Einflussfaktoren auf diesen Trend scheint insbesondere die zunehmende Wissensorientierung der Ökonomie einhergehend mit neuen Anforderungen an Humankapital eine tragende Rolle zu spielen. Im Zuges dessen rücken Lebens- und Arbeitswelt enger zusammen und die Anforderungen an Wohn- und Arbeitsorte verschieben sich zugunsten urbaner Standorte. Der generelle Trend zur Reurbanisierung zeigt darüber hinaus inter- wie intraregional höchst unterschiedliche Facetten: Während diese bspw. am offensichtlichsten in den hochdynamischen Metropolen wirkt, dort aber zunehmend auch Schattenseiten offenbart (z. B. Überhitzung der Immobilienmärkte verbunden mit „Überschwappeffekten“ in das Umland), kann sie in wiedererstarkten Städten in Schrumpfungsregionen Entwicklungsimpulse setzen (z. B. zur Modernisierung von Immobilienbeständen), welche aber häufig auf den engeren kernstädtischen Bereich beschränkt sind. In der Fachsitzung wird hinterfragt, wie die Einflussfaktoren demographischer und ökonomischer Reurbanisierung zusammenwirken, welche regionalen Implikationen dies mit sich bringt und welche Chancen und Herausforderungen daraus für eine nachhaltige Raumentwicklung resultieren.

    Mögliche Anknüpfungspunkte für Beiträge sind:

    – Theoretisch-konzeptionelle Beiträge zu den Einflussfaktoren der Reurbanisierung und deren Schnittstellen in unterschiedlichen räumlichen Kontexten

    – Empirische Arbeiten zu den inter- und intraregionalen Ausprägungen der Reurbanisierung des Arbeitens und Wohnens (z. B. auf Basis von Beschäftigten-, Wanderungs- oder Pendlerdaten)

    – Szenarien zur zukünftigen Entwicklung, z. B. zum Bedeutungsgewinn bzw. -verlust von Einflussfaktoren und daraus resultierenden regionalen Implikationen

    – Chancen durch und Herausforderungen für die Stadtentwicklung, Fragen der Steuerbarkeit und Steuerung der Reurbanisierung im Sinne einer nachhaltigen Raumentwicklung in unterschiedlichen räumlichen Kontexten

    Veranstaltungsformat: 4 externe Vorträge à 15 min. zzgl. einer übergreifenden Diskussion.

  • L7-FS-152Transnationale Hochschul(t)räume: kritische Perspektiven auf Märkte, Wissen und Macht in globaler Hochschulbildung
    Frau Dr. Jana KleibertFrau Prof. Dr. Susan Thieme
    Leibniz-Institut Raumbezogene Sozialforschung (IRS)Universität Bern

    Kurzabstract

    Formen und Diskurse transnationaler Hochschulbildung und internationaler Wissens-, Migrations- und Investitionsflüsse werden kritisch beleuchtet.

    Exposé

    Hochschulbildung ist einerseits eine ökonomisch bedeutende Dienstleistung geworden, anderseits spielt Hochschulbildung eine wichtige Rollein der sozialen Reproduktion. Universitäten sind somit Orte der Produktion sowie der Reproduktion der globalen „Wissensökonomie“. Insbesondere im globalen Süden ist internationale Bildung zum Entwicklungsversprechen geworden, was eine kritische Beleuchtung der Geometrien der Macht in Nord-Süd Bildungsbeziehungen herausfordert.

    Geographische Perspektiven können den Blick auf die Entstehung von transnationalen Räumen der Hochschulbildung lenken, die geprägt sind von ungleichen Mobilitäten von Wissen, Studierenden, Forschenden und Lehrenden, und ökonomischem Kapital. Dies beinhaltet, zum Beispiel, eine Problematisierung des Wissenstransfers durch „internationale“ Curricula in post-kolonialen Kontexten und der Diskurse zu „globaler Bildung“ und der „Wissensökonomie“ , das Aufzeigen der Geographien von Studierendenmobilität, den Zugang zu Informationen über soziale Medien oder Vermittlungsagenturen, vergleichende Analysen von Vermarktlichungs-und Internationalisierungsstrategien von Hochschulen, sowie der Errichtung von Universitätszweigstellen im Ausland und internationalen Universitätsstädten als „knowledge hubs“, und vieles mehr.

    Die Vortragssitzung zielt darauf ab, sich kritisch mit der Rolle von Universitäten in der Wissensökonomie aus unterschiedlichen Perspektiven der geographischen Migrationsforschung, Wirtschafts-, Entwicklungs- und Stadtgeographie auseinanderzusetzen.

    Für die Fachsitzung sollen empirisch fundierte und/oder konzeptionelle Beiträge eingereicht werden, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen.

  • L7-FS-153Lernen von und mit Infrastrukturen: Eine kulturgeographische Perspektive auf räumliche Mobilität
    Frau Dr. Anna-Lisa MüllerFrau Dr. Leonie Tuitjer
    Universität Bremen/Institut für GeographieLeibniz Universität Hannover/Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung fragt danach, wie Infrastrukturen als Lernorte und Gegenstand von Lernprozessen fungieren und wie sich der Nexus von Infrastrukturen, lernen und räumlicher Mobilität fassen lässt.

    Exposé

    Im Alltag gehen wir mit Infrastrukturen routiniert um und sind gegenüber den Lernprozessen, die hinter diesem Umgang und unserer Verortung in einer Gesellschaft stehen, weitgehend ignorant. In Situationen der Neuorientierung an Orten und in (fremden) Gesellschaften ist das Lernen von, mit und über Infrastrukturen dagegen sehr präsent. So stehen Zugewanderte der Herausforderung gegenüber, Sprache, Alltag und Kultur und die damit verbundenen Infrastrukturen eines neuen Landes erlernen zu müssen. Eigene Forschung in Bangkok mit Geflüchteten aus Sri Lanka zeigte, dass die Nutzung von lokalen Transportinfrastrukturen immer dann zur Herausforderung wird, wenn Abfahrtszeiten und Orte ohne die Hilfe von verlässlichen, mehrsprachigen Busfahrplänen herausgefunden werden müssen

    In Anlehnung an neuere Arbeiten aus der Kultur- und Sozialgeographie verstehen wir Lernen als komplexen Vorgang der Aneignung, der sowohl räumliche als auch zeitliche Dimensionen beinhaltet und von einem ungleichen Zugang zu Ressourcen mitbestimmt wird. Welche Rolle das Lernen von und mit Infrastrukturen im Kontext von Migration und Flucht spielt, ist bislang kaum untersucht. Vor dem Hintergrund der Entstehung postmigrantischer Gesellschaften und der damit verbundenen Neuordnung von sozialräumlicher Organisation sehen wir hierin einen wichtigen Forschungsgegenstand für die Geographie.

    In der Fachsitzung möchten wir daher der Frage nachgehen, wie Infrastrukturen (z.B. Transportwesen, Abfallwirtschaft, Energieversorgung) sowohl als Lernorte als auch als Gegenstand von Lernprozessen für verschiedene Gruppen von Neuankömmlingen fungieren und auf welche Weise diesbezügliches Wissen hergestellt und in Praktiken eingelagert wird.

    Neben Forschungsbeiträgen aus der Infrastrukturforschung freuen wir uns über Beiträge von praxisorientiert arbeitenden Geograph*innen, Didaktiker*innen sowie Migrations- und Integrationsforscher*innen. Wir begrüßen dabei sowohl theoretische Beiträge, die sich mit dem Thema Lernen durch/mit Infrastrukturen auseinandersetzen, und über empirische Fallstudien. Leitfragen für Beiträge können sein:

    – Wie lernen z.B. Migrant*innen, Geflüchtete, Expatriierte oder Tourist*innen mit neuen Infrastruktursystemen umzugehen? Auf welche Ressourcen greifen sie dabei zurück?

    – Welche Rolle spielen geographische und sozio-politische Kontexte (z.B. Städte des Globalen Südens/ Nordens)?

  • L7-FS-154Sozialer Zusammenhalt in Ankunftsquartieren: Zur Rolle multilokaler Netzwerke, steigender Diversität und sich verändernder Governancestrukturen
    Frau Dr. Yvonne FranzFrau Dr. Heike Hanhörster
    Institut für Geographie und Regionalforschung, Universität WienILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH

    Kurzabstract

    Theoretische Reflexionen, methodische Zugänge und empirische Analysen zu Mechanismen sozialen Zusammenhalts in fluiden superdiversen Stadtteilen

    Exposé

    Die Rahmenbedingungen und Herausforderungen sozialen Zusammenhalts werden im Kontext zunehmender Digitalisierung, sozialer und ethnischer Heterogenisierung sowie Ausdifferenzierung unterschiedlicher Formen residentieller Mobilität kontrovers diskutiert. Aufgrund neuer (Flucht-)Zuwanderung entstehen Stadtteile mit hoher Bevölkerungsdynamik, die sich durch multilokale Praktiken der hier Lebenden auszeichnen. Diese Ankunftsquartiere sind von speziellem Interesse, da sie in besonderer Weise durch (temporäre) internationale Migration, Superdiversität, Fluktuation sowie Einkommensarmut geprägt sind.

    In der Session soll kritisch diskutiert werden, welche Wirkungen aktuell in der geographischen Quartiersforschung jenen städtischen Kontexten zugesprochen wird, die von besonderer Bevölkerungsdynamik und Diversität geprägt sind (Drilling 2008; Glasze/Pott 2014). Verschiedene theoretische und empirische Arbeiten verweisen auf die wachsenden Herausforderungen sozialen Zusammenhalts in jenen Quartieren, die von zunehmender sozialer und ethnischer Diversität geprägt sind (Putnam 2007). Dies beinhaltet sich verstärkende räumliche, soziale und symbolische Grenzziehungen zwischen Individuen und Gruppen entlang ethnischer und kultureller Linien (Albeda et al. 2018). Andere Studien illustrieren jedoch auch Potenziale, die fluide Ankunftsquartiere bzw. superdiverse Stadträume für das Bewahren oder Stärken des sozialen Zusammenhalts bieten können (Oosterlynck et al. 2017: 10; Wessendorf 2007). Wir fragen daher, welche Rolle dem komplexen Kontext von superdiversen Ankunftsquartieren für Kontakte, Begegnungen und Konflikte als konstituierende Momente des sozialen Zusammenlebens zukommt. Welchen Einfluss haben die Heterogenität und hohe Bevölkerungsfluktuation in Ankunftsquartieren auf den sozialen Zusammenhalt?

    Diese Fachsitzung beinhaltet vier Referate zu je 15 Minuten mit jeweils anschließender kurzer Diskussion. Wir laden Beitragseinreichungen ein, die sich mit den Charakteristika und Dynamiken von Ankunftsquartieren beschäftigen. Dies umfasst Aspekte des Wohnungsmarktzugangs in unterschiedlichen räumlichen Kontexten ebenso wie das Verständnis von multilokalen Bezügen Zugewanderter und ihrer Wirkungen auf das Quartiersleben. Es werden auch Beiträge begrüßt, die sich mit der Funktion migrantischer Gelegenheitsstrukturen in Zusammenhang mit (informellen) Praktiken beschäftigen, um neue Anforderungen an die Governance auf Quartiers- und Stadtebene zu formulieren.

  • L7-FS-155Arbeitsmigration: Aktuelle Entwicklungen, Akteure und räumliche Implikationen
    Herr Dr. Jörg PlögerFrau Dr. Susann Schäfer
    ILS - Institut für Landes- und StadtentwicklungsforschungFriedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Geographie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung widmet sich den Migrationsdynamiken im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit von Personen, im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen, beteiligte Akteure und räumliche Implikationen.

    Exposé

    Die Fachsitzung widmet sich den Migrationsdynamiken, welche sich im Zusammenhang der Erwerbstätigkeit von Personen ergeben, im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen, die beteiligten Akteure sowie die räumlichen Implikationen dieser Migration.

    Vor dem Hintergrund verschiedener Entwicklungen ist eine verstärkte Mobilisierung von Erwerbstätigen in den letzten Jahren zu beobachten. Diese Mobilisierung fokussiert sich zum einen auf Pendlerbewegungen, aber auch die Migration von ArbeiternehmerInnen, UnternehmerInnen, und anderen Wirtschaftsakteuren zwischen Regionen und über nationale Grenzen hinweg. Diese Entwicklungen sind im hohen Maße durch Veränderungen am Arbeitsmarkt (z. B. Fachkräftemangel), ökonomische Zwänge, persönliche Präferenzen und Netzwerke, aber auch durch den Wohnungsmarkt beeinflusst, und zeigen auf städtischer und regionaler Ebene räumliche Auswirkungen. Diese Entwicklungen sowie die räumlichen Implikationen sind Gegenstand dieser Fachsitzung. Ziel ist es, anhand theoriegeleiteter empirischer Forschung Arbeitsmigration und deren Treiber zu analysieren und unter Bezugnahme von Räumen zu diskutieren. Dabei legt diese Fachsitzung einen Schwerpunkt auf hochqualifizierte Arbeitskräfte und deren Migrationsbewegungen.

