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Leitthema 5

  • L5-FS-104Regionale Vernetzungen zu Energieversorgungssystemen und neue Akteurskonstellationen
    Herr Dr. Thomas BrühneHerr Dr. Günther Weiss
    Universität Koblenz-Landau / Abteilung GeographieUniversität zu Köln / Institut für Geographiedidaktik

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung wird die räumlichen Auswirkungen der deutschen Energiewende auf Gesellschaft und Umwelt in einer regionalen Maßstabsebene thematisieren.

    Exposé

    Durch den Ausstieg aus der Atomenergie und den Ausbau erneuerbarer Energien befindet sich Deutschland mitten in einem räumlichen Transformationsprozess. Seit den 1990er Jahren werden die nationalen Rahmenbedingungen für die Erzeugung, Nutzung und Sicherstellung von Energie mit einer gewissen Kontinuität angepasst. Der durch die Energiewende eingeleitete technologische Wandel des Energieversorgungssystems bedingt zugleich vielfältige soziotechnische Veränderungen im Raum. Bei näherer Betrachtung der regionalen Maßstabsebene wird deutlich, dass der infrastrukturelle Ausbau von erneuerbarer Energie einerseits zur dezentralen Vernetzungen von Energieversorgungseinheiten und andererseits zu neuen Governanceprozessen führt. Durch die Errichtung beispielsweise von Energiegenossenschaften, Bioenergiedörfern, Bürgerwindparks oder 100%-Erneuerbare-Energie-Regionen entsteht ein neues räumliches Organisationssystem von Energie. Charakteristisches Merkmal dieser Neuorganisation ist eine Verlagerung hoher Anteile energetischbedingter Wertschöpfungsanteile in die Geographie des regionalen Raums. Diese neue sozioökonomische Teilhabe führt zu einer verstärkten Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern an raumplanerisch bedingten Entscheidungsprozessen sowie zu einer Formation bislang nie dagewesener Akteurskonstellationen mit veränderten Vorstellungen über Raumnutzungsmuster und regionale Verteilungsgerechtigkeit.

    In der Fachsitzung sollen in erster Linie erneuerbare Energieversorgungseinheiten auf regionaler Maßstabsebene betrachtet werden, die exemplarisch für die Transformation des traditionellen Energieregimes angeführt werden können. Darüber hinaus soll die Frage aufgegriffen werden, ob die systematische Öffnung von Beteiligungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft an der Umstellung des Energiesystems sowie die damit einhergehende Herausbildung neuer Akteurskonstellationen als eine Verschiebung bisheriger Machtverhältnisse im Raum verstanden werden können.

  • L5-FS-105„UNESCO-Biosphärenreservate“: Naturschutz und nachhaltige Entwicklung als globale Idee
    Herr Prof. Dr. Karl-Heinz ErdmannHerr Prof. Dr. Hubert Job
    Bundesamt für NaturschutzJulius-Maximilians-Universität Würzburg - Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung

    Kurzabstract

    Aus internationaler Warte wird die UNESCO-Gebietskategorie Biosphärenreservat und ihr Anspruch, zum Biodiversitätserhalt Naturschutz mit nachhaltiger Entwicklung zu verbinden, kritisch analysiert.

    Exposé

    Historisch lassen sich für Biosphärenreservate (BR) mehrere Entwicklungsphasen differenzieren. Diese resultieren aus einer grundlegenden paradigmatischen Umorientierung der generellen Schutzgebietsphilosophie und des daraus abgeleiteten Managements dieser UNESCO-Gebietskategorie im Speziellen. Die ursprüngliche Idee der Ausweisung von BR in den 1970ern war es, alle Biome der Erde für die landschaftsökologische Forschung zu erfassen. Heute lautet die Forderung, dass sich BR an dem 2016 verabschiedeten „Lima Action Plan“ (LAP) zum UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) orientieren müssen. Der LAP ergänzt und konkretisiert die neue „MAB-Strategie 2015-2025“ in den UNESCO-Mitgliedsstaaten. Die Strategie soll vorrangig solche Mitgliedsstaaten und Akteure im BR-Weltnetz (aktuell: 686 BR in 122 Staaten) fördern, welche

    die Biodiversität erhalten, die Ökosystemleistungen wiederherstellen und stärken, die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen begünstigen; zu nachhaltigen, gesunden und gerechten Gesellschaftsformen, Volkswirtschaften sowie zu florierenden Wohn-und Siedlungsbereichen im Einklang mit der Natur beitragen;

    die Wissenschaften im Bereich Biodiversität und Nachhaltigkeit sowie Bildungsarbeit in den Bereichen nachhaltige Entwicklung und den Kapazitätsaufbau fördern und

    die Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels und andere Aspekte der globalen Umweltveränderungen unterstützen“.

    Dieser Anspruch stellt für die Zukunft der BR im Anthropozän mit wachsender Bevölkerung und steigenden Konsumansprüchen bei gleichzeitig Klimawandel – global gesehen – eine immense Herausforderung dar. BR als Modelle nachhaltiger Wirtschaftsweisen dauerhaft zu etablieren, umfasst idealerweise alle involvierten Akteursgruppen und die durch sie direkt sowie indirekt geprägten Raumstrukturen.

    Die Frage ist: Eignet sich die globale BR-Gebietskulisse dafür? Deshalb soll diskutiert werden, ob und wieweit BR in der Lage sind, die o.g. Aufgabenstellungen zu erfüllen und damit ihrer gewünschten Vorbildfunktion für „Normallandschaften“ nachzukommen. Diese Erörterung ist im Lichte der ‚Sustainable Development Goals’, der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu führen, die als theoretischer Analyserahmen dienen sollen. Somit wird ein Beitrag zur Angewandten Geographie aus physischer, humangeographischer und didaktischer Perspektive geleistet.

  • L5-FS-106Blue Economy Voyaging: Marine Spatial Development and Resource Management in Transitional Perspective
    Herr Dr. Oliver KleinHerr Prof. Dr. Gordon Winder
    Universität GreifswaldLudwig-Maximilians-Universität München

    Kurzabstract

    As marine environments are highly vulnerable to socioeconomic and environmental pressures, the session reflects on (possible) pathways towards sustainable marine and coastal development.

    Exposé

    The ‘Blue Economy’ has been widely advocated in the 2010s as a strategy to ‘save’ the world’s oceans and water by incorporating ocean values and services into economic modelling and decision-making processes (Winder & Le Heron, 2017). Marine and coastal environments are increasingly at risk due to human development pressures and changing environmental conditions such as sea level rise. Governments aim to manage these risks through Marine Spatial Planning and other new governance practices that will direct development to more sustainable outcomes while also confronting multiple and overlapping uses in ocean and marine environments. Nevertheless, changing environmental risks and increasing development pressures often combine with problems in contemporary governance to present difficult challenges for the diverse stakeholders involved, as well as those charting transition pathways towards sustainable outcomes. Often the intense demands on marine and coastal resources sit uneasily with stewardship, habitat protection and natural resource maintenance imperatives (Heidkamp & Morrissey, 2018).

    The session examines the transitional potential of ideas like that of the ‘Blue Economy‘, and reflects on proposed pathways towards sustainable marine spatial development and resource management.Therefore, we appreciate conceptual and/or empirical contributions dealing with issues such as marine resources, fisheries and seafood cultivation, marine spatial planning, coastal development, port development, marine ecosystem services, marine conservation, governance of marine and/or coastal systems, ocean citizenship, marine pollution, and so on – ideally, but not necessarily, from an integrated transitional perspective and through the lenses of social, cultural or economic geography or related subjects. The oral presentations can be in German or English language.

  • L5-FS-107Socio-ecological impacts of agricultural and forest-based commodity chains in the Global South
    Frau Dr. A. Cristina de la Vega-LeinertHerr Prof. Dr. Martin Coy
    Institut für Geographie und Geologie, Universität GreifswaldInstitut für Geographie, Universität Innsbruck

    Kurzabstract

    Our session addresses complex interactions between agricultural systems, forest extraction, established and emergent commodity chains, policy and trade in peripheral regions of the Global South.

    Exposé

    Our session addresses complex interactions between agricultural systems, forest extraction, established and emergent commodity chains and current trends in policy and trade. We discuss possible synergies and conflicts between food production, local development and conservation. For this, we consider on-going transformations of agricultural and forest-based productive systems in peripheral regions of the Global South as an interface between physical and human geography.

    A range of natural and societal processes allow, but also constrain, the development of agricultural and forest-based productive systems, which in turn drive multiple feedback processes on the environment and natural resources. Agricultural and forest-based productive systems may be categorised according to the surface involved, intensity in the use of chemical inputs, capital and labour, diversification, compatibility with conservation efforts, nutritional content, commercial potential, etc. They fullfil multiple functions, such as securing subsistence, providing sources of employment and income, and maintaining biodiversity, cultural landscapes and local communities. Agricultural and forest-based products in turn fullfil multiple, often mutually exclusive, purposes as food staples, commodities and rawmaterial.

    Based on Jennifer Clapp’s „Distant Food Landscape“ thesis, we analyse to which extent established and emerging global agricultural and forest-based commodity chains drive transformations in economically marginal, but ecologically rich, regions of the Global South. The integration into global markets though incorporation in commodity chains may foster positive effects, such as the diversification of local income sources, the (re)activation of local labour markets, and offer alternatives for sustainable intensification of land use. At the same time, this can drive detrimental processes, such as deforestation, the degradation of fragile ecosystems, the increase application of chemical inputs, the fragmentation of local communities and loss of traditional agroecological productive systems.

    We focus on the following global commodity chains: 1) high-added value „sustainable“ (e.g. organic / fair trade) certified products (e.g. coffee, cocoa, spices); 2) so called „Superfoods“ (e.g. Quinoa, Sesame, Macha, Chía); 3) non-timber products from the extraction of tropical forests (e.g. Brasil nuts, Asaí, Palm hearts) and 4) raw material for the food and energy industry (e.g. soya, palm oil).

  • L5-FS-108Lokale Vielfalt, Globale Einheit? Theorien und Praktiken sozial-ökologischer Transformationen von Agrar- und Ernährungssystemen
    Frau Dr. Amelie BernzenFrau Prof. Dr. Marit Rosol
    Universität Köln, Geographisches InstitutUniversity of Calgary, Department of Geography

    Kurzabstract

    Die Notwendigkeit einer Agrar- und Ernährungswende ist in Expert_innenkreisen inzwischen unumstritten. Doch wie unterscheiden sich die diversen alternativen Ansätze in Theorie und Praxis?

    Exposé

    Berichte unterschiedlichster wissenschaftlicher, öffentlicher und privatwirtschaftlicher Stakeholder unterstreichen die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer auf Gemein- und Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz orientierten Agrarpolitik. Dazu gehören etwa der Weltagrarbericht (IAASTD 2009) oder der Abschlussbericht des UN Special Rapporteur on the Right to Food (2014). Sie warnen, dass ein „business as usual“, also ein Festhalten an den dominanten landwirtschaftlichen Produktionssystemen und dazugehörigen globalen Wertschöpfungsketten keine tragbare Option für die langfristige Ernährung der Weltbevölkerung sei. Entsprechend erhalten alternative Agrar- und Ernährungssysteme wieder stärkere wissenschaftliche und politische Aufmerksamkeit.

    Diese Aufmerksamkeit sowie die inzwischen kaum noch überschaubare Vielfalt „alternativer“ Ansätze (z.B. die diversen Bio-Siegel, Begriffe wie ökologischer Landbau, Permakultur, agroecology, urban agriculture, solidarische Landwirtschaft, Priorisierung von fair trade, Saisonalität oder Regionalität etc.) bietet neue Chancen für die geographische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen unserer derzeitigen Agrar- und Ernährungssysteme – wirft jedoch auch neue Fragen auf.

    Wir erbitten für diese Fachsitzung theoretisch-konzeptuelle Beiträge, gern auch empirisch fundiert und in international vergleichender Perspektive, zu u.a. den folgenden Fragestellungen:

    · Wie lässt sich „alternativ“ in Bezug auf Landwirtschaft und Ernährung definieren?

    · Welche Paradigmen und Phasen dieser Debatte lassen sich feststellen?

    · Welche der Ansätze konnten sich in welchen Kontexten durchsetzen – und wie lässt sich dies erklären?

    · Inwiefern ergänzen und bekräftigen sich die Ansätze, inwiefern konkurrieren sie miteinander oder widersprechen sich?

    · Wie lassen sich die Ansätze, welche i.d.R. in spezifischen geographischen und gesellschaftlichen Kontexten entwickelt wurden, in unterschiedlichen Sprachen übersetzen und auf andere Räume übertragen? Welche Herausforderungen sind damit verbunden? Inwiefern ist eine Vergleichbarkeit möglich und/oder sinnvoll?

