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Leitthema 4

  • L4-FS-075Echoräume aufbrechen – Die Zukunft der geographischen Bildung
    Herr Prof. Dr. Lars KellerHerr Mag. Herbert Pichler
    Institut für Geographie, Universität InnsbruckInstitut für Geographie und Regionalforschung, Universität Wien

    Kurzabstract

    Die Echoräume der sozialen Medien spielen bei der Etablierung der postfaktischen Epoche eine große Rolle. Welche Konzepte lassen geographische Bildung vor diesem Hintergrund zukunftsfähig erscheinen?

    Exposé

    Zahlreiche und hochkomplexe Krisen setzen Gesellschaften weltweit unter Druck. Im starken Kontrast zu nötigen Reformen der Institutionen, empiriegestützter Sachpolitiken oder solidarischen Maßnahmen lösen Ungleichheiten, Unübersichtlichkeit und Unsicherheitsgefühle scheinbar paradoxe Reaktionen aus: Verunsicherte Wähler/innen stärken und legitimieren vereinfachende und rückwärtsgewandte (Rechts-)Populisten. Dadurch manifestieren sich Renationalisierungstendenzen im Kontext globalisierter Ökonomien in reaktivierten und neuen Abschottungsideen, Grenzzäunen und Feindbildern. Über Jahrhunderte erkämpfte Ideale der Aufklärung, Werte und Grundrechte wie Solidarität, Freiheit, Toleranz und Wissenschaftlichkeit zerrinnen wie das alpine Gletschereis im Klimawandel vor unseren Augen. Letzteres kann im Übrigen von Entscheidungsträger/innen in der „Post Facts-World“ locker geleugnet werden. Eng damit verknüpft ist die bedeutsame Rolle der neuen Medien beim Machen von Meinungen und neuen „Geographien“. Die postfaktische Epoche wird durch in sozialen Medienportalen hinterlegte intransparente Algorithmen, die Effekte der Echoräume sowie virale Verbreitungsmöglichkeiten forciert.

    Als Geograph/innen, Fachdidaktiker/innen und Schulpraktiker/innen sind wir herausgefordert, Antworten und Strategien zu entwickeln, wie geographische Bildung auf diese Herausforderungen und Phänomene einwirken kann. Welche praktischen und theoretischen Konzepte erlauben tatsächlich ein besseres Verständnis einer Welt im stetigen und radikalen Wandel, fördern Offenheit, Konfliktfähigkeit, zukunftsfähiges sowie solidarisches Denken und Handeln unserer Schüler/innen? WelcherGeographieunterricht erweist sich vor diesem Hintergrund als zukunftsfähig, welcher nicht?

  • L4-FS-076Grenzregionen und grenzüberschreitende Bildung als regionale Lernprozesse
    Frau Prof. Dr. Birte NienaberHerr Prof. Dr. H. Peter Dörrenbächer
    University of Luxembourg, Institute of Geography and Spatial PlanningUniversität des Saarlandes, Fachrichtung Geographie

    Kurzabstract

    Grenzüberschreitende Lernprozesse werden für europäische Arbeitsmärkte immer bedeutsamer. Diese Sitzung will sich mit Bildung in konzeptioneller und empirischer Sichtweise auseinandersetzen.

    Exposé

    Die Entwicklung grenzüberschreitender Arbeitsmärkte in Europa gewinnt angesichts des demographischen Wandels eine immer größere Bedeutung. Dabei spielen inter- und intraregionale Lernprozesse durch formelle und informelle Bildung eine zentrale Rolle. Erste Rahmenvereinbarungen für gemeinsame grenzüberschreitende Berufsausbildungen, wie sie beispielsweise in der Oberrheinregion, oder für gemeinsame Schulausbildungen, wie sie zwischen Luxemburg und dem Saarland am Schengen-Lyzeum, existieren, sind modellhafte Projekte institutionellen grenzüberschreitenden Lernens. Andere Beispiele finden sich im Bereich der grenzüberschreitenden Kooperation von Vereinen, Unternehmen und anderen Organisationen.

    Es stellt sich die Frage, wie und unter welchen Bedingungen solche regionalen Lernprozesse unterstützt und genutzt werden können. Unterschiedliche kulturelle und sprachliche Aspekte und die an solchen Lernprozessen beteiligten Akteure spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Dabei sind die Beziehung zwischen institutionellen, politisch-administrativen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen auf der einen Seite und die Entwicklung regionaler Initiativen auf der anderen Seite zu berücksichtigen.

    Die auf regionale Lernprozesse fokussierten Forschungsansätze können einen bedeutenden Beitrag zum besseren Verständnis für die Funktionsweise grenzüberschreitender Regionen leisten.

    In der Fachsitzung sollen neben konzeptionellen Beiträgen auch empirische Untersuchungen über Good Practice-Beispiele grenzüberschreitender Lernprozesse der (Berufsaus- und Weiter-)bildung vorgestellt werden. Dabei ist der Frage nachzugehen, wie solche Praktiken der (Berufsaus- und Weiter-)bildung, räumlichen Planung und Regionalentwicklung in einem grenzüberschreitenden Kontext auf andere Regionen übertragbar sind, d.h. wie Grenzregionen als räumliche Lernprozesse konzeptionell verstanden werden können und wie von Grenzregionen gelernt werden kann.

  • L4-FS-077„Global Change“ und transformative Bildung –Potenziale des Geographieunterrichts als Beitrag zu einer gesellschaftlichenTransformation
    Frau Prof. Dr. Christiane MeyerFrau Dr. Barbara Warner
    Leibniz Universität Hannover, IDN - Didaktik der GeographieARL - Akademie für Raumforschung und Landesplanung

    Kurzabstract

    Der „Global Change“ fordert zu einer neuen Verantwortung im Denken und Handeln heraus. Die Fachsitzung gibt Anregungen für eine transformative Bildung im Geographieunterricht.

    Exposé

    Der bis dato tiefgreifendste vom Menschen ausgelöste Transformationsprozess des Global Change (u.a. Glaser 2014) bringt Belastungen und Störungen des sozial-ökologischen Systems der Erde mit sich – und fordert zu einer neuen Verantwortung im Denken und Handeln, insbesondere in der geographischen Bildung, heraus (z.B. Meyer et al. 2018). Die Handlungsalternative einer Wende zur Nachhaltigkeit geht mit einer Großen Transformation einher (WBGU 2011). Diese Herausforderungen sind angesichts der „Planetary Boundaries“ im Zusammenhang mit der „Großen Beschleunigung“ (Rockström et al. 2009; Steffen et al. 2015), aber auch aufgrund der globalen und regionalen sozialen Disparitäten im Sinne von sozioökonomischen Grenzen (Raworth 2017) schnellstmöglich anzugehen. Kate Raworth benutzt hier die Metapher des Donuts, den sie in ihrer mittlerweile weit verbreiteten Abbildung als „both anecologically safe and socially just space for humanity“ (ebd., 39) charakterisiert. Die Aufgabe, die Menschheit im 21. Jahrhundert in diesen ökologisch stabilen und sozial gerechten Bereich zu bringen, beschreibt sie als „unprecedented“ (noch nie dagewesen, ohne Präzedenz) (ebd.). Die Autorität der Wirtschaft hebt sie dabei als zentral hervor: „Economics is (…) the mindset that shapes society” (ebd., 5). Somit müssen „mentale Infrastrukturen“ (Welzer 2011) bewusst gemacht werden. Im UNESCO-Weltaktionsprogramm wird in diese Richtung gehend argumentiert: “It will require a wholesale change in the way we think and the way we act – a rethink of how we relate to one another and how we interact with the ecosystems that support our lives” (UNESCO 2014, 8). Hier kommen auch Postwachstumskonzepte zum Tragen, die einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel anstoßen können (Schulz 2018; Rosol 2018).

    Die Fachsitzung gibt Anregungen, wie transformative Bildung (WBGU 2011), Transformative Literacy (Singer-Brodowski/Schneidewind 2014) oder transformatives Lernen in einer Degrowth-Gesellschaft (Getzin/Singer-Brodowski 2016) vor dem Hintergrund des Global Change in der (außer-) schulischen Praxis des Geographieunterrichts umgesetzt werden können. An folgenden Leitfragen sollen sich Beiträge orientieren: Wie können mentale Infrastrukturen aufgebrochen werden, um zu einer Veränderung von Mindsets bzw. einer gesellschaftlichen Transformation beizutragen? Welche Kontexte, Orientierungen und Methoden eignen sich hierfür in besonderer Weise?

  • L4-FS-078Bildungsmedien im gesellschaftlichen Kontext ihrer Produktion
    Frau Dr. Jeannine WintzerHerr Matthias Hoenig, M.Ed.
    Universität BernWestfälische Wilhelms-Universität Münster

    Kurzabstract

    Bildungsmedien bilden für diverse humangeographische Forschungsfragen ein reiches empirisches Potential. Die Sitzung dient der fachlich integrierenden Diskussion v.a. von Schulbuchanalysen.

    Exposé

    Bildungsmedien sind viel konsultierte Vermittlungsinstrumente geographischen Wissens. Dabei verweisen sie auf historische und aktuelle Wissensbestände sowie Weltsichten und bieten einen Einblick in den raumzeitlichen Wertekanon eines Faches, da sie Produkte eines herrschenden Konsens über legitimes Wissen und dessen Vermittlung sind. Schulbuchinhalte spiegeln ihren gesellschaftlich-politischen Entstehungskontext wie kaum ein zweites Medium wieder. So beziehen sich geographische Lehrwerke auf hegemoniale Raumvorstellungen und Konzepte, die Ausdruck eines spezifischen Blicks auf den Erkenntnisgegenstand Welt sind. Daher eignen sie sich als empirische Basis für eine Vielzahl von Forschungsfragen. Allerdings ist die Bildungsmedienforschung an der Schnittstelle von Fachdidaktik und Fachwissenschaft ein zum Teil unterrepräsentiertes Forschungsfeld. Die Sitzung dient primär dazu, die Schulbuchforschung für die Kultur-, Sozial-, Wirtschafts- und Politische Geographie fruchtbar zu machen und einen Dialog zwischen geographischen Wissenschaftstraditionen zu fördern. Beiträge aus geographiedidaktischer und fachwissenschaftlicher Perspektive sind jedoch gleichermaßen willkommen.