    Die Beiträge zur Fachsitzung können dabei folgende Themen aufgreifen:

    · Analysen von Arbeitsmigration

    · Individuelle Anpassungen: inwiefern wirken sich neue Anforderungen an arbeitsbezogene Mobilität auf Pendeln, multilokale Arrangements und neue Formen des Arbeitens aus (u.a. Digitalisierung, Telearbeit)?

    · Rolle von Arbeitgebern: z. B. Wie steuern und beeinflussen Unternehmen und andere Arbeitgeber die Mobilität Ihrer Beschäftigten?

    · Regulierung von Arbeitsmigration auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen

    · Positionierung von Städten und Regionen

    · Zusammenhang zwischen Arbeitsmärkten und Migration (z. B. Rolle von Wohnungsmärkten)

    Die Fachsitzung sieht Bezüge insbesondere aber nicht ausschließlich zur Wirtschaftsgeographie, der geographischen Migrationsforschung und der Stadt- und Regionalgeographie und richtet sich sowohl an theoretische als auch an empirische Beiträge.

  • L7-FS-156aAusterität: Soziale Infrastrukturen unter Druck I – Dynamiken und Widersprüche zwischen Staatszentrismus und Alltäglichkeiten
    Herr Dr. Tino PetzoldHerr Dr. Daniel Mullis
    Goethe-Universität Frankfurt a. M.Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)

    Kurzabstract

    Die staatliche Bereitstellung sozialer Infrastrukturen ist durch Neoliberalisierungspolitiken, Finanzialisierung und Austerität unter Druck geraten. Dies führt zu Transformationen und Polarisierungen

    Exposé

    Soziale Infrastrukturen sind Produkt kollektiver alltäglicher Praxis und prägen unseren Alltag. Aus der Sozialstaatskritik der 1980er Jahre entwickelte sich eine Debatte um sie, in der einerseits der einsetzende Rückbau unter neoliberalen Vorzeichen problematisiert, zugleich aber eine Kritik am Sozialstaat keynesianischen Typs entwickelt wird. In einer progressiven Perspektive sind, soziale Infrastrukturen „in der Regel kostenlose oder gegen geringes Entgelt dargebotene Bereitstellung öffentlicher, für alle gleichermaßen zugänglicher Güter und Dienstleistungen.“ (AG links-netz 2012: 6) Dies vor allem in den Bereichen Gesundheitsvorsorge, Verkehr, Wohnen, Bildung und Kultur.

    Während diese Debatte auf den Staat fokussiert, heben Debatten um urbane Infrastrukturen (bspw. Graham/McFarlane 2015) sowie feministische Theoriebildung stärker auf alltägliche Erfahrungen ab. Unter dem Label Infrastructures of Resistance / Dissent (Shantz 2009: 3; vgl. Sears 2007) werden explizit anti-staatliche Formen von Infrastrukturen des Alltags in „community centers, housing and shelter, food shares, collective creches, co-oplaundries, transportation, community media, free schools, bookstores, cafes, taverns and clubs“ thematisiert.

    Vor dem Hintergrund der Verallgemeinerung von Austerität ist die staatliche Bereitstellung sozialer Infrastrukturen weiter unter Druck geraten – auch in der BRD, wo im Windschatten von Schuldenbremse und kommunalen Kürzungsmaßnahmen leere Kassen, schwarze Nullen, Schuldenberge und Investitionslücken an der Tagesordnung sind. Häufig gehen damit Unterfinanzierung, Abbau oder Privatisierung einher. Parallel geraten auch die Infrastructures of Dissent unter Druck.

    Anhand von vier bis fünf kurzen Inputs (10 Minuten) wird die Fachsitzung die Ambivalenzen der (Krise der) staatlichen Bereitstellung sozialer Infrastrukturen diskutieren:

    · Wie werden soziale Infrastrukturen durch Politiken der Neoliberalisierung, Finanzialisierung und Austerität transformiert und wie verhalten sich diese Politiken zueinander?

    · Inwiefern verändert sich der Alltag und welchen Beitrag leisten alltagstheoretische Perspektiven?

    · Was sind die Raumproduktionen dieser Transformationsprozesse, insbesondere im Hinblick auf Polarisierungen sowie die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse?

    Wir bitten um Beitragsvorschläge, die theoretische Konzepte, empirische Forschungsergebnisse, aber auch politische Erfahrungen, Strategien und Perspektiven vorstellen.

  • L7-FS-156bAusterität: Soziale Infrastrukturen unter Druck II – Transformation politischer Subjektivitäten und Solidarität(en)
    Frau Katja ThieleHerr Dr. Daniel Mullis
    Universität BonnLeibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung

    Kurzabstract

    Der Rückbau von sozialen Infrastrukturen macht „Abstiegsgesellschaft“ konkret erfahrbar. Politische Antworten sind umkämpft und liegen zwischen emanzipatorischen Projekten und nationaler Solidarität.

    Exposé

    Im Kontext normalisierter Austerität ist die Bereitstellung sozialer Infrastrukturen unter Druck geraten. Dies betrifft kommunale Dienstleistungen, den Wohnungssektor, öffentliche Kultureinrichtungen und Bildungsangebote.

    Castells (1973) argumentiert, dass im Zuge historischer Kämpfe der „Bourgeoisie und dem Staatsapparat“ eine Reihe von kollektiven Infrastrukturen abgerungen wurden. Deren Rückbau fasst er als Motor für emanzipatorische soziale Bewegungen. Ähnliches sehen wir heute in den Kämpfen um die EU-Schuldenkrise oder dem Recht auf Stadt. Dabei entstehen Infrastructures of Dissent, die zwar emanzipatorische Erfahrungen ermöglichen, aber auch an Grenzen stoßen, da sie die Lücken, die der Staat hinterlässt, weder füllen können – noch wollen. In gegenläufiger Richtung verweisen Davies und Blanco (2017) gleichwohl auf eine Erosion von Partizipationskulturen und -praktiken durch Austeritätspolitiken. Zudem werden im Zusammenhang mit Verteilungskonflikten aktuell auch fremdenfeindliche und rassistische Forderungen artikuliert: So beschloss die AfD im Juni 2018 auf eine national-soziale Programmatik zu setzen und Identität wie Solidarität zu Kernkonzepten zuerheben; aber auch im Kontext von Aufstehen sind ähnliche Argumente zuvernehmen. Insgesamt trägt der Konflikt um den Rückbau von sozialen Infrastrukturen zur Spaltung der Gesellschaft bei, da er „Abstiegsgesellschaft“ (Nachtwey 2016) und „Prekarisierung“ (Marchart 2013) in konkrete, alltägliche Erfahrungen übersetzt (Mullis 2018).

    Diese widersprüchlichen Entwicklungen verlaufen geographisch ungleich bzw. werden diese Prozesse auf der lokalen Ebene unterschiedlich wirksam. Zu beobachten sind unterschiedliche Transformationen der politischen Subjektvierungsweisen, Formen von Solidarität sowie widerständige Praxen. Diese will die Session anhand von vier bis fünf kurzen Inputs (10 Minuten) thematisieren:

    · Wie verändern sich politische Subjektivierung und Positionalitäten im Zuge alltäglicher Erfahrung von Austerität und in welcher Form wir Solidarität artikuliert?

    · Wie werden unterschiedliche Konzepte von Solidarität(en) gegeneinandergesetzt und als Inklusions- bzw. gezielte Exklusionsmechanismen eingesetzt?

    · Welche Widerstände gibt es? Welche Chancen, Grenzen, Herausforderungen und Ambivalenzen bieten selbstorganisierte soziale Infrastrukturen?

    Wir bitten um Beiträge, die theoretische Konzepte und empirische Forschungsergebnisse, politische Erfahrungen, Strategien und Perspektiven vorstellen.

  • L7-FS-157Grenzräume in Theorie und Praxis – Beiträge zur weiteren Konzeptionalisierung der Border Studies
    Frau Dr. Beate CaesarHerr Dr. Florian Weber
    Technische Universität KaiserslauternUniversität des Saarlandes

    Kurzabstract

    Wie lassen sich Grenzräume theoretisch-konzeptionell in Verbindung mit empirischen Fallbeispielen konturieren und durch welche Faktoren wird das Überschreiten von Grenzen praxisbezogen erschwert?

    Exposé

    Zukunftsvisionen um eine ‚Borderless World‘ scheinen sich zumindest kurz- und mittelfristig nicht realisieren zu lassen. Vielmehr gewinnen Grenzen in letzter Zeit wieder an Bedeutung, wovon Diskussionen um eine Grenzsicherung zwischen den USA und Mexiko oder die Absicherung der Außengrenzen der Europäischen Union beispielhaft zeugen. Und auch die innerEUropäischen Grenzen sind bei allen Ansätzen der grenzüberschreitenden Raumentwicklung trotz Schengener Abkommen nach wie vor spürbar, da die Mitgliedsstaaten und Regionen unterschiedliche Rechtssysteme und Planungskulturen aufweisen, die die Kooperation in Grenzräumen erschweren. Differenzierungen und Grenzziehungen mit Ein- und Ausschlüssen vollziehen sich aber nicht nur an nationalstaatlichen Rändern. Auch urbane Borderlands mit intra-urbanen Grenzen oder Differenzierungen in Übergangsbereichen zwischen dem Städtischen und Ländlichen mit Diskussionen um die Zwischenstadt oder Kompartimente in Stadtlandhybriden machen deutlich, dass Unterscheidungen hohe Wirkmächtigkeit entfalten beziehungsweise diese zur Orientierung herangezogen werden. Es muss daher nicht verwundern, dass sich Border Studies in einem gewissen Aufschwung befinden.

    Mit dem Center for Border Studies der Universität der Großregion als Zusammenschluss der Technischen Universität Kaiserslautern und der Universitäten des Saarlandes, Lothringen, Luxemburg, Lüttich und Trier wurde jüngst ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum initiiert, um sich Grenzräumen zuzuwenden. Wie steht es nun entsprechend aktuell um die Konzeptionalisierung von Grenzräumen? Mit den skizzierten Beispielen zeigt sich, dass neben Räumen in nationalstaatlicher Grenzlage – als gewissem ‚Klassiker‘ – auch intrastaatliche sowie soziale, kulturelle und funktionale Bereiche als Grenzräume gedeutet werden können. In unserer Fachsitzung möchten wir ausgehend von vier Fachvorträgen diskutieren, wie sich Grenzräume theoretisch-konzeptionell in Verbindung mit empirischen Fallbeispielen deuten und weitergehend umreißen lassen und durch welche Faktoren das Überschreiten von Grenzen praxisbezogen erschwert wird. Auf diese Weise möchten wir dazu beitragen, das Feld aktueller Border Studies weitergehend zu bestimmen und gleichzeitig einen Austausch und eine Vernetzung von Kolleg*innen zubefördern. Wir freuen uns entsprechend auf Beiträge, die sich theoretisch und empirisch der Frage der Konturierung von Grenzräumen – politisch, medial, kulturell, sozial, lebensweltlich etc. – annähern.

