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Leitthema 6

  • L6-FS-128Räumliche Modellierungen geomorphologischer Prozesse – Konzepte und Anwendungen in Forschung, Praxis und Bildung
    Herr Dr. Martin MergiliHerr Prof. Dr. Thomas Glade
    Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Angewandte GeologieUniversität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung

    Kurzabstract

    Innovative Konzepte und konkrete Anwendungsbeispiele räumlicher Computermodellierung in allen Bereichen geomorphologischer und interdisziplinärer Forschung, Anwendung, und ganz besonders auch Bildung.

    Exposé

    Computermodellierungen stellen einen immer wichtiger werdenden Beitrag zur geomorphologischen Forschung dar – sei es, um bestimmte Prozesse besser zu verstehen, um Raumplaner*innen und Risikomanager*innen Entscheidungsgrundlagen zu bieten, oder um bei Lernenden verschiedener Niveaus das Verständnis von Prozessabläufen zu fördern. Auf dieser Fachsitzung sollen – im Sinne des Leitthemas „Umweltprozesse und Umweltmodellierungen“ einerseits innovative Konzepte, andererseits konkrete Anwendungsbeispiele geomorphologischer Modellierung vorgestellt und diskutiert werden. Beiträge zu allen Bereichen geomorphologischer Forschung, zu allen Prozessbereichen, ob Grundlagenforschung oder angewandte Forschung, reine Geomorphologie oder verknüpft mit anderen Fachbereichen, sind höchst willkommen. Ganz besonders wird – im Sinne des Leitthemas „Geographie und Bildung“ zur Einreichung von Beiträgen zur Anwendung von Computermodellierungen oder deren Ergebnissen in der Bildung – ob in der Geographie oder in den Nachbardisziplinen– von der Grundschule bis zur Universität eingeladen.

  • L6-FS-141Risiko-Governance und der produktive Umgang mit Konflikten – am Beispiel des Siedlungsrückzugs
    Herr Dr. Gerard HutterHerr Dr. Thomas Thaler
    Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e.V. (IÖR)Universität für Bodenkultur (BOKU)

    Kurzabstract

    Siedlungsrückzug kann im Hochwasserrisikomanagement eine bedeutsame Rolle spielen. Die Sitzung thematisiert die Möglichkeiten und Grenzen von Siedlungsrückzug durch Risiko-Governance.

    Exposé

    Governance ist eine nicht-hierarchische Form der Produktion öffentlicher Güter, in der staatliche und nicht-staatliche Akteure zusammenwirken, um durch Kooperation und Konsens Interdependenzen ihres Handelns zu bewältigen. Risiko-Governance ist ein spezielles themenorientiertes Governance-Konzept. Die Bedeutung von Problemlösungen durch (Risiko-) Governance nimmt eher zu als ab. Zugleich gibt es warnende Stimmen, die eine „Kluft“ zwischen der Notwendigkeit und den Möglichkeiten von leistungsfähigem Governance sehen. Diese Stimmen rufen nach Anstrengungen, die Grenzen von und Alternativen zu (Risiko-) Governance zu diskutieren.

    Die Fachsitzung fokussiert auf Risiko-Governance am Beispiel des Siedlungsrückzugs. Siedlungsrückzug ist ein umstrittenes und oftmals konfliktbeladenes Thema. An der Frage, ob und wie abgesiedelt werden soll, scheiden sich die Meinungen zu Verantwortung, Gerechtigkeit, Schutzanspruch, Risikowahrnehmung, Solidarität, Ortsverbundenheit und Wohnvorstellungen. Die Situation in Absiedlungsgebieten hat sich oft über Jahre hinweg entwickelt. Viele Debatten über Absiedlung stehen am Schlusspunkt einer jahrzehntelangen Entwicklung rund um die Nutzung und den Schutz eines hochwassergefährdeten Gebiets.