    Die Sitzung zielt auf folgende Schwerpunkte, muss aber nicht darauf beschränkt sein:

    Erkenntnistheorie: Analysen von Weltsichten, Wissensbeständen und Wertekanons.

    Theorien: Neue Ansätze zur Bildungsmedienforschung unter Einbezug kritischer/poststrukturalistischer/feministischer/postkolonialer/dekolonialer/post-development/historisch-materialistischer Theorien.

    Methoden: Methodische Zugänge zu Bildungsmaterialen im Kontext interpretierender qualitativer, quantitativer und/oder diskursanalytischer Sozialforschung.

    Reflexion von Bildungsmedien mit Blick auf die Wissensproduktion: Debatten um Erinnerungskulturen und deren Konsequenzen auf den Inhalt eines Mediums. Ein- und Ausschlüsse von Wissen und Wissensformen.

    Reflexion von Bildungsmedium mit Blick auf die Wissensvermittlung: Welche Rolle spielt das klassische Schulbuch in der digitalen Gesellschaft? Vor welchen Herausforderungen stehen Lehrpersonen bei der Verwendung von Bildungsmedien?

    Fachdidaktische Perspektiven: Umsetzung der vier Raumkonzepte, Bezug auf spezifische Kompetenzbereiche, Interdisziplinarität, historische Entwicklung von Bildungsmedien, innerfachliche Debatten um Inhalt, Gliederung und Darstellungen, Differenzen zwischen den Bundesländern.

    Mensch-Umwelt-Beziehungen: New Materialism im „Brückenfach“ Schulgeographie.

     

  • L4-FS-079Regionales Lernen neu denken
    Herr Prof. Dr. Volker KaminskeHerr Dr. Michael Streifinger
    privat; ehemals: Seminar f. Didaktik u. Lehrerbildung, KarlsruheInstitut f. Schulqualität u. Bildungsforschung München

    Kurzabstract

    Themen arbeiten oft mit idealtypischer Darstel­lung oder abstrakten Bildern. Räum­lich nachvoll­zieh­ba­rer, nutzenorientierter Unterricht schafft aber auch persönliche Bezüge und Wertschätzung.

    Exposé

    In der als Vortragssitzung gedachten Veranstaltung „Regionales Lernen neu denken“ (mit 4 Referaten à 15 min. und anschließender Diskussion) sollen Aspekte aufgegriffen und an Praxisbeispielen dargeboten werden, die Perspektiven auf ein regional bezogenes Arbeiten in der Schule erlauben.

    Referent*innen sollten daher entweder Gedanken entwickeln, wie eine derartige Thematik im Sinne einerkenntnisbasierte Geographie die entsprechenden physischgeographischen und hu­man­geographischen Aspekte in regionalen Verflechtungszusammenhängen miteinander kom­bi­­nieren könnte. Oder sie sollten über entsprechend angelegte, schu­li­sche Erfahrun­gen mit die­ser Thematik berichten.

    Es wird daher erwartet, dass regionale Fallbeispiele als theoretische Konstrukte oder als Er­geb­nisse aus der Praxis heraus eingereicht werden.

  • L4-FS-080Bildung, Raum, Erinnerung: emanzipatorische und aktivistische Zugänge in der Fachdidaktik Geographie
    Frau Dr. Christiane HintermannHerr Dr. Thomas Jekel
    Universität Wien, Institut für Geographie und RegionalforschungUniversität Salzburg, Fachbereich Geographie und Geologie

    Kurzabstract

    Ziel der Fachsitzung ist die Diskussion politisch bildender fachdidaktischer Zugänge, die Partizipation an und Gestaltung von gesellschaftlichen Inklusionsprozessen fördern.

    Exposé

    Who has the right to space? ist nicht nur eine der zentralen strukturierenden Fragen in der Geographie als Fachwissenschaft, sondern auch Ausgangspunkt und Zieldimension der Fachdidaktik Geographie. Sie wird gerade in Zeiten nationalistischer und neoliberaler Bewegungen virulent, die über weite Strecken räumlich argumentieren.

    Das Recht auf Raum zeigt sich unter anderem in der erinnerungskulturellen Ausgestaltung des öffentlichen Raumes sowohl in physischer als auch virtueller Hinsicht. Hier lassen sich gesellschaftliche Machtverhältnisse, soziale Inklusions- und Exklusionsprozesse ablesen. Welche und wessen Geschichte/n sichtbar erinnert werden, ist eng verknüpft mit Fragen gesellschaftlicher Anerkennung auf der einen Seite und Exklusion oder Marginalisierung auf der anderen Seite. Orte und Räume der Erinnerung sind deshalb nicht nur von historischem Interesse, sondern haben einen immanenten Gegenwartsbezug. Denkmäler oder Straßen(um)benennungen sind bewusst gesetzte Markierungen, ebenso wie Graffities, Memes oder neonazistische Sticker. Sie sind Produkt und Gegenstand gesellschaftspolitischer Kontroversen und Indikatoren symbolischer Macht und repräsentationaler Ungleichheit.

    Emanzipatorische und aktivistische Zugänge (Vielhaber 2001; Mitchell & Elwood 2013; Gordon, Mitchell & Elwood 2016) zu Bildung gehen über die Beschreibung und Analyse einer bestimmten historisch gewachsenen Situation hinaus: Sie mischen sich ein, sie verwenden die Analyse als Hilfsmittel bei der Entwicklung des politischen Subjekts. Ziel ist nicht nur die Analyse und Reflexion, sondern die aktive Teilhabe an gesellschaftlicher Entwicklung im Rahmen von Bildung. Damit ist der Versuch gemeint, gesellschaftliche Praxis über geeignete (räumliche) Kommunikationsmedien zu ändern.

    Die Fachsitzung (Vortragssitzung) geht der Frage nach, mit welchen didaktischen Zugängen derartige Erinnerungsräume im Geographieunterricht analysiert und bewertet, aber auch gefunden, erfunden und geschaffen werden können. Eingeladen sind sowohl theoretische Annäherungen an emanzipatorische Ansätze zu Orten der Erinnerung, als auch theoriegeleitete Beispiele für die schulpraktische Umsetzung einer aktivistischen, emanzipatorischen Didaktik, die gesellschaftliche Inklusionsprozesse z.B. im Hinblick auf Migration und Gender fördern.

    Die Beitragsveröffentlichung in der Zeitschrift GW-Unterricht (www.gw-unterricht.at) ist vorgesehen – vorbehaltlich der Ergebnisse der üblichen Reviewroutinen.

  • L4-FS-081Geographiedidaktische Forschung zu Schülervorstellungen
    Frau Prof. Dr. Sibylle ReinfriedHerr Prof. Dr. Dirk Felzmann
    Pädagogische Hochschule LuzernUniversität Koblenz-Landau, Campus Landau

    Kurzabstract

    Das Feld der geographiedidaktischen Forschung zu Schülervorstellungen hat sich in theoretischer und methodischer Hinsicht geweitet. Die Sitzung stellt aktuelle Arbeiten aus diesem Feld vor.

    Exposé

    Seit etwa 15 Jahren bilden Schülervorstellungen ein wichtiges Element bei der Planung und Durchführung von Geographieunterricht, in der geographiedidaktischen Lehrerbildung und in der geographiedidaktischen Forschung (Budke & Kanwischer 2015). Diese Forschung knüpfte zu Beginn besonders an die in den Naturwissenschaftsdidaktiken verbreitete conceptual change-Forschung an und hatte entsprechend ihren Schwerpunkt auf Schülervorstellungen zu physisch-geographischen Sachverhalten (Reinfried 2010). Durch die Hinwendung zu humangeographischen Sachverhalten und die Integration bereits etablierter geographiedidaktischer Forschungsperspektiven wie mental map– und Stereotypen-Forschung (Hard 1988) hat sich das Feld geographiedidaktischer Forschungsarbeiten zu Schülervorstellungen in den letzten Jahren in theoretischer und methodischer Hinsicht geweitet. Zusätzlich setzte eine Forschung zum Umgang mit Schülervorstellungen im Geographieunterricht (Barthmann 2018) und in der universitären Lehrerbildung ein (Horn & Schweizer 2010).

    Die Fachsitzung „geographiedidaktische Forschung zu Schülervorstellungen“ möchte vier aktuelle Arbeiten aus diesem Feld des Leitthemas Schule und Bildung präsentieren. Diese Arbeiten sollen als Referate (15 Minuten) mit anschließender Diskussion (5 Minuten) vorgestellt werden.

    Beiträge aus der empirischen Forschung sollten sich auf Schülervorstellungen zu geographierelevanten Themen oder auf den Umgang mit Schülervorstellungen im Geographieunterricht oder auf die geographiedidaktische Lehre zu Schülervorstellungen beziehen. Die Beiträge sollten sich durch die Präsentation von Ergebnissen und einen ausgewiesenen Theoriebezug auszeichnen.

    Theoretische Beiträge sollten fundierte Lösungsvorschläge zu theoretischen und methodischen Problemen enthalten, die sich aus der Öffnung der Vorstellungsforschung zu spezifischen geographischen Sachverhalten oder aus der Integration anderer Theorie- oder Methodik-Ansätze (z.B.Stereotypen-Forschung) in die Vorstellungsforschung ergeben.

  • L4-FS-082Wandel, Weiterentwicklung und Transformation – Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der geographischen Hochschullehre
    Herr Prof. Dr. Andreas KeilFrau Dr. Anne-Kathrin Lindau
    Institut für Geographie und Sachunterricht, Bergische Universität WuppertalInstitut für Geowissenschaften und Geographie, Martin-Luther-Univeristät Halle-Wittenberg

    Kurzabstract

    Mit nachhaltiger Entwicklung werden zukunftsorientierte Transformationsprozesse angestrebt, diese gilt es in der geographischen Hochschullehre mit einer zeigemäßen BNE innovativ zu verankern

    Exposé

    Die exponierte Stellung des Fachs Geographie für BNE-Bildungsprozesse in allen formellen Bildungsinstitutionen ist nicht nur innerhalb des Fachs, sondern auch von außen anerkannt und dokumentiert. Gleichwohl wird nach wie vor reklamiert, dass die Bildungskonzeption BNE in der Hochschulbildung und insbesondere in der Lehramtsbildung aufgrund der Bedeutsamkeit von nachhaltigen Entwicklungen und Transformationsprozessen eigentlich einen noch höheren Stellenwert haben müsste und sich dementsprechend auch konzeptionell kontinuierlich noch intensiver weiterzuentwickeln hat. Denn einerseits liegen Nachweise zur erfolgreichen BNE in der Hochschullehre durch neue Lehrformate vor und andererseits wird diese Optimierung und weitere Etablierung von BNE in der Hochschullehre auch massiv durch das Weltaktionsprogramm BNE und den nationalen Aktionsplan BNE politisch-normativ gefordert.

