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Leitthema 3

  • L3-FS-065Einzelhandel und Urbanität in neu geplanten Stadtteilen
    Frau Prof. Dr. Barbara HahnFrau Dr. Anke Ruckes
    Universität WürzburgHafenCity Hamburg GmbH

    Kurzabstract

    Herausforderungen und Lösungsansätze für die Einzelhandelsentwicklung in neuen Stadtteilen aus Sicht von Forschung und Praxis

    Exposé

    Vor dem Hintergrund einer wachsenden Bevölkerung vor allem in den Städten werden zunehmend neue Stadtteile geplant und realisiert. Die Planungen orientieren sich in der Regel an dem Leitbild der Europäischen Stadt, die durch die Mischung unterschiedlicher Funktionen wie Wohnen, Arbeiten, Handel, Kultur und Orte der Begegnung gekennzeichnet ist. Der Einzelhandel trägt maßgeblich zu einem urbanen Leben bei, hat sich jedoch in den vergangenen Jahren angesichts des demographischen Wandels, des veränderten Konsumentenverhaltens und der Konkurrenz durch den zunehmenden Onlinehandel stark verändert und steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig hat sich die Forschung in neuerer Zeit vor allem auf die Auswirkungen der Digitalisierung, der gefährdeten Nahversorgung im ländlichen Raum, der abnehmenden Attraktivität der Innenstädte und der Entstehung neuer Betriebstypen konzentriert.

    Die Entwicklung des Einzelhandels in neu geplanten Stadtteilen oder auch neuen kleineren Nachbarschaften wurde vernachlässigt, obwohl sich z. B. die folgenden Fragen stellen: Wie attraktiv sind die Standorte für Einzelhändler und welche Einzelhändler siedeln sich bevorzugt hier an? Inwiefern kann die Nahversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden? Welche Nutzungen können an die Stelle von Einzelhandel treten und Urbanität erzeugen? Welche Strategien auf Stadtteil- bzw. Quartiersebene erweisen sich als erfolgreich? Welche Möglichkeiten der Steuerung bieten sich auf den unterschiedlichen Planungsebenen von Raum- bis Stadtplanung?

    Die Fachsitzung soll Experten aus Forschung und Praxis Möglichkeiten zum Austausch geben. Im Anschluss an die Vorträge möchten wir gemeinsam über Herausforderungen, aber auch über Lösungsansätze sprechen.

  • L3-FS-066Tante Emma shoppt jetzt online, Investoren shoppen Fachmarktzentren und Kommunen weisen neue Flächen aus: Zur Zukunft des Innenstadteinzelhandels
    Frau Dr. Maike DziombaHerr Dr. Jan Schlesinger
    redos institutional Hamburg GmbH / DVAG e.V.Wirtschaftsförderung Frankfurt - Frankfurt Economic Development - GmbH

    Kurzabstract

    Städte, Händler und Investoren müssen sich dem grundlegenden Wandel im Einzelhandel stellen. Welche Kräfte wirken auf Innenstadtlagen, wie kann darauf reagiert werden? Welche Perspektiven gibt es?

    Exposé

    Städte, Händler und Investoren sind mit einem tiefgreifenden strukturellen Wandel der deutschen Einzelhandelslandschaft konfrontiert. Dieser betrifft sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite und lässt gewachsene Innenstadtlagen weiter in Bedrängnis geraten.

    Profitieren können derzeit vor allem Fachmarktstandorte am Stadtrand, die z.B. Vorteile im Hinblick auf Erreichbarkeit, Parkmöglichkeiten, Flächenverfügbarkeit und Bodenpreise bzw. Mieten haben und angesichts der typischerweise starken Lebensmittelanker zugleich weniger vom E-Commerce-Boom betroffen sind als andere Angebotsformate – bislang ist der Marktanteil des Online-Lebensmittelhandels vergleichsweise gering.

    Gleichzeitig gilt der deutsche Retail-Investmentmarkt als „sicherer Anlagehafen“ und erfährt deshalb hohe Nachfrage: Developer reagieren mit Projektideen, Bestandsobjekte werden revitalisiert, Lagepräferenzen einzelner Händler verschieben sich. Diese Entwicklung führt nicht nur zu einem schleichenden Bedeutungsverlust von innerstädtischen Nebenlagen und peripher gelegenen Geschäftslagen in strukturschwachen Räumen, sondern trifft auch bereits 1A-Lagen. Feststellbar sind mittlerweile ein schwächelnder Vermietungsmarkt mit stagnierenden bzw. rückläufigen Spitzenmieten und schwierigere Vermietungsverhandlungen – ablesbar auch an Ladenschließungen und Leerständen.