    Die Sitzung interessiert sich dafür, wie mit Siedlungsrückzug verknüpfte Konflikte zwischen Akteuren verstanden werden können und welche Bedeutung Risiko-Governance für den produktiven Umgang mit Konflikten hat. Siedlungsrückzug von Privathaushalten, Unternehmen und Infrastrukturen ist im Hochwasserrisikomanagement eine Möglichkeit, um u.a. die Gesellschaft auf neue Herausforderungen im Kontext des Klimawandels vorzubereiten. Einerseits nimmt das Hochwasserrisiko oftmals durch den steigenden Wert gefährdeter Sachgüter in Überflutungsgebieten und durch den Klimawandel zu. Andererseits wird der Spielraum für herkömmliche Schutzmaßnahmen in Folge knapper öffentlicher Budgets und raumplanerischer Entwicklungsschwerpunkte der Vergangenheit immer enger. Durch einen geplanten Siedlungsrückzug werden Bewohner/innen sowie Sachgüter aus dem Gefahrengebiet „entfernt“ und es können Überflutungsräume in der Flusslandschaft zurückgewonnen werden. Die Sitzung möchte einen Beitrag dazu leisten, die Möglichkeiten und Grenzen von Siedlungsrückzug durch Risiko-Governance auszuloten.

    Klassische Vortragssitzung mit 4 Vorträgen und Diskussion. Bewerber/innen schicken einen Abstract, der Hauptinhalte und Methodik kurz erläutert.

  • L6-FS-142Bodendegradation und nachhaltiger Bodenschutz in Agrarlandschaften
    Herr Michael KuhwaldHerr Dr. Bastian Steinhoff-Knopp
    Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Geographisches Institut, AG Landschaftsökologie und GeoinformationLeibniz Universität Hannover, Institut für Physiche Geographie und Landschaftsökologie

    Kurzabstract

    Der Fokus liegt auf der Identifizierung, Erfassung, Modellierung und Bewertung von Bodengefährdungen in Agrarlandschaften sowie auf nachhaltigen Lösungsstrategien zu deren Vermeidung.

    Exposé

    Von den Kohlanbaugebieten der Marschen bis zu den Viehweiden im Gebirge, von den hochproduktiven Lössstandorten bis zu den ertragsarmen Sanderflächen – überall sind wir umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Jede Form der landwirtschaftlichen Nutzung (extensiv vs. intensiv, Ackerland vs. Grünland) stellt einen erheblichen anthropogenen Eingriff in Landschaften und Ökosysteme dar und hat direkte Auswirkungen auf deren Stoffflüsse, Wasserhaushalt und Biodiversität. Eine nicht standortgerechte agrarische Nutzung kann dabei zu vielfältigen Umweltschäden führen. Insbesondere der Boden als zentrales Landschaftskompartiment der landwirtschaftlichen Produktion wird durch nicht angepasste Nutzung degradiert, was im Extremfall zur vollständigen Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung führen kann. Der weltweit stattfindenden Bodendegradation durch nicht standortangepasste landwirtschaftliche Nutzung steht der nachhaltige Bodenschutz gegenüber.

    Als räumlich-interdisziplinär arbeitende Wissenschaft kommt der Geographie in diesem Themenbereich eine besondere Bedeutung zu: die Verknüpfung der ökologischen mit den sozioökonomischen und politischen Gegebenheiten in ihrer konkreten räumlichen Beziehung ermöglicht die Identifizierung von Triebkräften und Wirkzusammenhängen von Bodendegradations­prozessen und die Entwicklung eines nachhaltigen und von allen Akteuren akzeptierten Bodenschutzes.