    Dementsprechend gilt es, die Potenziale der Hochschulbildung für BNE zu nutzen, indem die fachwissenschaftlichen und forschungsbezogenen Erkenntnisse zum Mensch-Umwelt-System und zur Transformation kohärent mit aktuellen fachdidaktischen Pfaden für eine innovative BNE-Fachlichkeit zusammengeführt werden. Die für Hochschullehre relevanten Parameter wie Veranstaltungsformen, BNE-Kompetenzen, didaktische Prinzipien, Methoden und Medien sind aus dieser Perspektive für eine innovative BNE-Bildungskonzeption zu analysieren und anzupassen. Letztlich kann hiermit auch das Verständnis und der Bildungsanspruch des Fachs Geographie konkretisiert werden.

    Insofern sollen in dieser Fachsitzung mit vier Vortragsbeiträgen Beispiele für innovative, erprobte und idealerweise auch evaluierte Konzepte einer BNE in der Hochschullehre vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden, um damit sowohl theoretische Hintergründe als auch praktische Erfahrungen zubündeln und als Stärkung eines Begründungszusammenhangs für eine innovative BNE in der Hochschullehre zu verstehen. Denn die Erfassung des Status quo, aber auch von Good-Practice-Beispielen kann die Notwendigkeit des Wandels, der Weiterentwicklung und der Transformation einer BNE in der Hochschullehre unterstützen.

  • L4-FS-083Zwischen Whiteboard und KI – das Potential der Digitalisierung für geographische Bildung
    Frau Prof. Dr. Inga GrylHerr Prof. Dr. Andreas Keil
    Universität Duisburg-EssenBergische Universität Wuppertal

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung vereint Beiträge zur Konzeptionalisierung einer durch Digitalisierung und Digitalität geprägten geographischen Bildung unter Berücksichtigung kreativer und reflexiver Perspektiven.

    Exposé

    Die Digitalisierung als rasante technologische Entwicklung verändert alltägliche Praktiken des Denkens, Erlebens und Handelns, hin zur Digitalität. Beispielsweise haben sich die Praktiken räumlicher Orientierung in den letzten Jahren radikal gewandelt. Die Auswirkungen der Digitalisierung sind auch im schulischen Umfeld spürbar: Nach der KIM- und der JIM-Studie haben Schüler*innen selbstverständlichen Zugang zum Internet und bringen die dort gemachten Erfahrungen in den Unterricht ein. Politische Willensbekundungen wie das Strategiepapier „Bildung in der digitalen Welt“ der KMK skizzieren jene Kompetenzen, die Schüler*innen angesichts dieser geänderten Bedingungen erlangen sollten, und zeigen zugleich neue Anforderungen an die Lehrenden auf. Neben der reaktiven Ausrichtung angesichts lebensweltlicher Herausforderungen soll die Beschäftigung mit digitalen Technologien im Unterricht aber auch einen Mehrwert für das fachliche Lernen generieren. Das Zusammenspiel aus Lernen mittels Technologien und Lernen über Technologien zeigt auf einer Metaebene, dass die Komplexität von Bildung und Bildungsumgebungen durch Digitalisierung zunimmt.

    Damit wird auch in der geographischen Bildung die Nutzung von Technologien – zumindest auf einer konzeptionellen Ebene – ungleich vielschichtiger: So sind beispielsweise nicht mehr GIS allein das Maß aller Dinge, sondern es finden vermehrt auch kollaborativ erstellte Karten Einsatz, die einem System aus Administrator*innen und Designer*innen entstammen. Schüler*innen können produktiver Teil eines solchen Netzwerks sein– oder aber auch ein (leider) passiver, unreflektiert Daten beisteuernder Teil, der kommerziellen Interessen unterliegt.

    Es gilt daher, die Herausforderungen, aber vor allem auch die Potenziale der fortschreitenden Digitalisierung für geographische Bildung zu erfassen und Weiterentwicklungen kontinuierlich zu begleiten. Diese Fachsitzung heißt daher Beiträge willkommen, die das sozial wirksame Geflecht digitaler Technologien oder Aspekte daraus für den oder im Geographieunterricht analysieren und damit erste konzeptionelle Schlussfolgerungen für die Gestaltung digital gestützter geographischer Lernumgebungen ermöglichen. Besonders willkommen sind Beiträge, die aktuelle und absehbare zukünftige technologische Innovationen (soziale Netzwerke, AR, VR, Drohnen etc.) in ihrem Nutzen für geographische Bildung abwägen und dabei eine kritisch-reflexive wie kreativ-produktive Herangehensweisen unterstützen bzw. vorleben.

  • L4-FS-084Geographische Bildung und gesellschaftliche Verantwortung – Herausforderungen und Gestaltung der Integration zivilgesellschaftlichen Engagements in die Lehre
    Frau Janine BittnerFrau Dr. Anna Chatel
    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg / Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie / Arbeitsgruppe Heritage Interpretation

    Kurzabstract

    Diskutiert wird, welcher Mehrwert und welche Herausforderungen sich durch die Integration zivilgesellschaftlichen Engagements in die geographische Hochschullehre in Form von Service-Learning ergebe.

    Exposé

     

    Service Learning bzw. Lernen durch Engagement ist eine spezifische Methode des Lehrens und Lernens, welche den Ansätzen des Pädagogen und Philosophen John Dewey und seinem Verständnis des Zusammenhangs von Demokratie und Erziehung folgt. Durch die Integration von zivilgesellschaftlichem Engagement sollen Studierende ihre sozialen und demokratischen Kompetenzen erweitern und sich auf immer komplexere Problemstellungen in einer globalisierten Welt einstellen.

    Wir begrüßen Beiträge, die Ergebnisse aus (Begleit-)Forschungsprojekten zu Service Learning und Community Engagement und deren Implikationen für die Geographie darstellen, sowie Einreichungen, die theoretisch basiert Erfahrungen aus der Durchführung eigener Service-Learning-Projekte vortragen und zur Diskussion stellen. Dabei können folgende Fragestellungen angesprochen werden:

    Welcher Mehrwert und welche spezifischen Herausforderungen ergeben sich durch die Integration zivilgesellschaftlichen Engagements in die geographische Hochschullehre in Form der Anwendung des Service-Learning-Ansatzes?

    Was ist bei der Konzeption von Lehrveranstaltungen und Projekten, die dieser Methodologie folgen, zu beachten, welche allgemeinen Qualitätskriterien gelten und finden Anwendung?

    Welche Rolle kann Service-Learning insbesondere in der Entwicklung einer Global Citizenship spielen und warum sollte eine zukunftsweisende Hochschullehre in der Geographie einer Global Citizenship Education folgen?

    Welchen Beitrag können Service-Learning-Projekte in der Geographie insbesondere hinsichtlich der Auseinandersetzung mit Fragestellungen kultureller und sozialer Vielfalt in der Gesellschaft spielen und welche Möglichkeiten gibt es, Gender- und Diversity-Aspekte in Bezug auf die Lernenden auch in die Gestaltung der Service-Learning-Projekte zu integrieren?

    Welchen Beitrag kann Service-Learning zur Überwindung der fachlichen Grenzen zwischen physischer Geographie und Humangeographie leisten sowie zu inter- und transdisziplinärem Lehren und Lernen?

  • L4-FS-085Ohne Systematik kein Überblick! Sicherung und Festigung im Geographieunterricht und der Umgang mit Komplexität
    Frau Dr. Nicole RaschkeHerr Andreas Bergemann
    TU DresdenBeethoven-Gymnasium Berlin

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung diskutiert Bedeutung, Herausforderungen und unterrichtspraktische Möglichkeiten von Sicherungs- und Festigungsphasen in einem kontroversen und komplexen Geographieunterricht.

    Exposé

    Die Fachsitzung stellt die Phasen der Sicherung und Festigung im komplexen bzw. kontroversen Geographieunterricht in den Mittelpunkt. Aus unterrichtspraktischer Sicht werden diese Phasen fachübergreifend für den Lernerfolg als wichtig erachtet.

    Empirische Ergebnisse der Neurowissenschaften zeigen, wie auch klassische Unterrichtsplanungsmodelle, dass Organisation, Restrukturierung bzw. Zusammenfassung der Lernfortschritte sinnvolle Lernhilfen darstellen. Vor dem Hintergrund der Frage nach einer umfassenden geographischen Bildung knüpft die Fachsitzung an aktuelle geographiedidaktische Diskurse zur Komplexität und zur Bedeutung der Basiskonzepte an. Sichern und Vernetzen spielt insbesondere aus geographiedidaktischer Sicht eine zentrale Rolle, weil sich das Fach mit komplexen und kontroversen Themen auseinandersetzt und damit die Frage aufwirft, wie komplexe Lerninhalte oder Fähigkeiten gesichert, gefestigt oder angewendet werden können. Welche Konsequenzen ergeben sich aus einem komplexen bzw. kontroversen Geographieunterricht für die Entwicklung von Unterrichtskonzepten, Methoden und Materialien der Sicherungsphasen? Gibt es allgemeine, übertragbare Strategien der lerneffektiven Sicherung und Festigung? Welche Möglichkeiten bieten sich in den Sicherungsphasen, den Herausforderungen von Komplexität oder Kontroversität zu begegnen? Damit versteht sich die Fachsitzung als Weiterdenken und Aufzeigen von Transfermöglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Bildungspraxis. Die zentrale Frage ist, wie es konzeptionell und methodisch in Bildungskontexten gelingen kann, die Phasen der Sicherung und Konsolidierung im Geographieunterricht zu fördern.