    Die Fachsitzung befasst sich in klassischer Form mit den wesentlichen Treibern – darunter anhaltendes Verkaufsflächenwachstum bei stagnierenden Umsätzen, Verödung der Innenstädte durch die Verlagerung von Frequenz und Umsatz auf Standorte am Stadtrand und das Internet, verändertes Einkaufsverhalten – und aktuellen Strategien zum Umgang mit den Effekten des Wandels auf bestehende Strukturen:

    · Welche Handlungsansätze verfolgen kommunale Akteure im Umgang mit den Herausforderungen für stationäre Einzelhändler? Welche Instrumente werden eingesetzt?

    · Wie kann die Innenstadt als „lebendiges Quartier“ von der Digitalisierung profitieren?

    · Wie gehen Investoren, Projektentwickler und Händler mit dem Strukturwandel im Einzelhandel um? Existieren vielversprechende Beispiele für innovative Handelskonzepte in niedergangsgefährdeten Innenstadtlagen?

    · Wie sehen neue Nutzungen für Ladenleerstände aus? Wie können Innenstädte mehr Passantenfrequenz erzeugen?

    · Wie entwickelt sich der Retail-Investmentmarkt, z.B. im Fall eines geänderten Zinsumfeldes oder bei steigenden Online-Anteilen im Lebensmitteleinzelhandel?

  • L3-FS-067Berufsfeld Angewandte Geographie in Zeiten des ökonomischen und sozialen Wandels
    Frau Dr. Maike DziombaHerr Dr. Christian Krajewski
    redos institutional GmbH / DVAG e.V.Institut für Geographie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

    Kurzabstract

    Behandelt werden Wechselwirkungen zwischen geographischer Forschung und Lehre und ihren Anwendungsfeldern in der Praxis sowie konkrete Einsatzbereiche und Herausforderungen der Angewandten Geographie

    Exposé

    Gerade für die Angewandte Geographie gilt das Motto: „Geography is what geographers do!“ Die Anwendung geographischer Methoden und Kenntnisse zur Bearbeitungraum bedeutsamer Aufgaben findet in den verschiedensten berufspraktischen und wissenschaftlichen Kontexten statt. Somit ist die Angewandte Geographie keine geographische Teildisziplin, sondern vielmehr eine im steten Wandel begriffene „Querschnittsdisziplin“ der Geographie und weist einen praxis- und methodenorientierten, häufig auch politischen und fast immer interdisziplinären Charakter auf. Im Mittelpunkt der Fachsitzung steht die zentrale Frage, in welcher Weise die vielschichtigen Auswirkungen des ökonomischen, sozialen und demographischen Wandels die konkreten Einsatzbereiche, aktuellen Herausforderungen und Methoden der Angewandten Geographie beeinflussen – insbesondere in der räumlichen Planung, der Stadt- und Regionalentwicklung und der Wirtschaft.

    Sowohl aus der Perspektive der Wissenschaft, als auch aus Sicht der Praxis soll dabei Folgendes diskutiert werden: Inwiefern haben sich Rahmenbedingungen verändert? Welche neuen Aufgaben lassen sich für die angewandte Geographie bzw. für konkrete Themenfelder (z.B. Immobilien-Research, geographische Handelsforschung, Wohnungswirtschaft, Wirtschaftsförderung oder Regionalmanagement) darausableiten? Welche Inhalte, Methoden und Kompetenzen sollten im Bereich der angewandten Geographie zur Vorbereitung auf die humangeographische Berufspraxis und räumliche Planung vermittelt werden? Schlagen sich die aktuellen Themen der geographischen Forschung und Lehre in den Berufsfeldern nieder? Oder entwickeln sich in der Berufspraxis z.B. der räumlichen Planung, der Stadt- und Regionalentwicklung oder der Wirtschaft die Herangehensweisen und Methoden unabhängig vom Input aus der Fachwissenschaft? Wie können Hochschule und Praxis noch näher zusammengebracht werden?