    In dieser Session begrüßen wir Beiträge die sich mit der Thematik der Bodendegradation und des nachhaltigen Bodenschutzes in Agrarlandschaften befassen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Identifizierung, Erfassung, Modellierung und Bewertung von Bodengefährdungen, beispielsweise durch Bodenerosion durch Wasser, Wind, Bearbeitung und Ernte, Bodenverdichtung durch Befahrung und Viehtritt, Verlust an organischer Substanz und Nährstoffen, Versauerung, Versalzung, Kontamination, Entwässerung und Desertifikation. Der zweite Schwerpunkt fokussiert auf Maßnahmen und Lösungsansätze die einen nachhaltigen Bodenschutz ermöglichen. Dies beinhaltet auch eine Diskussion über deren Umsetzbarkeit und Akzeptanz im Kontext ökonomischer, sozialer und politischer Gegebenheiten. Neben klassischen Ansätzen wie der Ausweitung von Fruchtfolgen oder den Anbau von Zwischenfrüchten, begrüßen wir neue und innovative Ideen, die zukünftig einen Beitrag zur nachhaltigen Bodennutzung leisten können.

  • L6-FS-143Skalenübergreifendes Monitoring und Modellieren von Landoberflächenprozessen
    Herr Dr. Philip MarzahnHerr Prof. Dr. Rainer Duttmann
    Department für Geographie, LMU MünchenInstitut für Geographie, CAU Kiel

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung diskutiert innovative Konzepte und moderne Methoden des skalenübergreifenden Monitorings (z.B.Sensornetzwerke, Fernerkundung) und der Modellierung von Stoff- und Energieflüssen.

    Exposé

    Eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen ist die Mitigation des Klimawandels und die Anpassung des Menschen an dessen Folgen. Die anhängigen Fragestellungen rücken die Umweltforschungin den Bereichen Erforschung des Klimawandels, nachhaltige Nutzung von (Natur-)Ressourcen, sowie Wasser- und Nahrungsmittelsicherheit in den Fokus der nationalen und internationalen Forschungsförderung. In all den genannten Bereichen bestehen jedoch weiterhin erhebliche Defizite im Verständnis der steuernden Prozesse, der System­zusam­menhänge und deren Dynamik in Zeiten des globalen Wandels.

    Die Geographie, als integrative Wissenschaftsdisziplin, entwickelt und nutzt innovative Feld- und Fernerkundungsmessungen sowie flächendifferenzierte, prozessbasierte Modelle und inte­griert diese Informationsquellen zur verbesserten Beschreibung von dynamischen Umweltpro­zessen.

    Die Fachsitzung präsentiert und diskutiert aktuelle Forschungsvorhaben und -ergebnisse zu den oben genannten Fragestellungen, und fokussiert dabei auf die Rolle innovativer Methoden für ein skalenübergreifendes und integriertes Monitoring und Modellieren von Landober­flächenprozessen. Hierzu zählen vor allem Konzepte und Verfahren, die multiskalige Sensor­netz­werke und Fernerkundung nutzen, um die steuernden Prozesse zu erfassen und deren Parameter in Modelle zu überführen, mit denen ein besseres Systemverständnis von Stoff- und Energieflüssen an der Landoberfläche erreicht werden kann. Hier muss die Geographie wichtige Impulse bei der Erfassung und Beschreibung von Daten- und Modellunsicherheiten, der Regionalisierbarkeit und Skalierbarkeit von Prozessparametern und bei der Bestimmung der erforderlichen Daten- und Modellkomplexität für eine Abschätzung raum-zeitlich dynami­scher Prozesse liefern, mit denen robuste Projektion einer zukünftigen Entwicklung erst möglich werden.

    In der Fachsitzung heißen wir ausdrücklich Beiträge aus allen Bereichen innovativer Monitoring- und Messtechniken von Stoff- und Energieströmen bzw. deren Kreisläufen auf unterschiedlichen Skalen sowie deren Modellierung willkommen. Insbesondere sind dies Beiträge aus den Bereichen der Boden-, Hydro- und Klimageographie, der Landschafts- und Landnutzungsmodellierung sowie dynamischer Mensch-Umweltbeziehungen für eine nachhaltige Entwicklung.