  • L7-FS-158Staat, Markt und alternative Koordinationsformen? Gesellschaftliche Vielfalt in geographischer Perspektive
    Frau Prof. Dr. Susanne HeegFrau Prof. Dr. Britta Klagge
    Goethe Universität, Institut für HumangeographieUniversität Bonn, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Blick auf die vielfältige Welten rund um Austausch, Produktion, Eigentum und Arbeit im Spannungsfeld von Markt, Staat und alternativen Koordinationsformen aus einer geographischen Perspektive

    Exposé

    Diskussionen zur Regelung gesellschaftlicher Zusammenhänge im Kapitalismus werden häufig mit den Schlagworten „zu viel Staat“ oder „zu viel Markt“ geführt und das Verhältnis teilweise sogar auf ein „entweder/oder“ reduziert. Spätestens seit den 1990er Jahren werden meist „der Markt“ als bevorzugte Koordinationsform und Unternehmen als wichtigste Akteure angesehen. Dem Staat wird dabei die Rolle zugewiesen, Unzulänglichkeiten des bzw. im Kapitalismus – Arbeitslosigkeit, Einkommensunterschiede, Umweltprobleme, Ressourcenknappheit, Finanzkrisen – durch Regulierung auszugleichen bzw. einzudämmen. Damit dominiert in der Diskussion ein Verständnis von kapitalistischen Wirtschaftsweisen, das auf markt- und geldvermittelten Praktiken sowie einer zentralen Rolle von Unternehmen basiert. Dies geht in der Regel mit einer klaren Wachstumsorientierung einher, die auch mit den damit (vermeintlich?) einhergehenden wachsenden Verteilungsspielräumen für ausgleichende staatliche Tätigkeit begründet wird. Schon seit den 1970er Jahren wurde in feministischen und wachstumskritischen Diskussionen, ab 2008 erneut von Gibson-Graham sowie aktuell in der Debatte um Degrowth und Postwachstum darauf hingewiesen, dass ein ausschließlicher Fokus auf geldvermittelte Transaktionen, den Gegensatz von Kapital und Arbeit und Unternehmen als wichtigste Einheiten ökonomischer Prozesse zu kurz greift. Weltweit betrachtet nehmen vielmehr nicht-marktvermittelte Tätigkeiten und unbezahlte Reproduktions- und Subsistenzarbeit ca. 30 bis 50% aller Aktivitäten ein (Gibson-Graham 2008: 615).

    In unserer Fachsitzung laden wir Beiträge ein, die sich mit den vielfältigen Welten rund um Austausch, Produktion, Eigentum und Arbeit auseinandersetzen und diese im Spannungsfeld von Markt, Staat und alternativen Koordinationsformen aus einer geographischen Perspektive diskutieren. Denkbar sind zum Beispiel Beiträge zu den folgenden, aber auch weiteren verwandten Themen:

    · Theorie- und gegenstandsbezogene Diskussionen um Markt- und Staatsverständnisse

    · Konzepte und Beispiele zu Diverse Economies (Gibson-Graham 2008), Postwachstumsökonomien und/oder nicht-marktlichen Organisationsformen sozioökonomischer Verhältnisse

    · Macht- und Herrschaftsverhältnisse und Formen des Regierens in verschiedenen Ökonomien

    · Die Bedeutung und Relevanz von Sharing Economies sowie ihr Bezug zu unternehmensdominierten räumlichen Entwicklungen

  • L7-FS-159Bewegung findet Stadt_t – Qualitative Methoden zur Erforschung von Mobilität und urbanen Entwicklungen
    Frau Laura GebhardtFrau Dr. Anna-Lisa Müller
    Deutsches Zentrum für Lut- und Raumfahrt, Institut für VerkehrsforschungUniversität Bremen; Institut für Geographie

    Kurzabstract

    Die Sitzung fokussiert das Repertoire qualitativer Methoden zur Erforschung städtischer Räume und stadtraumbezogener Phänomene und diskutiert ihre Anwendbarkeit am Beispiel von Mobilität.

    Exposé

    Im Mittelpunkt der Fachsitzung steht eine kritische Reflexion und Diskussion der methodischen Potenziale und Herausforderungen der qualitativen Forschung in der Stadt- und Mobilitätsforschung.

    In der Geographie ist das Interesse an qualitativen Methoden zur Analyse sozialräumlicher Lebenswelten groß. Dies zeigt sich etwa an aktuellen geographischen Publikationen zu dem Thema (Rothfuß/Dörfler 2013; Schlottmann und Miggelbrink 2009; Wintzer 2016), aber auch an den Sessions auf internationalen Fachkongressen wie der RGS und der AAG. Untersuchungsgegenstände sind oftmals die Stadt und urbane Phänomene (Fraedrich/Lenz 2016; Oostendorp/Gebhardt 2018; Wilde 2014; Müller/Müller 2018; Flitner et al. 2017). Ein zentraler Themenbereich dieser Forschungen ist das Thema Mobilität, welches in dieser Fachsitzung fokussiert werden soll.

    Die Vielfalt qualitativer Methoden und -konstellationen stellt die an räumlicher Mobilität interessierten ForscherInnen dabei vor die Herausforderung, die für den jeweiligen Forschungsgegenstand und das Forschungsinteresse am besten passende(n) Methode(n) zu identifizieren und anzuwenden. Dabei hat die Wahl der Forschungsmethode einen ähnlich großen Einfluss darauf, welche Daten erhoben und welche Ergebnisse formuliert werden können, wie der theoretische Rahmen, den die Forschenden ihrer Arbeit geben. Für Mobilität im Stadtraum bedeutet dies, u.a. die Immobilität von Forschungsmethoden zu reflektieren.

    Die Sitzung adressiert daher insbesondere folgende Fragen:

    Methoden(vielfalt): Welche qualitativen Methoden sind vielversprechend für die Untersuchung stadtraumbezogener Phänomene der Mobilität?

    Neue Methoden: Welcher Mehrwert entsteht durch die Nutzung neuer Methoden (z.B. mobile methods, visuelle Methoden, partizipative Ansätze), Technologien (Smartphones, 3-D-Kameras, VR-Brillen) und Kombinationen (mixed methods)?

    Reflexion: Wie ist das Verhältnis von ForscherInnen, Forschungsgegenstand und Forschungsergebnissen? Wie kann/muss Forschung kontextualisiert werden?

    Transdisziplinarität: Welcher Nutzen und welche Herausforderungen sind mit der Anwendung qualitativer Methoden in der transdisziplinären, partizipativ angelegten (Mobilitäts-)Forschung verbunden?

    Die Sitzung bietet Raum für Präsentation und Diskussion von forschungspraktischen Erfahrungen bei der Anwendung qualitativer Methoden im Bereich der Stadt- und Mobilitätsforschung und zielt auf die Weiterentwicklung des qualitativen Methodenspektrums.

  • L7-FS-160Multilokale Alltagsarrangements der Lebensführung – Stand der konzeptionellen Debatte und empirischen Forschung
    Herr Prof. Dr. Gerald WoodHerr Prof. Dr. Rainer Danielzyk
    Institut für Geographie, Universität MünsterInstitut für Umweltplanung, Leibniz Universität Hannover

    Kurzabstract

    Im Rahmen der geplanten Fachsitzung sollen aktuelle konzeptionelle Debatten und empirische Ansätze aus unterschiedlichen raumwissenschaftlichen Perspektiven vorgestellt werden.

    Exposé

    Multilokale Arrangements der alltäglichen Lebensführung sind durch die Aufrechterhaltung mehrerer Orte als Wohn- und Arbeitsorte in räumlicher Trennung gekennzeichnet sowie durch individuell organisierte Rhythmen von An- und Abwesenheit an diesen Orten. Im Unterschied zum Pendeln können die verschiedenen Orte nicht im Tagesrhythmus miteinander verbunden werden, sondern bedingen ganz eigene, häufig mit längeren Abwesenheiten verbundene zeitliche Rhythmen der Akteure.

    Solche Arrangements der Lebensgestaltung nehmen in spätmodernen Gesellschaften zahlenmäßig stark zu, wobei ihr Entstehen vor dem Hintergrund selbst gewählter Entscheidungen (etwa im Hinblick auf persönliche Lebensführung, Partnerschaft etc.) sowie auch externer Rahmenbedingungen (der Arbeitsmärkte, betrieblicher Anforderungen etc.) zu sehen ist.

    Die Grenzen zwischen unterschiedlichen Manifestationen von Multilokalität sowie anderen sozialen Praktiken (z.B. „transnationale Migration“) sind häufig fluide und mehrdeutig. Dies ist einer der Gründe, warum das Phänomen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven untersucht wird, z.B. von Mobilitätsforschung, Migrationsforschung und Tourismusforschung.

    Im Rahmen der geplanten Fachsitzung sollen aktuelle konzeptionelle Debatten und empirische Ansätze aus unterschiedlichen raumwissenschaftlichen Perspektiven vorgestellt werden, um die Wahrnehmung dieses bedeutsamen, aber noch nicht ausreichend gewürdigten Phänomens der Spätmoderne zu schärfen und die Debatte zwischen einzelnen Forschungsrichtungen innerhalb der Geographie, in deren Fokus „Mobilität“ steht, anzuregen.

    Geplant ist eine Sitzung mit vier Vorträgen mit jeweils 15 Minuten Redezeit und einer anschließenden Diskussionszeit von jeweils 5 Minuten. Eingeleitet wird die Sitzung durch eine fünfminütige Einführung, beendet wird sie durch eine fünfminütige inhaltliche Zusammenfassung der Beiträge.

  • L7-FS-161New agrarian practices? Trajectories of social and environmental change
    Frau Dr. Judith BoppFrau Dr. Stephanie Leder
    Department of Geography, Christian-Albrechts-Universität zu KielDepartment of Urban and Rural Development, Swedish University of Agricultural Sciences

    Kurzabstract

    This session opens up a critical discourse of what constitutes new agrarian practices in rural and peri-urban regions of the Global South, following trajectories of social and environmental change.

    Exposé

    Marginal agrarian households in rural and peri-urban spaces face highly diversified social, environmental and economic challenges.Particularly urbanisation and migration lead to a restructuring of agrarian households, with shifts from agrarian to wage labor and changes in resource allocation, particularly land and water. Diversified livelihood options and environmental awareness lead to changing agrarian practices for small holders and agricultural laborers, such as choices on crop and technologies, or the more fundamental question on whether to cultivate land at all. These processes are closely linked to changing power relations and gendered norms in agriculture across scales – at the intra-household and community level, and beyond at policy, implementation and subject-state encounters.

    Rural regions and peri-urban areas feel those repercussions alike. In the peri-urban, urban sprawl reduces agricultural resources in terms of arable land, water, soil and farm labour. Here, the exodus of farm labour comes along with rising land value and the appeal of making quick money through the sale of farm land to investors. Apart from that, awareness on environmental and soil degradation, and farmers facing health risks due to their sustained exposure to agro-chemical substances. As a result, alternative livelihood strategies emerged. Organic agriculture has offered a viable alternative for households’ economic and health improvement. Further alternative strategies are, for instance, the adaptation and rotation of crops, collective farming, new lifestyles, aspirations towards self-reliant and mindful living.

    We would like to open up a critical discourse of what constitutes new agrarian practices in rural and peri-urban regions of the Global South. Our objective is to reflect on trajectories of social and environmental change in rural and peri-urban farmer households and communities.

    These have been engaged within a range of approaches such as (feminist) political ecology, new social movements, right to nutritional health, and mindfulness.

    We invite researchers to add their perspectives from the field with suggestions for theoretical and methodological approaches as well as implementation strategies that deal with how by choice or by social, environmental and economic stress agrarian households change in their composition, disposition and livelihood strategies. With this, we would like to shed light on the processes of agrarian change of diverse marginalised groups.

  • L7-FS-162Zuwanderung als kommunalpolitisches Konfliktfeld
    Herr Prof. Dr. Henning NuisslHerr Dr. Manfred Kühn
    Humboldt-Universität zu Berlin/Geographisches Institut/Angewandte Geographie/RaumplanungLeibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS)

    Kurzabstract

    In vielen Kommunen stehen sich demografische und wirtschaftliche Zuwanderungsbedarfe und die rechtspopulistische Abwehr von Zuwanderung gegenüber. Wie gehen Kommunen mit diesen Konflikten um?

    Exposé

    Migration und Zuwanderung sind spätestens seit dem „Langen Sommer der Migration“ das beherrschende Thema politischer wie öffentlicher Debatten. Verhandelt wird dieses Thema vor allem – und mit dem Erstarken des rechten politischen Randes – auf der Ebene des Nationalstaats und mit Blick auf das dort herrschende Migrationsregime. Auf kommunaler Ebene spiegeln sich diese Debatten unausweichlich wider: auch dort finden teils erhitzte Debatten statt – in jüngerer Zeit beispielsweise um die Zugangsbeschränkungen der „Essener Tafel“ oder um die die ausländerfeindlichen Vorfälle in Cottbus und Chemnitz. Gleichzeitig findet in Städten und Gemeinden eine sachliche und konstruktive Auseinandersetzung mit Zuwanderung statt. Sie beruht nicht zuletzt auf der Hoffnung, dass Zuwanderung helfen kann, drängende Probleme der Stadt- und Regionalentwicklung zu lösen – beispielsweise indem neue Bewohner zur Reurbanisierung schrumpfender Städte beitragen, qualifizierte Zuwanderer zur Behebung des Fachkräftemangels angeworben oder Flüchtlinge als Beitrag gegen demografischen Wandel und Wohnungsleerstand angesiedelt werden. Dabei wurden vielerorts beispielgebende Wege beschritten, die weit über die heutzutage schon übliche Erarbeitung kommunaler Integrationskonzepte hinausgehen. Das Verhältnis von pro-aktiven Zuwanderungs- und reaktiven Integrationspolitiken bleibt dabei noch unklar. Vor diesem Hintergrund erscheinen zum Feld der kommunalen Zuwanderungs- und Integrationspolitiken sowohl eine Bestandsaufnahme als auch eine Zukunftsprognose erforderlich – dies insbesondere mit Blick auf die folgenden Fragen:

    · Welche politischen Debatten pro und contra Zuwanderung gibt es in den Kommunen?