    · Welche formalisierten (z.B. Standards) und nicht-formalisierten Ansätze „alternativer“ Ernährungssysteme gibt es? Wie grenzen sie sich voneinander ab?

    · Inwiefern spielen bei „alternativen“ Systemen veränderte Beziehungen und Vorstellungen von Stadt und Land eine Rolle?

  • L5-FS-109Offshore financial centres: New data, actors and opportunities for regulation
    Herr Dr. Christoph ScheupleinHerr Prof. Dr. Hans-Martin Zademach
    Westfälische Hochschule, Institut Arbeit und TechnikKatholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

    Kurzabstract

    New data and regulatory initiatives have recently stimulated research on offshore financial centres. In this session contributions from different disciplines will be presented and brought together.

    Exposé

    For decades, the global financial market has been structured by cooperation and competition between onshore and offshore financial centres. Offshore financial centres (OFC) are also a spatial phenomenon, in that they are a territorially based development model for smaller states. Because they strongly rely on confidentiality among the actors involved, very little data on financial transactions could be obtained for many years. However, the global financial crisis put the importance of offshore centres on the political agenda, with the result that international institutions such as the IMF, the OECD and the G20 have pushed the regulation of financial transactions ahead more seriously. Public criticism of the legal and illegal effects of offshore financial centres has also led to media coverage of their practices (e.g. Offshore Leaks 2013; Luxembourg Leaks 2014; Panama Papers 2016).

    Since the 1980s, offshore financial centres have been addressed primarily by financial and political science literature, and it is only now that they are being dealt within financial geography research. Taxonomies and evolutionary models of offshore financial centres had long been at the centre of this research, but now connections are being sought with current theory concepts ­for example, to the theories on the locations of higher-value services, the theories of international hegemony, and discourse and elite theories. The aim of this session is to present the current state of this new field of research and to bring together previously separated strands of research. Due to the interdisciplinary nature of the field, we are welcoming contributions from scientists with different backgrounds. Empirical and conceptual contributions may be submitted to address any of the following questions:

    – What banking and tax systems, including their national contexts, promote OFCs and benefit greatly from them?

    – What findings are available on the returns that the use of OFC brings to actors?

    – How are individual sub-sectors of the financial market (investment funds, hedge funds,etc.) linked to specific OFCs?

    – What is the status of regulatory initiatives by international organisations and what are the current challenges?

    – What effects could Brexit have on OFCs that are closely linked to the United Kingdom?

  • L5-FS-110Future Geographies – Future Emergencies
    Herr Dr. Thomas KoxHerr Dr. Florian Neisser
    Freie Universität BerlinTechnische Hochschule Köln

    Kurzabstract

    Zukünftige Notfälle bedeuten Herausforderungen im Umgang mit Ungewissheit und Nichtwissen. Wie verankert sich Zukunft in Handlungsweisen und Technologien des Risiko- und Krisenmanagements?

    Exposé

    Maßnahmen der Gefahrenabwehr sind stärker als je zuvor auf die Zukunft ausgerichtet (O’Grady 2018). Sicherheitstechniken und -technologien und Agendasetzungen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sind Ausdruck dieser Entwicklung. Sozio-technische Konstellationen, gelebte Imaginationen aber auch organisationale Umstrukturierungen, geänderte Ausbildungskonzepte und neu entfachte Fragen zum Daten-, Informations- und Wissensmanagement im Risiko- und Krisenmanagement sind Thema innerhalb einer Auseinandersetzung mit „Future Geographies – Future Emergencies“.

    Zukünftige Notfälle bedeuten Herausforderungen im Umgang mit Ungewissheit (Uncertainty) und Nichtwissen in Form von „Future Governance“ oder „Anticipatory Governance“. Maßnahmen der Vorbereitung (Preparedness), Prävention, Präemption (Anderson 2010; Kox et al. 2018) sowie die Propagierung von Resilienz adressieren alle in unterschiedlichen Facetten die Ungewissheit der Zukunft und markieren Versuche, diese beschreibbar, handhabbar und kontrollierbar zu machen.

    Wie konstituiert sich die Verankerung von Zukunft in Handlungsweisen und Technologien der Gegenwart und den gelebten Temporalitäten ihrer Akteure (Runkel & Neisser 2017)? Welche unterschiedlichen Interpretationen des Risikos, subjektives und objektiviertes „sense-making“, spezifische Zeithorizonte sowie „embodied uncertainty“ (Eriksen et al. 2018) sind beobachtbar? Wo sind die Grenzen dieser Praktiken, welche Herausforderungen erwachsen daraus und letztlich welche Bilder von Zukunft werden so (re)produziert? Diese Fragen sind besonders spannend in Hinblick auf die Praxis der Akteure des Bevölkerungsschutzes, der Gefahrenabwehr, Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben, (Raum)Planer, Betreiber Kritischer Infrastrukturen, Wetterdienste etc. Die Geographie kann hier einen bedeutenden Beitrag leisten und beschreiben wie sich a) Praktiken und Strukturen als auch b) räumliche Bezüge und Bedingungen in Relation zu tatsächlichen und antizipierten Zukünften – und vice versa – verändern.

    Transdisziplinäre Ansätze zur Ko-Produktion von Wissen als auch Reflektionen über wissenschaftliche Beschäftigungen mit Risiken können wertvolle Denkanstöße geben. In diesem Sinne begrüßen wir ausdrücklich sowohl empirische Beispiele als auch konzeptionelle Beiträge zu technologischen Risiken oder Naturrisiken und deren Management.

     

     

  • L5-FS-111Theorie und Empirie des planetarischen Gemeinwohls
    Herr Prof. Dr. Pascal GoekeFrau Dr. Evelyn Moser
    Freie Universität Berlin, Institut für Geographische WissenschaftenForum Internationale Wissenschaft, Universität Bonn

    Kurzabstract

    Weltveränderungen wie etwa die angemahnte ökologische Transformation bringen klassische Gemeinwohlverständnisse ins Wanken und werfen die Frage auf, wie ein planetarisches Gemeinwohl aussehen könnte

    Exposé

    Das Gemeinwohl gilt für gewöhnlich als zentraler Bezugspunkt und ultimative Rechtfertigungsformel der Politik. Speziell die nationalstaatliche Gewalt- und Machtausübung wird mit Bezug auf das Gemeinwohl begründet und auch die Zivilgesellschaft als soziale Sphäre, in der kollektiv und gewaltfrei um politische Souveränität und Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber staatlicher Politik gerungen wird, rechtfertigt ihr Engagement üblicherweise mit Bezug auf das Gemeinwohl. Allerdings, das zeigen gegenwärtige und historische Theoriediskussionen ebenso wie Konflikte um Gemeinwohlgestaltungen, ist der Gemeinwohlbegriff in sachlicher, sozialer, zeitlicher und räumlicher Hinsicht unterbestimmt. Er gibt in keiner Weise vor, was, wer, wann und wo zu berücksichtigen ist.

    Vor dem Hintergrund aktueller Weltveränderungen (z.B. Globalisierung, Digitalisierung, Technisierung, Mediatisierung und Ökologisierung) sowie angesichts von zu Global Challenges ausgeflaggten gesellschaftlichen Großproblemen (allen voran der Klimawandel und die angemahnte ökologische Transformation) haben sich zuletzt deutliche Verschiebungen und Neudimensionierungen des Gemeinwohlbegriffs ergeben. Bei Gemeinwohldiskussionen im Zusammenhang mit der ökologischen Transformation zeigt sich beispielsweise, dass Vegetarismus und Veganismus Gemeinwohlverständnisse auf empfindungsfähige Wesen ausweiten oder dass versucht wird, Wäldern mit digitalen Steuerungstechniken Selbstverwaltungsalgorithmen einzuschreiben (z.B. www.terra0.org). Dabei ist auch zu erkennen, dass das Gemeinwohl zunehmend planetarisch skaliert wird, etwa wenn es um Fragen der globalen Verantwortung oder um die Forderung nach planetarischer Empathie geht.

    Diese Entwicklungen werfen empirische und theoretische Fragen auf. So bleibt empirisch zum Beispiel offen, wie über planetarische Gemeinwohlkonzepte politisch entschieden wird und wie sie kollektive Verbindlichkeit erlangen. Und theoretisch sind die vielen Verbindungen von klassischen Gemeinwohlverständnissen zu avancierten Theorien (z.B. Posthumanismus) oder neuen Weltbeobachtungsformeln (z.B. Anthropozän oder Chthulucene) kaum beachtet worden. Mit der Fachsitzung möchten wir dazu einladen, diese und andere Fragen der planetarischen Gemeinwohlproduktion bevorzugt mit Blick auf ökologische Problemlagen zu diskutieren und dabei Forschungsperspektiven für die Geographie von morgen zu entwickeln. Wir freuen uns auf Vorschläge für Vorträge (max. 2.500 Zeichen).

  • L5-FS-112Räumlicher Wandel in Zeiten der großen Transformation: Raumwissenschaft im Dialog mit Nachhaltigkeitstransformation und Transition-Ansätzen.
    Frau Dr. Meike Levin-KeitelHerr Dr. Timo von Wirth
    Leibniz Universität Hannover (LUH)Dutch Research Institute for Transitions (DRIFT) Erasmus University Rotterdam

    Kurzabstract

    An den Schnittstellen der (planenden) Raumwissenschaften und der Nachhaltigkeitstransformation und Transition Studies bestehen relevante Lernpotentiale, die wir in dieser Fachsitzung erkunden wollen.

    Exposé

    Die vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen beschriebenen Transformationspfade erfordern ein grundlegendes Umdenken der Art und Weise, wie Lebensraum bislang geplant und gestaltet wird. Dabei stehen Theorien und Praktiken des Wandels hin zu nachhaltigeren Lebensräumen im Zentrum der international mittlerweile etablierten Forschungsfelder der Nachhaltigkeitstransformation und Transition Studies. In den Transition Studies erfährt die räumliche Dimension aktuell vermehrt Aufmerksamkeit (z.B. Geography of Transitions, Urban Transitions). Gleichzeitig können auch die Planungswissenschaften mit ihrer inhärenten normativen Orientierung einer nachhaltigen Raumentwicklung sowie den formalen und informellen Instrumenten der Umsetzung im Raum einen erheblichen Beitrag zu einer großen Transformation leisten.

    Ausgangsthese unserer Fachsitzung ist, dass an den Schnittstellen der Raumwissenschaften und den Forschungsfeldern der Nachhaltigkeitstransformation und Transition Studies relevante Lernpotentiale bestehen, die bislang nicht ausreichend erkundet wurden. Wir möchten die theoretisch-konzeptionellen Schnittstellen der (planenden) Raumwissenschaften und der jüngeren Forschungsfelder der Nachhaltigkeitstransformation und Transition Studies beleuchten und fragen dabei explizit nach der Rolle, welche die Raumplanung in dieser Transformation spielen kann. In unserer Fachsitzung stehen z.B. folgende Fragen zur Diskussion:

    · Inwiefern kann von einer „räumlichen Transformation“ gesprochen werden?

    · Welches Raumverständnis besteht in den jüngeren Forschungsfeldern der Transition-Forschung/ Transformationsforschung?

    · Welche konzeptionellen Ansätze z.B. aus der Planung kommen in Transformationsprozessen zum Tragen?

  • L5-FS-113aGeographien der Zukunft I: Shaping spaces, making futures: the imaginative power of geopolitical and geoeconomic megaprojects
    Frau Dr. Christiane StephanHerr Dr. Simon Runkel
    Universität Bonn, Geographisches InstitutUniversität Heidelberg, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Within geopolitical and -economic megaprojects, global geographies of the future are contested and enacted. The session discusses the powerful logics of these spatialized imaginations of the future.

    Exposé

    Geopolitical and geoeconomic megaprojects are on the rise again. Within grand strategies for future geographies, new transregional spaces become creatively imagined. Within these often Machavellian geographies (cf. Flyvbjerg 2005), affective politics of hopes and fears generate dreamscapes (Jasanoff/Kim 2015) of future economic possibilities and opportunities. Practices of future-making shape development corridors, land bridges, interconnected sea routes, master-planned cities and large-scaled infrastructures. The future becomes colonialized through fictional expectations (Beckert 2016) that support power-laden practices of coordination, decision-making and investing.

    The goal of the session is to understand the powerful logics of these geopolitical and geoeconomic imaginations. How can we understand the appeal of these imagined futures, even if they might fail to materialize? In which way do imagined geo-futurographies become self-fulfilling prophecies? What role do affects and emotions play in these speculative geographies of future prospect? Which practices and methods are identifiable that generate acceptance through planning, visualizing, narrating and diplomatically negotiating future geographies? By discussing megaprojects like e.g. the LAPSSET-corridor, various megaprojects in the context of the “One Belt, One Road”-initiative (e.g. China-Pakistan economic corridor), the Proyecto Mesoamérica, the Greater Mekong Subregion Development Plan, the Delhi-Mumbai Industrial Corridor, Neom, Trans-European Transport Network etc. the session hopes to shed light on the spatio-temporal logics of future-making in capitalist dynamics. In the context of selected case studies, the session aims for discussing how critical geographic research can make sense of these megaprojects by assessing their environmental and sociopolitical ecologies.