  • L6-FS-145Punkt-Pixel-Modell – synergetische Verknüpfung von Fernerkundung, in situ Daten und Umweltmodellierung
    Frau Prof. Dr. Natascha OppeltHerr Dr. Thomas Schneider
    Christian-Albrechts-Universität zu KielTechnische Universität München (TUM), Department für Ökologie und Ökosystemmanagement

    Kurzabstract

    Wie können bspw. die unterschiedlichen Genauigkeiten, Aufnahmeskalen und thematischen Level von in situ und Fernerkundungsdaten in Umweltmodellen zusammengebracht werden?

    Exposé

    Mit dem Europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus und seinen Sentinel-Satelliten sowie mit weiteren Missionen wie Landsat und MODIS nimmt die Verfügbarkeit an kostenfrei zugänglichen Fernerkundungsdaten enorm zu. Die gesteigerte Datenverfügbarkeit ermöglicht die Beobachtung von Umweltzuständen und Umweltprozessen auf hoher räumlicher und zeitlicher Skala mit geringem Zeit- und Kostenaufwand. Im Vergleich dazu sind in situ Messdaten in der Regel nur punktuell vorhanden, aber thematisch detaillierter als Fernerkundungsdaten. So kann bei der Analyse von Wasserproben die Häufigkeit einzelner Phytoplanktonarten in bestimmten Probenahmetiefen gezählt werden, während aus Satellitendaten bspw. Chlorophyll-a-Mischkonzentration aus der Strahlungrückstreuenden Wassersäule berechnet wird.

    Ergänzend zur reinen Beschreibung/Beobachtung/Erfassung von Umweltprozessen, werden zunehmend über ‚in situ‘ und Satellitendaten abgeleitete Parameter mittels Modellen zusammengeführt. Ziel ist es Umweltprozesse auch quantitativ berechnen zu können. In situ Daten und/oder Fernerkundungsdaten werden dabei zur Parametrisierung, Kalibrierung und Validierung solcher Modelle genutzt. Neben der Quantifizierung ermöglichen die Modelle die Schließung von Lücken in Zeitreihen, die Überbrückung von Skalensprüngen und Betrachtungsebenen, etc. und darüber tragen darüber wesentlich dazu bei, Inventur-, Monitoring- und Management von Ökosystemen zu optimieren. Gleichzeitig entstehen bei der synergetischen Nutzung Herausforderungen: wie können bspw. die unterschiedlichen Genauigkeiten, Aufnahmeskalen und thematischen Level von in situ und Fernerkundungsdaten zusammengebracht werden?

    Diese Session lädt zu Vorträgen ein, die sich mit der Kombination von in situ, Fernerkundungsdaten und Umweltmodellen beschäftigt. Dies können beispielhafte Fallstudien und darüber hinaus Ansätze zur Kombination verschiedener Fernerkundungssensoren, Zeitreihenanalyse und -modellierungen, beinhalten. Am Ende dieser Session sollten neben Lösungsansätzen für die Herausforderungen, die Synergien und neuen Möglichkeiten erkennbar sein, die die Kombination gegenüber einer solitären Verwendung hat.

  • L6-FS-146Unmanned Aerial Systems (UAS) in der Geomorphologie
    Frau Dr. Irene MarzolffFrau Dr. Anette Eltner
    Institut für Physische Geographie, Goethe-Universität Frankfurt am MainInstitut für Photogrammetrie und Fernerkundung, TU Dresden

    Kurzabstract

    Für Kartierung, Quantifizierung und Monitoring von Bodenerosion und anderen Abtragungsprozessen bietet die Fernerkundung mit unbemannten Fluggeräten (UAS) ein außerordentliches Potential.