    · Welche pro-aktiven Zuwanderungs- und reaktiven Integrationspolitiken gibt es in den Kommunen? In welchem Verhältnis stehen diese?

    · Welche Interessenskonflikte zwischen dem Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft und dem fremdenfeindlichen Rechtspopulismus treten auf kommunaler Ebene auf?

    · Wie schlägt sich der Rechtsruck der politischen Debattenkultur auf kommunaler Ebene nieder?

    · Wie ist die Zukunftsfähigkeit der in den vergangenen Jahren entwickelten integrationspolitischen Ansätze der Kommunen vor diesem Hintergrund zubeurteilen?

    Eingeladen sind Beiträge, die sich empirisch oder theoretisch mit den skizzierten Fragestellungen beschäftigen. Geplant sind vier Vorträge.

  • L7-FS-163Macht, Autorität, Vertrauen: Die Rolle institutioneller Akteure bei der Produktion des urbanen Raums. Eine stadt- und wirtschaftsgeographische Perspektive.
    Frau Prof. Dr. Ulrike GerhardFrau Prof. Dr. Heike Mayer
    Universität Heidelberg, Geographisches InstitutUniversität Bern, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Die Entwicklung urbaner Räume ist von Ungleichheiten und Verdrängungsprozessen geprägt. Institutionelle Akteure (z.B. Ankerinstitutionen) spielen eine ausgleichende, aber auch polarisierende Rolle.

    Exposé

    Die Restrukturierung urbaner Räume ist ein viel beachteter Trend der Stadtentwicklung. Dabei stehen meist die „klassischen“ Gentrifizier im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Welche Rolle aber spielen institutionelle Akteure bei der Umwandlung und Aufwertung von Stadtteilen? Solche Ankerinstitutionen können der Staat, Universitäten oder philanthropische Organisationen sein, die mit bestimmten Standortentscheidungen und Investitionen Aufwertungsprozesse induzieren und somit Nachbarschaften stark verändern. Verdrängungsprozesse sind ein Thema, das in diesem Zusammenhang diskutiert werden muss, es stellen sich aber auch andere Herausforderungen wie Bürgerpartizipation, Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten aber auch misslungene Investitionen, die das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern. Für die Abschätzung der sozioökonomischen Nachhaltigkeit der Stadtentwicklung spielen somit sowohl wirtschaftsgeographische (Arbeitsplätze, Unternehmertum, Freiwilligenarbeit) als auch stadtgeographische Aspekte (Ungleichheiten, Verdrängungsprozesse, Verteilungsmuster) eine wichtige Rolle, die im Zusammenhang mit Ankerinstitutionen häufig getrennt betrachtet werden. Gerade die Aspekte Arbeiten und Wohnen können jedoch ein Gradmesser für den Erfolg der Aufwertungsmaßnahme sowie die dadurch induzierten Verdrängungsprozesse sein. Welche Autorität besitzen hier die mächtigen Akteure? Welche Vertrauenskonstellationen werden dabei berührt? In der Fachsitzung geht es um die theoretische wie empirische Analyse der Produktion des urbanen Raums im Kontext von Ankerinstitutionen. Sie nimmt Bezug auf das Leitthema „Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft in Bewegung“. Beiträge aus den verschiedenen Teilbereichen der Geographie sowie einer relationalen wie territorialen Perspektive sind willkommen.

  • L7-FS-164Migration als Motor für institutionellen Wandel?
    Herr Robert BarbarinoFrau Dr. Hanna Hilbrandt
    TU Dortmund, Fakultät RaumplanungHCU Hamburg

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung thematisiert den Zusammenhang zwischen institutionellem Wandel auf lokaler Ebene und neuen zuwanderungsbezogenen stadtpolitischen Themen, Praktiken und Arenen der Aushandlung.

    Exposé

    Migration und transnationale Mobilität sind Konstanten gesellschaftlichen Wandels und voranschreitender Globalisierung (Bojadžijev/Karakayalı 2007). Während soziale Bewegungen mit der Vision einer postmigrantischen Gesellschaft die Hoffnung verbinden, starre ethnisierende Identitätszuschreibungen zu überwinden (Hill/Yıldız 2017; Römhild 2017; Yıldız 2015), mobilisieren Rechtspopulist*innen unter Berufung auf nationalistische und rassifizierende Deutungsmuster gegen die offene Gesellschaft. Im Spannungsfeld dieser gegensätzlichen Entwicklungen finden auf kommunaler Ebene institutionelle Anpassungsprozesse statt. Durch Migration und Mobilität ergeben sich für die Stadtentwicklung neue Themen, politische Leitbilder, Konflikte, und Akteurskonstellationen, die top-down ausgehandelt und gestaltet oder aber durch alltägliches Handeln bottom-up neu definiert werden.

    In der Fachsitzung gehen wir der Frage nach, wie institutioneller Wandel auf lokaler Ebene mit neuen zuwanderungsbezogenen stadtpolitischen Themen, alltäglichen städtischen Praktiken sowie Formen und Arenen der Aushandlung einhergeht. Wir freuen uns über Einreichungen für 15-minütige Inputs zu folgenden Fragen oder verwandten Themen:

    · In welchen stadtpolitischen Handlungsfeldern und Institutionen sind aktuell migrationsbedingte Anpassungsprozesse zu beobachten?

    · Welche Akteure treiben den Wandel voran oder verhindern diesen und mit welchen Intentionen?

    · Wie verändernsich Aushandlungsprozesse, und wo finden diese statt?

    – Welche Rolle spielen Beteiligungsprozesse?

    · Wie gestaltenzivilgesellschaftliche Akteur*innen, z. B. migrantische Selbstorganisationen,institutionellen Wandel mit?

    Literatur:

    Bojadžijev, M./ Karakayalı, S. (2007): Autonomie derMigration. 10 Thesen zu einer Methode«. In: TRANSITMIGRATION Forschungsgruppe(Hg.): Turbulente Ränder. Neue Perspektiven auf Migration an den Grenzen Europas.Transcript, Bielefeld.

    Hill, Marc; Yıldız, Erol (2017): Postmigrantische Visionen.Erfahrungen -Ideen – Reflexionen. Transcript, Bielefeld.

    Römhild, R. (2017): Beyond the bounds of the ethnic. For postmigrantcultural and social research. In: Journal of Aesthetics & Culture 9 (2).

    Yıldız, E. (2015): Postmigrantische Perspektiven. Aufbruchin eine neue Geschichtlichkeit. In: Yıldız/ Hill 2015:Nach der Migration.Transcript, Bielefeld.

  • L7-FS-165Strategien und Maßnahmen ländlicher Peripherien gegen Bevölkerungsschwund: Kritische Reflexion im Kontext raum- und planungswissenschaftlicher Politikberatung
    Frau Dr. Tatjana FischerFrau Dr. Elisabeth Gruber
    Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung (IRUB), BOKU WienInstitut für Geographie und Regionalforschung, Universität Wien

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung nimmt Resultate von Forschungen über Strategien zur Wiederbelebung ländlicher Peripherien mit monostrukturellen Arbeitsmärkten und selektiver Abwanderung in den Blickpunkt.

    Exposé

    “Ländliche Räume im demographischen Wandel“ ist ein thematischer Dauerbrenner der raum- und planungswissenschaftlichen Forschung. Die Fülle an (trans) nationalen Studien zu alters- und geschlechtsbezogenen Abwanderungsmotiven (u.a. Wiest 2016), räumlichen Auswirkungen von Bevölkerungsverlusten und Potenzialen der RückkehrerInnen und NeuzuwandererInnen ist groß (u.a. Kordel 2017). Besonders dem Schicksal ländlicher Peripherien mit monostrukturellen Arbeitsmärkten – industriell, touristisch oder landwirtschaftlich geprägt – wird Beachtung geschenkt: Stehen sie doch zunehmend vor dem Problem, dass (vor allem junge) Menschen ihr Zukunft anderswo als vielversprechender erachten.

    Dies stellt lokale und regionale AkteurInnen vor Herausforderungen: Einerseits sind sie bestrebt, durch Sofortmaßnahmen die Attraktivität ländlicher Räume als Wohn- und Arbeitsorte zu heben (vgl. Diskurs um Digitalisierung), andererseits suchen sie langfristige Lösungen, wie die Daseinsvorsorge für eine sich altersstrukturell umbauende Bevölkerung (neu) organisiert werden kann (vgl. Diskursum den Stellenwert sozialer Innovationen).

    Dabei wird sowohl auf klassische Maßnahmen der Regionalentwicklung als auch auf neue Formen von (sozialen) Netzwerken gesetzt, die sich u.a. an ZuwandererInnen richten oder auf neue AkteurInnenkonstellationen unter Einschluss der Wirtschaft (u.a. Grabski-Kieron et al. 2016). Die regionale Handlungsebene gewinnt hinsichtlich der Vernetzung von AkteurInnen sowie der Implementierung wirksamer Strategien zunehmend an Bedeutung, gemeinsam erarbeitete Handlungskorridore sind aber durch unterschiedliche Wirksamkeit geprägt.

    Das Ziel der Fachsitzung ist es den Bestimmungsgründen für den (Miss)erfolg von Maßnahmen zur Belebung ländlicher Peripherien auf den Grund zu gehen. Die kritische Reflexion der von den AkteurInnen erarbeiteten Visionen wird sich dabei vor allem auf die Aspekte Zielgruppenadäquanz und Realitätssinn beziehen.

    Die Fachsitzungsleiterinnen laden JungwissenschaftlerInnen sowie arrivierte WissenschaftlerInnen ein, Schlussfolgerungen bzw. Empfehlungen der eigenen Forschungsarbeiten (Fallstudien sowie konzeptionelle Arbeiten) in Bezug auf den Umgang mit (selektiver) Abwanderung kritisch zu diskutieren.

    Im Rahmen der Fachsitzung werden akteurszentrierten Argumentationslinien herausgearbeitet um neue Perspektiven für ländliche Peripherien zu eröffnen und – wo möglich – Übereinkünfte zur Belebung ländlicher Räume zu manifestieren.

  • L7-FS-166Geographien des Einschlusses: Gefängnisse, einschliessende Institutionen und andere Formen der Sicherung und Sanktionierung
    Frau Dr. Marina RichterFrau Dr. Anna Schliehe
    HES-SO Sierre, WallisUniversity of Cambridge

    Kurzabstract

    Bisher hat sich die deutschsprachige Geographie kaum für Fragen der Inhaftierung und Bestrafung interessiert. Die Fachsitzung diskutiert aktuelle der Geographien des Einschlusses.

    Exposé

    Zum weitherum konstatierten ‚punitive turn’ (Garland 2001) in der derzeitigen Praxis geschlossener Institutionen wie Gefängnissen, gesellt sich vermehrt auch ein Bestreben nach maximaler Sicherheit. Im Deutschen und Schweizer Jutizvollzug zeigt sich das exemplarisch an der Bedeutung der Verwahrung. Carceralgeographies, also die Geographie von Gefängnissen und anderen geschlossenen Räumen, wie Lagern oder Auffangstationen, befasst sich derzeit intensiv mit diesen Fragen. Dabei werden, wie bspw. auch in den security geographies und border studies Fragender Überwachung, Ein- und Ausgrenzung und Internierung kritisch diskutiert.

    Für diese Fachsitzung sind wir interessiert an Beiträgen, die sich nuanciert mit der Beschaffenheit von geschlossenen Räumen und mit den Akteur*innen in ihnen beschäftigen und die darüber hinaus auch Fragen der Lokalisierung und Verteilung solcher Räume, der Beziehung zwischen einzelnen Institutionen und einem vermehrt „strafenden“ Staat analysieren. Beiträge können sowohl empirisch wie auch theoretisch ausgelegt sein. Als theoretische Leitlinien können, müssen aber nicht, die Arbeiten von Erving Goffman (1961), Michel Foucault (1975) oder auch Giorgio Agamben (1998) dienen. Als heuristische Instrumente können Kategorien wie Zeit, Mobilität oder Taktiken und Strategien des Lebens in geschlossenen Räumen dienen. Dabei müssen geschlossene Räume immer auch in Relation zur Gesellschaft und ihren Veränderungen gesehen werden. Denn die Gesellschaft bestimmt die Funktion solcher Räume: System der Korrektur und Wiedereingliederung oder Sammelraum für dysfunktionale Elemente der Gesellschaft (Durkheim).