    Die sich verändernden Berufsfelder sollen anhand von Praxisbeispielen charakterisiert werden, ebenso die (Weiter-) Entwicklung analytischer Methoden. Die Fachsitzung sieht insgesamt drei Referate sowie eine Podiumsdiskussion mit Experten aus Hochschule und Praxis vor. Damit soll zu Austausch und Diskussion vor Ort angeregt werden.

  • L3-FS-068Angewandte Stadtklimatologie in der Stadtplanung
    Herr Prof. Dr. Sascha HenningerHerr Prof. Dr. Stephan Weber
    TU Kaiserslautern, Fachbereich Raum- und Umweltplanung, Physische Geographie und FachdidaktikTU Braunschweig, Institut für Geoökologie, Klimatologie und Umweltmeteorologie

    Kurzabstract

    Die angewandte Stadtklimatologie ermöglicht der Planung mittels Stadtklimaanalysen und daraus abgeleiteten Planungshinweiskarten, klimatische Aspekte im kommunalen Handlungsrahmen aufzugreifen.

    Exposé

    Kenntnisse über das lokale Klima, die lufthygienische Situation und deren Prozesszusammenhänge sind wichtige Grundlagen für die Umweltvorsorge und Stadtentwicklung. Das Schutzgut „Klima und Luft“ ist ein wichtiger Bestandteil der räumlichen Planung, insbesondere im Abwägungsprozess der Bauleitplanung sowie im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen und entsprechenden Standortuntersuchungen. Die angewandte Stadtklimatologie hat hierbei zum Ziel, urbane Problemfelder zu definieren und immissionsklimatisch relevante Flächennutzungsstrukturen zu sichern, zu entwickeln oder wiederherzustellen – unter Berücksichtigung flächen- und objektbezogener Handlungsfelder.

    Die angewandte Stadtklimatologie stellt somit das Bindeglied zwischen den physikalischen Grundlagen sowie den Prozessen des Stadtklimas und der Stadtplanung dar. Stadtklimaanalysen bzw. die daraus abgeleiteten synthetischen Klimafunktions- und Planungshinweiskarten ermöglichen es der Planung, klimatische Aspekte innerhalb des kommunalen Handlungsrahmens aufzugreifen.

    Die Ergebnisse der planungsorientierten Stadtklimatologie müssen im Planungsprozess mit weiteren Anforderungen an die gewachsenen Stadtstrukturen abgewogen werden. Der Bestand kann daher nur schrittweise und behutsam klimatisch und lufthygienisch optimiert werden. Daher gewinnen neue Instrumente einer „Klimaleitplanung“ in Verbindung mit der Bauleitplanung und dem Stadtumbau zunehmend an Bedeutung.

  • L3-FS-069Praxis der Geographie, Geographie der Praxis: Ambivalente Beziehungen von Geographie als Disziplin und geographischer Praxis
    Frau Dr. Marina RichterFrau Dr. Anne Vogelpohl
    HES-SO, Sierre, SchweizHAW Hamburg

    Kurzabstract

    Wie lässt sich geographisches Wissen in die Praxis übersetzen? Wie kann geographische Forschung und Lehre aus der sozial-räumlichen oder politischen Praxis lernen?

    Exposé

    Die Verbindung von geographischer Forschung und Praxis ist zumindest vielfältig, wenn nicht sogar oft ambivalent: Machbeziehungen und Hierarchien trennen die universitäre Welt oft von der Praxis; eine reflektierende Forschung scheint weit entfernt von einer an Effizienz orientierten Praxis oder von politischen Bewegungen, die jetzt Änderungen wollen. Vor dem Hintergrund, dass wir zwei für die Fachsitzung verantwortlichen Geographinnen gerade den Schritt von der universitären akademischen Geographie in die angewandte Fachhochschulwelt der Sozialen Arbeit vollzogen haben, möchten wir in dieser Fachsitzung u.a. folgende Fragen diskutieren: Wie lässt sich akademisches Wissen in die Praxis (in Lehre, Ausbildung und dann auch in die praktische Umsetzung) übersetzen? Wie können kritische geographische Theoriedebatten für die Praxis fruchtbar gemacht werden? Wer ist an diesen Prozessen beteiligt? Andersherum fragen wir uns aber auch: Was kann eine geographische Forschung aus der sozial-räumlichen Praxis lernen? Wie kann soziale Praxis in die (universitäre) Lehre eingebunden werden? Welche Räume schafft eine solche soziale Praxis? Und welchen Stellenwert nimmt die Geographie mit ihren Theorien und Konzepten in der Ausbildung und dem Handeln einer sozialen und politischen Praxis ein?