    Exposé

    In den vergangenen Jahren hat die rasante Entwicklung von unmanned aerial systems(UASs) vorrangig durch die Miniaturisierung und Simplifizierung von unmanned aerial vehicles (UAVs; unbemannten, ferngesteuerten Fluggeräten) nochmals an Fahrt aufgenommen. Heute stehen Aufnahmegeräte für eine breite Spanne physisch-geographischer Fragestellungen zur Verfügung. In kaum einer kleinräumigen Untersuchung aktueller Landschafts- und Umweltdynamiken ist ihr Einsatz wegzudenken.

    Für die Kartierung, die Quantifizierung und das Monitoring von Bodenerosion und anderen geomorphologischen Abtragungsprozessen bietet die UAS-Fernerkundung ein außerordentliches Potential. Sie ermöglicht die Erstellung hochauflösender digitaler Orthophotos und 3D-Geodaten wie Gelände- und Oberflächenmodelle in zuvor nicht verfügbarer Detailgenauigkeit. Flughöhe und Bildauflösung, Bildüberlappung und Wiederholrate sind nahezu beliebig wählbar und können dem Zustand und der Entwicklungsgeschwindigkeit und der zu beobachtenden Prozesse und Formen angepasst werden, um die Maßstabslücke zwischen Geländeaufnahme und Satellitenbild-Fernerkundung zufüllen. Der Einsatz von UAS in der Geomorphologie erfährt aktuell durch die technologischen Fortschritte in der GPS-Navigation, der weitgehend sicheren Autopilot-Steuerung, automatisierten und kontrollierter Flugplanung, passpunktfreien Georeferenzierung und der deutlich verlängerten Flugdauer von frei fliegenden leichtgewichtigen Plattformen mit Elektromotoren wie Flächenflieger und Multikoptern eine immer größere Verbreitung. Die Integration verschiedener neuer passiver und aktiver Sensoren für unterschiedliche Spektralbereiche (RGB-Kameras, Multispektral- und Thermalsensoren, LIDAR) und die jüngsten Entwicklungen in photogrammetrischer Software eröffnen zudem neue Möglichkeiten zur Untersuchung der Reliefformen wie auch der Steuerfaktoren von Abtragungsprozessen.

    Diese neuen Anwendungs- und Analysemöglichkeiten der hochauflösenden Bilddaten stellt die anwendungsbezogene Forschung jedoch vor neue Herausforderungen. Nicht das technisch Machbare, sondern Fragen nach der geeigneten spektralen, geometrischen und zeitlichen Auflösung, dem vertretbaren Verarbeitungsaufwand sowie Automatisierungsmöglichkeiten und der Aussagekraft der UAS-Geodaten stehen heute im Vordergrund.

    Ziel dieser Sitzung ist es, in 5 Vorträgen (je 20 Min. + 5 Min. Diskussion) diese neuen Herausforderungen der UAS-Fernerkundung für geomorphologische Fragestellungen zu thematisieren.

  • L6-FS-147Bodenerosion – vom Prozess zur nachhaltigen Landnutzung
    Herr Prof. Dr. Johannes Bernhard RiesHerr Prof. Dr. Thomas Scholten
    Universität Trier, Physische GeographieEberhard Karls Universität Tübingen, Soil Science and Geomorphology

    Kurzabstract

    Bodenerosion ist eines der weltweit größten Umweltprobleme. Neue Erkenntnisse der grundlegenden und anwendungsorientierten Wissenschaft bieten Ansätze zum Verständnis und Schutz der Ressource Boden.

    Exposé

    Bodenerosion stellt nach wie vor eines der weltweit bedeutendsten Umweltprobleme dar und tritt vor allem in Ökosystemen unter starker anthropogener Nutzung auf. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der steten Zunahme der Weltbevölkerung sind der Erhalt unserer Böden und die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln von größter Bedeutung. Daneben wird die Rolle von Boden als Schnittstelle zwischen den Sphären und seine Bedeutung für Klima und Biodiversität zunehmend deutlich. Von Bodenerosion sind besonders Regionen mit wechselfeuchtem Klima und hohen Niederschlägen in den Subtropen und Monsungebieten betroffen, aber auch viele andere vom Menschen in Anspruch genommene Flächen in vielen weiteren Klimazonen.

    Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung und der auf diese zurückgreifende, anwendungsorientierte Forschung bieten ein erhöhtes Prozessverständnis. Weiterer Erkenntnisgewinn ist durch neue und verbesserte Messverfahren möglich, so z.B. durch den Einsatz der Photogrammetrie zur Bestimmung von Abtragsraten (Structure from Motion) oder die Berücksichtigung von Wind in Erosionsexperimenten. Auch in der Erosionsmodellierung bietet sich Potential, z.B. durch eine stärkere Berücksichtigung stochastisch ermittelter Parameter, welche allerdings einer weiteren konzeptionellen Unterbauung bedarf. Zuletzt zeigen auch aktuelle Entwicklungen im Landbau und Landnutzungsmanagement neue Lösungsansätze zur Erosionsreduzierung und zum allgemeinen Schutz der Georessource Boden auf.

    In diesem Kontext möchte die Sitzung innovative Ideen und Projekte vorstellen, vergleichen und diskutieren, und so einen Beitrag zur aktuellen Bodenerosionsforschung und damit auch zum Bodenschutz leisten.

  • L6-FS-148Empirisch-experimentelle Feld- und Labormethoden zur Erforschung rezenter Hangprozesse auf verschiedenen Skalen
    Frau Dr. Miriam MarzenHerr Prof. Dr. Oliver Sass
    Physische Geographie, Universität TrierGeographisches Institut, Universität Bayreuth

    Kurzabstract

    Hangprozessforschung ist ein wichtiger Beitrag der Geomorphologie zu Sedimentmanagement, Schutz vor Naturgefahren und zum Ressourcenschutz unter den Vorzeichen des globalen Wandels.

    Exposé

    Hangprozesse sind ein zentrales Forschungsobjekt der Geomorphologie. Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den Prozessen der Regolithproduktion und dem Sedimenttransport in fluvialen Systemen. An der Schnittstelle Mensch/Natur sind sie sensible Zeiger von anthropogenem Einfluss und rücken dadurch immer mehr in den Fokus der Forschung. Zu den traditionellen Nutzungskonflikten wie Bodendegradierung durch intensive Landwirtschaft kommen die komplexen und noch nicht abschätzbaren Folgen der Erderwärmung auf die Reliefentwicklung. Die Erforschung von Hangprozessen auf verschiedenen Skalen ist daher ein wichtiger Beitrag der Geomorphologie zum Sedimentmanagement, zum Schutz vor Naturgefahren und zum Ressourcenschutz unter den Vorzeichen des globalen Wandels.

    Das Methodenspektrum zur Erforschung und Quantifizierung rezenter geomorphologischer Prozesse ist vielfältig und reicht von stationären Messanlagen und Oberflächenvermessungen hin zu experimentellen Ansätzen. Dazu gehören Forschungsarbeiten zu Bodenerosion auf Messparzellen, photogrammetrische und TLS- Erfassung von Hangprozessen und Sedimentverlagerungen sowie Konnektivitätsanalysen in Kleineinzugsgebieten. Empirisch-experimentelle Methoden liefern damit nicht nur wesentliche Erkenntnisse über physikalische Prozesse und Stoff- und Sedimentdynamiken, sondern dienen auch als Eingangsdaten für die Modellierung und als Empfehlungsgrundlage für Entscheidungsträger.

    Dabei ist bei allen angewandten Messmethoden eine explizite Fehlerbetrachtung erforderlich, um zu einer hohen Qualität und Aussagekraft der Daten zu gelangen. Eine besondere Herausforderung bildet dabei die Hochskalierung der Ergebnisse vom Messpunkt über die Hangskale auf die Sedimentbilanz von Einzugsgebieten. Massenbewegungen unterliegen außerdem einer raum-zeitlichen Dynamik, die eine vollständige Erfassung oftmals verhindert. Mithilfe des Einsatzes von Laborexperimenten und Modellierungen können diese Prozesse dargestellt, erforscht und quantifiziert werden. Feldmessungen erhöhen dabei die Güte des Experiments in Bezug auf Validität, Plausibilität und Ergebnisinterpretation.