    Von Ebenen des Persönlichen zum Globalen wollen wir in dieser Fachsitzung die diversen Forschungsrichtungen der Geographien des Einschliessens erkunden. Neben konventionellen, vom Staat sanktionierten Gefängnisräumen, sollen daher auch weitere Räume im Fokus stehen wie Räume der Internierung von Flüchtlingen und Nicht-Bürger*innen, Geheimgefängnisse, Lager oder auch Formen von Internierung die sich nicht auf physische Immobilität beschränken. Themen können beinhalten:

    – Theoretische Konzeptionen von ‚Carcerality‘ und Einschluss

    – Elektronische Überwachung, Kameraüberwachung und Sekuritisierung

    – Mobilität und Internierung

    – Körper und ihre Materialität in geschlossenen Räumen

  • L7-FS-167EU Regional Policy and Sector Policies in the context of new and pressing challenges and strategic agendas
    Herr Dr. Alois HumerFrau Dr. Franziska Sielker
    Aalto University/ Department of Built EnvironmentUniversity of Cambridge/ Department of Land Economy

    Kurzabstract

    We invite to reflect on European spatial policies’ functioning and future, across scales and actors, contextualized by European-wide challenges such as economic recovery or demographic transition.

    Exposé

    In the wake of post-crisis frictions, unsettled migration policy questions, rising nationalism, reinforcing centre-periphery disparities, energy transition, global economic competition and so forth, there is no more business-as-usual for European Union policies. At the intersection of two 7-year EU budget periods, we want to zoom out from the mere programming logics and operational concerns. We invite contributions that elaborate on the greater challenges and the respective potential role of EU Regional Policy, and its interplay with further spatially relevant policies within the concert of European Union and member states agendas.

    EU Regional Policy holds a key position among the European Commission’s competences, being in relation and in competition to other EU sector policies. Notwithstanding, EU Regional Policy is touching plenty of member states’ held policy competences, even if only indirectly through financial incentives. The future performance of EU Regional Policy partly depends on activities resulting from the interlinked funds and legal frameworks of Regional Policy with other policy fields, inparticular sector policies. It is in the core of financial negotiations. Spatial scholars contextualised and conceptualised EU strategies, policies and subsequent developments of European space, among which contributions to the socio-political and economic question of ‘cohesion’ is prominent, as are concepts of European integration, Europeanisation and territoriality. From applied perspectives, the effects on border regions’ development or territorial impact assessment studies have been important literature strands.

    We welcome internationally informed contributions. Contextualised reflections on the EU Regional and Sector Policies’ history, current functioning and forward-looking contributions are welcome, from theoretical, conceptual, or empirical nature alike – not limited to…

    – failure and success of regional policy in and for certain types of territories,

    – inter-sectoral and multi-level governance arrangements,

    – processes of Europeanisation, integration and re-nationalisation,

    – future visions of and alternatives to cohesion and competitiveness

    – influence of international cooperation on European spatial and policy dynamics.

    Session design: 4-6 short presentations with sufficient time for introduction and discussion.

  • L7-FS-168Spaces of Entrepreneurship
    Frau Prof. Dr. Suntje SchmidtFrau Dr. Susann Schäfer
    IRS / Humboldt Universität zu BerlinInstitut für Geographie Lehrstuhl Wirtschaftsgeographie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung befasst sich mit UnternehmerInnen und Unternehmertum aus einer räumlichen Perspektive.

    Exposé

    In der Wirtschaftsgeographie werden Unternehmen und Organisationen in der Regel als kleinste Untersuchungseinheit betrachtet. Dies scheint vor dem Hintergrund eines organisationalen Wandels, der eng mit wirtschaftsstrukturellen Veränderungsprozessen verbunden ist, nicht mehr ausreichend. Globalisierung, Digitalisierung und die Durchsetzung von Wissens-und Innovationsökonomien sind Treiber dieser strukturellen Veränderungsprozesse und verändern nicht nur die räumlichen Dimensionen und Ausprägungen von wirtschaftlichen Praktiken. Vielmehr passen sich organisatorische Lösungen für wissensintensives Arbeiten diesen Dynamiken an. Dies zeigt sich z.B. in zunehmend offen gestalteten Innovationsprozessen, einer Verbreitung von Plattformökonomien und digitalen Geschäftsmodellen sowie einer räumlichen, zeitlichen und organisatorischen Veränderung von Arbeit in der Wissensökonomie.

    Ein wirtschaftsstruktreller Wandel ist auch verbunden mit neuen Akteuren, deren Praktiken bisher nur unzureichend in wirtschaftsgeographischen Forschungen berücksichtigt sind. Bezeichnungen wie Entrepreneur, Freelancer, Intrapreneur, Maker oder Culturepreneur kennzeichnen neue Akteure und stehen gleichzeitig für unternehmerische Prozesse, die sich in ihrer räumlichen Organisation und ihren raumzeitlichen Handlungslogiken und Praktiken deutlich unterscheiden von größeren organisatorischen Einheiten.

    Während projektbasiertes und multi-lokales Arbeiten sowie Arbeiten in und mit temporären Organisationen bislang vorrangig mit Erwerbstätigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft verbunden sind, prägenderartige Arrangements zunehmend die räumliche und organisatorische Verfasstheit von Wissensarbeit. Zudem rücken räumliche Strukturen in den Mittelpunkt, die multi-skalare Vernetzung und die Rolle von Communities in diesen Formen von Unternehmertum widerspiegeln, wie beispielsweise unternehmerische Ökosysteme.

    Diese Fachsitzung verfolgt das Ziel, die vielschichtigen geographischen Perspektiven auf UnternehmerInnen, Unternehmertum und unternehmerischen Praktiken – unabhängig ihrer Zugehörigkeit zu Wirtschaftssektoren – zu beleuchten. Dabei wird sowohl theoretisch-konzeptionellen wie auch empirischen Arbeiten Raum geboten. Perspektivisch soll mit den TeilnehmerInnen diskutiert werden, ob dieser akademische Austausch in weiteren Formaten fortgesetzt wird, beispielsweise im Rahmen eines Arbeitskreises im VDGH oder aber in Form von stehenden Sessions auf nationalen und internationalen Konferenzen.

  • L7-FS-169Nachbarschaft(en) im Wandel – konzeptionelle und praktische Überlegungen
    Frau Dr. Charlotte RäuchleFrau Sylvana Jahre
    Universität Osnabrück, Geographisches InstitutHumboldt-Universität zu Berlin, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung lenkt den Blick sowohl auf aktuelle Formationen von als auch auf Auseinandersetzungen mit Nachbarschaft(en) in angewandter und konzeptioneller Perspektive.

    Exposé

    Die Fachsitzung lenkt den Blick sowohl auf aktuelle Formationen von als auch auf konzeptionelle Auseinandersetzungen mit Nachbarschaft(en). Diese sind in jüngerer Zeit wieder verstärkt in den Blick von Forschung und (sozialer) Stadtentwicklung gerückt. Nachbarschaften unterliegen ständigen Veränderungsprozessen und dienen als Ebene lokalgesellschaftlicher Organisation und Kommunikation. Die Einbettung in translokale Zusammenhänge kann jedoch zu neuen Spannungen führen: Die Auswirkungen einer stärker neoliberal ausgerichteten Stadtpolitik können auch auf nachbarschaftlicher Ebene wirksam werden. Im Gegensatz zu einer vormodernen Idee von Nachbarschaft, die diese als Statischbegriff und allein durch räumliche Nähe definierte, nähert sich die Fachsitzung dem Thema Nachbarschaft aus poststrukturalistischer Perspektive und es gilt immer neu zu bestimmen, was Nachbarschaft(en) eigentlich kennzeichnet. Dennoch kreisen auch die derzeitigen Debatten um Fragen eines räumlichen vs. sozialen bzw. eines deskriptiven vs. normativen Zugriffs auf Nachbarschaft und um Funktionen von Nachbarschaften (soziale Unterstützung, Kontrolle, Konflikte).

    Vor diesem Hintergrund fordert die Fachsitzung, die sich dem Leitthema 7„Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft in Bewegung“ zuordnet, zu einer Auseinandersetzung aus angewandt-praktischer und wissenschaftlicher Perspektive auf. Es interessieren sowohl Beiträge, die sich Nachbarschaft(en) aus einer praxeologischen als auch aus einer diskursiven Perspektive nähern. Beispielsweise sind Vorträge zu folgenden Themenblöcken denkbar:

    die Relevanz nachbarschaftlicher Bezugsräume im alltäglichen Leben (z.B. Rolle von alltäglichen Begegnungen für ‚Beheimatungsstrategien‘, Verhältnis von privaten und öffentlichen Räumen in Nachbarschaften; die digitale Vernetzung von Nachbarschaften)

    sozialräumliche Inklusion (bzw. Exklusion) von Geflüchteten auf nachbarschaftlicher Ebene (z.B. Analysekraft des Konzepts Nachbarschaft im Kontext hoch dynamischer Ankunftsquartiere)

    politische Auseinandersetzungen um „Nachbarschaft(en)“ (z.B. „Nachbarschaft(en)“ in Stadtentwicklungspolitik und Sozialer Arbeit im Spannungsfeld von kritischen Perspektiven und politischen Notwendigkeiten, Verfahren der Nachbarschaftspartizipation)

    Im Sinne einer Paper-Session (4 Beiträge á 15 Minuten, ein/e Discussant sowie gemeinsame Diskussion) bitten wir um Beitragsvorschläge zu den genannten Themen.

  • L7-FS-170Transnationalisierung von Schulen und Hochschulen – Muster, Akteure und Auswirkungen
    Frau Prof. Dr. Miriam KuckuckHerr Philip Müller
    Bergische Universität WuppertalUniversität Osnabrück

    Kurzabstract

    Ziel dieser Fachsitzung ist es, einen Überblick über die Muster, die beteiligten Akteure und die Auswirkung der Transnationalisierung von Schulen und Hochschulen zu geben.

    Exposé

    Immer mehr Schulen und Hochschulen errichten Ableger im Ausland. Beispiele dafür kommen vor allem aus Großbritannien und Australien (z.B. das Dulwich College oder die Monash Universität), aber auch aus Deutschland. Zudem betreuen und fördern viele Staaten Schulen und Hochschulen im Ausland. Deutschland hat beispielweise 141 anerkannte Deutsche Schulen im Ausland, die ihren SchülerInnen durch das Abitur einen Zugang zum deutschen Hochschulmarkt ermöglichen. Durch derartige Entwicklungen ist eine starke Präsenz von transnationalen Bildungsangeboten entstanden, die von einer immer höheren Zahl von SchülerInnen und Studierenden genutzt werden. Diese Schulen und Hochschule sind zum Teil öffentlich, meist aber unter privater Finanzierung. Die Expansion von privaten, meist westlichen Bildungsanbietern wird jedoch von vielen Staaten, wie China und Malaysia, mit Skepsis betrachtet und zunehmend stärker reguliert. Vor diesem Hintergrund hat diese Fachsitzung die Zielsetzung, einen Überblick über die Muster, die beteiligten Akteure und die Auswirkung der Transnationalisierung von Schulen und Hochschulen zu geben. Dabei sollen sowohl die transnationalen Bildungsräume in den Schul- bzw. Hochschulnetzwerken, als auch die lokale Verankerung bzw. Einbettung der Ableger von Schulen und Hochschulen im Ausland betrachtet werden. Im Vordergrund steht daher die Beantwortung nachfolgender und ähnlicher Fragen:

    · Welche Akteure kontrollieren und regulieren transnationale Bildungsangebote?

    · Wie sind Ableger von Schulen und Hochschulen im Ausland lokal und regional eingebettet?

    · Wie gestalten sich transnationale Bildungsräume zwischen Schul- bzw. Hochschulnetzwerken?

    · Welche Auswirkungen haben transnationale Bildungsangebote auf die räumliche Mobilität von SchülerInnen und Studierenden?

    · Inwiefern profitieren Unternehmen von AbvolventInnen, die an Ablegern von Schulen und/oder Hochschulen im Ausland ausgebildet wurden?