    Erwünscht sind Beiträge, welche (a) konzeptionelle Konsequenzen für einen wissenschaftlich fundierten und methodisch reflektierten Geographieunterricht in den Phasen der Sicherung und Festigung ableiten, (b) empirische Forschungsprojekte und Ergebnisse zur Bedeutung der Sicherungs- und Festigungsphase in geographischen Lehr- und Lernprozessen vorstellen sowie, (c ) durch innovative best practise Beispiele einer methodisch-konzeptionellen Umsetzung dieser Unterrichtsphase, Einblicke in die Unterrichtswirklichkeit aufzeigen.

    Die Veranstaltung richtet sich an Fachdidaktiker*innen, Fachwissenschaftler*innen und ausdrücklich an Unterrichtspraktiker*innen. Die Fachsitzung besteht aus vier 20-minütigen Beiträgen und anschließender Diskussion.

  • L4-FS-086Digitalisierung im Geographieunterricht – eine Chance der Individualisierung und Differenzierung des Lernens?
    Frau Dr. Isabelle KollarHerr Dr. Raimund Ditter
    Universität Koblenz-Landau, Campus LandauPädagogische Hochschule Heidelberg

    Kurzabstract

    Welche Möglichkeiten bieten Tablets, Apps, VR und AR neben den „klassischen“ neuen Medien für einen schülerorientierten, individualisierten und binnendifferenzierten Geographieunterricht?

    Exposé

    Die Digitalisierung der Gesellschaft galoppiert in einem zum Teil atemberaubenden Tempo voran. Online einkaufen, smart wohnen und in sozialen Netzwerken kommunizieren – alles läuft heute nicht nur online, sondern auch von unterwegs. Digital Natives, also Personen zwischen18 und 34 Jahren, sind in Deutschland inzwischen durchschnittlich 55 Stunden pro Woche im Netz aktiv. In deutschen Klassenzimmern hingegen hinkt die Digitalisierung deutlich hinterher. Man kann dabei entgegen anderer Nachbarländer nicht von einer sukzessiven Einbindung digitaler Medien in den Unterrichtsalltag sprechen. Der unterrichtliche Wandel „vom Lernen mit Neuen Medien zum Neuen Lernen mit Medien“ steht hier noch aus.

    Um den Anschluss an die gesellschaftliche Digitalisierung nicht zu verlieren, bedarf es jedoch schülerorientierter digitaler Angebote auch für den Geographieunterricht. Welche neuen Möglichkeiten bieten Tablets, Apps, VR (virtual reality) und AR (augmented reality) neben den „klassischen“ neuen Medien wie digitalen Karten, GIS, Satellitenbildern, Geocaching & Co.? Neben motivationalen Faktoren der Nutzung solcher Angebote müssen sich digitale Angebote vor allem wegen ihres didaktischen Mehrwertes und ihres Beitrags zur umfassenden Medienkompetenz rechtfertigen können. Der Geographieunterricht als ein ohnehin medienintensives Fach kann dabei auf vielfältige Weise von zusätzlichen digitalen Angeboten profitieren.

    Spezielle Potentiale bei der schulischen Arbeit mit digitalen Geomedien und der Konzeption von digitalen Lernsettings liegen hierbei insbesondere in der Berücksichtigung der Heterogenität der Schülerschaft und im Speziellen den vielfältig attestierten auffälligen Genderunterschieden. Können digitale Angebote zu einer Individualisierung und Differenzierung im Geographieunterricht einen wichtigen Beitrag liefern?

    Die Beiträge der Fachsitzung sollen deshalb das digitale Lernen unter Berücksichtigung von Individualisierung und Differenzierungspotenzialen darstellen und diesbezüglich konstruktive Diskussionspunkte ermöglichen. Es können sowohl theoretisch-konzeptionelle, empirische sowie unterrichtspraktische Arbeiten in einer klassischen Vortragssession mir drei bis vier Referaten präsentiert und diskutiert werden.

  • L4-FS-087Praktiken einer internationalisierten Geographie-Lehrer_innenbildung – Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven
    Herr Prof. Dr. Holger JahnkeHerr Prof. Dr. Gregor C. Falk
    Europa-Universität Flensburg / Abteilung GeographiePädagogische Hochschule Freiburg / Institut für Geographie und ihre Didaktik

    Kurzabstract

    Auf der Grundlage von konkreten internationalen Kooperations- und Austauschprojekten werden spezifische Herausforderungen und Perspektiven für die Geographielehrer_innenbildung diskutiert.

    Exposé

    Der Begriff der Internationalisierung gehört inzwischen zum Standardvokabular einer jeden Hochschulentwicklungsstrategie. Darunter werden üblicherweise internationale Kooperationen, englischsprachige Publikationen, grenzüberschreitende Lehrenden- und Studierendenmobilität – auch im Rahmen von Studierendenexkursionen oder Geländepraktika im Ausland verstanden.

    Jenseits der Fremdsprachen trägt die Lehrer_innenbildung an deutschen Hochschulen weiterhin die Spuren eines nationalen – wenn nicht regionalen – Projekts, welches die Ausbildung zukünftiger Landesbeamt_innen vorbereitet. Tatsächlich grenzüberschreitende Kooperations- und Austauschprojekte, spielen in der universitären Lehrer_innbildung – auch im Fach Geographie – nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle. Dies liegt zum einen an formalen Hürden wie unzureichenden Sprachkenntnissen, strukturellen Differenzen der Lehrer_innenbildung aber auch divergenten Verständnissen von Geographie(unterricht) und Hochschulbildung.

    Aus Perspektive einer Geographiedidaktik, die jungen Menschen Orientierung in komplexen transnationalen und globalisierten Lebenswelten vermitteln möchte, gilt das Interesse primär solchen Internationalisierungsbemühungen, die auf eine dialogische Auseinandersetzung mit Studierenden und Lehrenden aus anderen Ländern und Sprachräumen setzen. Internationale Projekte, Studierendenmobilität und Exkursionen bieten hierfür einen formalen Rahmen, in der Praxis spielen Austausch und Kooperation zwischen Lernenden häufig eine nachgeordnete Rolle.

    Dieser Workshop möchte eine Debatte über eine internationalisierte Geographielehrer_innenbildung anstoßen, indem ein Austauschforum zu bestehenden Projekten in Hochschulen und Schulen geboten wird. Wir laden daher Beiträge ein, die konkrete internationale Projekte zu Zielen, Inhalten und Erfahrungen von internationalen Kooperationsprojekten der Geographielehrer_innenbildung darstellen.

  • L4-FS-088Forschendes Lernen – eine Brücke zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik
    Frau Prof. Dr. Carina PeterFrau Prof. Dr. Sandra Sprenger
    Philipps-Universität Marburg, Fachbereich GeographieUniversität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft

    Kurzabstract

    Forschendes Lernen greift Herausforderungen in der Fachwissenschaft und der Fachdidaktik auf. Wir wollen uns Fragen nach Gelingensbedingungen in der Lehrerbildung und im schulischen Lernen nähern.

    Exposé

    Geographie zeichnet sich durch die Auseinandersetzung mit Systemen an der Schnittstelle von Mensch und Umwelt aus und greift die großen Probleme der Menschheit – wie Klimawandel, Migration, Ressourcenverknappung, Nachhaltigkeitsaspekte – auf. Die Themen- und Problemfelder sind durch eine hohe Komplexität und Dynamik auf allen Massstabsebenen (lokal bis global) gekennzeichnet. Dies bestimmt die Forschungsfelder der Fachwissenschaft und bedingt die Bildungsaufgaben der Fachdidaktik. Das Forschende Lernen ist ein Konzept, welches diese Herausforderungen und Aufgaben aufgreift und in der Fachwissenschaft, aber auch in den angrenzenden Disziplinen wie der Erziehungswissenschaft und der Fachdidaktik eine zentrale Rolle spielt. Bei diesem steht ein aktives und nicht ausschließlich rezeptives Handeln der Lernenden im Vordergrund.

    Vor diesem Hintergrund sind alle Beteiligten aus der Fachdidaktik, Unterrichtspraxis und der Fachwissenschaft eingeladen, sich an einer Sitzung (4 Beiträge) über forschendes Lernen zu beteiligen. In der Fachsitzung wollen wir uns gemeinsam den folgenden Fragen nähern: Welche Ansätze des Forschenden Lernens eigenen sich in der Lehrerbildung oder im schulischen Lernen? Welche Kompetenzen sind dazu bei Lehrenden und Lernenden erforderlich? Welcher Forschungsbedarf besteht diesbezüglich? Im Rahmen dieser Sitzung sollen sowohl empirische Forschungsbefunde als auch didaktische Ansätze und daraus abgeleitete Konzepte vorgestellt werden, die sich diesem Themenfeld widmen, um daraus Impulse für die Lehrerbildung bzw. das schulische Lernen ableiten zukönnen. Das Veranstaltungsformat ist eine Fachsitzung aus vier Referaten mit anschließender Diskussion. Ziel ist es darüber hinaus, einen nationalen Diskurs anzuregen und internationale Perspektiven in die Diskussion einzubringen.

    Literatur:

    · Casinader, N. & Kidman, G. (2018). Fieldwork,Sustainability, and Environmental Education: The Centrality of GeographicalInquiry. Australian Journal of Environmental Education.34(1), 1 – 17.

    · Kolb, D. A. (1984). Experiential learning: Experience asthe source of learning and development (Vol. 1).Englewood Cliffs, NJ:Prentice-Hall.

    · Mayer, J. (2007). Erkenntnisgewinnung alswissenschaftliches Problemlösen. In: Theorien in der biologiedidaktischenForschung, S. 177-186. Springer, Berlin, Heidelberg.

    · Peter, C. & Hof, S. (2014). Kompetenzgrad vonLernenden beim Experimentieren im Geographieunterricht. Zeitschrift fürGeographiedidaktik, 42(3), 179-193.

  • L4-FS-089Aktuelle Bildungsdebatten und ihre Herausforderungen für den Geographieunterricht
    Herr Martin MüllerHerr Prof. Dr. Rainer Mehren
    Universität Augsburg/ Lehrstuhl für Didaktik der GeographieUniversität Gießen / Institut für Geographie

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung beleuchtet theoretische, konzeptionelle & empirische Erkenntnisse aus geographiedidaktischer Sicht zu aktuellen Bildungsherausforderungen (Sprache, Inklusion, Digitalisierung,...)

    Exposé

    In aktuellen Bildungsdebatten nehmen die Bereiche „Sprache“, „inklusive Bildung“ und „Digitalisierung“ und die mit ihnen einhergehenden Herausforderungen für den Unterricht einen großen Stellenwert ein.