    Within the session, three papers will be presented for 15min. each followed by a general discussion. We cordially invite researchers to submit abstracts that present conceptual ideas with some illustrative empirical insights to discuss the spatio-temporal dynamics of future-making processes in megaprojects. We hope to discuss these case studies in order to compare the imaginative logics of these geopolitical and geoeconomic endeavours and to evaluate possible research opportunities.

  • L5-FS-113bGeographien der Zukunft II: Visuelle Methoden als Zugänge zur Artikulation von Raum und Zeit
    Herr Prof. Dr. Detlef Müller-MahnFrau Prof. Dr. Antje Schlottmann
    Institut für Geographie, Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität BonnInstitut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt a. M.

    Kurzabstract

    Die Session diskutiert methodische Zugänge zu Geographien der Zukunft. Im Fokus stehen materielle und mentale Bilder in Aushandlungsprozessen zukünftiger Verhältnisse von Raum, Zeit und Gesellschaft.

    Exposé

    Bei der Entstehung von Zukünften– „wahrscheinlichen“, „möglichen“ (Appadurai 2013) oder „bevorzugten“ (Adam & Groves 2007) – spielen Vorstellungen, Wünsche und Ideen eine wichtige Rolle. Sie nehmen in materiellen Bildern Gestalt an, z.B. in Fotos, Karten oder Plänen. Gleichzeitig existieren sie auch jenseits des unmittelbar Sicht- oder Greifbaren als Teil menschlicher Praxis. Beide Dimensionen von bildhaften Vorstellungen, die materielle und die mentale, sind für Geographie(n) der Zukunft relevant, sie prägen sozialräumliches Handeln und werden in gegenwärtigen Aushandlungen über Entwicklungen von Raum und Gesellschaft wirklich. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die von Appadurai (2013) angeführte „capacity to aspire“, also die Fähigkeit, Wünsche wahr werden zu lassen.

    Visuelle Methoden können einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des (imaginierten) zukünftigen Verhältnisses von Raum, Zeit und Gesellschaft leisten. Verschiedene Ansätze nehmen dabei unterschiedliche epistemologische Perspektiven ein und arbeiten mit unterschiedlichen Bildbegriffen. Dies macht eine sorgfältige Prüfung und transparente Einbindung in Forschungsansätze erforderlich. Beispielsweise können (partizipative) visuelle Methoden einen spezifischen empirischen Zugang zusozialen Praktiken des Zukunft-Machens eröffnen. Daneben kann die Analyse visueller Dokumente (z.B. Fotos, Videosequenzen, Planungssimulationen) wichtige Beiträge zur (Diskurs-)Forschung in postmodernen Gesellschaften erbringen. Darüber hinaus bietet eine Einbindung visueller Methoden in performative Forschungsansätze die Möglichkeit, spezifische sozial-räumliche und körperlich-affektive Dynamiken gegenwärtiger Zukunftsideen erfahrbar zu machen.

    In der Sitzung werden methodologische Zugänge zu den visuellen Dimensionen der Imagination von Zukunft diskutiert. Es sind drei 15-minütige Beiträge mit Diskussion vorgesehen. Es sind Beiträge eingeladen, die sich theoriegeleitet mit visuellen Methoden in der geographischen Erforschung von Zukünften auseinandersetzen oder methodologische Herausforderungen in visuellen Forschungsansätzen adressieren und kritisch reflektieren. Auch solche Beiträge sind willkommen, die Erkenntnisse anderer Disziplinen in die Erforschung von Imaginationen von Zukünften einbringen. Um den methodisch-methodologischen Schwerpunkt dieser Sitzung zu unterstreichen, wird dazu eingeladen, Forschungsansätze und -erkenntnisse anhand empirischer Arbeiten vorzustellen.

  • L5-FS-114China’s Belt and Road Initiative: Dynamics, Constraints, and Consequences
    Herr Sebastian PurwinsHerr Ricardo Reboredo
    Institut für Geographie, Universität AugsburgDepartment of Geography, Trinity College Dublin, The University of Dublin

    Kurzabstract

    This session aims to bring together scholarship about the BRI and approach it with a critical lens, focusing on the ramifications of BRI, practices and discourses across Asia, Africa, and beyond.

    Exposé

    In 2013, the Chinese government started its ‚One-Belt-One-Road‘ Initiative to develop new markets and expand infrastructure. Since re-labeled as the Belt and Road Initiative (BRI), the project has grown to encompass several economic corridors and a variety of new developments spanning nearly 60 countries. The BRI pursues the goal of physically and symbolically connecting economic areas with the Chinese mainland and is structured geographically along various land corridors as well as sea routes (Silk Maritime Road). The BRI reflects the economic as well as the political rise of China and has become both a strong driver and important symbol of a new phase of economic globalization. This new globalization will be shaped at least partly by Chinas footprint in developing countries, as well as the strategies they deploy to gain resources and market access.

    This session would like to contribute to Theme 5: Geography and Global Change, since the Belt and Road Initative – with its emphasis on connectivity, displacement and uneven development, is an important development that needs to be discussed among geographers. Given its constantly changing proposals and boundaries, there is now a need to discuss BRI’s economic, social and environmental dynamics, constraints and consequences.

    The aim of this session is to bring conversations about the BRI together; we welcome theoretical frameworks as well as field-based experience and examination. We especially embrace topics that deal with (1) socio-economic and environmental impacts of urban/rural mega projects; (2) political ecologies of resource extraction; (3) new opportunities and challenges for countries of the Global South; (4) postcolonial perspectives on the Belt and Road Initiative; (5) influence on the world’s geo-political and geo-economic balance. The session will consist of several lectures on topics and attempt to be as diverse as possible in order to cover the multiple facets of the BRI. After each talk and at the end, there will be a short discussion about each presentation as well as possible future research. We encourage the participants to hold their lecture and discussion in English.

  • L5-FS-115Herausforderungen des globalen Wandels für die Gesundheit
    Herr Dr. Jobst AugustinFrau Dr. Martina Scharlach
    Universitätsklinikum Hamburg-EppendorfNiedersächsisches Landesgesundheitsamt

    Kurzabstract

    Die Sitzung befasst sich mit den Auswirkungen globaler Veränderungen auf die menschliche Gesundheit. Thematisiert werden gesundheitsspezifische Aspekte wie Mobilität (inkl. Migration) und Klimawandel.

    Exposé

    In den letzten Jahrzehnten haben die Auswirkungen des Globalen Wandels auf die menschliche Gesundheit an Bedeutung gewonnen. Wenngleich die Zusammenhänge komplex und noch nicht vollends erforscht sind, besteht diesbezüglich ein hoher Handlungsbedarf.

    Die sich rasant verändernde Mobilität ist eine der wesentlichen Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Aufgrund des globalen Flugverkehrs lässt sich nahezu jeder Ort der Erde in kürzester Zeit erreichen – schneller als die Inkubationszeit vieler Infektionserkrankungen. Während des Ausbruchs des Ebola Fiebers in Westafrika 2014/2015 kam es durch infizierte oder erkrankte Reisende vereinzelt auch zu Übertragungen außerhalb Afrikas. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah sich veranlasst, eine „Gesundheitliche Notlage von Internationaler Tragweite“ auszurufen. Mit den Migrationsbewegungen der letzten Jahre geraten Infektionskrankheiten in den Fokus, die in Deutschland eine geringe in den Herkunftsländern aber eine deutlich höhere Prävalenz haben (z.B. Tuberkulose). Allein diese Ereignisse stellen den Öffentlichen Gesundheitsdienst sowie das Gesundheitssystem insgesamt vor große Herausforderungen. Durch den internationalen Güterverkehr werden neben Handelsgütern z.B. auch Mücken, die Erkrankungen wie Dengue-Fieber übertragen können, importiert. Klimatische Veränderungen können die Etablierung von wärmeliebenden Arten (z.B. Tigermücke) begünstigen. Modernen Surveillance-Systemen kommt damit bei der Eindämmung und Vermeidung der Ausbreitung von Infektionserkrankungen eine große Bedeutung zu.

    Klimaveränderungen können zudem weitere Folgen für die Gesundheit mit sich bringen. Das in den letzten Jahrzehnten weltweit vermehrte Auftreten von Hitzewellen, oder eine Veränderung des Pollenfluges mit Auswirkungen auf Allergiker, sind nur zwei von vielen anderen Beispielen einer globalen Veränderung, die sich auf die menschliche Gesundheit auswirken. Anpassungsmaßnahmen (z.B. Hitzewarnsysteme) zur Reduzierung der gesundheitsspezifischen Auswirkungen des Klimawandels sind in diesem Kontext besonders von Bedeutung.

  • L5-FS-11640 Jahre Biosphärenreservate in Deutschland – Nachhaltigkeit neu denken?!
    Frau Hannah KindlerFrau Dr. Friedericke Weber
    Eberhard Karls Universität TübingenBiosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen

    Kurzabstract

    Biosphärenreservate gibt es in Deutschland seit 40 Jahren, die sich leitgedankenbezogen immer im Wandel befinden. Welche Perspektiven bestehen aktuell in Verbindung mit internationalen Strategien?

    Exposé

    Mit dem internationalen Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) werden seit dem Jahr 1976 von der UNESCO international Biosphärenreservate als Großschutzgebiete anerkannt. 1979 wurde mit dem Thüringer Wald das erste Biosphärenreservat in Ostdeutschland geschaffen, so dass sich im Jahr 2019 auf eine vierzigjährige Geschichte zurückblicken lässt. Derzeit bestehen in Deutschland 16 von der UNESCO anerkannte Gebiete. Grundlegende Zielsetzungen bestehen gemäß deutschem MAB-Nationalkomitee darin, eine ausgewogene Beziehung zwischen Mensch und Biosphäre zu fördern sowie beispielhaft darzustellen – und dies vor dem Hintergrund von Modellregionen nachhaltiger Entwicklung. Bereits recht früh wurde damit auf einen Grundgedanken von „Nachhaltigkeit“ gesetzt, der aber zu meinen vielfach recht unscharf blieb und bleibt und zum anderen immer wieder gewissen Verschiebungen unterlag. Derzeit orientieren sich Biosphärenreservate stark am Aktionsplan von Lima (Peru) vom März 2016, mit dem sich für den Zeitraum 2016 bis 2025 die Gebiete noch stärker um den Erhalt der biologischen Vielfalt, die Unterstützung einer nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen, die Stärkung der Regionalwirtschaft sowie die Mäßigung des globalen Klimawandels und die Entwicklung von Anpassungsstrategien bemühen sollen. Zudem stehen die so genannten Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen im Fokus, mit denen konkretisiert Ziele für eine „nachhaltige Entwicklung“ befördert werden sollen.

    In unserer Fachsitzung möchten wir ausgehend von vier Fachvorträgen vor dem beschriebenen Hintergrund mehrere zentrale Fragen diskutieren: Wie hat sich der Nachhaltigkeitsgedanke im Laufe der Zeit gewandelt und welche Konsequenzen ergaben und ergeben sich hieraus für Biosphärenreservate? Was können wir aus bisherigen Erfahrungen – biosphären bezogen wie darüber hinaus für andere Regionen – lernen? Welche Auswirkungen hatten und haben unterschiedliche Aktionspläne der Vereinten Nationen? Welche Maßnahmen leiten sich konkret aus dem Lima-Aktionsplan und den SDGs ab und welche Nachhaltigkeitsdimensionen werden hier auf welche Weise adressiert? Hiermit gehen grundlegend Fragen nach der Begrifflichkeit von „Nachhaltigkeit“ und den Zukunftsperspektiven von Biosphärenreservaten im nationalen wie internationalen Kontext einher. Wir freuen uns entsprechend auf Beiträge, die sich theoretisch wie praxisbezogen den aufgeworfenen Fragen annähern.

  • L5-FS-117Skalenübergreifende Klimawirkung in gekoppelten Mensch-Umwelt-Systemen
    Herr Prof. Dr. Rüdiger GlaserHerr Prof. Dr. Christoph Schneider
    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg / Institut für Physische GeographieHumboldt-Universität zu Berlin / Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Wie wirkt sich Klimawandel auf verschiedenen raum-zeitlichen Skalen auf Mensch-Umwelt-Systeme aus und welche neuen Erkenntnisse ergeben sich vor dem Hintergrund gewachsener und neuer Datenstrukturen?