  • L7-FS-171Zentrale Orte als Soziale Orte – ein Zukunftskonzept für Klein- und Mittelstädte in ländlichen Räumen?
    Herr Prof. Dr. Axel PriebsHerr Prof. Dr. Rainer Danielzyk
    Universität Wien, Inst. für Geographie und RegionalforschungLeibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung

    Kurzabstract

    In der Fachsitzung sollen, ausgehend vom "Soziale-Orte-Konzept", Fortentwicklungen des Zentrale-Orte-Konzepts und weitere Ansätze zur flächendeckenden Sicherung der Daseinsvorsorge diskutiert werden.

    Exposé

    In jüngerer Zeit ist mit deutlicher Kritik am Zentrale-Orte-Konzept der deutschen Landes-und Regionalplanung das „Soziale-Orte-Konzept“ entwickelt worden. Während dem Zentrale-Orte-Konzept eine eingeschränkte Steuerungswirkung unterstellt und behauptet wird, es kategorisiere die Gemeinden rein formal, soll mit dem Soziale-Orte-Konzept der Zusammenhalt der Gesellschaft gewährleistet werden. Dabei wird betont, dass das Soziale-Orte-Konzept „besonderen Wert auf eine flächendeckende Politik der Daseinsvorsorge, Infrastrukturen und öffentlichen Güter legt“ (KERSTEN/NEU/VOGEL, Umwelt- und Planungsrecht 2/2017, 50-56).

    In der Fachsitzung soll erstens konzeptionell diskutiert werden, ob die unterstellten Defizite des Zentrale-Orte-Konzepts so zutreffen und ob das Soziale-Orte-Konzept, quasi als Gegenmodell, ein geeigneter neuer Ansatz zur Sicherung des sozialen Zusammenhalts und der flächendeckenden Daseinsvorsorge wäre. Zweitens sind Beiträge mit praktischen Beispielen erwünscht, die aufzeigen, wie ländlich geprägte Regionen und insbesondere die dort vorhandenen Klein- und Mittelstädte in der Praxis mit den Herausforderungen der demografischen Entwicklung, des schwindenden sozialen Zusammenhalts und des Wegbrechens von öffentlicher und privater Daseinsvorsorge umgehen. Dabei geht es nicht zuletzt um den stationären Einzelhandel und Dienstleistungen wie etwa die medizinische Versorgung.

    Über empirische Befunde hinaus sollte in der Fachsitzung kritisch reflektiert werden, ob und ggfs. wie die präsentierten Beispiele unter bestehende planerische Konzepte zu subsumieren sind und/oder ob deren konzeptionelle Weiterentwicklung erforderlich ist. Dabei sollte sowohl eine Auseinandersetzung mit dem Zentrale-Orte-Konzept und dessen Potenzialen und Defiziten als auch eine praxisorientierte Bewertung alternativer Konzepte, insbesondere des Soziale-Orte-Konzepts, erfolgen. In diesem Sinne sind auch theoretisch fundierte, aber praktisch verwertbare konzeptionelle Weiterentwicklungen des Zentrale-Orte-Konzepts sowie gänzlich neue Ansätze zur flächendeckenden Sicherung der Daseinsvorsorge und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalt insbesondere in solchen ländlichen Regionen willkommen, die sich den geschilderten Herausforderungen zu stellen haben.

    Vorgesehen sind 4 Referate (jeweils 15 Minuten Vortragszeit) und eine anschließende Diskussion.

  • L7-FS-172Integrierte Regionalentwicklung und kommunale Finanzen
    Herr Dr. Franz FlögelHerr Dr. Florian Langguth
    Institut Arbeit und Technik der Westfälischen HochschuleSPRINT Consult

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung möchte wissenschaftliche Ergebnisse und Praxiserfahrungen der Themen Regionalentwicklung und kommunale Finanzen zusammentragen, da beides sich wechselseitig bedingt.

    Exposé

    Eine aktive Regionalentwicklung verursacht Kosten welche von den Städten, Kreisen und Gemeinden (mit) finanziert werden müssen. Zahlreiche Tätigkeitsfelder der Regionalentwicklung stehen hierbei unter besonderem Finanzierungsvorbehalt, da sie zu den freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben gehören (z. B. Wirtschaftsförderung). Besonders für Regionen mit einer angespannten finanziellen Haushaltslage besteht die Herausforderung, integrierte Regionalentwicklung trotz knapper Kassen zu betreiben. Diese Herausforderung wiegt vor dem im Grundgesetz verankerten Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet umso schwerer, da der Zusammenhang zwischen Regionalentwicklung und kommunaler Haushaltslage auch umgekehrt kausal ist. Die Kommunen beeinflussen über die aktive Regionalentwicklung, etwa durch die Verbesserung der harten und weichen Standortfaktoren, wie attraktiv eine Region für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger ist, wie sie sich folglich entwickelt. Wirtschaftlich florierende Regionen erzielen i. d. R. höhere Steuereinnahmen, müssen geringere Kosten für die soziale Sicherung aufbringen und können darüber hinaus mit umfangreicherem gesellschaftlichen Engagement rechnen. Zwar nivellieren die föderalen Finanzausgleiche Disparitäten zwischen Einnahmen und Ausgaben teilweise, es ist jedoch kein vollständiger Ausgleich vorgesehen. Auch Fördermittel für Regionalentwicklung sind gerade für Kommunen in Haushaltsicherung aufgrund der Eigenanteile und fehlender Personalressourcen nur bedingt zugängig. Vor dem Hintergrund der Neuordnung der Bund-Länder Finanzbeziehungen und dem (neuen politischen) Interesse an gleichwertigen Lebensverhältnissen, möchte diese Fachsitzung neuere Ergebnisse aus Wissenschaft und Praxis aus den Themenfeldern integrierte Regionalentwicklung und kommunale Finanzen zusammentragen. Hierzu werden Vorträge u.a. zu folgenden Themenfeldern und deren Verbindung erbeten:

    – Kommunale Finanzen, regionale Disparitäten, Finanzausgleiche und Lasten-Nutzen-Ausgleiche;

    – Integrierte Regionalentwicklung, insbesondere vor dem Hintergrund angespannter kommunaler Haushalte und gleichwertiger Lebensverhältnisse;

    – Fördermittel (für regionale Entwicklung), und deren Ausgestaltung, Effekte, räumliche Verteilung und Herausforderungen bei der Akquise;

    – Raumwirksame Mittel, intendierte und nicht-intendierte räumliche Umverteilung (z.B. soziale Sicherungssysteme) und deren Effekte

  • L7-FS-173Flucht und Migration in der Stadt: Auf-, Um- und Einbrüche nach dem Sommer der Migration
    Herr Dr. Mathias RodatzFrau Prof. Dr. Antonie Schmiz
    Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für HumangeographieUniversität Osnabrück, Institut für Geographie

    Kurzabstract

    Entwicklungen in Städten spielen eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche Verhandlung von Flucht und Migration. Wir diskutieren veränderte Praktiken und Diskurse seit dem Sommer der Migration.

    Exposé

    Der städtische Raum lässt sich als Brennglas der Dynamiken in Migrationsgesellschaften begreifen. Grenzen werden zunehmend in Stadtgesellschaften verlagert und dort verhandelt, hier organisieren sich formelle wie informelle Bewegungen der Migration und die Stadt wird für Flucht-, Migrations- und Integrationspolitik zum zentralen Ort. In Städten wird über die Zukunft von Identität, Zugehörigkeit und Teilhabe jenseits der Nation verhandelt. Entsprechend kontrovers ist die Repräsentation von Migration in der Stadt. Einerseits erscheint sie als Indikator von Krisen, andererseits wird sie als alltäglicher Bestandteil oder als Teil von Urbanität in einer globalisierten Welt begriffen. Die Fachsitzung fragt danach, wie sich vier Jahre nach dem „langen Sommer der Migration“ 2015 Diskurse, Praktiken und Prozesse in der Stadt verändert haben, denn es stellen sich nun verstärkt Fragen nach beruflichen und (Aus-)Bildungs-, sowie Bleibeperspektiven. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass das seit 2015 deutlich veränderte gesellschaftliche Klima im Hinblick auf Migration auch Menschen und politische Felder jenseits der „Fluchtmigration“ im engen Sinne betrifft: wie haben sich Diskurse und Praktiken um Diversität, Pluralität, Identität entwickelt und welche Rolle spielen alltägliche und institutionelle Rassismen in der Stadt?

    Für die Fachsitzung bringen wir vier Beiträge zusammen, die sich aus unterschiedlichen konzeptionellen und empirischen Perspektiven mit den Entwicklungen beschäftigen. Mögliche Fragestellungen sind:

    • Wie werden Flucht und Migration in der Stadt gesellschaftlich, in der öffentlichen und politischen Debatte oder in der Medienberichterstattung verhandelt?

    • Welche Dynamiken lassen sich in (bestehenden und entstehenden) migrantischen Netzwerken beobachten?

    • Inwiefern schlagen sich politische Restriktionen, die seit dem Sommer der Migration auf EU-, Bundes- oder Landesebenen eingeführt worden sind, in den Städten nieder: direkte Aufnahme von Kontingenten von Geflüchteten, neue Grenzziehungen?

    • Wie äußern sich Konflikte, Rassismus und Chauvinismus in städtischen Räumen, welche (räumlichen) Auswirkungen hat das Erstarken der Neuen Rechten?

    • Welche (neuen) solidarischen Bewegungen und Politiken lassen sich ausmachen (bspw. Sanctuary / Solidarity Cities)?

  • L7-FS-174Was leisten Raumkonzepte in der Armuts- und Ungleichheitsforschung?
    Herr Prof. Dr. Andreas KochFrau Prof. Dr. Nadine Marquardt
    Universität Salzburg, Fachbereich Geographie und GeologieUniversität Bonn, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Die Sitzung beschäftigt sich mit der Frage, welchen Beitrag geographische Raumkonzepte und raumsensible Analysen für die Messung und das Verständnis von Armut und sozialer Ungleichheit leisten können.

    Exposé

    Vielen Armutsdefinitionen und -konzepten liegt als konstitutives Merkmal die Generalisierung von Zuständen bzw. Eigenschaften zugrunde. Die hierfür entwickelten Indikatoren versuchen, typische Lebenslagen abzubilden, die eine Orientierung am Durchschnitt – und damit auch an der Abweichung – erlauben. Die Definitionshoheit über das „Typische“ liegt freilich nicht beiden Betroffenen. Auch wenn Personen, Haushalte oder Gruppen als soziale Einheiten derartiger Armutsdefinitionen Adressaten armutspolitischer Maßnahmen sind, greift der geographische Raum als beeinflussende und mitunter determinierende Größe in die Bestimmung und Ableitung von Armutsindikatoren ein. In der Regel werden diese Indikatoren und Maße über den territorial-administrativen Raum generiert; zB werden auf das Einkommen bezogen Armutsgefährdungsschwellen ermittelt, die dann innerhalb dieser räumlichen Einheiten Grundlage monetärer Leistungen für die unter dem Schwellenwert liegenden Personen sind (zB Hartz IV). Die über die Aggregierung vorgenommene Homogenisierung sozialer Attribute schafft Probleme einer von individuellen Verhältnissen abstrahierenden Lösung. Zugleich werden Armutslagen als singulär ortsbezogen erfasst.

    Daraus ergeben sich drei Fragenkomplexe, die im Rahmen dieser Fachsitzung diskutiert werden sollen:

    1. Welche geographischen Raumkonzepte stehen als mögliche Alternativen einer an den Bedürfnissen ausgerichteten geographischen Armuts- und Ungleichheitsmessung zur Verfügung? Welchen Beitrag leisten räumlich explizite Analysen zur Bestimmungen von Armut?

    2. Welche Ansätze einer kritischen Evaluierung sozialer, räumlicher und zeitlicher Indikatoren lassen sich in der geographischen Armuts- und Ungleichheitsforschung ausmachen? Wie lassen sich jenseits sozio-demographischer und ökonomischer Kriterien weitere Dimensionen sozialer Exklusion, aber auch Aspekte der Teilhabe und Gerechtigkeit berücksichtigen?

    3. Welchen Beitrag leisten qualitative geographische Forschungsansätze zum Verständnis der räumlichen Dimensionen von Armut und Ungleichheit? Wie lassen sich qualitative und quantitative Perspektiven im Feld der raumsensiblen Armutsforschung ins Gespräch bringen?

    Geplant sind vier Beiträge, die aus dem wissenschaftlichen oder schulischen Bereich stammen können. Wir freuen uns über Arbeiten, die bereits eine gewisse empirische Fundierung erreicht haben oder sich im experimentellen Stadium befinden.