    Sprachliche Kompetenzen sind ein entscheidender Faktor für Bildungserfolg und damit gesellschaftliche Teilhabe (Bos et al. 2012; OECD 2016), die Förderung (fach-)sprachlicher Kompetenzen ist (auch) Aufgabe des Geographieunterrichts. Zugleich stellt Fachsprache einen erschwerenden Faktor beim Fachwissenserwerb dar (Höttecke et al. 2017; Prediger/Hein 2017). Vor diesem Hintergrund stellt sich nicht nur die Frage nach theoretischen Grundlagen und konzeptionellen Ansätzen zur Förderung der sprachlichen Kompetenzen der Schüler*innen. Vielmehr bedarf es auch empirischer Erkenntnisse zur Wirksamkeit solcher Ansätze – mit Blick auf (fach-)sprachliche Kompetenzen und Erwerb von Fachwissen.

    „Inklusive Bildung“ gilt als ein zentrales bildungspolitisches Anliegen (vgl. UNESCO 2009). Neben vielfältigen Chancen, die für Schüler*innen und den Aktionsraum Schule gesehen werden, bestehen auch große Herausforderungen. So ist die Herausforderung „Inklusion“ keine rein pädagogische, vielmehr findet Inklusion im Fachunterricht statt. Für die Geographiedidaktik stellt sich die Frage nach didaktisch-methodischen Konzepten und empirischen Erkenntnissen zu inklusivem Geographieunterricht. Auch eine ausreichende Qualifizierung von (zukünftigen) Geographielehrpersonen für inklusiven Geographieunterricht ist zu leisten.

    „Digitalisierung“ verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend und geht mit geänderten Anforderungen an Bildungsprozesse einher (BMBF 2016). Schüler*innen auf die Digitalisierung vorzubereiten, Chancen und Risiken in der digitalen Welt abwägen zu können, gehört zu den Aufgaben schulischer Bildung. Welche Potenziale eröffnet die Digitalisierung für geographische Lernprozesse? Welche spezifischen Risikender Digitalisierung können wie Gegenstand geographischer Bildung werden? Welche empirischen Erkenntnisse zu digitalem Lernen im Geographieunterricht liegen vor und was sind Forschungsfelder der Zukunft?

    Für die Fachsitzung werden vier Beiträge gesucht, die sich mit einer der Herausforderungen der aktuellen Bildungsdebatte in Bezug auf den Geographieunterricht theoretisch, konzeptionell und/oder empirisch auseinandersetzen. Dabei stehen Sprache, Inklusion und Digitalisierung im Fokus, Beiträge zu anderen aktuellen Bildungsdebatten sind aber durchaus auch erwünscht.

  • L4-FS-090Videogestützte Lehrerprofessionalisierung
    Herr Dr. Steffen HöhnleHerr Dr. Janis Fögele
    FAU Erlangen-NürnbergJLU Gießen

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung widmet sich der Frage, welche Potenziale einer videogestützten Lehrerprofessionalisierung aus geographiedidaktischer Perspektive auf welche Weise fruchtbar gemacht werden können.

    Exposé

    Zum Einsatz von Unterrichtsvideos und dessen Potenzialen in der Lehrerbildung existiert ein umfassender Literaturbestand. Geographiedidaktische Beiträge sind dabei jedoch noch selten. Aktuell werden aber an mehreren universitären Standorten der Geographiedidaktik videogestützte Seminarkonzepte zur Professionalisierung von Geographielehrkräften erprobt und Studien durchgeführt, die darauf abzielen, den Spezifika des Faches Geographie wie auch den Bedürfnissen von Geographielehrkräften in hohem Maße gerecht zu werden.

    Dass diese Bemühungen vielversprechend sind, zeigt die empirische Bildungsforschung: „Videoaufzeichnungen bilden eine geeignete Grundlage für das fallbasierte Nachdenken über die Umsetzung eines lernwirksamen Unterrichts und damit für die Verbindung von Theorie und Praxis in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen“ (Krammer 2014, 164). Aufgrund seiner hohen Anschaulichkeit, Informationsdichte und Realitätsnähe bildet videographiertes Material die Komplexität des Unterrichtsgeschehens adäquater ab als etwa Selbstberichte oder Fragebögen. Unterrichtsvideos ermöglichen eine vielperspektivische Reflexion über unterrichtliche Prozesse, deren jeweiligen Kontext und Handlungsalternativen, und zwar ohne den Handlungsdruck der realen Unterrichtssituation. Eigenes (Vor-)Wissen über Unterricht kann – gefördert durch gezielte Analyseaufgaben und wiederholtes Betrachten einzelner Unterrichtssituationen – expliziert und erweitert werden. Dabei können fachwissenschaftliches, allgemein- und fachdidaktisches sowie pädagogisch-psychologisches Wissen gezielt Berücksichtigung finden, wodurch eine gewinnbringende Rückanbindung der Theorie an die Praxis des Unterrichts möglich werden und eine gemeinsame Berufssprache aufgebaut werden kann (Krammer und Reusser 2005).

    Wie können diese Potenziale aus einer geographiedidaktischen Perspektive fruchtbar gemacht werden? Welche Ansätze einer videogestützten Professionalisierung von Geographielehrkräften erweisen sich in der universitären Lehrerbildung wie auch in der Lehrerfortbildung als zielführend und welche Wirkungen können damit erzielt werden? Welche Spezifika des Faches Geographie können dabei in welcher Weise sinnvoll Berücksichtigung finden? Diesen Fragen widmet sich die Fachsitzung, in der in vier Vorträgen mit anschließender Diskussion schwerpunktmäßig empirische Untersuchungen vorgestellt werden sollen.

  • L4-FS-091Konzeptionelles Fachverständnis
    Frau Prof. Dr. Ulrike OhlHerr Prof. Dr. Jan Christoph Schubert
    Uni Augsburg, Lst. für Didaktik der GeographieFAU Erlangen-Nürnberg, Lst. für Didaktik der Geographie

    Kurzabstract

    Basiskonzepte sind die Leitideen des fachlichen Denkens und symbolisieren eine Art „geographische Brille“. Es werden theoretische und empirische Einblicke in die Forschung rund um das Thema gegeben.

    Exposé

    Basiskonzepte (englisch auch „big ideas“ oder „key concepts“) sind grundlegende, für den Schüler nachvollziehbare Erklärungsansätze und Leitideen des fachlichen Denkens, die sich in unterschiedlichen geographischen Sachverhalten immer wiederfinden lassen. Basiskonzepte zeigen Schülern auf, mit welchen Fragen und Erklärungen Geographen an Phänomene herantreten; sie bieten den Lernenden damit eine Art geographische Brille. Basiskonzepte helfen relevante Fragen zu identifizieren, Untersuchungen zu planen, Informationen zu organisieren, Erklärungen zu liefern oder Entscheidungen zu treffen. Die Verwendung dieser Konzepte unterstützt die Schüler darin zu verstehen, was geographisch denken bedeutet, und ermöglicht ihnen dadurch einen fachspezifischen Zugriff auf die Welt; innerhalb und außerhalb von Unterricht und Schule (Uphues 2013).

    Die Bildungsstandards weisen das (Mensch-Umwelt-) System als Hauptbasiskonzept der Geographie aus und ergänzen dieses durch die weiteren Teilbasiskonzepte „Struktur – Funktion – Prozess“ sowie „Maßstabsebenen“. Andere Autoren (z.B.Fögele 2016) zählen auch die „vier Raumkonzepte“, die „Zeithorizonte“ sowie das „Nachhaltigkeitsviereck“ zu den Basiskonzepten. International werden unter anderem „Space, Place & Time“, „Diversity“, „Interaction“, „Change“ und „Perception & Representation“ diskutiert (Taylor 2008). Basiskonzepte müssen immer zwei Anforderungen gerecht werden. Zum einen ergibt sich die Legitimität der Basiskonzepte aus ihrer theoretischen Plausibilität – sie müssen die Fachsystematik bzw. das Fachverständnis sinnvoll abbilden. Zum anderen besteht aber auch die Notwendigkeit, dass sich Basiskonzepte in der unterrichtlichen Praxis bewähren, sie sich für Lehrende und Lernende als praktikabel erweisen.

    Im Rahmen einer „klassischen“ Vortragssitzung werden vier Beiträge gesucht, die sich theoretisch und/oder empirisch mit dem basiskonzeptionellen Fachverständnis bzw. einem geographischen Basiskonzept auseinandersetzen.

  • L4-FS-092Innovative Methoden geographiedidaktischer Forschung
    Herr Prof. Dr. Jan Christoph SchubertFrau Prof. Dr. Ulrike Ohl
    FAU Erlangen-Nürnberg, Lst. für Didaktik der GeographieUni Augsburg, Lst. für Didaktik der Geographie

    Kurzabstract

    Bedingt u.a. durch vermehrt interdisziplinäre Forschung hat sich das Methodenspektrum didaktischer Forschung erweitert. In der Fachsitzung werden Einblicke in innovative Forschungsmethoden gegeben.

    Exposé

    Seit den 1970er-Jahren hat sich die Geographiedidaktik eine hohe methodische Kompetenz in der empirischen Lehr- und Lernforschung und in der fach- und lerntheoriebasierten Erarbeitung von Lehr- und Lernarrangements erarbeitet. Parallel dazu hat sich ein Selbstverständnis als eigenständige wissenschaftliche Disziplin mit eigenem Forschungsfeld herausgebildet. In jüngerer Zeit, bedingt unter anderem durch verstärkte interdisziplinäre Forschungskooperation, zum Beispiel im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung, hat sich das Methodenspektrum geographiedidaktischer Forschung noch einmal erweitert.

    Im Zentrum der Methodik der geographiedidaktischen Forschung steht in der Regel die domänenbezogene Anpassung bzw. Weiterentwicklung von Instrumenten und Verfahren der empirischen Sozialforschung, die in zwei Kategorien aufgeschlüsselt werden können (Schecker, Parchmann, Krüger 2014): zum einen Verfahren der Datenerhebung wie Tests (Concept Mapping,…), Beobachtungen (teilnehmende Beobachtung, Video-Dokumentation,…), Dokumenteanalysen (Lerntagebücher,…), Interviews (Stimulanzen wie Vignetten, Akzeptanzbefragung,…), Fragebögen (Delphi-Technik, Narration,…), zum anderen Verfahren der Datenauswertung, z.B. auf der Grundlage von Videodaten (Tiefenstrukturen, kategoriebasierte Handlungsanalysen,…), Texten (Lernpfadanalyse, Strukturgüte von Concept Maps,…) oder numerischen Daten (Pfadmodelle, Rasch-Modelle,…).