    Exposé

    Historisches, aktuelles und zukünftiges Klima ist eine wichtige Ausgangs- und Randbedingung zu Beobachtungen, Simulationen und Projektionen in Modellen und konzeptionellen Überlegungen zu Auswirkungen von Klimavariabilität und Klimawandel und deren Kopplung auf Mensch-Umwelt-Systeme in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zunehmend liegen Beobachtungsdatensätze, Renanalysen und Klimaprojektionen in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung, teils als gegitterte Datensätze, teils als disjunkte Einzeldatensätze, frei verfügbar vor, sodass immer konsistentere raumzeitliche Muster, Prozessgefüge und Wechselbeziehungen entschlüsselt werden können.

    Entsprechend wurden und werden gerade in jüngster Zeit die vielfältigen Möglichkeiten Klimawirkungen auf Mensch-Umwelt-Systeme, aber auch generell die klimatische Komponente in geoökologischen oder geosystemaren Kontexten zu simulieren, zu analysieren und zu bewerten weiter entwickelt. In der Fachsitzung ‚Skalenübergreifende Klimawirkung in gekoppelten Mensch-Umwelt-Systemen´ sollen in Fachvorträgen einschlägige Aspekte beleuchtet werden. Dies kann beispielsweise mit Bezug zur skalenkonsistenten Kopplung von klimatischen Größen in Raum und Zeit mit Prozessen und Funktionen in geoökologischen oder sozio-ökonomischen Systemen umgesetzt sein. Das Themenfeld umfasst auch innovative Ansätze des Downscalings in gekoppelten Klima-Wirkmodellen. Fallbeispiele können verschiedenste Aspekte von der Geomedizin bis zur Klimawirkung in der Kryosphäre aufgreifen. Auch Arbeiten, die sich mit der Erschließung neuer Datensätze zum Beispiel über cloud- und crowd-sourcing beschäftigen, sind willkommen. Ebenso können Ansätze zur Verdichtung und Verknüpfung von Beobachtungsdaten und Modellen in der Historischen Klimatologie und in Bezug zu raumzeitlichen sowie sozialen Klimawirkungen vorgestellt werden.

  • L5-FS-118Wirkungen der Energiesystemtransformation auf Landschaft und Umwelt
    Herr Prof. Dr. Rainer DuttmannHerr Prof. Dr. Ralf Ludwig
    Geographisches Institut der Christian-Albrechts-Universität zu KielDepartment Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität Müchen

    Kurzabstract

    Im Mittelpunkt der Fachsitzung stehen moderne geographische Ansätze zur modellbasierten Prognose, Bewertung und zum Monitoring der mit der Energiesystemtransformation verbundenen Umweltwirkungen.

    Exposé

    Die forcierte Nutzung der Erneuerbaren Energien spiegelt sich heute vielerorts in der Veränderung des ursprünglichen Landschaftsbildes wider. Dies gilt für die Küstenland­schaften sowie für die windexponierten Lagen im Binnenland mit den für sie mittlerweile charak­teristischen Windkraftanlagen ebenso wie für die Agrarlandschaften insgesamt. So prägen Biogasanlagen der großflächige Anbau von Energiepflanzen wie Silomais auf Scheu­nen­dä­chern und auf Freiflächen installierte Solaranlagen das Erscheinungsbild der heutigen Agrar­landschaft. Sie sind Ausdruck des zunehmenden Raum­bedarfes für die Erzeugung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energiequellen und der Neubewertung des ökono­mi­schen Nutzungspotenzials der Landschaft. Neben der visuell wahrnehmbaren Umgestaltung der Landschaft ist der mit Blick auf eine nachhaltige Energieversorgung und den Klimaschutz unerlässliche Umbau des Energiesystems mit einer Reihe weniger augenfälliger, d.h. direkt sichtbarer Beeinträchtigungen des Bodens, des Grund- und Oberflächenwassers, der bio­logischen Diversität und der Funktionsvielfalt der Landschaft verbunden. Zur Ver­mei­dung der hieraus resultierenden Konflikte zwischen den Zielen der Energiewende auf der einen und dem Erhalt der natürlichen Landschaftsfunktionen sowie der Biodiversität auf der anderen Seite bedarf es einer ver­besserten Steuerung des Energiewendeprozesses auf den unter­schiedlichen Ebenen der räumlichen Planung. Eine zentrale Voraussetzung hierfür sind auf validen Geodaten aufsetzende multifunktionale Monitoring-, Bewertungs- und Pro­gnose­ansätze zur Entscheidungsunterstützung im Zuge der Ausbauplanung der Erneuerbaren Energien. In der Fachsitzung sollen innovative Methoden des Monitorings und der Mo­dellierung von Umweltwirkungen der Energiesystemtransformation an lokalen und regionalen Beispielen vorgestellt und diskutiert werden.

  • L5-FS-119„One Health“ – Gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts interdisziplinär begegnen
    Herr Dr. Holger ScharlachHerr Dr. Timo Falkenberg
    Niedersächsisches LandesgesundheitsamtCenter for Development Research (ZEF), Universität Bonn

    Kurzabstract

    Die gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jh. (z.B.Antibiotikaresistenz) erfordern eine interdisziplinäre Herangehensweise unter dem One Health-Ansatz, zu der auch die Geographie beitragen kann.

    Exposé

    Der Forschungsansatz „One Health“ erkennt an, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und der Umwelt stark voneinander abhängig und miteinander verknüpft sind. Die Lösungen der großen gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts (u.a. Antibiotikaresistenzentwicklung und Zoonosen) erfordern eine holistische und disziplinübergreifende Herangehensweise.

    Eine umfassende Vernetzung von verschiedenen Fachbereichen und Wissenschaften, zum Beispiel Human- und Tiermedizin, wird angestrebt. Darüber hinaus müssen weitere ökologische, soziale, politische und wirtschaftliche Aspekte eingeschlossen werden. Ziel ist es, die Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuführen, um das Entstehen und die Ausbreitung von Krankheiten bzw. Antibiotikaresistenzen besser zu verstehen, um diese besser zubekämpfen bzw. diesen vorbeugen zu können.

    „One Health“ ist dabei auch ein zentrales Thema für die Geographie bzw. die geographische Gesundheitsforschung, da raumbezogene Aspekte bei vielen „One Health“-Themen eine zentrale Rolle spielen. Dazu gehören regionale Unterschiede im Antibiotikaverbrauch, die Verbreitung antibiotikaresistenter Keime in der Umwelt oder die raumzeitlichen Veränderungen beim Auftreten zoonotischer Erreger wie Hantaviren, West-Nile-Fieber oder Ebolafieber.

    Die Fachsitzung möchte ein Forum bieten, um laufende oder abgeschlossene Forschungsprojekte, aber auch praxisnahe Arbeiten, im Rahmen des One Health-Ansatzes vorzustellen. Dabei soll diskutiert werden, welchen Beitrag Geographinnen und Geographen leisten können. Vorgesehen sind vier Referate mit jeweils 15 min. + 5 min. Diskussion je Referat.

  • L5-FS-120Raum – Konflikte – Regelungen: Potenziale produktiver Konfliktauffassungen
    Frau Nora CrosseyFrau Hannah Kindler
    Universität des Saarlandes, Geographisches InstitutUniversität Tübingen, Geographisches Institut

    Kurzabstract

    Räume sind einem stetigen Wandel und Neuinterpretationen unterworfen, womit regelmäßig auch gesellschaftliche Konflikte einhergehen. Wie können hier produktive Konfliktregelungen gedacht werden?

    Exposé

    Räume – alltagsweltlich häufig als ,Landschaften‘ gefasst – befinden sich stetig im Wandel. Zum einen unterliegen Vorstellungen von ästhetischen Idealen – heimatliche und stereotype Landschaften -, gesellschaftliche Deutungsmuster, aber auch subjektive Erfahrungen Veränderungen. Zum anderen ergeben sich durch sich wandelnde Nutzungen Einschnitte in vertraute Räume, sei es im Rahmen zunehmender (Sub)Urbanisierung, dem Rückgang der kleinbetrieblich bewirtschafteten ‚klassischen Kulturlandschaften‘, im Kontext der Energiewende und der Rohstoffgewinnung oder auch durch Naturschutzpolitiken, die alle wiederum unterschiedliche Bewertung erfahren können. Divergierende Interessen diverser Akteure aus Wirtschaft, Politik, Naturschutz, Bürgerinitiativen etc.münden regelmäßig in Konflikte unterschiedlichster Natur, Intensität und Reichweite. Diese Konflikte können entweder offen und explizit zu Tage treten oder in Form von ‚Stellvertreterkonflikten‘ ausgetragen werden. Das Themenfeld sich wandelnder Räume bzw. Landschaften hat in Deutschland u.a. vor dem Hintergrund eines von Teilen der Gesellschaft empfundenen ‚Heimatverlustes‘ und dem damit einhergehenden verstärkten bürgerschaftlichen Engagement in den letzten Jahren wachsende Aktualität und Relevanz erlangt. Vielfach ergibt sich dabei die Beobachtung von eskalierenden Konfliktsituationen, in den Auswege oder Lösungen kaum noch denkbar erscheinen. Konflikte wurden lange als dysfunktional und störend angesehen, können aber auch konstitutiver Teil von Gesellschaften sein. Über Ansatzpunkte und Potenziale produktiver Konfliktregelungen wurde bisher allerdings innerhalb der Geographie weniger diskutiert, was wir im Rahmen unserer Fachsitzung tun wollen.

    Konflikte um aktuelle Raumveränderungen theoretisch und praktisch-konstruktiv – ausgehend von vier Fachvorträgen – zugänglich zu machen, ist Anliegen dieser Fachsitzung. Hierbei freuen wir uns auf Beiträge und Diskussionen, die u.a. nachfolgende Fragen adressieren: Zeigen sich übergreifende Muster aktueller raumbezogener Konflikte? Welche Theorien und Konzepte erscheinen besonders geeignet, einen produktiven Zugang zu Konflikten zu finden? Welche Implikationen lassen sich aus theoretischen Reflexionen im Hinblick auf praktische Steuerungsprozesse ableiten? Wie wird anwendungsbezogen mit eskalierenden Konfliktsituationen umgegangen? Wie kann bürgerschaftliches Engagement im Zusammenspiel mit Politik, Planung etc. produktiv gesellschaftsbezogen nutzbar gemacht werden?

  • L5-FS-121Umkämpfte Natur: Mensch-Mitwelt-Beziehungen im Anthropozän
    Herr Prof. Dr. Jonathan EvertsHerr Prof. Dr. Christian Steiner
    Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und GeographieKatholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Geographie

    Kurzabstract

    In der Sitzung werden Auseinandersetzungen um Ausbreitung und Mobilität von Tieren, Pflanzen und Mikroben im Anthropozän beleuchtet und der gesellschaftliche Umgang mit der Biosphäre diskutiert.

    Exposé

    Anthropozän ist inzwischen ein Begriff, der ganz allgemein auf die dauerhafte Umgestaltung des Planeten durch menschliches Handeln verweist. Neben verschiedenen Eingriffen in geologische und atmosphärische Prozesse gehören dazu auch die Veränderungen der Biosphäre. Während viele Tier- und Pflanzenarten im Zuge des menschlichen Einflusses verschwunden sind oder verdrängt wurden, konnten sich andere Arten lokal oder sogar global ausbreiten. Kontroversen um Artenschutz oder den Umgang mit invasiven Arten zeigen, dass die veränderte Natur im Anthropozän auch ein gesellschaftlich umkämpftes Feld ist. In der Fachsitzung wollen wir diese Kontroversen näher beleuchten, den gesellschaftlichen Umgang mit der Biosphäre anhand von Beispielen konkret erfassen und deren Rückkoppelungseffekte näher in den Blick nehmen. Dabei interessieren uns insbesondere Reaktionen und Mensch-Mitwelt-Transaktionen mit Blick auf Ausbreitung und Mobilität von Tieren, Pflanzen und Mikroben.

  • L5-FS-122Urban-Rural Infrastructure Interdependencies – Flows of people, services and disaster risks
    Frau Dr. Simone SandholzHerr Prof. Dr. Alexander Fekete
    United Nations University - Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS)TH Köln, Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr (IRG)

    Kurzabstract

    Focusing on infrastructure services offers a lens for analysing disaster risk cascading effects while at the same time providing incentives for integrative and sustainable urban-regional development.

    Exposé

    Many planning practices stop at administrative borders, yet people, infrastructure services and disaster events do not. For example, mobile populations such as commuters or migrants, disasters like floodsand droughts but also traffic jams or water flows connect regions and should rather be dealt with in integrated approaches than within municipal boundaries. While there exists ample research on either (mega)cities or rural areas, there are fewer studies on their interrelations. Out of the breadth of interrelations, this session will gather studies working on the broad range of infrastructure services. Such services comprise lifelineservices like water, food, energy, transport or information as well as grey, green, blue and hybrid infrastructure, e.g. for disaster risk reduction and climate change adaptation.