    Die vier Referate der Fachsitzung sollen sich bevorzugt mit empirisch-experimentellen Untersuchungen zu anthropogen beeinflussten und/oder natürlichen Abtragsprozessen auf der Hangskale befassen und die Probleme der Skalierung berücksichtigen.

  • L6-FS-149Urbane Wälder
    Herr Dr. Joachim RathmannHerr Dr. Christoph Beck
    Institut für Geographie und GeologieInstitut für Geographie

    Kurzabstract

    Urbane Wälder erbringen viele Ökosystemleistungen für Stadtökosysteme und städtische Bevölkerung, die angesichts fortschreitender Urbanisierung und projizierten Klimawandels an Bedeutung gewinnen.

    Exposé

    Weltweit steigt der Anteil der städtischen Bevölkerung. Neben den Vorteilen, die ein Leben in Städten bietet, lassen sich Nachteile aufzeigen. Die Lebensqualität in der Mehrzahl der Städte ist aufgrund zunehmender Luftverschmutzung, einer verstärkten urbanen Wärmeinsel, der Zunahme von klimawandelinduzierten Extremereignissen, der Lärmbelastung und weiterer Stressoren meist rückläufig.

    Der „grünen Infrastruktur“ kommt hohes Potential für verbesserte urbane Umweltbedingungen zu. Eine Verbesserung der ökologischen und humanbioklimatischen Bedingungen kann zu einer nachhaltigen Optimierung der Lebensbedingungen der städtischen Bevölkerung führen. Urbane Frei- und Grünflächen erbringen hierbei unterschiedliche Ökosystemleistungen. So bieten insbesondere urbane Wälder ein großes Potential für Freizeitaktivitäten, sie haben eine wichtige Erholungsfunktion und verstärken soziale Bindungen; sie tragen zur Filterung von Luftschadstoffen bei und haben eine lokalklimatische Ausgleichsfunktion.

    Stadtplanerische Ansätze basierend auf Konzepten der „grünen Infrastruktur“ und „Nature Based Solutions“ können zu einer Verbesserung der Ökosystemleistungen führen. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten einer nachhaltigeren Stadtentwicklung mit weitreichenden positiven stadtökologischen, umweltpsychologischen und gesundheitlichen Effekten.

    Der inhaltliche Schwerpunkt der Fachsitzung, die vier Fachvorträge umfassen soll, liegt in der Betrachtung unterschiedlichster Zusammenhänge von urbanen Wäldern, Stadtklima und städtischer Bevölkerung.

    Willkommen sind Beiträge die sich mit Zusammenhängen von urbanen Wäldern mit Luftqualität und Klimaregulation, auch im Hinblick auf großräumige klimatische Veränderungen, beschäftigen. Dies beinhaltet auch quantitative Studien, die über eine rein stadtklimatologische Perspektive hinausgehen. Ein besonderer Fokus soll hier auf Gesundheitsaspekte gelegt werden. Weitere Kernfragen, die in der Fachsitzung diskutiert werden sollen, sind die Erfassung und Kartierung von Ökosystemleistungen urbaner Wälder. Dabei ist insbesondere die Ermittlung räumlicher Muster und Gradienten zentral für diese Fachsitzung. Auch Beiträge, die sich mit Steuerungs- und Partizipationsmöglichkeiten bei der Ausgestaltung urbaner Wälder beschäftigen, sollen in die Fachsitzung integriert werden, ebenso wie theoretische Überlegungen, empirische Untersuchungen und Modellierungsansätze, sowohl zu rezenten als auch zukünftigen klimawandelbeeinflussten Zusammenhängen.