    Im Rahmen einer „klassischen“ Vortragssitzung werden vier Beiträge gesucht, die sich in ihrer empirischen Forschung innovativer Methoden im Hinblick auf Datenerhebung und/oder –auswertung bedienen, die weitgehend neu für die Geographiedidaktik sind. Der Fokus der Vorträge soll dabei auf die Darstellung und Operationalisierung der Methodik anhand eines geographiedidaktischen Forschungsprojekts liegen sowie auf der Diskussion über die Chancen und Grenzen für die Geographiedidaktik. Damit unterscheidet sich diese Sitzung ein wenig von anderen Sitzungen, bei denen der Schwerpunkt in der Regel auf der Ergebnisdarstellung liegt.

  • L4-FS-093Umgang mit Kontroversität
    Herr Dr. Janis FögeleHerr Dr. Steffen Höhnle
    JLU GießenFAU Erlangen-Nürnberg

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung behandelt die Frage nach den didaktischen Potenzialen und einem angemessenen unterrichtlichen Umgang mit kontroversen Themen aus theoretischer und empirischer Perspektive.

    Exposé

    Aktuell werden in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft Fragestellungen kontrovers diskutiert, die aus einer geographischen Fachperspektive relevant sind. Kontroverse Themen wie z.B. nachhaltige Mobilität und Energieversorgung, Umgang mit knappen Ressourcen, Klimagerechtigkeit, nachhaltige Produktion und Konsum, landwirtschaftliche Subventionen, entwicklungspolitische Fragen oder Migration vor dem Hintergrund ungleicher Lebensbedingungen in unterschiedlichen Räumen der Erde werden dementsprechend auch im Geographieunterricht behandelt.

    Der unterrichtliche Umgang mit diesen Themen macht Herangehensweisen im Sinne des Kontroversitätsgebots erforderlich und zielt auf die Stärkung der ethischen Urteilskompetenz von Schülerinnen und Schülern ab (Ulrich-Riedhammer 2017). Da zahlreiche kontroverse Themen aber faktisch wie auch ethisch komplex sind (Mehren, Mehren, Ohl und Resenberger 2015), ist dies durchaus anspruchsvoll. Die o.g. Themen beinhalten darüber hinaus oftmals Problemlagen, die durch unsicheres Wissen gekennzeichnet sind. Dem Einzelnen ist es häufig nicht möglich, seriös abzuschätzen, welche möglichen Konsequenzen mit welchen denkbaren Handlungsentscheidungen einhergehen. Ertragen von Unsicherheit ist eine Herausforderung – sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkraft.

    Gleichzeitig sind die didaktischen und pädagogischen Potenziale der Behandlung kontroverser Themen im Geographieunterricht groß (Erwerb von Fachwissen in aktuellen gesellschaftsrelevanten Themenfeldern, Einsicht in die Entstehung wissenschaftlichen Wissens und in gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, Stärkung der Urteilsbildung, Training von Argumentationskompetenzen, Beiträge zur BNE, zum Globalen Lernen und zur Demokratieerziehung etc.). Doch wie können diese Potenziale angemessen fruchtbar gemacht werden? Welche spezifischen Herausforderungen resultieren aus der Behandlung kontroverser Themen für Lehrkräfte und Lernende? Welche didaktischen Ansätze sind vielversprechend und welche Wirkungen erzielen sie? Anknüpfend an jüngere geographiedidaktische Arbeiten aus diesem Themenfeld widmet sich die Sitzung diesen Fragen in vier Vorträgen mit anschließender Diskussion. Dabei sollen empirische Arbeiten wie auch theoretische Zugänge vorgestellt werden.

  • L4-FS-094Wie wirkt geographische Lehrerbildung? – Professionalität und Professionalisierung für komplexe Herausforderungen der schulischen Praxis
    Frau Dr. Anne-Kathrin LindauFrau Prof. Dr. Carina Peter
    Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und GeographiePhilipss-Universität Marburg, Fachbereich Geographie

    Kurzabstract

    Professionalität und -professionalisierung sind eng mit Lehrerbildung verbunden. Wie muss moderne Geographielehrerbildung wirken, um auf aktuelle und zukünftige Aufgaben der Praxis vorzubereiten?

    Exposé

    Unter dem Motto „Umbrüche und Aufbrüche – Geographie(n) derZukunft“ des Deutschen Kongress‘ für Geographie in Kiel wird die Frage nach dem Wandel der Geographie als Disziplin gestellt. Eng verbunden mit diesem Diskurs sind auch die Entwicklung der Lehrerbildung und die damit verbundene aktuelle Diskussion um ihre Wirksamkeit auf Professionalität und Professionalisierung.

    Die Fachsitzung wird zentral von diesem Diskurs bestimmt. Dabei wollen wir uns gemeinsam folgenden Fragen nähern: Über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sollten Geographielehrende verfügen, um den zukünftigen Anforderungen aus fachlicher, fachdidaktischer und bildungswissenschaftlicher Sicht gerecht zu werden? Welchen Beitrag kann eine moderne Lehrerbildung im Fach Geographie vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen und globalen Fragestellungen leisten? Wie wirkt fachwissenschaftliche und fachdidaktische Hochschullehre auf die Professionalität von zukünftigen Lehrkräften? Welchen Beitrag leisten die drei Phasen der Lehrerbildung zur Professionalisierung? Wie können die einzelnen an der Lehrerbildung beteiligten Bereiche im Sinne der Optimierung und Qualitätssicherung für das Unterrichtsfach Geographie noch stärker kooperieren? Wie entwickeln sich Professionalität und Professionalisierung während der schulischen Praxis?

    Vor diesem Hintergrund sind alle an der Geographielehrerbildung Beteiligten aus der Fachwissenschaft, der Fachdidaktik, der Bildungswissenschaft und besonders der Schulpraxis eingeladen, sich an einer Diskussion über die Herausforderungen an eine moderne Geographielehrerbildung zu beteiligen. In der Fachsitzung sollen die derzeitigen theoretisch abgeleiteten sowie empirisch fundierten Erkenntnisse über die Professionalisierung und deren Gelingensbedingungen im Kontext der heutigen Geographie diskutiert und aufgezeigt werden, um daraus Impulse für eine zukünftige Geographielehrerbildung ableiten zu können.

    Die Fachsitzung umfasst vier Referate mit anschließender Diskussion und lädt zu einem Austausch über Funktion und Wirksamkeit von Lehrerbildung von (zukünftigen) Geographielehrkräften in allen Phasen und mit allen Beteiligten der Geographielehrerbildung ein.

  • L4-FS-095Geographische Bildung und ihre gesellschaftliche Verantwortung: Gegenwart und Zukunft nachhaltig gestalten lehren und lernen
    Herr Prof. Dr. Wilfried HoppeHerr OStR Stefan Junker
    CAU zu Kiel, Geographisches InstitutIQSH - Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen

    Kurzabstract

    Konzeptionen der Vermittlung werteorientierter Handlungskompetenzen und modellhafte Strukturen der Umsetzung von Nachhaltigkeitsbildung z.B. in den Curricula werden konstruktiv kritisch erörtert.

    Exposé

    Werteorientiertes Lehren und Lernen mit Blick auf das Nachhaltigkeitsparadigma hat mittlerweile einen hohen Stellenwert in den Richtlinien/Fachanforderungen der Länder und in den Aus- und Fortbildungsphasen der Lehrerinnen-/Lehrerbildung.

    Auf der Fachsitzung sollen sowohl innovative Konzeptionen der Vermittlung entsprechender Handlungskompetenzen im Geographieunterricht als auch modellhafte Strukturen der Verankerung und Umsetzung z.B. in den Ausbildungscurricula vorgestellt und erörtert werden. Für diese Fachsitzung sind Impulsvorträge und konstruktiv-kritische Erörterungen im World Cafè-Format angedacht.

    Der Call richtet sich an Referentinnen/Referenten für einleitende Impulsvorträge.

  • L4-FS-096„Inside the teaching machine“ – Widerständiges Potenzial von Bildung im alltäglichen Umgang mit Machtverhältnissen
    Frau Dr. Inken Carstensen-EgwuomFrau Dr. Katharina Schmidt
    Europa-Universität FlensburgUniversität Hamburg

    Kurzabstract

    Ausgehend von post/dekolonialen und feministischen Theorien bietet der Workshop Austausch zu kritisch-intersektionalen geographischen Bildungspraxen und fragt nach dem Ver_Lernen bestehender Routinen.

    Exposé

    Universitäre, schulische und außerschulische Bildungsangebote sind Teil gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse und somit Orte despolitischen Handelns. Als solche sind sie in vielfältige und sich überschneidende Machtverhältnisse eingebunden. Diese äußern sich beispielsweisein der Zusammensetzung der Teilnehmenden, der Positionierung von Lehrenden und Lernenden, den Interaktionsarten, Repräsentationsweisen, den Inhalten und vielem mehr.

    Damit bergen Bildungsräume einerseits die Gefahr der Reproduktion gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse. Andererseits eröffnen sie auch Möglichkeiten für eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Machtstrukturen, für das Ver_Lernen tradierter ‚Wahrheiten‘ und das Er_Lernen widerständiger Praktiken.

    Ausgehend von der Beschäftigung mit feministischen, post- und dekolonialen Ansätzen in der akademischen Lehrpraxis stellen wir uns die Frage, wie geographische Bildungspraxis nicht nur intersektional gedacht, sondern auch realisiert werden kann. Der Workshop bietet Raum für die Auseinandersetzung mit Erfahrungen, Umgangsweisen und Methoden aus unterschiedlichen machtkritischen Perspektiven. Gleichzeitig freuen wir uns über Beiträge sowohl aus dem akademischen Kontext als auch aus der schulischen und außerschulischen Bildungspraxis, die miteinander in Austausch kommen können. Für den Workshop sind vier Impulsbeiträge (je 7 Min.) mit anschließenden Diskussionen geplant. Die vorgeschlagenen Beiträge sollten in erster Linie eigene Erfahrungen mit Methoden, Reaktionen, Strategien und Praxen machtkritischer Bildungsarbeit reflektieren. Für eine Strukturierung sollten dabei folgende Leitfragen berücksichtigt werden:

    – Worum geht es? Kurze Darstellung der Situation, Methode, des Settings und Ablaufs.