    Wir möchten mit der Auslotung der Beziehung zwischen akademischer Disziplin und sozialer wie politischer Praxis einen Beitrag zur Verbindung von «Geographie und Praxis» leisten, indem wir die Diskussion auf Praktiken richten, welche die üblichen Anwendungen von Geographie (bspw. Raumplanung oder Entwicklungszusammenarbeit) ergänzen. Wir freuen uns über Beiträge, die sich mit der Geographie als Disziplin und ihren Beziehungen z.B. zur Sozialraumorientierung in Sozialarbeit, zu politischen Bewegungen oder zu Lehre und (Aus)Bildung auseinandersetzen.

    Im Rahmen von vier Vorträgen (mit anschliessender Diskussion) werden Aspekte der (ambivalenten) Beziehung von Geographie und Praxis mit Fokus auf soziale und politische Arbeit diskutiert. Die Vorträge können sich an den obigen Fragen orientieren oder ähnliche theoretische, methodische oder empirische Vertiefungen vornehmen.

  • L3-FS-070Potentiale von Klimaanpassungsstrategien im Kontext des Landnutzungswandels
    Herr Dr. Andreas RienowFrau Dr. Anke Valentin
    Ruhr-Universität BochumWissenschaftsladen Bonn e.V.

    Kurzabstract

    Die Fachsitzung möchte einen Beitrag zur Entwicklung von Klimawandelanpassungsstrategien zwischen geographischer Forschung und praktischer Umsetzung leisten.

    Exposé

    Während der Klimaschutz mittlerweile in der breiten Bevölkerung angekommen ist, beschäftigen sich die meisten Bürgerinnen und Bürger mit dem Thema Klimaanpassung erst dann aktiv, wenn sie persönlich durch ein prägendes Naturereignis unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Entsprechend befasst sich die Fachsitzung in der Schnittstelle zwischen Humangeographie und physischer Geographie mit der Detektion von klimarelevanten Landschaftsmerkmalen und deren Veränderungen. Fragestellungen im Kontext von Maßnahmen zum Umweltmonitoring sollen ebenso diskutiert werden wie die Möglichkeiten einer anwendungsbezogenen Forschung, die nicht nur inter- sondern auch transdisziplinär arbeiten muss. Welche Rollen spielen dabei die Bürgerinnen und Bürger? Wie können Kommunen und Unternehmen einbezogen werden? Die einzureichenden Themenvorschläge sollen einen Beitrag zur Entwicklung von Klimawandelanpassungsstrategien zwischen geographischer Forschung und praktischer Umsetzung leisten.

    Vortragssitzung, 4-5 Beiträge, 18-23 Minuten pro Beitrag

  • L3-FS-071Medizinische Versorgung im Spannungsfeld von Stadt und Land
    Herr Prof. Dr. Jürgen SchweikartHerr Christoph Höser
    Beuth Hochschule für Technik BerlinUniversitätsklinikum Bonn, IHPH - Institut for Hygiene and Public Health

    Kurzabstract

    Die medizinische Versorgung in einem dynamischen Umfeld langfristig sicherzustellen ist eine große gesellschaftliche Herausforderung. Eine geographische Analyse hilft Defizite zu identifizieren.

    Exposé

    Räumliche Versorgungsforschung beschäftigt sich kleinräumig mit den Leistungen des Gesundheitssystems und einer bedarfsgerechten Verteilung und Bereitstellung der vorhandenen Kapazitäten. Hierbei steht die Versorgungsforschung in einem erheblichen Spannungsfeld zwischen den nicht deckungsgleichen Interessen der Leistungserbringer, der Bevölkerung und der Haushalten der Krankenkassen. Darüber hinaus unterliegen die eingehenden Parameter individuell großer Dynamik, wie Überalterung der Ärzteschaft, demographischen Prozessen in der Bevölkerung und einem Wandel in der Nutzung der Transportmittel.

    Vor diesem Hintergrund werden von der räumlichen Versorgungsforschung Methoden und Ergebnisse erwartet, die räumliche Disparitäten vermeiden, objektive Maßzahlen für einen gerechten Zugang ermitteln und Handlungsbedarf lokal identifizieren. Dabei muss langfristige Planungssicherheit gewährleistet sein, was in dem dynamischen, spannungsgeladenen Umfeld mit äußerst anspruchsvoll ist. In einemGesundheitssystem, in dem in Deutschland täglich über eine Milliarde Euro bewegt wird, werden Interessen kraftvoll vertreten und benötigen wissenschaftlich fundierten Background für einen sozial und flächendeckend gerechten Zugang zum Gesundheitssystem.