  • L7-FS-175Ordering Mobilities – zur Planung, Steuerung und Unterhaltung von Mobilitäten in interdisziplinärer Perspektive
    Herr Dr. Thomas KlingerFrau Dr. Susann Wagenknecht
    Goethe Universität Frankfurt am Main, Institut für HumangeographieUniversität Siegen, Seminar für Sozialwissenschaften

    Kurzabstract

    Ausgehend vom mobilities turn in den Sozialwissenschaften nimmt die Fachsitzung die Sicherstellung, Steuerung und Anpassung unterschiedlicher Mobilitätsformen in den Blick.

    Exposé

    Der mobilities turn in den Sozialwissenschaften (Sheller & Urry 2006) hat auch die Humangeographie sowie zahlreiche ihrer Subdisziplinen maßgeblich beeinflusst. „Mobilität“ gilt inzwischen als ein Grundkonzept humangeographischer Forschung (Kwan & Schwanen 2016) und fungiert gleichzeitig als Bindeglied zu Nachbardisziplinen wie Sozial-, Planungs- und Kulturwissenschaften. Demnach sind mobile Vergesellschaftungsformen wie etwa globale Handels- und Arbeitsbeziehungen, un-/freiwillige Migration und regionale Pendlerverflechtungen ebenso relevant wie räumlich fixierte Organisationsformen wie etwa Städte und Nationalstaaten. Unser Mobilitätsbegriff ist weit gefasst und bezieht globale Logistik ebenso ein wie städtisches Verkehrsmanagement.

    Die Fachsitzung nimmt die Sicherstellung, Steuerung und Anpassung dieser vielfältigen Mobilitätsformen in den Blick. Dabei gilt unser Interesse den Prozessen von Planung, Governance und (politischer) Entscheidungsfindung, den Verhältnissen von Macht und Materialität sowie den Bemühungen um Instandhaltung und Reparatur (Denis & Pontille 2015), die mit der Ermöglichung und Verhinderung von Mobilität einhergehen. Welche Bewegungs- und Transportvorgänge werden privilegiert, welche blockiert oder verlangsamt? Mit welchen soziomateriellen Arrangements soll ein reibungsloser Waren- und Personentransport garantiert werden? Inwieweit geht erhöhte Mobilität mit der Herausbildung neuer Grenzen, Verschleiß und Immobilitäten einher (Hannam et al. 2006)? Welche Mensch-Technik-Verhältnisse entstehen inmitten von politischer Willensbildung, historischen Pfadabhängigkeiten und algorithmisierten Abläufen?

    Wir möchten die black boxes der Mobilitätssteuerung in zweifacher Hinsicht öffnen: Erstens möchten wir verstehen, welche Rationalitäten (oder Zwänge), welche Kontoversen (oder Kooperationen) ihrzugrunde liegen. Deswegen interessieren uns Einblicke in die Orte der Steuerung – Kontrollräume, Abfertigungshallen und Verkehrsleitzentralen. Zweitens interessiert uns, wie sich die Steuerung von Mobilität in Alltagspraktiken einschreibt und Widerstand oder Akzeptanz nach sich zieht.

    Einladen möchte wir eine Bandbreite von methodischen Ansätzen, von mobile methods (Büscheret al. 2010) über ethnographische Studien bis hin zu quantitativen Analysen. Dabei möchten wir alle Teildisziplinen der Humangeographie sowie ihre sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen einbeziehen.

    Format: vier Referate mit Diskussion

  • L7-FS-176Interreligiöse Dialoge, kritische Muslime und Islamkritik: Aushandlungslinien des integrationspolitischen Umgangs mit „Islam“ auf lokaler Ebene
    Herr Prof. Dr. Georg GlaszeHerr Prof. Dr. Andreas Pott
    Institut für GeographieInstitut für Geographie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung hinterfragt den Umgang mit „dem Islam“ in Deutschland und Westeuropa in unterschiedlichen lokalen Kontexten

    Exposé

    Seit etwa zwei Jahrzehnten stehen „Islam“ und „Muslime“ im Mittelpunkt identitäts-, integrations- und sicherheitspolitischer Diskurse und Praktiken in Deutschland. Dabei wird „dem Islam“ immer wieder eine mangelhafte Kompatibilität mit etablierten Ordnungs- und Wertekonzepten attestiert. Ängste vor Islam und diverse Spielarten von Islamkritik sind weit verbreitet und werden von sehr verschiedenen Akteuren und aus unterschiedlichen Positionen heraus artikuliert. Gleichzeitig etablierte sich – quasi als Gegenmoment zur Islamskepsis – ein integrationspolitischer Weg, der einen Dialog mit dem Islam bzw. mit Muslimen befördert und Muslime qua Dialog als Teil der Gesellschaft anspricht. Gerade auf der Ebene der Städte sind in den letzten Jahren zahlreiche Dialogforen entstanden, die mehr oder weniger explizit auf die Integration von Islam und Muslimen zielen – vielfach ausgestaltet als interreligiöse Dialoge. Dieser integrationspolitische Umgang sieht sich aber vielfältigen Kritiken ausgesetzt – von religionskritischen, islamophoben oder islamskeptischen Stimmen sowie teilweise auch von Stimmen, die der hegemonialen Logik dieser Dialoge vorwerfen, dass er nur bestimmte muslimische Identitäten integriert und andere vielfach exkludiert. Sowohl muslimische Akteure als auch „mehrheitsgesellschaftliche“ (kommunal-)politische Entscheidungsträger problematisieren dabei gegenwärtige Dialoge mit Muslimen als schwierigen Balanceakt im Hinblick auf säkulare Vorstellungen weltanschaulicher Neutralität – vor allem, wenn Religion explizit zum Thema wird.

    In der Fachsitzung wollen wir ausloten, wie sich der Umgang mit Islam gerade auf lokaler bzw. kommunaler Ebene in eben jenem Spannungsfeld zwischen anerkennend-involvierenden Dialogansätzen, islamkritischen Debatten sowie „muslimischer“ Kritik (bspw. an „Dialog“ oder an „Integration“) ausgestaltet. Diese Prozesse erlangen, so die These, vor dem Hintergrund der rechtspopulistischen Bewegungen der letzten Jahre (AFD, Pegida) sowie der identitätspolitisch aufgeheizten Diskussionen über Flüchtlinge und Zuwanderung eine neue Dynamik. Welche Formen des Umgangs lassen sich in verschiedenen (lokalen) Kontexten vergleichend beobachten?

    Die Fachsitzung möchte die Formen lokaler islambezogener Dialog- und Kritikpraktiken exemplarisch beleuchten und ihre wechselseitige Beziehung sichtbar machen.

  • L7-FS-177Neue Geographien selbstständiger Arbeit in Städten
    Herr Prof. Dr. Lech SuwalaFrau Dr. Janet Merkel
    TU BerlinCity, University of London

    Kurzabstract

    Diese Fachsitzung beschäftigt sich mit neuen Formen der Arbeitsorganisation und ihren räumlichen Bezügen in Städten.

    Exposé

    Diese Fachsitzung beschäftigt sich mit neuen Formen der Arbeitsorganisation, insbesondere in wissensintensiven, städtischen Arbeitsmärkten und greift somit das übergeordnete Leitthema „Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft in Bewegung“ auf. Seit einigen Jahrzehnten lässt sich eine Zunahme an selbstständiger Erwerbsarbeit (Freiberuflichkeit, Solo-Selbständigkeit, Clickworker) beobachten, die durch betriebliche Flexibilisierungsstrategien, neue Errungenschaften in Informations- und Kommunikationstechnologien und ein zunehmendes subjektzentriertes Arbeitsverständnis beflügelt werden. Vor diesem Hintergrund sind Erwerbsverhältnisse zunehmend sowohl von Wettbewerb, Risiko und Individualisierung als auch durch vielfältige räumliche, zeitliche und soziale Entgrenzungen gekennzeichnet; bezogen auf die Raumwirkung tritt ein Paradox zu Tage: einerseits wird Arbeit durch Technologien räumlich mobiler und unabhängiger von örtlichen Bindungen, andererseits etablieren sich neue Ortsbindungen und Raumbezüge, etwa in gemeinschaftlich orientierten Einrichtungen wie Coworking Spaces oder Innovation Labs.

    In der Auseinandersetzung mit diesen veränderten Formen der Erwerbsarbeit und neuen Mustern städtischer Raumaneignung wollen wir eine geographische Perspektive stärken, die menschliche Arbeit mannigfaltig eingebettet (sozial, kulturell, politisch aber vor allem räumlich) betrachtet. Im Zusammenhang mit diesen Geographien der Arbeit bzw. der Labour Geography interessieren uns Beiträge, in denen Städte nicht nur als Container oder Forschungskontexte betrachtet werden, sondern in relationalen und topologischen Raumperspektiven ebenso zur aktiven Produktion von Orten und Landschaften beitragen.

    Wir laden Vortragsangebote ein, die sich theoretisch, methodologisch oder auch empirisch-analytisch mit zukünftigen Geographien der Arbeit auseinandersetzen und wollen so einen Beitrag zu einer heterodoxen Wirtschaftsgeographie in diesem Themenfeld liefern. Vortragsangebote können etwa auf folgende Themen eingehen:

    – Raumbezüge nomadischen und selbständigen Arbeitens

    – Eventisierung von Arbeit (Hackathons, Netzwerkveranstaltungen, Workacations, Field-configuring Events) und deren Rolle für die Organisation selbständiger Arbeit

    – Affektisierung von Arbeit (z.B. durch anregende Arbeitsumgebungen)

    – Verhältnis von Produktions- und Reproduktionssphäre in selbständiger Erwerbstätigkeit (z.B. Heimarbeit, AIRBnB Vermietung, temporäre Coworking Treffs in Wohnungen)

  • L7-FS-178Geographien Sozialer Netzwerke und Soziale Netzwerke der Geographien
    Herr Prof. Dr. Johannes GlücklerHerr Dr. Robert Panitz
    Universität HeidelbergUniversität Heidelberg

    Kurzabstract

    Diese Sitzung rückt die geographische Netzwerkforschung in den Fokus und adressiert den Dialog zwischen Netzwerkforschung und Geographie.

    Exposé

    Soziale und wirtschaftliche Prozesse haben sowohl eine relationale als auch eine räumliche Komponente. Einerseits hängt die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen von der Struktur und Dynamik sozialer Netzwerke ab, andererseits nimmt die Entwicklung von Netzwerken oft eine besondere räumliche Form an. Während Netzwerke in der geographischen Forschung eine immer größere Rolle einnehmen, erkennen auch Netzwerkforscher zusehends den Raum als wichtigen Aspekt zur Bildung sozialer Beziehungen. Diese wechselseitige Konversation zwischen Geographie und Netzwerkforschung wurde zuletzt sichtbar in Themenheften der Zeitschrift Social Networks (Doreian und Conti 2012) oder im Journal of Economic Geography (Glückler und Doreian 2016). Darüber hinaus haben jüngste Beiträge in der evolutionären Wirtschaftsgeographie (z. B. Boschma et al., 2015) gezeigt, wie die Interaktion zwischen den beiden Forschungssträngen zu einem besseren Verständnis der Räumlichkeit von Netzwerken und der Netzwerkgrundlagen regionaler Entwicklung führen kann. Diese Fachsitzung zielt darauf ab, die Integration von Fragestellungen und Ansätzen der Humangeographie mit dem wachsenden Portfolio von Konzepten und Methoden der Netzwerkforschung zu unterstützen. Innerhalb eines breiten Spektrums möglicher Themen an der Schnittstelle von relationaler Geographie und Netzwerkstudien laden wir Beiträge ein, die sich zum Beispiel mit folgenden Themen befassen können: der räumlichen Entwicklung von Netzwerken, der Rolle von räumlichen Kontexten für soziale Netzwerke, dem Einfluss von Organisationsnetzwerken auf regionale wirtschaftliche Entwicklung, Konzepte und Methoden für die relationale Analyse von Regionen und die Räumlichkeit von Organisationen, die Dynamik intra- und interorganisatorischer Netzwerke in und über den Raum, die relationale Struktur von Märkten auf regionaler und globaler Ebene.

  • L7-FS-179Kommunale Strategien des Umgangs mit Migration und migrationsbedingter Vielfalt
    Frau Prof. Dr. Felicitas HillmannHerr Prof. Dr. Andreas Farwick
    IRS / TU BerlinUniversität Bochum

    Kurzabstract

    Es geht um das Spannungsfeld zwischen nationalen Regulierungen und lokaler, städtischer Praxis.Wie gestalten sich die Aushandlungsprozesse und welche proaktive Stadtentwicklungsstrategien bestehen?