    – Welche verschiedenen Machtverhältnisse wurden in welcher Form relevant? Wie haben sie sich gezeigt, interagiert, welche Auswirkungen konnten wahrgenommen werden?

    – Lessons learned? Welche Fragen, Schwierigkeiten oder gangbaren Wege haben sich gezeigt, die über das konkrete Beispiel hinaus relevant sein können?

    Der Workshop bietet sowohl Raum für Beispiele, die einen aus der eigenen Sicht positiven Umgang mit bestehenden Machtverhältnissen aus einer intersektional reflektierten Bildungspraxis aufzeigen, als auch für Erfahrungen und Reflexionen des Scheiterns.

  • L4-FS-097Wie finden Innovationen in den Geographieunterricht Eingang? Das Beispiel Bildung für nachhaltige Entwicklung.
    Frau Prof. Dr. Ingrid HemmerHerr Dr. Andreas Schöps
    Katholische Universität Eichstätt-IngolstadtLandesverband Bayern im Verband Deutscher Schulgeographen e.V.

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung widmet sich am Beispiel von Bildung für nachhaltige Entwicklung derFrage, wie Innovationen in Schule und Geographieunterricht Eingang finden.

    Exposé

    Schule und Unterricht werden häufig mit Innovationen konfrontiert. In den letzten zwei Jahrzehnten gab es aufgrund der drängenden globalen Umwelt- und Entwicklungsprobleme die gesellschaftliche Forderung, eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), welche die beiden Stränge Umweltbildung und Globales Lernen zusammenführt, in alle Bildungsbereiche und Schulfächer zu implementieren. Wie bei anderen Bildungsinnovationen verlief die Implementierung insgesamt eher schleppend. In dieser Sitzung sollen folgende Fragen diskutiert werden: Welche theoretischen Modelle helfen bei der Analyse der Implementierung von BNE bzw. von Bildungsinnovationen in den Unterricht allgemein? Welche Faktoren hemmen und welche fördern die Implementierung? Welche Ergebnisse haben wir bezüglich der Implementierung von BNE in Geographielehrpläne und Schulbücher? Wie hat BNE in die geographische Lehrerbildungund bei den Geographie-Lehrkräften Eingang gefunden? Lässt sich der Grad der Implementierung von BNE messen? Welchen Stellenwert hat BNE im Geographieunterricht wirklich? Wird das Fach dem Anspruch, Hauptträgerfach einer BNE zu sein, in der Unterrichtswirklichkeit gerecht? Welche der zahlreichen BNE-Beispiele für den Geographieunterricht erfüllen alle Kriterien für eine gute BNE und markieren damit eine erfolgreiche Implementierung?

    In den letzten Jahren wurden einige empirische Studien durchgeführt, die dazu beitragen können, die oben aufgeführten Fragen zu beantworten. Die Ergebnisse sollen in dieser Sitzung dargestellt und diskutiert werden. Sie können auch wichtige Hinweise geben zur Implementierung anderer Bildungsinnovationen in den Unterricht, wie z.B. Digitalisierung.

  • L4-FS-098Blick zurück nach vorn.Fachliche und didaktische Paradigmen und ihr Bezug zu gesellschaftlichen, politischen und (hoch-)schulpraktischen Herausforderungen.
    Frau Prof. Dr. Mirka DickelHerr Dr. Thomas Jekel
    Universität JenaUniversität Salzburg

    Kurzabstract

    Welche Bedeutunghat die Paradigmengeschichte der Geographie und ihrer Didaktik für gesellschafts- und bildungspolitische Herausforderungen? Wir laden zur Reflexion dieser brandaktuellen Frage ein.

    Exposé

    In unserer Fachsitzung gehen wir der Frage nach, welche Bedeutung der Fachgeschichte der Geographie und ihrer Didaktik zukommt. Dass Fachgeschichte wichtig ist, ist unbestritten (vgl. z.B. Wardenga 2005, Schultz 2003, 2004). Gleichwohl kommt ihr gerade jetzt, wo offener und verdeckter Rechtsradikalismus als Parteipolitik und Volksagitation, als Identitäre Bewegung und Neue Rechte wieder gesellschaftsfähig sind, eine neue Aktualität zu. Die Überzeugung einer Fortschritts- und Modernisierungsgeschichte kann nicht mehr aufrecht erhalten werden. Zwar verstehen sich viele ForscherInnen als Teil einer Tradition. Doch die Bezüge der eigenen Arbeit zur Fachgeschichte bleiben häufig im Impliziten – ebenso wie die politischen, gesellschaftlichen und schulischen Implikationen der Bezugnahme auf bestimmte Paradigmen.

    Unsere Fachsitzung ist ein Ort, an dem die Bedeutsamkeit der fachlichen und fachdidaktischen Paradigmenentwicklung für kritische Fachlichkeit und Didaktik als wesentlicher Teil einer demokratischen und offenen Gesellschaft sowie einer verantwortungsbewussten (Hoch-)schuldidaktik befragt und explizit gemacht werden soll.

    Folgende Fragen konkretisieren unser Anliegen:

    Wie lässt sich die Gegenwartsbedeutung von fachlichen und fachdidaktischen Paradigmen begreifen?

    Wie lässt sich Fachgeschichte anders als in Form einer historischen Kolonialisierung als bloße Vorgeschichte unserer Gegenwartverstehen?

    Wie lässt sich Fachgeschichte als kulturelles oder auch ideologisches Produkt verstehen?

    Was wird erinnert, was vergessen, wie wird Fachgeschichte revidiert, neu erzählt?

    Wie kann fachliche und fachdidaktische Paradigmengeschichte einen multiperspektivischen und mehrdimensionalen Unterricht grundlegen?

  • L4-FS-099Die Agenda 2030: Die UN-Nachhaltigkeitsziele – eine neue Perspektive für Entwicklung und globales Lernen im Geographieunterricht?
    Herr Prof. Dr. Wilfried HoppeFrau Dr. Ira Matuschke
    CAU zu Kiel, Geographisches InstitutInstitute for Advanced Sustainability Studies

    Kurzabstract

    Die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung gelten als Leitplanken für eine nachhaltige Entwicklung. Welche Relevanz haben sie für das Globale Lernen im Geographieunterricht?

    Exposé

    Die Agenda 2030 hat die klassische Teilung zwischen Entwicklungsländern und häufig als entwickelt bezeichneten (post-)industriellen Staaten abgelöst und definiert ein neues Verständnis von internationaler Zusammenarbeit in der Einen Welt. Gleichzeitig setzt sich aber der Prozess der Fragmentierung in der globalisierten Welt von heute fort.

    Steht Geographieunterricht vor einer leistbaren Aufgabe, diesen Gegensatz von Zielvorgabe und Realität aufzuarbeiten? Kann Geographieunterricht dazu beitragen, Globalisierung nachhaltig im Sinne der Agenda 2030 zu gestalten?

  • L4-FS-100Kulturkreis-Rhetorik und nationalstaatliche Containerräume dekonstruieren: Ansätze für eine ideologiekritische Geographiedidaktik in Schule und Universität
    Herr Michael LehnerFrau Christiane Hintermann
    Universität Duisburg-EssenUniversität Wien

    Kurzabstract

    Ziel des Workshops ist die Diskussion geographiedidaktischer Zugänge, die es Schüler*innen und Studierenden ermöglichen, Diskurse der ‚Neuen Rechten‘ ideologisch einzuordnen und zu dekonstruieren.

    Exposé

    „Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.“ (Mephistopheles in Fausts Studierzimmer)

    Mit Slogans wie, „nicht links, nicht rechts – identitär“ (Helbig 2012), wird von gut gebildeten rechtsextremen (Holzer 1994) Aktivist*innen begriffliche Verwirrung gestiftet. Die Identitären, auf die dieser Spruch zurückzuführen ist, grenzen sich nach außen bewusst von Parteien, wie der NPD ab. Das zeigt sich auch im Erscheinungsbild der Protagonist*innen und deren Anhänger*innen, welches sich von einem neonazistischen Auftreten mit Springerstiefel und Glatze absetzt. Die Identitären geben sich anschlussfähiger, verzichten aber dennoch nicht auf einschlägig kodierte Outfits, die über einen eigenen Kleiderversand angeboten werden, wie Phalanx Europa, wo beispielsweise T-Shirts mit der Aufschrift: „Make Love and Defend Europe“ (!) erworben werden können. Auch über eine veränderte sprachliche Performanz wird um Anschlussfähigkeit und diskursiven Einfluss gerungen. So wird beispielsweise Rassismus sprachlich über ein originäres Konzept der ‚Neuen Rechten‘ (Ethnopluralismus) kodiert. Es wird nicht mehr von ‚Rassen‘ gesprochen, sondern von ‚Kulturen‘, deren ‚Vermischung‘ es zu vermeiden gelte, um deren vermeintliche Authentizität zu bewahren und um damit verbundene Konflikte zu vermeiden.

    Ziel solcher Verschleierungen ist die Eröffnung eines begrifflichen Vakuums im Sinne des erwähnten Faustzitates, welches die Verbreitung einer ‚Ungleichwertigkeitsideologie‘ unterstützten soll, um schließlich eine ‚konservative Revolution‘, also eine wahrlich rechte Zeit herbeizuführen.

    Der Workshop ist als World Café konzipiert und versteht sich als Forum in dem rassismus- und herrschaftskritischen Perspektiven und Ansätzen in der Geographiedidaktik Präsentations-, Diskussions- und Vernetzungsraum gegeben wird. Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit Sprache und Erscheinungsformen der ‚Neuen Rechten‘ gilt es, den spezifischen Geographiebezug rechtsextremer Argumentation herauszuarbeiten (z.B. containerräumliche Ausrichtung). Auf dieser Basis zielt der Workshop auf die gemeinsame Erarbeitung geographiedidaktischer Gegenkonzepte, die es Schüler*innen und Studierenden erlauben, Diskurse und Performanz der ‚Neuen Rechten‘ ideologisch einzuordnen und zu dekonstruieren. Eingeladen sind theoretische und empirische Beiträge von Didaktiker*innen und Fachwissenschaftler*innen, die ihre Zugänge und Ergebnisse im Rahmen des World Cafés diskutieren möchten.