  • L3-FS-072Perspektiven der Angewandten Geographie 50 Jahre nach Kiel: Entfremden sich die Theoriedebatten der Hochschulgeographie und die Anforderungen einer geographischen Praxis?
    Herr Prof. Dr. Klaus KostHerr Klaus Mensing
    PCG-Project Consult GmbH Prof. Kost & CollegenCONVENT Mensing beraten planen umsetzen

    Kurzabstract

    Angewandte Geographie von morgen: Wie gestalten wir den Transfer Forschung – Praxis, um umsetzbare Lösungen zu bieten? Sind neue Handlungsfelder in Sicht – mit neuen Anforderungen an Theorie und Lehre der Geographie an den Hochschulen?

    Exposé

    Kiel 1969 bedeutete auch für die Angewandte Geographie in Praxis wie Theorie einen Scheidepunkt. Berufsgeographen und -innen, so nannten sich die späteren Diplom-Geograph*innen, heute Bachelor und Master, fanden zunehmend Beachtung, auch wenn die Debatten in und mit der Hochschulgeographie oftmals dem Bohren dicker Bretter gleichkam. Aber diese Ereignisse und Entwicklungen sind Geschichte. Heute sind Geograph*innen begehrte Beschäftigte in vielen Berufsfeldern, sind Themen der Angewandten Geographie fest verankert in der Hochschulgeographie. Dennoch – besser kann man immer werden.

    Doch wie wird die Entwicklung in Zukunft sein? Gibt es erkennbare Trends in Theorie und Praxis? Wie verändern sich die Arbeitsmärkte? Sind neue Handlungsfelder in Sicht – mit neuen Anforderungen an Theorie und Lehre der Geographie an den Hochschulen? Muss der Transfer aus der Forschung in die Praxis effizienter organisiert werden, um angesichts komplexer werdender Probleme und Akteurskonstellationen machbare und anwendbare Lösungen anzubieten und politische Entscheidungen vorzubereiten? Es geht aber auch um kritische Reflektionen, die im dialektischen Diskurs zu betrachten sind. Entfremden sich Theoriedebatten der Hochschulgeographie und Anforderungen einer gesellschaftlichen Anwendung, für die die vielen engagierten Geograph*innen außerhalb der Geographischen Institute stehen?

    Die Fachsitzung umfasst 4 Vorträge mit jeweils anschließender Diskussion. Je nach eingereichten Vorträgen ist in der 2. Halbzeit auch eine Podiumsdiskussion möglich. Gewünscht sind Beiträge besonders jüngerer Fachvertreter*innen aus Berufspraxis, Universitäten und Verbänden. Auch Arbeitgeber sind eingeladen, ihre Anforderungen an die Angewandte Geographie von morgen vorzutragen. Gewünscht sind kritische und damit weiterführende Beiträge, die Perspektiven für die Wertschöpfungskette der Geographie aufzeigen. Gemeint ist damit, dass Schulgeographie wie Hochschulgeographie sowie Angewandte Geographie eng verknüpft sind, ihre Existenzberechtigung sich gegenseitig bedingt und keine Gruppe sich der anderen gegenüber erhaben fühlt.

  • L3-FS-073Kann Entwicklungshilfe „Fluchtursachen“ bekämpfen? Wie kann Flucht und Migration humaner gestaltet werden?
    Herr Dr. Andreas SpaethHerr Stefan Bepler
    DVAG AK EntwicklungszusammenarbeitDVAG AK Entwicklungszusammenarbeit

    Kurzabstract

    Flucht und Migration sind ein vielschichtigergeographischer Themenkomplex, der hinsichtlich berufspraktischer, theoretischerund politischer Ansätze behandelt werden soll.

    Exposé

    „Fluchtursachenbekämpfung“ ist kein neuesThema. Fluchtbewegungen aus verschiedensten Gründen waren schon immer ein Normalfall der Weltgesellschaft. Die Geographie kann einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Flucht und Migration und zur Gestaltung einer humanen Migrationspolitik leisten.