    Acknowledging that conceptual notions, theoretical backgrounds, methodological approaches and practical application demands differ, often widely, this session aims at discussing recent conceptual and methodological innovations emerging in the field of infrastructure research with urban and rural contexts. Contributions to studies on urban-rural interconnections of infrastructure services are invited, to outline specific gaps and demands for further research on the exchanges and flows of people, services and risks. Much of this blends in with traditional research on spatial development and planning, economic flows or social-ecological systems research. It is also currently addressed by policy including main documents of the Post-2015-Agenda (Sendai Framework, SDGs, New Urban Agenda, etc.) IPCC, World Bank, or many others, highlighting the importance of the infrastructure topic.

    The guiding questions for this session are:

    – Which are innovations and possible breaks with traditional lines of research in geography?

    – Which incentives are provided by recent work on critical infrastructure resilience, disaster risk reduction, sustainable development or others?

    – Apart from purely conceptual considerations, which empirical studies provide insights on urban-rural systems and their interdependencies?

    – Which insights come from disaster and crisis (conflict?) research?

    – How can cities and rural areas (together) improve their resilience to cascading effects and complex emergencies?

    – Which innovations for geographical research emerge from this?

    Overall four different speakers will be accepted to present, followed by a joint round of discussion.

  • L5-FS-123Physisch geographische Aspekte nachhaltiger Landnutzungssysteme
    Herr Dr. Manuel SeegerHerr Prof. Dr. Martin Sauerwein
    Physische Geographie, Universität TrierInstitut fü Geographie, Universität Hildesheim

    Kurzabstract

    Nachhaltige Ansätze der landwirschaftlichen Produktion werden aus interdisziplinarer Sicht beleuchtet: die Auswirkungen auf Böden, Biodiversität, Produktqualität, sowie die ökonomischen Folgen.

    Exposé

    Die Landwirtschaft kommt eine herausragende Rolle bei der Nahrungssicherung sowie der Produktion nachwachsender Rohstoffe zu. Damit hat sich die Landwirtschaft, besonders in industrialisierten und in Schwellenländern, zu einem ökonomischen Faktor entwickelt, der zu einer Intensivierung, Industrialisierung und Rationalisierung landwirtschaftlicher Produktionssysteme führt. Als Folge hat sich die Landwirtschaft zu einem großen Motor der Zerstörung von Naturräumen, zur Verstärkung des Raubbaus an Naturressourcen wie Boden, Wasser und Biodiversität, sowie zu einem großräumig wirkenden Auslöser sozialer und ökonomischer Veränderungen und Verwerfungen entwickelt. Dadurch sind moderne Landnutzungssysteme auf der einen Seite zu einem starken Antrieb des Global Change geworden, auf der anderen Seite steigt dabei aber auch die Vulnerabilität dieser Landnutzungssysteme gegenüber den globalen Veränderungen.

    Aus diesen Gründen wurden in den letzten Jahrzehnten Konzepte zu einer nachhaltigen Landnutzung entwickelt, die sich auf die unterschiedlichen Aspekte landwirtschaftlicher Produktionssysteme zielen. Sie reichen von der Reduktion der Bodenbearbeitung über die Entwicklung neuer Bodenbearbeitungsmaschinen bis hin zu gezielten Fruchtfolgen und Zwischenfrüchten zum integrierten Management von organischer Substanz und Nährstoffen und des Wasserhaushaltes von intelligenten Rotationsfolgen über die Züchtung angepasster Sorten bis hin zur Implementierung diversifizierter Anbausysteme vom minimierten Pflanzenschutz über die Anwendung integrierter Pflanzenschutzsysteme.

    Im Allgemeinen erhofft man sich dabei den Erhalt oder die Wiederherstellung der unterschiedlichen geo-ökosystemaren Funktionen. Der Blick ist zumeist auf die Bodenfunktionen gerichtet, bzw. auf den Erhalt des Bodens als solchen, sowie auf die Förderung der Biodiversität, die in intensiv genutzten agrarischen Landschaften verloren geht.

    Zahlreiche (internationale) Projekte widmen sich dem Testen, Implementieren und Propagieren nachhaltiger Ansätze aus interdisziplinarer Sicht: es werden die Auswirkungen auf Böden, Biodiversität, Produktqualität, aber auch die ökonomischen Folgen untersucht.

    Ziel der Fachsitzung ist es, diese unterschiedlichen Aspekte aus verschiedenen Klimazonen und Landnutzungssystemen zu beleuchten und dabei insbesondere die Rolle der physisch-geographischen Rahmenbedingungen bei der Analyse und dem Verständnis der damit verbundenen Einflüsse auf die Geoökosysteme herauszustellen.

  • L5-FS-124Wie betroffen sind wir von Naturgefahren? Vulnerabilität mehrdimensional betrachtet
    Herr Dr. Sven FuchsHerr Prof. Dr. Alexander Fekete
    Universität für Bodenkultur, Institut für Alpine NaturgefahrenTH Köln, Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr

    Kurzabstract

    Vulnerabilitätsforschung geht dezidiert auf Wechselwirkungen und Rückkoppelungen von Schadensanfälligkeiten ein, jedoch werden noch immer„soziale“ wie „physische“ Faktoren zu selten integriert.

    Exposé

    Das Konzept der Vulnerabilität (Verwundbarkeit) gegenüber Naturgefahren ist bereits seit Jahrzehnten Gegenstand wissenschaftlicher Debatten in der Geographie und darüber hinaus. Vor diesem Hintergrund erscheint es verwunderlich, dass – abgesehen von Rahmenwerken und vereinzelten Publikationen – bislang noch immer eine Dichotomie zwischen naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Theorien vorherrscht, die sich entsprechend auch in Human- und Physischer Geographie wiederfinden. Demgegenüber steht der Anspruch einer praktischen und anwendungsorientierten Sichtweise im Naturgefahrenmanagement. Hier geht es – neben den traditionell fachspezifischen Fragestellungen, wie sie sich beispielsweise aus der jeweiligen Rechtsmaterie der Raumplanung und des Katastrophenschutzes ergeben – um eine inter- oder multidisziplinäre Erfassung der Auswirkungen von Naturgefahren und der Gefahrenabwehr. In Bezug auf Vulnerabilität müss(t)en also unterschiedliche disziplinäre Paradigmen überwunden oder zumindest kombiniert werden, um Fragen im physischen, sozialen, ökonomischen und institutionellen Kontext diskutieren zu können. Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund der möglichen Zunahme von Extremereignissen, und damit verbunden einer Zunahme naturgefahrenbedingter Schäden, notwendig. Dennoch ist es verwunderlich, dass die wenigen integrativen Studien zum Thema im Normalfall „soziale“ und „physische“ Schadensanfälligkeit lediglich summarisch betrachten, ohne dezidiert auf Wechselwirkungen und Rückkoppelungen zu fokussieren. Demgegenüber kann beispielsweise argumentiert werden, dass physische Vulnerabilität ein Ausgangspunkt für eine erhebliche wirtschaftliche Vulnerabilität darstellt, die durch die institutionellen Rahmenbedingungen im Umgang mit Naturgefahren entsteht und durch den gesamtgesellschaftlichen Rahmen geprägt ist.

    Wir laden zu dieser Fachsitzung Beiträge ein, die sich explizit einer disziplinübergreifenden Herangehensweise an die Thematik widmen, und deshalb an der Schnittstelle zwischen Human- und Physischer Geographie liegen. Die Beiträge können einerseits theoretisch fundiert sein, bzw. herrschende Theorien antizipieren, andererseits einen Bezug zu Anwendung und Umsetzung in der Praxis zeigen.

  • L5-FS-125Klimagerechtigkeit?! Die Planung und Umsetzung von Klimawandelpolitiken vor Ort
    Herr Prof. Dr. Hartmut FünfgeldFrau Prof. Dr. Silja Klepp
    Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie, Albert-Ludwigs-Universität FreiburgGeographisches Institut, Christian-Albrechts-Universität Kiel

    Kurzabstract

    Die Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung an dessen Auswirkungen erfordern politische Maßnahmen auf allen Ebenen. Wie können die Kosten und Nutzen dieser Politiken gerecht verteilt werden?

    Exposé

    Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen zu können sind in den kommenden Jahren und Jahrzehnten massive Investitionen in die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels erforderlich. Diese politische wie auch gesellschaftliche Kraftanstrengung über geographische Skalen, administrative Grenzen und Wirtschaftssektoren hinweg bringt ungewollte negative Konsequenzen mit sich – z.B. die Verstärkung bestehender Vulnerabilitäten und sozialer Ungleichheit, die Etablierung verzerrter Marktstrukturen, oder die Ausgrenzung bestimmter Akteursgruppen im expandierenden Spannungsfeld von Klimapolitiken auf internationaler, nationaler und subnationaler Ebene.

    Der Übergang hin zu einer klimafreundlicheren Form des Lebens und Wirtschaftens, die gleichzeitig besser an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst ist, führt zwangsläufig zu neuen wirtschaftlichen oder politischen Möglichkeiten für manche Akteure, während andere unter den Folgen von Klimawandelpolitik leiden – z.B. in dem sie neuen oder sich verstärkenden Klimarisiken ausgesetzt sind, indem sie aus Planungsprozessen ausgeschlossen sind, oder weil die Kosten der Klimawandelpolitik ungleich auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen verteilt werden.

    Diese Fachsitzung hat daher zum Ziel, den Themenkomplex soziale Gerechtigkeit in der Planung und Umsetzung von lokalen und regionalen Klimawandelpolitiken aus geographischer Sicht zu diskutieren.

    Die folgenden Leitfragen strukturieren die Sitzung und Diskussion:

    1. Wer sind die Hauptakteuer*innen in der Umsetzung von Klimawandelpolitiken und wer profitiert oder verliert besonders?

    2. Welche bestehenden Machtkonstellationen und Entscheidungsprozesse bergen strukturelle Hindernisse und (neue) Risiken bezüglich der gerechten Ausgestaltung von Klimawandelpolitik – insbesondere in sozialräumlicher Hinsicht?

    3. Welche alternativen Formen der Beteiligung von sozial benachteiligten Gruppen an der Planung und Umsetzung von lokalen bzw. regionalen Mitigations- und Anpassungsprozessen gibt es und wie können diese umgesetzt werden?

    4. Wie kann kritisch-geographische Forschung dazu beitragen, negative (Neben-)Effekte lokaler und regionaler Klimapolitik zu diagnostizieren und alternative Handlungsoptionen aufzuzeigen?

    Sitzungsformat: Vier wissenschaftliche Vorträge, gerahmt von zwei Impulsreferaten der SitzungsleiterInnen. Die Sitzung wird auch dazu dienen, das neu ins Leben gerufene Forschungsnetzwerk EnJust vorzustellen.

  • L5-FS-126Globalizing coastal adaptation? Policymobilities and imaginaries of coastal futures in times of sea level change
    Herr Dr. Johannes HerbeckFrau Dr. Rapti Siriwardane-de Zoysa
    Forschungszentrum Nachhaltigkeit (artec), Universität BremenLeibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

    Kurzabstract

    Despitean emerging trend towards softer coastal protection, many cities implement large technical adaptation projects. The session discusses these as co-produced in processes of policy mobilities.

    Exposé

    Many coastal areas are characterized by a high population density and strong urbanization trends today. In face of persistent hazards and environmental risks, they are sites of innovation to adapt to changes in environmental conditions. Despite an emerging international trend of searching for “softer” forms of coastal management and protection and “working with nature” approaches (Cooper/McKenna 2008, Gesing 2018), the adaptation pathways of coastal megacities are still often characterized by a focus on large-scale technological fixes and heavy infrastructures, also echoing a recent wave of “concrete-heavy, capital intensive water infrastructure projects” (Colven 2017: 251) all around the globe. Thus, many cities are currently witnessing centralized efforts of city governments to counteract the risks that rising sea levels pose to the cities’ coastal zones with large-scale projects. For example, the National Capital Integrated Coastal Development (NCICD) project in Jakarta promises to offer integrated coastal development solutions covering a broad range of issues including real estate development through land reclamation, transport infrastructures, housing, freshwater management and coastal protection (NCICD Consortium 2014).

    In our session, we want to explore the globalized character of those large-scale technical fixes, as well as the practices of futuring coastal development in the face of sea level rise all around the globe. We invite presentations that analyze decision-making for climate change and sea level rise adaptation as part of the “traveling” of ideas (Weisser et al. 2014) and look at the connections to globalized networks, processes and discourses that have shaped adaptation from the very beginning and have been growing more recently. Associated flows of knowledge, expertise and money, of specific coastal protection technologies and of everyday practices of “living with floods” are forms of mobilities that increasingly influence local adaptation projects. In this panel, we will address thisco-production of adaptation decision-making and the mobility of policies and practices that come with it.