  • L4-FS-101Außenperspektiven: Wie ist (Geographie-) Unterricht möglich?
    Frau Johanna MäsgenFrau Dr. Stephanie Leder
    Universität zu KölnSwedish University of Agricultural Sciences Uppsala

    Kurzabstract

    Die Session stellt statt der Frage Wie unterrichte ich (Geographie)? die o.g. Frage. Es wird diskutiert, wie gesellschaftstheoretische Zugänge die Geographiedidaktik als Disziplin fundieren können.

    Exposé

    Die Frage „Wie unterrichte ich (richtig)?“ nimmt die Perspektive der Praktiker_innen ein, die wissen, dass Erziehung möglich ist und spezifische Situationen reflektieren wollen (Schorr & Luhmann, 1981, S. 37). Es ist auch die klassische Grundfrage der fachspezifischen Didaktiken wie der Geographiedidaktik.

    Der Versuch, Evidenzen nachzuweisen, wird aber oft gar nicht erst unternommen und wenn doch, sind die Ergebnisse nur schwerlich übertragbar. Oder aber es wird eine wenig hilfreiche Generalevidenz identifiziert: „90 to 95 percent of what we do to learners increases their achievement” (Hattie & Zierer, 2017, XX).

    Außerdem müssen Unterricht und Schule als Systeme innerhalb der Gesellschaft gesehen werden (Luhmann, 2002), die sich selbst durch Kommunikation erschaffen, andererseits durch andere Systeme der Gesellschaft (Politik, Wirtschaft, Recht, Wissenschaft) beeinflusst werden. Soziologische Theorien, Sozialtheorien und die kritische Pädagogik sehen Curricula, Lehrpläne und Unterrichtspraktiken als Produkte des Bildungssystems, die sozio-kulturelle Werte, Normen und Prinzipien reflektieren. Damit werden pädagogische Praktiken und Diskurse als sozio-kulturelle Reproduktion bestehender Gesellschaftsstrukturen verstanden (Bernstein, 1990).

    Die dem Leitthema 4 „Geographie und Bildung“ zugeordnete Session diskutiert unter der Frage „Wie ist (Geographie-) Unterricht möglich?“, wie gesellschaftstheoretische Zugänge die Geographiedidaktik als Disziplin fundieren können. Zur Annäherung werden soziologische, erziehungs- bzw. bildungswissenschaftliche oder didaktische Theorien herangezogen. Dies kann sowohl durch Geographiedidaktiker_innen – im Sinne einer Selbstreflexion des Fachs – als auch durch Kolleg_innen aus benachbarten Disziplinen – im Sinne einer Außenansicht – geschehen. Neben vier max. 15-minütigen Vorträgen ist eine längere Gesamtdiskussion vorgesehen.

    Bernstein, B. (1990). Class, Codes and Control. The Structuring of Pedagogic Discourse, IV. London: Routledge.

    Hattie, J. & Zierer, K. (2017). 10 Mindframes for Visible Learning. Teaching for Success. Milton: Taylor and Francis.

    Luhmann, N. (2002). Das Erziehungssystem der Gesellschaft (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, Bd. 1593, 1. Aufl.). Herausgegeben von Dieter Lenzen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

    Schorr, K. E. & Luhmann, N. (1981). Wie ist Erziehung möglich? Eine wissenschaftssoziologische Analyse der Erziehungswissenschaft. Zeitschrift für Sozialisationsforschung und Erziehungssoziologie, 1, 37-54

  • L4-FS-102Schulbücher und Bildungsmedien in Spannungsfeld des Regionalen
    Herr Prof. Dr. Péter Bagoly-SimóHerr Dr. Steffen Sammler
    Humboldt-Universität zu BerlinGeorg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung

    Kurzabstract

    Perspektiven aus Forschung, Praxis und Design werden vorgestellt und diskutiert, um zur Entwicklung von Theorie und Empirie der geographischen Schulbuch- und Bildungsmedienforschung beizutragen.

    Exposé

    Bildungsmedien sind zentrale Artefakte der geographischen Bildung. Trotz ihrer besonderen Rolle zeigt die geographiedidaktische Bildungmedienforschung ein episodisches und oft redundantes Bild. Bagoly-Simó (2014) stellte in einer Metaanalyse fest, dass Beiträge zur Schulbuchforschung sowohl in deutschsprachigen als auch in internationalen Zeitschriften methodisch repetitiv sind. Trotz der Vielfalt der Fragestellungen lässt sich ein klares Defizit in Theorie und Forschungsmethodik feststellen. Diese Sitzung führt die Tradition der letzten drei Geographentage/Deutschen Kongresse für Geographie in Passau, Berlin und Tübingen fort und widmet sich ausgewählten Fragestellungen der geographischen Bildungsmedienforschung. Der Schwerpunkt liegt dabei in zwei Bereichen. Auf der einen Seite steht die Methodik im Fokus. Welche sind die forschungsmethodischen Herausforderungen der geographischen Schulbuch- und Bildungsmedienforschung? Welche Innovationen haben sich bewährt? Welchen methodischen Herausforderungen begegnen aktuelle Forschungsfragen der geographischen Schulbuch- und Bildungsmedienforschung? Auf der anderen Seite nimmt sich die Sitzung eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Einsatz und der Nutzung der Bildungsmedien im unterrichtlichen Kontext vor. Wer nutzt die Schulbücher und Bildungsmedien in welchen Kontexten, wie lang, in welcher Form und zu welchen Zweck? In Fortführung der bereits bewährten Tradition werden neben der Geographiedidaktik ergänzende Perspektiven aus anderen Fachdidaktiken, den Bildungswissenschaften, der Buchwissenschaft und dem Bereich des Designs und der Gestaltung hinzugezogen und internationale Forschende eingeladen.

    Thematisch lässt sich die Sitzung primär dem Leitthema Geographie und Bildung zuordnen. Somit sind Beiträge, die Inhalte, Kompetenzbereiche und Formate geographischer Bildung in Schule und in außerschulischen Kontexten behandeln, besonders willkommen. Erwünscht ist allerdings eine allgemeine Diskussion geographischer Theorien und Konzepten im Wandel (Leitthema 1) sowie der kritischen Perspektiven (Leitthema 2). Beiträge, die sich einer Bildung für nachhaltigen Entwicklung und dem Globalen Lernen in/mittels Bildungsmedien widmen, sind ebenso willkommene Ergänzungen (Leitthema 5), wie Arbeiten zur Rolle der Geographie in der Politischen Bildung. Wir freuen uns über Vorträge auf Deutsch und/oder Englisch.

  • L4-FS-103Verbraucher/innen-Bildung zwischen Ethik und Moralisierung
    Herr Prof. Dr. Christian FridrichHerr Prof. Dr. Matthias Kowasch
    Pädagogische Hochschule WienPädagogische Hochschule Steiermark

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung lädt zur Diskussion ein, inwieweit eine ethisch fundierte Verbraucher/innen-Bildung zur Entfaltung einer umfassenden Orientierungs-, Urteils- und Handlungsfähigkeit beitragen kann.

    Exposé

    Die didaktische Diskussion der Geographien des Konsums und ihre methodische Umsetzung nehmen in Form einer lebens-, alltags- und schüler/innenorientierten Verbraucher/innen-Bildung lediglich eine marginale Position im Geographie- und Wirtschaftsunterricht ein. Doch Kinder und Jugendliche sind mit 24,8 Mrd. Euro jährlich zur Verfügung stehenden Geldmitteln allein in Deutschland (Verstraete 2016) ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und zusätzlich Beeinflusser/innen von Konsumentscheidungen in Peergroups und Familien. Gleichzeitig sind Heranwachsende von den ebengenannten Gruppen und vom Staat sowie von Unternehmen Beeinflusste und werden zudem durch Sozialisationsprozesse in die Gesellschaft und damit auch – oft genug unreflektiert – in „Konsumgewohnheiten“ integriert.

    Konsum ist somit ein dominierendes implizites oder explizites Thema in jugendlichen Lebenswelten, sei es durch Identitätsstiftung z.B. bei Smartphone- und Kleidungskauf, sei es durch bewusste Konsumverweigerung oder alternative Konsumformen, sei es durch Umsetzung eines „nachhaltigen“ Lebensstils im Zuge globaler Verantwortlichkeit (Schwarz 2014). Zukunftsfähige Verbraucher/innen-Bildung erfordert als Konsequenz eine ethische Fundierung und Wertebildung ohne gleichzeitige Moralisierung und Entwicklung latenter Drohszenarien (Fridrich 2017). Während mit einer Moralisierung des Konsums (Ermann 2013) Verantwortlichkeiten von der gesellschaftlichen Ebene auf Privathaushalte sowie auf Heranwachsende verlagert werden und somit eine Belastung und Überforderung stattfindet (Hasse 2014), kann durch ethische Orientierung des Konsums eine Entlastung im Sinne einer Unterstützung durch eine Wertebasis für handelnde Kinder und Jugendliche erreicht werden. Damit wird ein spannender Bogen vielfältiger ambitionierter Umsetzungen und innovativer Konzeptionen eröffnet.

    Die Fachsitzung lädt alle an dieser Thematik in Schule und Hochschule Arbeitenden zur Diskussionein, wie eine zukunftsfähige Verbraucher/innen-Bildung im Schulunterricht umgesetzt werden kann. Folgende und weitere Fragen können in diesem Kontext behandelt werden. Wie kann der Schritt von einer moralisierenden Verbraucher/innen-Bildung zum Eröffnen von Denk- und Handlungsalternativen gelingen und was bedeutet überhaupt „gelingen“? Welche Strategien führen im Bereich der Verbraucher/innen-Bildung mit Blick auf Kompetenzorientierung zur Entfaltung und Förderung von Orientierungs-, Urteils- und Handlungsfähigkeit? Inwiefern bieten Handlungsunterschiede bezüglich Konsumgewohnheiten Jugendlicher (z.B. Sinus Milieustudie 2018) (noch) eine Orientierung für die unterrichtspraktische Umsetzung?