    In Impulsreferaten sollen aktuelle Fallbeispiele praktischer Einsatzfelder und Ansätze geographischer Regionalforschung zur Migration vorgestellt werden. In der Fachsitzung sollen auch Zusammenhänge zwischen Migration aufgrund ungelöster kriegerischer Konflikte, ethnischer Vertreibungen oder Klima- und Landkonflikten und den Migrationswünschen von Jugendlichen und der Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in der Dritten Welt hergestellt werden. Gelungene Integration in den Zielländern und positive Migrationswirkungen in Entwicklungsländern erlauben Empfehlungen zur besseren humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Projekte zu Beschäftigungsförderung, Armutsminderung, Konfliktlösung oder Klimaschutz alleine können aber einen Großteil der weltweiten Migrationsbewegungen nicht beenden. Entwicklungspolitische Bemühungen zur Verhinderung von Fluchtursachen dürfen deswegen nicht bedeuten, durch restriktive Asyl- und Migrationspolitiken den Schutz von Flüchtlingen zu vernachlässigen.

  • L3-FS-074Die Stadt von Übermorgen gestalten: Wie können Städte auf unsichere Zukünfte reagieren?
    Frau Dr. Marion KlemmeHerr Dr. Julian Petrin
    Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)urbanista

    Kurzabstract

    Die Stadtentwicklung muss auch das Übermorgen in den Blick nehmen: Wie gelingt es, angesichts komplexer Zukunftstrends, Orientierung zu finden, Prioritäten zu setzen und mit Unsicherheiten umzugehen?

    Exposé

    In den vergangenen Jahren ist die Zukunft der Städte zum Gegenstand vieler Forschungsaktivitäten und zu einem allgegenwärtigen Topos in der fachöffentlichen Debatte geworden. Dabei richtet sich der Blick in erster Linie auf „das Morgen“: ein Zeitraum, der für Stadtentwicklungspolitik überschaubar und relevant scheint. Welche Auswirkungen bereits heute absehbare Trends auf die langfristige Entwicklung von Städten haben werden – also sozusagen „übermorgen“ Wirkung entfalten könnten, steht weniger im Fokus.

    Auch wenn in Zeiten enormer Entwicklungsgeschwindigkeiten und Veränderungsdynamiken nicht alle Rahmenbedingungen von übermorgen jetzt schon absehbar sind, so gilt es dennoch, sich bereits heute durch eine umfassende Betrachtung relevanter Trends auf mögliche Zukünfte vorzubereiten. Wenn Stadtentwicklungspolitik nicht nur kurzfristig agieren, sondern auch langfristige Entwicklungen in den Blick nehmen will, dann müssen Stadtentwicklungsakteure aller politischen Ebenen den Mut haben, unter Bedingungen der Unsicherheit und des Unvorhersehbaren weiter zu denken…bis ins Übermorgen.

    Auf der kommunalen Ebene sehen sich Politik und Verwaltung ebenso wie Unternehmen, Institutionen und Organisationen mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, die sich durch einen hohen, mit bestehenden Mitteln und Fähigkeiten kaum bewältigbaren Grad an Komplexität auszuzeichnen scheinen. Dennoch machen sich einige Städte auf den Weg, sich robust für zukünftige Entwicklungen aufzustellen. Wie kann das aussehen? Wie gehen Kommunen mit den komplexen Herausforderungen um? Daraus ergeben sich folgende Leitfragen für diese Fachsitzung:

    1. Was sind die zentralen Trends und Treiber im Zusammenspiel ökonomischer, ökologischer, sozialer und technischer Entwicklungen? Und welche räumlichen Implikationen gehen damit einher?

    2. Welche Formen von Zukunftsdiskursen gibt es in den Kommunen? Wie gelingt es, Orientierung zu finden, Prioritäten zu setzen und mit Unsicherheiten umzugehen?

    3. Welche Merkmale machen Städte besonders anpassungsfähig und robust? Welche regulatorischen „Regimes“ könnten Städte künftig prägen? Inwiefern werden sich Konzepte und Akteure räumlicher Planung verändern?

    Die Veranstaltung ist geplant als „klassische Vortragssitzung“, mit drei Vorträgen (je 20 min) und einer anschließenden Diskussion (30 min). Gesucht werden Beiträge, die Zukunftsdiskurse zur Stadtentwicklung untersucht haben, mit praxis- und wissenschaftsrelevanten Erkenntnissen.