    We look forward to contributions that also address the globalized power/knowledges and political economies in which adaptation decisions are taken and what this means for questions of representation and participation.

    The session is organized in the usual format with 4 contributions (English or German language) and 15 minutes for each presentation.

  • L5-FS-127Innovationen aus Schwellenländern
    Herr Prof. Dr. Ingo LiefnerHerr Dr. Henning Kroll
    Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie, Leibniz Universität HannoverFraunhofer ISI

    Kurzabstract

    Diese Vortragssitzung diskutiert die regionale Verankerung der zunehmenden Innovationsfähigkeit und -tätigkeit von Unternehmen in Schwellenländern sowie deren regionale und überregionale Folgen.

    Exposé

    Unternehmen in Schwellenländern werden zunehmend als Akteure im Innovationsgeschehen wahrgenommen. Sie sind in globale Wertschöpfungsprozesse eingebunden, profitieren in technologischer Hinsicht von diesen Prozessen und tragen selbst zu ihnen bei. Sie bauen technologische Kompetenzen auf und nutzen diese immer häufiger für das Hervorbringen neuer Produkte und Prozesse. Im Zuge dieser Entwicklung nimmt die Forschung Innovationen differenzierter wahr (ein Beispiel sind „frugale Innovationen“) und thematisiert die Wirkung von Innovationen aus Schwellenländern auf Industrieländer („reverse innovation“). In ähnlicher Weise interessieren die innovativen Unternehmen selbst, bei entsprechende Größe z. B. als „Emerging Market Multinationals“.

    Die regionale Verankerung dieser zunehmenden Innovationsfähigkeit, Innovationstätigkeit und Innovationsneigung ist dagegen weder konzeptionell noch empirisch vollumfänglich geklärt. Gleiches gilt für die regionalen und überregionalen Auswirkungen von Innovationen aus Schwellenländern. Hierbei stehen regionalökonomische Wirkungen ebenso zur Diskussion wie etwa übergeordnete Auswirkungen auf die Durchsetzung von Neuerungen und deren gesellschaftliche und ökologische Folgen.

    Diese Forschungsfragen stehen im Mittelpunkt der Vortragssitzung, die insgesamt vier Vorträge mit Diskussion umfassen soll. Für jeden Vortrag sind 10-12 Minuten vorgesehen, sodass Vorträge und Diskussion insgesamt gleiches Gewicht erhalten. Alle Vorträge sollen Bezüge zum Leitthema „Globaler Wandel“ herstellen, sich auf eine theoretische Grundlage beziehen und aktuelles Material auswerten.

  • L5-FS-128Assessing drought hazards, vulnerability and risk across sectors and scales: approaches, limitations and opportunities
    Herr Dr. Michael HagenlocherFrau Prof. Dr. Petra Döll
    United Nations University, Institute for Environment and Human Security (UNU-EHS)Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Physische Geographie

    Kurzabstract

    The session discusses current approaches, persisting gaps and potential solutions regarding the assessment of drought hazards, vulnerability and risk at different spatial and temporal scales

    Exposé

    Droughts are complex recurring slow-onset hazards with potentially major direct and indirect impacts on human and natural systems. Reducing the impacts of droughts on human wellbeing, the environment and the economy, and identifying pathways towards drought resilient societies remains a global priority. A common understanding and assessment of the drivers, current patterns and potential future scenarios of sectoral drought risks in all dimensions of drought hazard(s), exposure and vulnerability is crucial for the identification and (spatial) planning of preventive drought risk reduction and adaptation options. Over the past two decades, we have witnesses a major boost in drought risk assessments across spatial and temporal scales drawing on a multitude of conceptual foundations and methodological approaches – often leading to terminological confusion and contrasting policy messages.

    The session aims at capturing the state-of-the-art of integrated drought risk concepts and assessment approaches across sectors and scales. It aims at 1) sharing latest concepts, methods and results regarding, 2) triggering discussions with a wider audience about their benefits and limitations, and 3) discussing opportunities towards an improved understanding and assessment of drought risk in all its dimensions of drought hazard(s), exposure, and vulnerability in the Anthropocene.

    A set of guiding questions will be shared with all speakers prior to the session to foster the discussion.

  • L5-FS-129Landscape and Landscape Research in the Anthropocene
    Herr Dr. Cormac WalshHerr Prof. Dr. Olaf Kühne
    Universität Hamburg, Institut für GeographieEberhard Karls Universität Tübingen, Fachbereich Geographie

    Kurzabstract

    In the era of the Anthropocene humankind has become a major force of environmental change at the global scale. Here we explore the relevance of the Anthropocene for landscape research and management.

    Exposé

    In the current era of the Anthropocene, environmental change is largely anthropogenic and driven by social, economic and political forces. Humankind has become a major force of environmental change at the global scale (Crutzen 2002). While debates concerning the starting point of this new era continue to occupy the minds of many, it is evident that the awareness of long-term environmental change at the global scale has implications for how we think about the relationships between society and environment, and indeed the natural and social sciences. There is increasing recognition of the critical role of the social sciences and humanities in interpreting and responding to the challenges posed by global environmental change (e.g. Bennett et al 2017, Holm & Brennan 2018). Increased attention is given to socio-cultural values, landscape meanings and lay knowledges in nature conservation, both on land and at sea (Aswani et al 2017). The discipline of human geography is well positioned to understand how global processes of environmental change are grounded in the landscape and embedded in landscape practices at a local scale (Brace & Geoghegan 2010). In this session we seek to explore the implications of the global context of the Anthropocene for landscape research and management.

    We invite papers which respond (conceptually and/or empirically) to one or more of the following guiding questions:

    · What relevance has the global context of the Anthropocene for landscape change at the local scale?

    · Does Anthropocene-thinking require us to rethink established categories of ‘natural landscape’ and ‘cultural landscape’?

    · Is it sufficient to “let nature be nature” in the Anthropocene?

    · How can socio-cultural values and diverse landscape narratives be addressed in landscape management?

    · How are global narratives of environmental change captured and articulated in the production of contemporary energy landscapes?

    · How can integrated landscape perspectives (e.g. understanding marine environments as ‘peopled seascapes’ inform practices of environmental management at land and at sea?

    Contributions are welcome in English and German. The session will follow a classical format.

  • L5-FS-130Praktiken und Infrastrukturen zur Ermöglichung einer postwachstumsorientierten Transformation
    Frau Dr. Jana KühlHerr Dr. Christian Lamker
    Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Geographisches InstitutTU Dortmund, Fakultät Raumplanung

    Kurzabstract

    Diskutiert werden Ansätze, die nachhaltige Lebensweisen jenseits wirtschaftlichen Wachstums ermöglichen. Sie werden in Verbindung mit raumplanerische Möglichkeiten ihrer Förderung gesetzt.

    Exposé

    Das Ziel dieser Fachsitzung ist es, Ansätze zu diskutieren, die nachhaltige Lebensweisen jenseits wirtschaftlichen Wachstums ermöglichen. Sie sollen in Verbindung mit der Förderung durch raumplanerische Möglichkeiten gesetzt werden.

    Spätestens seit dem Ausruf der „Großen Transformation“ (insbesondere WBGU-Hauptgutachten 2011) zeichnet sich der Bedarf eines gesamtgesellschaftlichen Umdenkens zugunsten ressourcensparender und umweltschonenden Lebensweisen ab. Blickt man jedoch auf verbreitete Alltagspraktiken, insbesondere auf jene der westlich geprägten Welt, so überwiegen hier gerade nicht-nachhaltige Lebensweisen. Beispielsweise zählen die MIV-Nutzung als ressourcenintensive und emissionsreiche Mobilitätsform sowie ökologisch problematische Konsummuster weiterhin zur gängigen Praxis. Zur Implementierung einer gesellschaftlichen Transformation erscheint demgegenüber ein grundlegender Wandel alltagsweltlicher Routinen sowie etablierter Denk- und Handlungsweisen notwendig. Hierfür werden Ideen und Vorbilder gesucht, die zeigen, wie etablierte nicht-nachhaltige Lebensweisen anders gestaltet werden können. Ansätze einer Postwachstumsökonomie stellen beispielsweise die Logiken der westlichen Konsumgesellschaft infrage und propagieren eine freiwillige Selbstbeschränkung. Grundsätzlich braucht es Infrastrukturen und Institutionalisierungen, die eine eben solche Lebensweise ermöglichen und fördern. Diese Aufgabe bildet ein vergleichsweise neues Feld einer Postwachstumsplanung.

    Die Fachsitzung ist als Vortragssitzung geplant. Sie möchte ein Forum zur Diskussion von raumplanerischen Ansätzen schaffen, die zur Entfaltung gesellschaftlicher Transformationen beitragen. Es werden vier Vorträge von rund 15 min mit anschließender Diskussion stattfinden. Dabei sind insbesondere (aber nicht ausschließlich) Beiträge willkommen, die sich Fragen einer Postwachstumsökonomie sowie den Herausforderungen einer Postwachstumsplanung widmen. Als Beiträge sind beispielsweise denkbar:

    – Empirische Arbeiten, die sich gesellschaftlichen Transformationsprozessen in ihrer räumlichen Dimension widmen,

    – Konkretisierungen der Implementierung einer Postwachstumsökonomie in unterschiedlichen Lebensbereichen sowie in verschiedenen Handlungsfeldern der Raumplanung,

    – Ansätze, die das Spannungsverhältnis von nachhaltigen Praktiken und hierfür benötigten Infrastrukturen betreffen

    – Konkretisierung von Aufgaben und Potenzialen einer ermöglichenden Postwachstumsplanung

  • L5-FS-131Remote Sensing in the Coastal Zone
    Frau Dr. Katja KuhwaldHerr Dr. Patrick Leinenkugel
    Geographisches Institut CAU KielDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

    Kurzabstract

    This session summarises a recent portfolio of Earth Observation techniques, which are of great value for coastal zone management.

    Exposé

    Coastal zones are home to more than 40% of the world’s population and are highly productive economic, agricultural and recreational areas for mankind. At the same time, as complex transition zones between terrestrial and marine ecosystems coastal ecosystems are extremely diverse, provide numerous ecological functions and play a key role in the Earth’s global cycle systems. Various natural and anthropogenic-driven processes occur and interact in coastal zones and lead to pressures, which accelerate and intensify through climate and global change. This challenging development demands for synoptic, accurate methods, which are timely and cost effective to assess and monitor the diverse processes and complex interactions in these coastal systems. Remote sensing provides a valuable tool for the mapping and monitoring of indicators of these interacting processes on different spatial and temporal scales. Recent advances in Earth Observation and the launch of sensor systems within the European Copernicus programme (e.g. Sentinel-1, -2, -3) offer a wide range of (new) data at high resolutions and different scales, which provide relevant data for coastal research and management.

    This session aims to summarise current possibilities of the different disciplines in Earth Observation for an integrated and synoptic view on the coastal zones. To this end, this session invites contributions based on classic presentations, which focus on methodological development, validation activities, synergistic sensor use, sensor fusion, change detection and time series analyses in coastal zones. This may include the analyses of land cover and land use change, the assessment of ecosystem services, impacts of climate change and anthropogenic pressures, sinking land, coastal erosion, water quality, mapping of coastal and underwater habitats. We welcome studies considering large scales by analysing big data volumes but also local to regional studies.

    In this vein, the contributions of this session highlight the benefits of current Earth Observation techniques/ products for a wider community working in integrated coastal zone management.

  • L5-FS-132Die sozial-ökologische Krise der Küsten: Transformation, nachhaltige Entwicklung und die Rolle der Wissenschaft
    Frau Prof. Dr. Silja KleppFrau Dr. Barbara Neumann
    Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Geographisches InstitutInstitute für transformative Nachhaltigkeitsforschung / Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS)

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung untersucht die nachhaltige Transformation von Küstenräumen. Dabei geht es uns um eine kritische Reflektionvon sozialen Prozessen wie auch von Transformationskonzepten und -ansätzen.

    Exposé

    Die sozialökologische Krise manifestiert sich auch und vor allem in den Küstenzonen mit ihren besonderen Gegebenheiten. Der zunehmende Druck durch Bevölkerungswachstum, Ressourcennutzung und andere Global Change-Prozesse erfordert Maßnahmen, die sehr unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse berücksichtigen und die zunehmende Verschlechterungen der Meeres- und Küstenumwelt ernstnehmen. Dabei haben Küstengesellschaften im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine hohe Innovationskraft bewiesen, um Veränderungen und Risiken zubewältigen, wenn man an die Land- und Seewirtschaft, zeitgenössische Ansätze des Co-Managements oder Anpassungsmaßnahmen wie Eindeichungen, Küstenschutz oder“schwimmende Häuser“ denkt. Diese Entwicklung und zugleich Spannungs-und Konfliktverhältnisse maritim geprägter NaturenKulturen zeigen sich auch in verschiedenen Narrativen und Modi der nachhaltigen Entwicklung und Transformation.