    Exposé

    Seit dem Fluchtsommer 2015 – spätestens seit den rassistisch-gewalttätigen Ausschreitungen rechtsextremer Gruppen in Chemnitz im September 2018 – ist der kommunale Umgang mit Flucht, Migration und Integration wieder ins Blickfeld politischer und wissenschaftlicher Debatten gerückt.

    Auch Chemnitz ist aufgrund von Prozessen des demographischen Wandels auf internationale Zuwanderung und eine gelingende Integration der neuankommenden Bewohner angewiesen. Was im Bereich der Integration von Seiten der Chemnitzer Stadtverwaltung bisher getan wurde, scheint auf den ersten Blick der Vorgehensweise in anderen Städte zu entsprechen: So existieren Willkommensbroschüren für Ausländer sowie Orientierungsangebote für Neuankömmlinge. Zudem sind eine Migrationsbeauftragte und ein Migrationsbeirat vorhanden. Die Migrationsbeauftragte in Chemnitz war vor 2018 der Meinung, dass die Kommuneeinen „ […] guten und für andere Kommunen beispielhaften Weg […]“ geht. Und dass „Behörden und Träger […] gut miteinander vernetzt“ sind. Anders als in vielen anderen deutschen Städten ist der Anteil an Migrantinnen und Migranten bzw. an Jugendlichen mit Migrationshintergrund gering.

    Im Gegensatz dazu bildet in westdeutschen Großstädten die Minderheitenbevölkerung in den jungen Altersgruppen bereits teilweise die Mehrheit. Die öffentlichen Institutionen arbeiten dort seit Jahren aktiv an einem positiven Umgang mit der in Teilen immer wieder konfliktbeladenen Situation der Einwanderungsstadt. Aus den verschiedenen Strategien und den daraus resultierenden Erfahrungen stammen die nun andernorts eingesetzten Herangehensweisen (Welcome-Center, Willkommensbroschüren u.a.). In diesen Städten ist Migration längst ein selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft geworden.

    Vor dem Hintergrund dieser exemplarisch skizzierten Diskrepanzen wollen wir in der Fachsitzung anhand dreier Referate ( von ca. 20 min.) über aktuelle Verschiebungen im Verhältnis von nationalstaatlichen Regulierungen von Migration und den Handlungsreichweiten von Kommunen und anderen Institutionen auf der lokalen Ebene diskutieren. Wir konzentrieren uns auf Beiträge, die sich a) mit dem veränderten Verhältnis von Zivilgesellschaft und Institutionen in Städten beschäftigen, b) sich auf die Aushandlungsprozesse migrationsbedingter Vielfalt in den Städten richten, c) proaktive Stadtentwicklungsstrategien im Umgang mit Zuwanderung beleuchten und d) die veränderte Bedeutung der Position des Bürgermeisters thematisieren.

  • L7-FS-180Bildung und Wissen im Spannungsfeld von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen
    Herr Prof. Dr. Tim FreytagFrau Prof. Dr. Caroline Kramer
    Universität FreiburgKIT/ Karlsruher Institut für Technologie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung versteht sich als Workshop für den Austausch über humangeographische Arbeiten mit theoretisch-konzeptionellen Bezügen zu Bildungsgeographie und Geographie des Wissens.

    Exposé

    Die Auseinandersetzung mit bildungs- und wissensbezogenen Fragen im Kontext von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen hat in der Humangeographie während der vergangenen Jahre eine zunehmendeBeachtung gefunden. Der Workshop soll einen integrativen Beitrag zum DKG-Leitthema „Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft in Bewegung“ leisten. Er hat zum Ziel, verschiedene Kurzbeiträge aus unterschiedlichen Teilbereichen der Humangeographie vorzustellen und miteinander zu diskutieren. Auf diese Weise sollen wechselseitige Anknüpfungspunkte und Verbindungslinien gleichermaßen auf theoretisch-konzeptioneller und empirisch-methodischer Ebene identifiziert und im Hinblick auf künftige Forschungsarbeiten erörtert werden.

    Der Workshop steht offen für möglichst vielfältige kurze Beiträge aus unterschiedlichen Teilbereichen der Humangeographie. Zugleich soll er die Möglichkeit bieten, auch wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten und Projektskizzen vorzustellen.

  • L7-FS-181Aktuelle Perspektiven auf den Nexus von Migration und ländlicher Entwicklung
    Herr Prof. Dr. Patrick SakdapolrakHerr Harald Sterly
    Universität Wien, Geographisches InstitutUniversität Bonn, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Die Sitzung beschäftigt sich mit dem komplexen Verhältnis von Migration und ländlicher Entwicklung und einer kritischen Auseinandersetzung mit der (entwicklungs-)politischen Anwendung.

    Exposé

    Der Nexus von Migration und ländlicher Entwicklung wird seit langem kontrovers diskutiert. Nach optimistischen und pessimistischen Perspektiven gibt es seit den 1990er Jahren wieder positivere Bewertungen. Auch die Entwicklungspolitik greift das Thema stärker auf, z. B. in der Agenda 2030 oder im Addis Abeba Aktionsplan. In den letzten Jahren gibt es in der Forschung einen regelrechten Boom von Studien z. B. zur Bedeutung von Rimessen, transnationalen/-lokalen Netzwerken, oder von sozialen Praktiken. Hier pluralisieren sich theoretische und methodische Ansätze, sowie die Bewertung, inwieweit und wie Migration auf Prozesse und Strukturen in ländlichen Herkunftsgebieten wirkt.

    Es wird deutlich, wie komplex das Verhältnis von Migration und Entwicklung ist, aber auch, dass es selten einseitig positiv oder negativ zu bewerten ist; dass die Auswirkungen von Migration wesentlich von strukturellen Rahmenbedingungen abhängen; und dass Bewertungen vor dem Hintergrund spezifischer Positionen erfolgen. Besonders klar wird dies an der Diskrepanz zwischen dem politischen Ziel, durch Entwicklung Migrationsursachen zu verringern, und Studien, die eine Zunahme von Migration mit wirtschaftlicher Entwicklung zeigen.

    Die Sitzung bringt aktuelle Arbeiten und Erkenntnisse zum Nexus von Migration und ländlicher Entwicklung zusammen. Beiträge können folgendeThemen abdecken, aber auch darüber hinausgehen:

    – Migration und demographische Veränderungen in Herkunftsregionen, und die Wirkungen auf Entwicklungsperspektiven;

    – Migration als (Haushalts-) Livelihood-Strategie und die kollektiven Auswirkungen;

    – Bedeutung von Binnenmigration im Verhältnis zu internationaler Migration;

    – translokale Verbindungen, z.B. finanzielle und soziale Rimessen, Netzwerke, und die Bedeutungen für Livelihoods, Innovationen und soziale Veränderungen;

    – Aufnahme in der Entwicklungs- und Migrationspolitik, z. B. in der (staatlich gelenkten) Organisation von Diaspora-Gruppen;

    – kritische Perspektiven, insbesondere bezüglich der Paradigmen und normativen Positionen, die der Bewertung von Migration zugrunde liegen;

    – Vertreibungen und Umsiedlungen im Zuge von Entwicklungsprojekten.

    Die Sitzung ist dem Leitthema 7 „Gesellschaft, Bevölkerung und Wirtschaft in Bewegung“ zugeordnet und umfasst vier Vorträge à 15 Min. plus 30 Min. Diskussion.

    Wir freuen uns über Einreichungen, bei Fragen im Vorfeld gerne Nachricht an die beiden Sitzungsleiter.

  • L7-FS-182Religion, Migration, Integration
    Herr Dr. Edgar WunderHerr Dr. Thomas Schmitt
    Geographisches Institut der Ruhr-Universität BochumGeographisches Institut der Universität Erlangen-Nürnberg

    Kurzabstract

    Behandelt wird die Bedeutung von Religion bei der Integration aber auch Stigmatisierung und Ausgrenzung von Flüchtlingen.

    Exposé

    Da der Großteil der heute in Europa zu integrierenden Flüchtlinge aus nicht-christlichen Herkunftsstaaten stammt, sind mit der Integration auch vielfältige interreligiöse und interkulturelle Begegnungen verbunden. Gleichzeitig lenkt die xenophobe rechtspopulistische Reaktion auf Flüchtlingsbewegungen die Aufmerksamkeit heute auf religiöse Differenz und konstruiert das kulturell Fremde als in erster Linie im Religiösen verankert. Dies ist ein Unterschied zur Fremdenfeindlichkeit z. B. in den 1980er Jahren.

    In dieser Leitthemensitzung wollen wir dazu u .a. folgende Fragen fokussieren:

    Welche Rolle spielt Religion in öffentlichen Diskursen über Flüchtlinge oder auch in deren eigener Identitätskonstruktion?

    Welche Ausgrenzungserfahrungen und Stigmatisierungen erleben Flüchtlinge aktuell in Bezug auf Religion?

    Inwiefern kann Religion als ein Integrationshindernis oder auch als integrationsfördernd angesehen werden?

    Inwieweit spielt das konkrete Herkunftsland der Flüchtlinge dabei eine Rolle?

    Welche Unterschiede gibt es dabei zwischen Ost-und Westdeutschland oder zwischen anderen europäischen Ländern?

    Welche Auswirkungen haben die neueren Migrationsbewegungen auf den religiösen Markt und den Wandel der religiösen Landschaft in Deutschland?

    Wie verändert sich die Bedeutung von Religion für Menschen mit Migrationshintergrund im Laufe des Migrations- bzw. Integrationsprozesses? Welche Unterschiede gibt es dabei zwischen Menschen mit Migrationshintergrund in erster, zweiter und dritter Generation?

    Welche Parallelen lassen sich zu anderen früheren Migrationsbewegungen ziehen?

    Welche Strategien sind angemessen, um Stigmatisierungen mit Verweis auf Religion entgegen zu treten?

    Wir begrüßen in diesem Rahmen sowohl theoretische wie empirische Beiträge, aber auch solche, die sich in anderen Kontexten mit dem Verhältnis von Migration und Religion beschäftigen.

  • L7-FS-183Geographien von Gesundheit
    Herr Dr. Carsten ButschHerr Prof. Dr. Patrick Sakdapolrak
    Institut für GeographieInstitut für Geographie und Regionalforschung

    Kurzabstract

    Eine Darstellung unterschiedlicher geographischer Perspektiven auf das Themenfeld „Gesundheit“ eröffnet den Dialog über sein Potential als disziplinäres Querschnittsthema.

    Exposé

    Das Thema Gesundheit wird in der Geographie in den letzten Jahren vermehrt bearbeitet und das aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Neben der Medizinischen Geographie/Geographischen Gesundheitsforschung ist Gesundheit Thema in der Sozial- und der Stadtgeographie, der kritischen Geographie, der Geographischen Entwicklungsforschung, der Klimageographie und der Biogeographie.

    Die einzelnen Perspektiven stellen in ihrer Beschäftigung jeweils andere Aspekte menschlicher Gesundheit in das Zentrum ihres Erkenntnisinteresses. Ein Teil der Arbeiten lässt das biomedizinische Modell von Gesundheit und Krankheit hinter sich und befasst sich stärker mit gesellschaftlichen Aspekten von Gesundheit und Krankheit. Dazu gehören etwa die soziale Konstruktion von Gesundheit, subjektives Gesundheitsempfinden, der gesellschaftliche Umgang mit Gesundheit und Krankheit (Stigmatisierung, Politisierung) oder die Bedeutung von Gesundheit für Entwicklungsprozesse.

    Andere betrachten Gesundheitsfragestellungen aus einer sozial-ökologischen Perspektive und analysieren die Folgen von Umweltveränderungen für die menschliche Gesundheit, indem sie z. B. die Auswirkungen globalen Wandels auf die Verbreitung von Moskitos oder die Entstehung von Hitzeinseln untersuchen.

    Ziel dieser Sitzung ist es, unterschiedliche geographische Perspektiven auf menschliche Gesundheit vorzustellen und daran anknüpfend einen Dialog über Gesundheit als Querschnitts- und Integrationsthema der Geographie zu eröffnen.

    Die Sitzung ist als Vortragssitzung konzipiert. In den Beiträgen wird neben konkreten Forschungsergebnissen auch das zugrundeliegende Konzept von Gesundheit erörtert. Auf Basis der Vorträge werden abschließend das Potential und die Limitierungen des Themenfeldes „Gesundheit“ als disziplinäres Querschnittsthema diskutiert.