    Die Fachsitzung untersucht die Voraussetzungen, Auslöser, Katalysatoren, Rationalitäten und Ansätze für nachhaltigeTransformationen in Küstenregionen, wie sie zur Erreichung von Entwicklungszielen unter der 2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung erforderlich ist. Das Konzept der Transformation, ein umstrittenes Schlagwort in sozialökologischen Debatten, ist dabei ein heuristisches Konzept um diese an Dynamik gewinnenden Prozesse zu erfassen. Wir fragen, welche unterschiedlichen Interpretationen von Transformation zirkulieren und ob das Konzept, das zugleich normative wie analytische Ansätze einschließt, das Potential hat, die Komplexität von globalem Wandel und Innovationen in Richtung nachhaltiger Entwicklung zu fassen und zu unterstützen. Dazu müssen wir auch auf Fragen von Macht und (Wissens-)-Repräsentationen eingehen, die sich in Küstengebieten manifestieren. Und auch der Transformationsbegriff muss dabei ebenso wie der Begriff der „Nachhaltigkeit“ im Kontext unterschiedlicher Interpretationen und (Kultur-) Verständnisse analysiert werden.

    Hierfür laden wir Vorträge aus Theorie und Praxis ein, die kritische Reflexionen über den Wandel zu einer nachhaltigen Entwicklung der Küstenzonen bieten. Leitfragen könnten dabei sein:

    Welche sozialen, strukturellen oder materiellen Formationen aktivieren und erleichtern Transformation? Wie kann man Transformation tatsächlich „machen“ und welche Rolle hat dabei die Wissenschaft? Was können wir von Transformationsprozessen in Küstenzonen lernen und wie verhalten sie sich zu Transformationstheorien?

  • L5-FS-133Geographische Beiträge einer sozial-ökologischen Transformationsforschung. Auf dem Weg zu einem kohärenten Forschungsprogramm?
    Frau Prof. Dr. Sybille BauriedlFrau Prof. Dr. Britta Klagge
    Europa-Universität FlensburgUniversität Bonn

    Kurzabstract

    Diskussion zum Stand der Integration vielfältiger raumbezogener Ansätze in der Transformationsforschung und Beiträge der Geographie

    Exposé

    Geograph*innen sind an zahlreichen Forschungsverbünden zur sozial-ökologischen Transformation beteiligt. Dort hat ihre wissenschaftliche Expertise zu regionaler Governance, zu lokalen und überregionalen Akteurskonstellationen sowie allgemein zu multiskalaren Verflechtungen hohen Stellenwert. In der praxisorientierten und transdisziplinären Forschung spielen sie außerdem eine immer wichtigere Rolle als politikberatende Expert*innen, vor allem im Kontext der Klimaanpassung, der Energiewende, der Bioökonomie und der Verkehrswende. Damit agieren Geograph*innen in unterschiedlichen Funktionen und Themenfeldern. Auch hinsichtlich ihrer theoretischen bzw. normativen Orientierungen sind Geograph*innen breit aufgestellt. Wichtige Bezugspunkte sind z.B. Governance-Ansätze, Regulationstheorie, Green Economy/Growth, Postwachstum/Degrowth, politische Ökologie und Nachhaltigkeitsansätze.

    Ziel der Sitzung ist, vor dem Hintergrund dieser Vielfalt a) die spezifischen Analysepotentiale der geographischen Transformationsforschung genauer zu bestimmen und b) die Potentiale eines Agenda-Settings der Geographie in der Transformationsforschung zu eruieren

    In der Panel-Diskussion sollen folgende Fragen im Fokus stehen:

    1) zur Raumdimension: Welchen räumlichen Bezüge sind in der sozial-ökologischen Transformationsforschung zu berücksichtigen bzw. sollten im Vordergrund stehen? Welche Raumbegriffe und -konzepte haben sich – inwiefern – als fruchtbar für Forschung und/oder Politik(en) der sozial-ökologischen Transformation erwiesen?

    2) zu multiskalaren Perspektiven: Wie können verschiedene Skalen einer sozial-ökologischen Transformation – von lokal bis global– konzeptionell und forschungspraktisch (besser als bisher) berücksichtigt werden?

    3) zu Zukunftsprojektionen: Wo liegen zentrale Ansatzpunkte, aber auch Risiken für die Weiterentwicklung sozial-ökologischer Transformation(en) in Forschung, Praxis und Politik?

    Die Sitzung wird als Paneldiskussion mit 6-8 Kurzbeiträgen à 5 Minuten stattfinden. Im Anschluss daran wird die Diskussion für das Publikum geöffnet. Wir freuen uns über zahlreiche Vorschläge aus forschungspraktischer, disziplintheoretischer oder empirischer Perspektive und wünschen uns explizit Beiträge aus unterschiedlichen Teilbereichen der Geographie und Nachbarwissenschaften.

  • L5-FS-134Widerspenstige Materialitäten – Geographien und Zeitlichkeiten anthropogener Abfälle
    Herr Dr. Yusif IdiesHerr Mag. Nicolas Schlitz
    Institut für Geographie, WWU MünsterInstitut für Geographie, Universität Osnabrück

    Kurzabstract

    Diese Session führt Forschungsstränge zusammen, die spezifische Geographien und Zeitlichkeiten unterschiedlicher anthropogener Abfälle – deren Mobilisierung und Immobilisierung – kritisch beleuchten.

    Exposé

    Von der Endlagersuche für Atommüll bis zum Umgang mit Plastik – die räumliche und zeitliche Handhabung moderner Abfälle industrialisierter Gesellschaften wird derzeit kontrovers diskutiert.

    Unter dem Leitthema „Geographie und globaler Wandel“möchten wir in dieser Fachsitzung Geographien und Zeitlichkeiten unterschiedlicher Abfallströme – deren Entstehung, Mobilisierung,Transformation und Immobilisierung – kritisch beleuchten. Ausgangspunkt ist das auch in der Geographie wieder aufgeflammte Interesse für Zeit und Zeitlichkeit, zu dem neben klassischen Arbeiten (Lund School of Time Geography) und späteren Erweiterungen (May/Thrift 2001) insbesondere aktuelle Debatten um das Konzept des Anthropozäns beitragen. In diesem Kontext soll an Forschungen überdie zeitlichen Implikationen anthropogener Hinterlassenschaften angeknüpft werden. Genannt seien etwa nukleare Abfälle, anwachsende Mengen nichtrückholbaren Weltraumschrotts, verweilendes Mikroplastik in der Umwelt oder Persistant Organic Pollutants, deren Interaktion mit lebenden Organismen unabsehbar ist (Gray-Cosgrove et al. 2015; Davies 2018; Liboiron et al. 2018).

    Anstelle hier eine generelle Regier-/Steuerbarkeit des„Müllproblems“ vorauszusetzen, interessiert uns im Anschluss an interdisziplinäre Waste Studies vor allem, wie widerspenstige Materialitäten mit ihren unsicheren Zukünften überhaupt erst als bearbeitbar gerahmt werden. Angesiedelt im Spannungsfeld von Politischer Ökologie und Umweltgerechtigkeit, ist mit diesem Interesse die Frage nach den Ein-/Ausschlüssen und gesellschaftlichen Ungleichheiten verbunden, die mitbestimmten „Lösungen“ einhergehen: Was wird durch sie ermöglicht bzw.verhindert – und auf wessen Kosten? Wer wird dabei berücksichtigt und wer nicht?

    Diese Session bietet Raum für vier Vorträge mit anschließender Diskussion. Willkommen sind Beiträge zu (u.a.) den Themen:

    Infrastrukturen/ Waste-Governance

    Slow violence

    Anti-waste Bewegungen

    Praktiken der Entwertung/ Inwertsetzung

    Kontamination, Grenzwerte und Gesundheit

    Literatur:

    Davies, T. (2018). Toxic Space and Time: Slow Violence, Anecropolitics, and Petrochemical Pollution. Annals of the American Association of Geographers (aop), 1-17.

    Liboiron, M. et al. (2018). Toxic politics: Acting ina permanently polluted world. Social studies of science 48(3), 331-349.

    May, J. u. N. Thrift (2001): Timespace.London/ NY.

    Gray-Cosgrove, C. et al. (2015): The Challenges of Temporality to Depollution & Remediation. SAPIENS 8/ (1), 1-10.

  • L5-FS-135Satellitengestützte Erdbeobachtung zur Überwachung, Bewertung und Vorhersage für die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
    Herr Dr. Andreas RienowFrau Dr. Valerie Graw
    Ruhr-Universität BochumUniversität Bonn

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung thematisiert die Potentiale und Herausforderungen für die satellitengestützte Erdbeobachtung als Instrument zur Überwachung, Bewertung und Vorhersage der Sustainable Development Goals.

    Exposé

    Bis zum Jahr 2030 sollen alle 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung erreicht werden. Die sogenannten „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der UN als Teil der Globalen Agenda 2030 umfassen eine Fülle von Unterzielen und Indikatoren, die zur Beobachtung und zur Bewertung dieser dienen. Die Fachsitzung thematisiert die Potentiale und Herausforderungen für die satellitengestützte Erdbeobachtung als Instrument zur Überwachung, Bewertung und Vorhersage der SGDs im Allgemeinen und ihrer Indikatoren im Speziellen. Angetrieben durch technologische Fortschritte und Großmissionen, erlebt die satellitengestützte Erdbeobachtung zurzeit eine revolutionäre Entwicklung, die in der Fernerkundungsforschung neue Methoden, Produkte und Erkenntnisse entstehen lassen. Sie reichen von der Analyse urbaner wie ruraler Räume, über die Beobachtung langfristiger Landnutzungsmodifikationen und -konversionen, bis hin zur kurzfristigen Einschätzung von Naturgefahren wie Dürren und Überflutungen. In der Kombination mit sozioökonomischen Daten ist weiterhin die Bewertung von Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Regionen der Erde möglich. Hier kann durch Integration von Zensus- und Haushaltsdaten das tatsächliche Risiko durch Faktoren, die vom Globalen Wandel begünstigt werden, gemessen werden. Die Fachsitzung wird sich auch mit den Chancen auseinandersetzen, die durch Big Data und Cloud-Computing in der Fernerkundungsforschung entstehen, sowie mit den Herausforderungen, die mit diesen Möglichkeiten einhergehen.Die Fachsitzung ist offen für Beiträge aus interdisziplinären Bereichen in denen Erdbeobachtungsdaten zum Einsatz kommen.

  • L5-FS-136Fernerkundungs-basierte Erdbeobachtung zur Erreichung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen
    Herr Prof. Dr. Alexander SiegmundHerr Dr. Christopher Conrad
    Pädagogische Hochschule & Universität Heidelberg, Abteilung Geographie, Research Group for Earth Observation – rgeo, UNESCO Chair on World Heritage and Biosphere Reserve Observation and EducationInstitut für Geographie und Geologie, Universität Würzburg

    Kurzabstract

    In der Fachsitzung sollen Potenziale und Anwendungsbeispieleder angewandten Fernerkundung zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen demonstriert werden

    Exposé

    Zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung haben die Vereinten Nationen in einem Aktionsplan globale Entwicklungsziele verabschiedet. Diese Agenda 2030 umfasst 17 Sustainable Development Goals (SDGs), die eine weltweite nachhaltige Entwicklung unter Berücksichtigung der ökologischen Tragfähigkeit des Systems Erde, sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Rentabilität anregen und damit negativen Auswirkungen des globalen Wandels entgegentreten sollen.

    Vor dem Hintergrund der rasanten Sensorentwicklung (z. B.Copernicus – Sentinel) und des methodischen Fortschritts der vergangenen Jahre sowie einer zunehmenden Anzahl von Anwendungsbeispielen, wird sehr schnell deutlich, dass der Einsatz fernerkundungsgestützter Erdbeobachtung deutliche Verbesserungen in der Nutzung von Land- und Wasserressourcen und dem Schutz natürlicher Ökosysteme im Sinne dieser Agenda 2030 leisten kann. In ersten Syntheseberichten zu einzelnen SDGs wird darauf verwiesen, dass Fernerkundung und Geoinformationstechniken für einige im Rahmen der Überprüfung der Zielerreichung definierten Indikatoren einen deutlichen Beitrag leisten können.

    In der Fachsitzung sollen die Potenziale der fernerkundungsgestützten Erdbeobachtung an konkreten Anwendungsbeispielen – vom Einsatz von UAVs bis hin zu verschiedenen Satellitensystemen – zu verschiedenen SDGs vorgestellt und diskutiert werden. Dabei soll ein besonderer Fokus auf Themen wie Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft (SDG 2), Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser (SDG 6) sowie den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Landökosystemen, die Bekämpfung der Wüstenbildung und Bodenverschlechterung sowie den Stopp des Biodiversitätsverlustes (SDG 15) gelegt werden.

    Die Fachsitzung umfasst innovative Ansätze und Methodenentwicklungen im Bereich der angewandten Fernerkundung und Geoinformationstechniken sowie Fallbeispiele zum Praxiseinsatz der Erdbeobachtung bei der Umsetzung der SDGs, wie zum Beispielzur Berechnung einzelner SDG-Indikatoren oder dem Monitoring. Die vorgestellten Beiträge thematisieren dabei die unterschiedlichen Landökosysteme in verschiedenen Ökozonen der Erde. Darüber hinaus sind Möglichkeiten und Verfahren zur standardisierten Validierung von Ergebnissen der Erdbeobachtung Bestandteil der Fachsitzung.

  • L5-FS-137Transdisziplinäre Forschungen zur Wahrnehmung von Klima- und Umweltwandel in ariden und semiariden Räumen
    Herr Prof. Dr. Cyrus SamimiHerr Prof. Dr. Matthias Schmidt
    Universität BayreuthUniversität Augsburg

    Kurzabstract

    Bevölkerungen in Trockengebieten entwickelten ausgeklügelte Anpassungsstrategien an Klima- und Umweltvariabilitäten, die durch Klimawandel und sozioökonomischeTransformationsprozesse bedroht sind.

    Exposé

    Bevölkerungen in ariden und semiariden Regionen haben über Generationen Anpassungsstrategien an Klimavariabilitäten und damit verbundene Änderungen von Umwelt und Ressourcenverfügbarkeit entwickelt. Die Diversifizierung agrarwirtschaftlicher Aktivitäten oder mobile Nutzungsmuster sind Beispiele für flexible Adaptationsmechanismen. Eingebettet in langfristige Trends finden sowohl inter- wie auch intraannuelle Niederschlagsschwankungen statt, womit große Variabilitäten in der Verfügbarkeit von Wasser oder bei der Biomassenproduktion verbunden sind. Die Niederschlagsentwicklung im Sahel kann hierfür als prominentes Beispiel angeführt werden; langfristige Niederschlagstrends mit langen Dürrephase in den 1970-80ern und die nachfolgende Erholung werden überlagert von signifikanten jährlichen Variabilitäten. Damit verknüpft sind Umweltveränderungen, die Eingang in die Diskussionen zu Desertifikation oder Greening Sahel gefunden haben. Neben dem Klimaeinfluss wird der anthropogene Impact im Zusammenhang mit Umweltveränderungen diskutiert und oft für Degradationsphänomene verantwortlich gemacht, wobei aber zunehmend auch positive Einflüsse lokaler Nutzungsstrategien diskutiert werden. Im etablierten Umgang mit Klima- und Umweltvariabilitäten scheinen lokale Bevölkerungsgruppen in Trockengebieten besonders gut an die Folgen von Klima- und Umweltveränderungen angepasst zu sein. Durch den aktuellen Klimawandel nehmen die Veränderungen allerdings Dimensionen an, die mit den bekannten Strategien nicht mehr zu bewältigen sind. Hierzu zählen etwa verstärkte Starkregenereignisse, verlängerte Dürrephasen oder stark verschobene Saisonalitäten. Neben den tief greifenden irreversiblen klimatischen und ökologischen Veränderungen sind die Bevölkerungen in Trockengebieten auch mit massiven sozioökonomischen Transformationsprozessen konfrontiert: Globalisierungs-, Modernisierungs- und Kommodifizierungsprozesse führen zur Destabilisierung tradierter Livelihoods und zu notwendigen Adaptionsanstrengungen. Um diese Phänomene und den Umgang der lokalen Bevölkerung mit den genannten Wandlungen zu verstehen, bedarf es transdisziplinärer Ansätze. Dabei gilt es, die Wahrnehmung und Verarbeitung von Umweltveränderungen durch die lokalen Bevölkerungen zu erfassen und mit vermeintlich harten Messergebnissen in Einklang zu bringen. Forschungsarbeiten zu Gesellschaft-Umwelt-Interaktionen im Bereich von Umweltwahrnehmung und Adaptionsstrategien mit transdisziplinären Ansätzen sind willkommen.

  • L5-FS-138UNESCO und Geographie: Geographische Beiträge zu internationalen Programmen?
    Herr Prof. Dr. Benno WerlenHerr Prof. Dr. Alexander Siegmund
    Friedrich-Schiller-Universität Jena, UNESCO Chair on Global Understanding for Sustainability, Institut für GeographiePädagogische Hochschule & Universität Heidelberg, UNESCO Chair on World Heritage and Biosphere Observation and Education, Abt. Geographie – Research Group for Earth Observation (rgeo)

    Kurzabstract

    Große Herausforderungen der Gegenwart wie Globalisierung, Globaler Wandel oder Nachhaltigkeit stehen im Zentrum internationaler UN-Programme. Welchen Beitrag kann die aktuelle Geographie leisten?

    Exposé

    Als UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation kommt der UNESCO für die Umsetzung der international vereinbarten Programme zur Meisterung aktueller Herausforderungen eine tragende Rolle zu. Im Zentrum dieser Programme steht im Zeitalter des Globalen Wandels die Entwicklung und Förderung nachhaltiger Lebensformen und -stile durch Bildungs- und Wissenschaftsinitiativen.

    Geographische Denkweisen standen und stehen bei der Entwicklung entsprechender internationaler Programmlinien wie Men and Biosphere, Cultural and Natural World Heritage etc. seit längerer Zeit Pate. Mit den dramatischen Umbrüchen, welche die Revolutionierung der geographischen Bedingungen des Handelns mit der Globalisierung mit sich bringen, ändern sich nun die geographischen Anforderungen an die Lösungsstrategien. Dies betrifft vor allem auch Schlüsselbegriffe wie „Nachhaltigkeit“, „Globaler Wandel“ oder „Globalisierung“. Zu deren Neukonzipierung hat bereits das von der Geographie initiierte International Year of Global Understanding viel beigetragen, bedarf aber weiterführender Abstimmungen auf die neuen Bedingungen. Zur Gestaltung und Umsetzung von UNESCO-Programmlinien sind deshalb die Ergebnisse der jüngeren Entwicklungen geographischer Forschung gefragt.

    Gemeinsam mit langjährigen Programmverantwortlichen sollen in der Fachsitzung Beiträge zur Agenda 2030 vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Dazu sind Vorschläge aus allen Richtungen Human- und Physischer Geographie sowie deren Praxisfelder willkommen. Dies schließt insbesondere auch die Darstellung von konkreten Beispielen der fachlichen Umsetzung bisheriger UNESCOProgramme ein.

  • L5-FS-139Urbane Gesundheit in Asien
    Frau Prof. Dr. Frauke KraasFrau Prof. Dr. Sigrun Kabisch
    Geographisches Institut, Universität zu KölnDepartment Stadt- und Umweltsoziologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

    Kurzabstract

    Im Zentrum stehen räumlich-soziale Einflussfaktorenauf Diversität, Disparitäten und Divergenz urbaner Gesundheitsversorgung, -dienstleistungen und -systeme.

    Exposé

    Urbane Gesundheit wird in Leitdokumenten als relevantes Zukunftsthema herausgestellt – etwa der „New Urban Agenda“ der UN-HABITAT (HABITAT III-Konferenz in Quito 2016) oder den Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen (Artikel 55). Die Weltgesundheitsorganisation WHO fasst den widersprüchlichen Wissensstand zu urbaner Gesundheit zusammen: „While cities can bring opportunities, they can also bring challenges for better health. Today’s cities and those of tomorrow are facing a triple threat: infectious diseases like HIV/AIDS, TB, pneumonia, diarrhoeal diseases; non communicable diseases like asthma, heart disease, cancer and diabetes; and violence and injuries, including road traffic injuries“ (WHO o.D.). Hier wird erstens die widersprüchliche Rolle der Städte für menschliche Gesundheit angesprochen: Aufgrund höherer Verfügbarkeit von Gesundheitsdienstleistungen und besseren Zugang zu Wissen wird von „urban advantage“ gesprochen, wonach Menschen in Städten höhere Chancen auf ein gesundes Leben haben. Andere Quellen stellen im Gegensatz dazu eine „urban penalty“ heraus, der zufolge Menschen in Städten aufgrund der multiplen urbanen Probleme und des fehlenden Zugangs zu Versorgungseinrichtungen geringere Chancen auf ein gesundes Leben haben. Zweitens stellt das Zitat heraus, dass Stadtbevölkerung sehr unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen ausgesetzt ist.

    Zwar sind allgemeine Gesundheitsprobleme in Schwellen- und Entwicklungsländern bekannt, jedoch fehlt es an regional, gesellschafts- und sozialgruppenspezifisch differenzierenden, detaillierten Untersuchungen mit komparativer und zeitlicher Perspektive. Hier setzt die Fachsitzung an und konzentriert sich auf Phänomene, Probleme und Prozesse urbaner Gesundheit in der Region mit den derzeit intensivsten urbanen Transformationsprozessen: Asien. Im Zentrum stehen unterschiedliche räumliche und sozio-ökonomische Einflussfaktoren auf Diversität, Disparitäten und Divergenz urbaner Gesundheitsversorgung, -dienstleistungen und -systemen. Thematisch beinhaltet dies Fragen etwa des Umgangs mit Epidemien, nicht-übertragbaren Erkrankungen und Ko-Morbiditäten, der Gesundheit von MigrantInnen, mentaler Gesundheit, den Zugang zu gesundheitsfördernden Ressourcen oder Fragen gesundheitsfördernder Stadtplanung und Gesundheitsversorgung.

    Veranstaltungsformat: Vier (Kurz)Referate mit Fokus auf Forschungsframing und -priorisierung als Angebot für eine intensive Diskussionmit den Fachsitzungs-TeilnehmerInnen

  • L5-FS-140Geopolitische Umbrüche und Risikodiskurse
    Frau Prof. Dr. Annika MattissekHerr Prof. Dr. Paul Reuber
    Universität FreiburgUniversität Münster

    Kurzabstract

    Globale Geopolitik ist im Umbruch. Ereignisse wie der BREXIT, die Politik Donald Trumps und der rasante Aufstieg Chinas stellen bestehende Gewissheiten in Frage und führen zu einem globalen Wandel geopolitischer Diskurse und Machtverhältnissen.

    Exposé

    Globale Geopolitik ist derzeit durch massive Umbrüche gekennzeichnet. Noch um die Jahrtausendwende schien das „Ende der Geschichte“ (Fukuyama 1992) zum Greifen nahe: Die Globalisierung westlichen Zuschnitts galt als unumkehrbare und unhintergehbare Tatsache, die weltweite Ausbreitung westlich-demokratischer Regierungsformen nur eine Frage der Zeit.

    Heute hat sich das Bild grundlegend gewandelt und ist durch eine Reihe neuer Diskurse und Prozesse sowie durch die Wiederkehr tot geglaubter Formatierungen globaler Geopolitik gekennzeichnet. Dazu gehören:

    · Die Infragestellung vermeintlicher geopolitischer Selbstverständlichkeiten, wie etwa den Zusammenhalt der EU im Kontext des BREXIT oder die Stärke und den Zusammenhalt der transatlantischen Allianz zwischen Europa und den USA seit der Wahl Donald Trumps.

    · Das Wiedererstarken des Nationalismus in vielen Teilen der Welt, der zumindest teilweise Politik maßgeblich (mit)bestimmt und internationale Austausch- und Migrationsströme massiv überprägt.

    · Die Rolle kulturalistisch unterlegter Feindbilder, z.B. im islamistischen Terrorismus.

    · Der geoökonomische und geopolitische Machtzuwachs sogenannter „Schwellenländer“, allen voran China, das mit gigantischen Infrastrukturprojekten wie der „One Belt One Road“-Initiative massig Austauschprozesse und Handelsbeziehungen ausbaut.

    · Die Re-Artikulation von Rhetoriken des Kalten Krieges, in der sich die Rolle Russlands und das Verhältnis zwischen Ost und West neu konfigurieren.

    · Die wachsende Bedeutung globaler ökologischer Problemlagen, v.a. des globalen Klimawandels, und dessen Auswirkungen auf Risiko- und Konfliktszenarien.

    Die Prozesse und Entwicklungen laufen natürlich nicht isoliert voneinander, sondern sind auf vielfältige Art und Weise miteinander verwoben.

    Wir bitten um Beiträge, die sich mit den genannten und weiteren Phänomenen, Diskursen und Entwicklungen aus unterschiedlichen theoretischen und methodischen Perspektiven auseinandersetzen.